Das Humpis-Quartier ist ein spätmittelalterliches Wohnquartier in der Oberstadt in Ravensburg, zwischen Marktstraße, Humpisstraße und Rossbachstraße. Es ist ein der besterhaltenen spätmittelalterlichen Wohnquartiere in Süddeutschland und besteht aus insgesamt sieben Gebäuden, die um einen Innenhof gruppiert sind. Das wichtigste Objekt darin ist das Museum Humpis-Quartier. Es ist das kulturhistorische und stadtgeschichtliche Museum der Stadt Ravensburg.

Geschichte Im Jahre 2003 wurden bei archäologischen Ausgrabungen im Innenhof des Areals Reste eines Gebäudes aus der Zeit um 1050 gefunden, welche aus einer kleinen Siedlung stammten. Die Ursprünge, der sich in den Gebäuden Marktstraße 45 und Humpisstraße 1 befindenden mehrgeschossigen hochmittelalterlichen Turmhäuser reichen bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurück. Im 15. Jahrhundert folgten grundlegende Umbaumaßnahmen. Noch heute sind zahlreiche gotische Räume aus dieser Zeit erhalten. Mit seiner Fassade bildet das Gebäude Marktstraße 45 das Herzstück des Quartiers, das seine Gebäudegestaltung und Namensgebung der einflussreichen Patrizierfamilie Humpis verdankt. Diese bewohnten bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts das Haus Marktstraße 45 sowie zwei dahinterliegende Gebäude. Neben der Familie Humpis waren vom 15. bis zum 17. Jahrhundert auch die mit den Humpis verschwägerten Herren von Neidegg und anschließend die Familie Reichlin von Meldegg sowie die Herren von Burgau Bewohner des Quartiers.

Im 18. Jahrhundert wurden die ehemals patrizisch bewohnten Gebäude von Handwerkern übernommen und als Werkstätten genutzt. So befinden sich eine Gerberei und eine Hutmacherwerkstatt auf dem Areal. Zusätzlich wurde eine Schankwirtschaft eingerichtet. Dabei diente der Mitte des 19. Jahrhunderts als extravaganter Speisesaal gestaltete, sogenannte „Grüne Saal“ im 1. Stock des Gebäudes Marktstraße 47 mehreren Ravensburger Vereinen als Tagungslokal. Unter der Bezeichnung „Humpishaus“ fand das Gebäude Marktstraße 45, dessen Fassade noch heute mit dem Wappen der Familie Humpis geschmückt ist, bereits in einem der ersten Stadtführer Ravensburgs aus dem Jahr 1866 Beachtung.Das sogenannte Humpisquartier – Residenz des Henggi Humpis? – vonhumpis.de. Trotz dieser zahlreichen Erweiterungen blieb die mittelalterliche Bausubstanz größtenteils erhalten und ist daher heute im Museum zu besichtigen.

In den 1980er Jahren entstand zum ersten Mal die Idee, im Humpis-Quartier ein Museum für städtische Geschichte und Kultur einzurichten. Zur Förderung dieses Ziels gründete sich 1991 die Museumsgesellschaft Ravensburg e. V. Nachdem der letzte Humpis-Wirt, Heiner König, sein Lokal 1992 schloss und sich auch die anderen Häuser leerten, wurde eine Übernahme des Quartiers durch die Stadt möglich. Für die Zustimmung des Gemeinderats waren zunächst mehrjährige denkmalpflegerische und bautechnische Untersuchungen notwendig. Nach weiteren Planungen folgte der Beschluss für die Realisierung des Museums Humpis-Quartier im Januar 2005. Nach einer erforderlichen und umfassenden denkmalgerechten Sanierung und Restaurierung wurde das Museum im Juli 2009 mit einem großen zweitägigen Mittelalterfest eröffnet. Eine zweite Ausbauphase folgte und eine Erweiterung der Dauerausstellung sowie die sogenannten Kabinette wurden zwei Jahre später für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Leitung des Museums hatte ab der Eröffnung bis Ende 2018 der Historiker und Stadtarchivar Andreas Schmauder inne. Seit Juli 2019 wird das Museum von Sabine Mücke geleitet. Rund 459.000 Besucher haben seit der Eröffnung das Museum besichtigt (Stand: 31. Dezember 2019).

Museum Humpis-Quartier Dauerausstellung „Lebenswelten“ mini|hochkant|Haus Marktstraße 45 In den rund 60 Räumen des Museums wird die städtische Kulturgeschichte Ravensburgs bis zurück ins 11. Jahrhundert präsentiert. Die Dauerausstellung Ravensburger Lebenswelten setzt sich aus vier Abteilungen zusammen, die jeweils die Geschichte eines Bewohners des Quartiers als Ankerpunkt haben.

Ein Lederhandwerker steht für das welfische Ravensburg um 1100, in welchem die Anfänge der Stadt Ravensburg gelegt werden. Die Welfen schafften mit dem Bau der Ravensburg auf dem Veitsberg die Grundlagen für die Entstehung einer Stadt.

Die patrizische Lebenswelt um 1479 wird durch den Kaufmann und Bürgermeister Hans Humpis repräsentiert. Der Fernhändler war ab 1496 Regierer der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft und pflegte einen aufwendigen und adelsähnlichen Lebensstil. Im Museum lässt sich die repräsentative Wohnetage der Familie besichtigen.

Der evangelische Gerber Johannes Wucherer zeigt das paritätische Ravensburg um 1789, das durch das Nebeneinander von Protestanten und Katholiken geprägt war, was sich durch alle Lebensbereiche zieht. Ravensburg war zu diesem Zeitpunkt eine der noch wenigen paritätischen Reichsstädte im Heiligen Römischen Reich.

Die Epoche der Industrialisierung um das Jahr 1842 wurde bis Sommer 2026 durch den Gastwirt Gottfried Rösch symbolisiert, der in seiner Gaststätte die Honoratioren der Stadt begrüßt. Die Industrialisierung bedeutete einen wirtschaftlichen Aufschwung für Ravensburg. Umfangreiche Stadterweiterungen veränderten nachhaltig das Stadtbild und Vereinsgründungen prägten das Jahrhundert.

Neukonzeption der Dauerausstellung "Museum in Transformation" Das Museum Humpis-Quartier begann 2026 eine schrittweise Weiterentwicklung der Dauerausstellung, die bis 2029 geplant ist. Während des gesamten Prozesses bleibt das Museum geöffnet. Ziel der Neukonzeption ist die Weiterentwicklung des Museums hin zu einem Stadtmuseum, das die Ravensburger Stadtgeschichte und ihre Bevölkerung noch stärker in den Mittelpunkt stellt.

Den Auftakt bildet die Ausstellung „Aufbruch in die Demokratie 1848–1918“. Sie widmet sich den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und beleuchtet die Entwicklung demokratischer Rechte von der Revolution von 1848 bis zur Weimarer Republik. Ergänzt wird dieser Bereich durch das partizipative Projekt „Museum Kollektiv“, das gemeinsam mit Ravensburger Vereinen entstanden ist und sich mit Vereinswesen, ehrenamtlichem Engagement und demokratischer Teilhabe beschäftigt.

Ein weiterer neuer Bereich ist das Schaudepot mit Museumswerkstatt. Hier werden ausgewählte Objekte aus der Museumssammlung präsentiert und Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen ermöglicht. Zugleich entsteht ein Ort für Schulklassen, Gruppen und unterschiedliche Vermittlungsformate.

Geschichtslabor (bis 2022) mini|hochkant|Häuser Marktstraße 47 und 49 Im Geschichtslabor wurde bis 2022 die neuere Geschichte Ravensburgs, ab 1870 bis heute, präsentiert. Hier stand kein einzelner Bewohner exemplarisch im Mittelpunkt, sondern verschiedene Objekte verdeutlichten je einzelne Aspekte dieser Zeit. Die multimediale Präsentation ermöglichte einen vertieften Einblick in die Stadt- und Quartiersgeschichte und erlaubte auch neue Themen mit einzubinden und zu präsentieren. Im Zuge einer Erweiterung der Sonderausstellungsfläche wird der Raum des Geschichtslabors seit Frühjahr 2022 für wechselnde Ausstellungsprojekte genutzt.

Kabinettausstellungen mini|hochkant|Humpisstraße 3 In zehn kabinettartigen Räumen in den Gebäuden Humpisstraße 1 und 3 werden vier weitere für die Stadtgeschichte Ravensburgs wichtige Themen aufgearbeitet. Das Kabinett Die Schwabenkinder beschäftigt sich mit dem Thema Kinderarbeit im 19. und 20. Jahrhundert. Mit der jahrhundertelangen Bedeutung Ravensburgs als Textilstadt setzt sich die Ausstellung Auf Tuchfühlung auseinander. Das Kabinett Meine Heimat im Glas beleuchtet die Geschichte und Bedeutung der Heimatvertriebenen für die Stadt Ravensburg. Das Museum Humpis-Quartier hat zudem die Bestände der „Ostdeutschen Heimatsammlung“ übernommen. Damit gehört es bundesweit zu einem der ersten Museen, die eine solche Heimatsammlung in ihre Dauerausstellung der Stadtgeschichte integriert haben. Die Bedeutung Ravensburgs zu Beginn der Hexenverfolgungen in den 1480er Jahren und die Verbindung zum berüchtigten Werk „Hexenhammer“ von Heinrich Institoris wird in dem Raum Hexenwahn in Ravensburg thematisiert.

Sonderausstellungen

Seit seiner Eröffnung bietet das Museum Humpis-Quartier regelmäßig Sonderausstellungen, die weitere Themen der Stadt- und Regionalgeschichte erschließen:

Schon immer fresh! Der Ravensburger Wochenmarkt, 26. September 2025 bis 28. Juni 2026. Alles schöner Schein? Das Konzerthaus und seine Kulissen um 1900, 13. September 2024 bis 17. August 2025 7980 Ravensburg. Alltag, Apokalypse, Autonomie, 14. Oktober 2023 bis 18. August 2024 Eine Frage des Geschlechts? Frauengeschichte in Ravensburg, 28. Oktober 2022 bis 3. September 2023 Von der Kleinen Eiszeit ins Anthropozän. Klimawandel in Ravensburg 1350 - 2022, 8. April bis 2. Oktober 2022 Ausgrenzung und Verfolgung. Ravensburg Sinti im Nationalsozialismus, 2. Juni 2021 bis 31. Januar 2022 Das Leben der Dinge. Eine Ausstellung über das Sammeln, 26. Mai 2020 bis 7. Februar 2021 inszeniert! Klösterle-Krippe und Puppenstuben, 24. November 2019 bis 2. Februar 2020 Roh.Stoff.Papier. Papierherstellung in Ravensburg, 12. April bis 6. Oktober 2019 Heimat | Fremde – Ravensburger Gastarbeiter erzählen, 27. Oktober 2018 bis 24. Februar 2019 Die Humpis in Avignon – Zucker erobert Europa, 26. April bis 23. September 2018 Der 30-jährige Krieg: Schauplatz Oberschwaben, 9. November 2017 bis 1. April 2018 Hexenwahn 1484: Frauen auf dem Scheiterhaufen, 5. Mai bis 3. Oktober 2017 (K)ein Kompromiss – Reformation in Ravensburg, 28. Oktober 2016 bis 26. März 2017 Verspielt! 1000 Jahre Spielkultur in Ravensburg, 17. März bis 25. September 2016 Die barocke Klösterle Krippe, 29. November 2015 bis 2. Februar 2016 Die Humpis in Barcelona – Rote Koralle für ganz Europa, 8. Mai bis 1. November 2015 Im Zeichen des Krieges – Ravensburg und der Erste Weltkrieg, 10. Oktober 2014 bis 12. April 2015 Meine Heimat im Glas – Ravensburger Heimatvertriebene, 11. April bis 14. September 2014 Heilige Kunst aus dem Verborgenen, 8. November 2013 bis 16. März 2014 Auf Tuchfühlung, 26. April bis 13. Oktober 201 StadtGasLicht – 1862–2012, 28. Oktober 2012 bis 31. März 2013 Die Humpis in Genua – palazzi, luoghi und caruggi, 28. April bis 23. September 2012 Die Rutenmacher, 6. Mai bis 31. Juli 2011 Jacob Russ – Spätgotischer Bildschnitzer aus Ravensburg, 10. Dez. bis 27. Februar 2011 Mit Volldampf voraus! Ravensburg und Oberschwaben 1810–1910, 16. September bis 14. November 2010 Hausser-Fotos – 7980 Ravensburg, 26. März bis 27. Juni 2010 Die barocke Klösterle-Weihnachtskrippe, 9. Dezember 2009 bis 2. Februar 2010 Eröffnungsausstellung – Der lange Weg zum Museum, 4. Juli bis 1. November 2009

Auszeichnungen 2013: Vorbildliches Heimatmuseum 2015: Lotto-Museumspreis Baden-Württemberg 2016: Beispielhaftes Bauen der Architektenkammer Baden-Württemberg

Architektur mini|hochkant|Häuser in der Roßbachstraße Das Museum zeichnet sich durch seine architektonische Gestaltung aus, die Kontraste zwischen alter Bausubstanz und moderner Architektur bietet. Die unterschiedlichen Gebäude erzählen die jahrhundertelange Nutzung des Quartiers und werden damit selbst zum Exponat.