mini|Braunvieh, eine Zucht (Rasse) mit hoher Milchleistung und geringem Milchfettgehalt Als Zucht wird in der Biologie die kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel der genetischen Umformung bezeichnet. Dabei sollen gewünschte Eigenschaften verstärkt und unerwünschte Eigenschaften durch entsprechende Zuchtauslese zum Verschwinden gebracht werden. Um die Ziele zu erreichen, wird entweder durch den Züchter selbst oder durch einen Zuchtverband (zum Beispiel nach einer Sortenprüfung) eine Zuchtwertschätzung durchgeführt, um dann gezielt Individuen mit gewünschten Eigenschaften auszuwählen (künstliche Selektion) und anhand eines KreuzungsplansGetreidezüchter forschen nach immer besseren Sorten. Abgerufen am 5. April 2016. miteinander zu kreuzen oder zu verpaaren. Wesentliche Voraussetzung ist die Kenntnis der Mendelschen Regeln und der quantitativen Genetik. Es können aber auch auf künstlichem Weg Mutationen ausgelöst oder Organismen gentechnisch modifiziert werden. Neue Pflanzensorten oder Tierrassen werden als Neuzüchtungen bezeichnet, diese unterliegen gesetzlichen Bestimmungen.

Herkömmliche Zuchtverfahren der Kreuzung und Paarung sind in ihren Möglichkeiten der Genkombination begrenzt, da insbesondere bei Tieren eine fruchtbare Fortpflanzung unter artfremden Individuen stark eingeschränkt ist (siehe Maultier). Um diese artspezifische Begrenzung zu überwinden, wird die Gentechnik eingesetzt, deren Verfahren kontrovers diskutiert werden.

Wortherkunft und Bedeutung Das Wort Zucht ist (ebenso wie Zug) eigentlich ein Verbalabstraktum zum Verb ziehen. Althochdeutsch zuht ist seit dem 8. Jahrhundert, also bereits in den ältesten Schriftdenkmälern des Deutschen, in vielfältiger Bedeutung bezeugt, darunter „Unterhalt, Nahrung“ „Erziehung, Belehrung“ und „Sprössling; Geschlecht“. Im Mittelhochdeutschen (um 1200) bedeutete zuht unter anderem „Ziehen, Zug“, „das Aufgezogene“, „Richtung, Weg“, „Erziehung, Bildung, Strafe, feine Sitte und Lebensart“, „Ernährung, Unterhalt“ und „Abstammung“.Wolfgang Pfeifer (Hrsg.): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Ungekürzte, durchgesehene Ausgabe der 2. Auflage 1993. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995, ISBN 3-05-000626-9, S. 1624 (Stichwort Zucht). Laut Etymologischem Wörterbuch des Deutschen bezeichnete Zucht dabei „zunächst ‚das Ziehen‘ als Beihilfe bei der Geburt von Haustieren, danach die Ernährung und Pflege der Jungtiere, später auch die Kultivierung der Pflanzen, wobei man bei Tieren im Allgemeinen von Aufzucht, bei Pflanzen von Anzucht spricht.“ Bezogen auf die Erziehung und Bildung von (jungen) Menschen ist Zucht heute hingegen so gut wie obsolet, die sinnverwandte Bedeutung „Disziplin, Gehorsam, gutes Betragen“ ist aber zumindest noch in der Wendung Zucht und Ordnung geläufig, der Wortsinn „Disziplinierung, Bestrafung, Züchtigung“ in der Zusammensetzung Zuchthaus. Entsprechend geht das Verb züchten zurück auf althochdeutsch zuhten, mittelhochdeutsch zühten, in der Bedeutung von „nähren, aufziehen“. Das Substantiv Züchter (ahd. zuhtara) bedeutete ursprünglich Lehrer / Erzieher, im heutigen Sinne als Auswählender in der Tier- und Pflanzenzucht ist es erst seit dem 19. Jahrhundert belegt.

Juristische Definition In Österreich gibt es im § 4 des Bundesgesetzes über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz-TSchG) folgende Definition von Zucht:Änderung des Tierschutzgesetzes

Geschichte Parallel mit der zumindest saisonalen Sesshaftwerdung des Menschen wurden sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren Individuen ausgewählt, bei denen erwünschte Merkmale am stärksten ausgeprägt waren. Diese vorteilhaften Individuen sollten sich als Nutzexemplare fortpflanzen (Auslesezüchtung).

In der durch Carl von Linné (1753) begründeten Systematik der Taxonomie werden durch Zuchtwahl entstandene Formen mit veränderten Eigenschaften als Unterart (Subspezies) bezeichnet. Heute spricht man in der Zoologie von Rassen und in der Botanik von Sorten und Varietäten oder allgemeiner von Sippen.

Der Beginn einer selektiven Zuchtwahl von Elterntieren wird gemeinhin mit dem Briten Robert Bakewell (1725–1795) assoziiert. Wegen der Verbesserungen, die er bei britischen Viehrassen erzielen konnte, nannten ihn seine britischen Zeitgenossen den „Großen Verbesserer“.Philip Walling: Counting Sheep – A Celebration of the Pastoral Heritage of Britain. Profile Books, London 2014, ISBN 978-1-84765-803-6, S. 43. Die Evolutions­theorie von Charles Darwin (1859) postuliert eine natürliche Zuchtwahl als Grundmechanismus des Evolutionsprozesses, der über erdgeschichtlich längere Zeiträume zur Entstehung neuer Arten führt (Speziation). Kritiker der Evolutionstheorie und Verfechter der Artenkonstanz lehnen die Möglichkeit der Entstehung neuer Arten durch (künstliche oder natürliche) Zuchtwahl ab und unterscheiden daher zwischen Mikroevolution als Variation innerhalb einer Art und der von ihnen bestrittenen Makroevolution als artbildenden Prozess.

Die Forschungsergebnisse von Gregor Mendel (1869) mit Erbsen haben die Züchtung revolutioniert; nicht die Vermischung von „Blutlinien“, sondern Gene, die dominant oder rezessiv vererbt werden, sind die „Bausteine des Lebens“. Die von ihm formulierten Regeln der Vererbung gelten in der Grundaussage noch heute.

Im natürlichen Umfeld spielt die Bastardisierung (Hybridisierung) in der Pflanzenwelt eine wichtige Rolle, bei Tieren ist sie jedoch selten artbildend. Die Geschichte der Menschheit und ihre Zuchtbestrebungen haben dahingehend bisher wenig Spuren hinterlassen – nur ein paar der ältesten Kulturpflanzen und Haustiere werden heute als eigenständiges Taxon geführt. Dabei wurde oftmals die Wildform verdrängt und ist ausgestorben oder auch in der Zuchtform aufgegangen, so dass eine klare Abgrenzung nicht möglich ist. Beispiele sind:

Weichweizen Triticum aestivum (diploide Triticum-Formen kommen auch in der Natur vor); der Kulturapfel Malus domestica (Stammform unklar); diverse Zitrusfrüchte (Taxonomie insgesamt kompliziert); das Hausrind (Zuordnung des ausgestorbenen Wildrind Bos primigenius unklar).

Der Haushund Canis lupus familiaris etwa ist als nahe Unterart des Wolfs erwiesen, andere Anteile dürften nur marginal sein; hingegen wird der rückverwilderte Dingo Canis lupus dingo ebenfalls als eigene Unterart geführt. Die Hauskatze ist ein undefinierter Bastardkomplex der diversen natürlichen Subspezies der Wildkatze Felis silvestris, vermutlich primär der Falbkatze.

Ziele Industrielle Tierzüchtung Ziel der züchterischen Bearbeitung von Tierrassen ist die optimale Verwertung der Tiere als Lieferanten von Produkten. Dabei gibt es verschiedene Ansätze: Entweder werden Tiere in klassischer Zucht durch gezielte Selektion und Anpaarung gezüchtet und dadurch ein Zuchtfortschritt erreicht. Oder es werden Hybridtiere in der Hybridzucht (siehe: Hybridhuhn, Hybridpute, Hybridschweine, Hybridhonigbienen) gezüchtet. Mit Tieren aus der Hybridzucht kann man nicht weiterzüchten, da diese Hybride aus Inzuchtlinien sind und sich die Eigenschaften der Hybridtiere verlieren, wenn man diese untereinander kreuzt. Hierbei orientiert man sich an den jeweiligen Zuchtzielen.

Gebrauchstierzucht Manche Tiere werden für den Gebrauch durch den Menschen gezüchtet, beispielsweise Pferde, Maultiere, Esel, Honigbienen oder Kampfstiere.

Hobby- und Kleintierzucht Hobbyzüchter und Kleintierzüchter widmen sich vor allem Hunden, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen, Reptilien, Fischen, Honigbienen sowie einer Reihe von Vogelarten, zum Beispiel Hühnern (Rassegeflügel, Ziergeflügel), Tauben (Taubenzucht), Großpapageien, Sittiche, Sing- und Greifvögel. Heimvögel wie Papageien oder Ziervögel wie Vertreter der Weichfresser fallen unter Papageien- bzw. Vogelzucht.

Auswüchse hier sind so genannte Qualzuchten, das heißt die Förderung von Merkmalen, die zu Lasten der Gesundheit der Individuen gehen, um in den häufigsten Fällen das optische Erscheinungsbild markanter zu gestalten. Qualzuchten sind in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz verboten.

Als Hobbyzucht nach dem deutschen Tierschutzgesetz ist z. B. eine Zucht von weniger als 20 Honigbienenvölkern oder Wellensittichen unter 25 Zuchtpaaren zu betrachten. Alles, was, bezüglich dieser Beispiele, darüber ist, wird von Amts wegen nicht mehr als Hobby eingestuft, sondern z. B. als Nebenerwerb, Erwerbs- oder Landwirtschaftsbetrieb.

Erhaltungszucht

Vornehmlich in den Zoologischen Gärten werden Arten gezüchtet, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu zählen insbesondere exotische Arten.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich mit dem wachsenden Interesse für Bioversität ebenfalls die Erhaltungszucht von bedrohten Nutztierrassen weiter entwickelt, häufig in der Form von Zuchtringen.

Abbildzüchtung

Der Versuch, die typischen Wildtiermerkmale ausgestorbener Arten aus daraus hervorgegangenen Haustieren gezielt „rückzuzüchten“, wird Abbildzüchtung genannt. Besonders populär sind hier die ehemaligen großen Weidetiere Europas – Auerochse und Wildpferd – die nach der Megaherbivorentheorie eine entscheidende Rolle in der Erhaltung von Offenlandschaften im sonst bewaldeten Zentraleuropa der jüngeren Nacheiszeit spielten. Diese Rolle versucht man unter anderem durch den Einsatz geeigneter Abbildzüchtungen – etwa Heckrind und Heckpferd – für Naturschutzprojekte mit dem Ziel Prozessschutz/Wildnisentwicklungsgebiet zu erreichen.

Züchtungsverfahren Pflanzenzucht

Züchtungsmethoden bei verschiedenen Pflanzenarten sind abhängig von Fortpflanzungsart, Kategorie und Sortentyp; Beispiele: Selbstbefruchtung (durch den eigenen Pollen befruchtet); Linienzüchtung (Population mit definierten Merkmalen, deren Beständigkeit durch Auslese weiter erhalten bleibt); Liniensorten; Weizen, Gerste. Fremdbefruchtung (Pollen von anderen Individuen); Populationszüchtung (Fortpflanzungsgemeinschaft die in ihrer erblichen Konstitution nicht gleich, aber kreuzbar sind); Populationssorten; Roggen, Gräser. Vegetative Befruchtung; (Nachkommenschaft durch Zellteilung aus somatischem Gewebe der Mutterpflanze); Klonzüchtung; (Durchführung ausschließlich vegetativer Vermehrung); Klonsorte; Kartoffel. Kontrollierte Befruchtung (künstliche Verfahren, zur gezielten Kreuzung); Hybridzüchtung (Bestäubungslenkung zur maximalen Steuerung der Befruchtung); Hybride; Mais, Zuckerrübe. Weitere Züchtungsmethoden sind: Embryonentransfer, Gentechnik und Smart Breeding.

Tierzucht Das Alter ab dem man Tiere zur Zucht einsetzen kann nennt man Zuchtreife. Sie wird mit Vollendung der körperlichen Entwicklung angesetzt und damit später als die Geschlechtsreife. Grundsätzlich lassen sich fünf Arten von Zuchtstrategien bei Nutztieren unterscheiden.

Reinzucht Bei der Reinzucht werden Tiere derselben Rasse miteinander verpaart. „Rasse“ ist in diesem Zusammenhang eine umgangssprachliche Bezeichnung für die in ihrer Paarungsmöglichkeit isolierte, kontrollierte, künstliche (Rein-)Zuchtpopulation von Nutztieren und Haustieren.

Veredelungszucht

Gelegentlich werden in Reinzuchtpopulationen auch Tiere anderer Rassen eingekreuzt, insbesondere Tiere der Rassen, von denen die Zucht ursprünglich einmal ausging. Dieser Vorgang wird als Veredelungszüchtung oder Veredelungskreuzung bezeichnet (veraltetIn der Brockhaus-Enzyklopädie von 1996 heißt es unter dem entsprechenden Lemma: „Blutauffrischung, Tierzucht: veraltete Bez. für die Kreuzung von Zuchttieren aus dem Ursprungsgebiet mit Tieren im Nachzuchtgebiet.“ [Hervorhebung durch Wiki-Autor]: Blutauffrischung). Der Rassestandard wird durch (künstliche) Selektion innerhalb der Zuchtpopulation erreicht.

Verdrängungszucht

Bei der Verdrängungszüchtung oder Verdrängungskreuzung (auch engl. Upgrading) werden in eine Rasse immer wieder Tiere einer zweiten Rasse eingekreuzt, um ein Merkmal der zweiten Rasse dem Genpool der Anfangspopulation hinzuzufügen. Das Ergebnis einer Verdrängungskreuzung ist eine neue Reinzuchtpopulation (s. o.) mit einem neuen Merkmal.

Kombinationszucht