Die Pfälzischen AB nach Blatt 6 des Wagenverzeichnisses von 1890 (später nach DRG-Gattungskonventionen als C Bay 62 zu führen) waren zweiachsige Abteilwagen, welche ursprünglich als Wagen der 1. und 2. Klasse gebaut wurden. Um 1907 erfolgte der Umbau zu Wagen der 4. Klasse.
Geschichte Wie auch bei den meisten anderen Länderbahngesellschaften war auch bei der Gesellschaft der Pfälzischen Eisenbahnen der Abteilwagen der verbreitetste Wagentyp. Eine Ausnahme bildeten die Königl. Württembergischen Eisenbahnen die von Beginn an Wagen der sogenannten „amerikanischen“gemeint sind Drehgestell-Durchgangswagen Bauart beschafften.
Beschaffung In den Jahren bis 1880 wurden von den Pfälzischen Eisenbahnen insgesamt 352Konrad, Reisezugwagen der deutschen Länderbahnen, Seite 26 zweiachsige Abteilwagen beschafft. 90 Stück davon nach Blatt 6 des WV= Wagenstandsverzeichnis von 1890 in den Jahren zwischen 1862 und 1878. Die Beschaffung erfolgte bei diversen Herstellern (siehe Angaben in der Wagentabelle). Die Wagen wurden insgesamt drei Bauvarianten beschafft: Typ I mit einem Bremserhaus, Typ II ursprünglich ohne Bremse, nachträglich mit einer sogenannten Freisitzbremse ausgestattetzu sehen ist das in den Wagenskizzen aus dem WV von 1902, siehe auch in der untenstehenden galerie und Typ III ohne jegliche Bremse im WV von 1902 unter einer eigenen Blatt-Nr. geführt. Die Beschaffungskosten waren denn auch sehr unterschiedlich. Sie sind im Verzeichnis von 1902 handschriftlich mit Rotstift ergänzt (siehe Absatz „Skizzen, Musterblätter, Fotos“).
Verbleib Von den ursprünglich 90 Wagen aus den Beschaffungsjahren 1862 bis 1878 verringerte sich der im Bestand im Zeitraum zwischen 1893 und 1902 durch Ausmusterungen auf nur noch 86 Wagensiehe Seiten 13 und 15 im Wagenverzeichnis von 1902. Bis 1906 folgten weitere 11 Wagensiehe handschriftliche Ergänzungen in der Fortschreibung des WV von 1902 bis 1906, Verkehrsmuseum Nürnberg. Im Verzeichnis von 1913 sind dann nur noch 10 Wagen aufgeführt. Die Wagen mit den Nummer 34 und 35 wurde einem Schuttwagen umgebauthandschriftlicher Vermerk Seite 13 und 15 im Verzeichnis von 1902, der Wagen mit der Nummer 32 wurde zu einem Kalkwagen umgebauthandschriftlicher Vermerk in der Fortschreibung des WV von 1902 bis 1906. Nachdem in der Bestandsliste der Reisezugwagen der Deutschen Reichsbahn von 1932Zusammenstellung von W. Diener im Heft Kupplung 96 vom Juni 2019 des Rundschreibens für Wagenfreunde keine Bestandszahlen für Wagen dieses Typs zu finden sind, ist nicht zu vermuten, dass die Wagen noch in den Bestand der Deutschen Reichsbahn kamen.
Konstruktive Merkmale Untergestell Der Rahmen der Wagen hatte noch eine Mischbauform aus Holz und Eisen. Die äußeren Längsträger waren aus Eisen und hatten eine Doppel-T-Form. Die übrigen Querträger und auch die Pufferbohlen waren aus Holz. Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen mit Sicherheitshaken nach VDEV, die Zugstange war durchgehend und mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen Stangenpuffer mit einer Einbaulänge von 600 mm, die Pufferteller hatten einen Durchmesser von 370 mm. Bei den Wagen mit Bremserhaus (Typ I) war die Einbaulänge der Puffer auf der Bremserhausseite auf 800 mm verlängert.
Laufwerk Die Wagen hatten genietete Fachwerkachshalter aus Flacheisen der kurzen, geraden Bauform. Gelagert waren die Achsen der pfälzischen Bauform „b“ in geteilten Gleitachslagern mit einer Tragkraft von 10 to. Die Räder hatten Speichenradkörper und einen Raddurchmesser von 1.014 mm. Die Federung war mit einfachen Laschen in den Federböcken befestigt.
Bremsen Bei der Bauform Typ I wirkten die im hochgesetzten und nur einseitig zugänglichen Bremserhaus angebrachte Handspindelbremse auf alle Räder beidseitig. Auch bei den später in der Bauform Typ II verwendeten Freisitzbremsen wurden beide Räderpaare gleichzeitig gebremst. Laut Verzeichnis von 1902 waren die Wagen mit Druckluftbremsen der Bauart Schleifer ausgestattet, zwei Wagen hatte eine Bremse der Bauart Karpenter.
Wagenkasten Das Wagenkastengerippe bestand aus einem hölzernen Ständerwerk. Es war außen mit Blech und innen mit Holz verkleidet. Die Seitenwände waren an den Unterseiten leicht eingezogen. Die Wagen besaßen ein flach gewölbtes Dach. Je nach Bauform hatten die gebremsten Wagen entweder ein hochgesetztes, offenes Bremserhaus, welches nur einseitig zugänglich war, oder einen mittig angeordneten in die Dachkante einer Stirnseite eingebauten Bremsersitz (Freisitzbremse).
Der Innenraum hatte insgesamt vier Abteile, eins der 1. Klasse mit 6 und drei der 2. Klasse mit je 8 gepolsterten Sitzplätzen. Die Reihung der Abteile war: II, I, II, II. Die Wagen hatten keine Aborte.
Ausstattung Zur Beheizung verfügten die Wagen über eine Dampfheizung. In der Erstausstattung hatte ein Teil der Wagen nur eine Presskohlebeheizung. Spätestens 1902siehe Angaben im WV von 1902 gab es nur noch Wagen mit Dampfheizung, wobei ein Teil der Wagen zusätzlich mit einer Presskohlenheizung ausgestattet war. Die Beleuchtung erfolgte durch Gas. Der Vorratsbehälter mit einem Volumen von 650 Litern hing in Wagenlängsrichtung am Rahmen.
Bemerkung Im Verzeichnis von 1913 waren die Wagen als Gattung B aufgeführt. Gemäß einem handschriftlichen Vermerksiehe Seite 15 aus dem WV von 1902 wurden mit dem Wechsel der Wagen in den untergeordneten Dienst wurde die Abteile der 1. Klasse ohne Änderung der Sitzaufteilung zu Frauenabteilen der 2. Klasse umgezeichnet.
Skizzen, Musterblätter, Fotos
Wagennummern Die Daten sind den im Literaturverzeichnis aufgeführten verschiedenen Wagenpark-Verzeichnissen der Pfälzischen Eisenbahnen und der Kgl.Bayer.Staatseisenbahnen – Pfälzisches Netz, sowie den Büchern von Emil Konrad (Reisezugwagen der deutschen Länderbahnen, Band II) und Albert Mühl (Die Pfalzbahn) entnommen.
Blatt-Nr.Herstelld. Gattungszeichen je EpocheWagennummern je Epoche Fahrwerk Ausstattung ZusatzinfosBau-jahrHer- stellerAnz.189019021913Rep.1919DR(ab 1923)DRG(ab 1930)Ausge-mustertletzt.Heimat-Bf.Anz.Ach-senLüP Unt.Gest. AchssenArt Brem-sen Bl. Hz. Art u.Anz. Abteile (Sitze je Klasse)[Mil. Nutzung]Mil. Sig-nal-hlt. BemerkungWagen des Typ I, mit hochgesetztem, einseitig zugänglichen BremserhausBlatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.61902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derLudwigsbahngesellschaft1862G.H.33131<190629.100E,HbSbrGD1(6)3(24)24333318643535Wagen wurde um 1906 zum Schuttwagen umgebaut (siehe Nachtrag auf Seite 13 des WV von 1902)1872G.G.24242<191329.100E,HbSbrGD1(6)3(24)2443431870Rft.25353<191329.100E,HbSbrGD1(6)3(24)245454Pr.1874Rg.3767676<192029.100E,HbSbrGPr, D1(6)3(24)24777777D3(23)787878Pr, D3(24)Blatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.61902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derMaximiliansbahngesellschaft1864G.H.130083008<191329.100E,HbSbrGD1(6)3(24)241870Rft.1301830181872G.H.430203020<191329.100E,HbSbrGD1(6)3(24)2430213021Kp.30223022Sbr.30233023Blatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.61902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derNordbahngesellschaft1868Sch.M550015001<191329.100E,HbSbrGD1(6)3(24)2450025002<1913500350035003<192050045004<191350055005<19131872G.G.l250195019<1913Pr502050205020<1920KpDWagen des Typ II, zwischen 1890 und 1893 mit Freisitzbremse nachgerüstetBlatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.71902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derLudwigsbahngesellschaft1878W.F.L.6555<192028.950E,HbSbrGD1(6)3(24)2466677<191389910101874Rg.76969<190228.950E,HbGPr.1(6)3(24)2470707171Pr.D.72727373<1920D.7474Pr.D.75751878W.F.L.4818181<192028.950E,HbGD.1(6)3(24)24828282838383848484Wagen des Typ III, ohne Bremserhaus oder FreisitzbremseBlatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.71902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derLudwigsbahngesellschaft1872G.H.114a14a<191328.950E,HbGD1(6)3(24)241872G.G.32828<191328.950E,HbGPr.1(6)3(24)242929D.30301862G.H.23232<191328.950E,HbGD1(6)3(24)2434341867Sch.M.138381872G.G.3393940404141Pr.1872G.H.14444<191328.950E,HbLl.GD.1(6)3(24)241870Rft.64646<191328.950E,HbLl.GD.1(6)3(24)24474749495050515152521864G.H.13636<190628.950E,HbLl.GPr.1(6)3(24)241870Rft.14848<191328.950E,HbLl.GPr.1(6)3(24)241874Rg.26767<191328.950E,HbLl.GPr.1(6)3(24)246868Blatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.71902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derMaximiliansbahngesellschaft1869G.H.330013001<191328.950E,HbGD.1(6)3(24)243002300230033003<19061869Sch.M.330043004<190628.950E,HbGD.1(6)3(24)2430053005300630061864G.H.230073007<190628.950E,HbGD.1(6)3(24)24300930091864Rft.830103010<190628.950E,HbGD.1(6)3(24)2430113011301230123013301330143014Pr.30153015D.3016301630173017Blatt-Nr.aus WV vonGattung61890A.B.71902A.B.521913DC Bay 62 (siehe jeweilige Legende) A I. II. III. IV. O Mauf Rechnung derNordbahngesellschaft1868Sch.M.150065006<191328.950E,HbLl.GD.1(6)3(24)241872G.H.550075007<191328.950E,HbLl.GD.1(6)3(24)24500850085008der Wagen erhielt ein Bremserhaus und gehörte dann zur Typ I<192050095009<191350115011501250121872G.G.550135013<191328.950E,HbLl.GD.1(6)3(24)245014501450155015187350175017501850181872G.H.250105010<191328.950E,HbLl.GPr.1(6)3(24)241873G.G.50165016
Anmerkungen / Hinweise
Einzelnachweise
Weblinks Digitalisat des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Blatt 20 aus dem Wagenstandsverzeichnis von 1913
Literatur
Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Staatseisenbahnen) Kategorie:Reisezugwagen (Pfälzische Eisenbahnen) Kategorie:Schienenfahrzeug (Gebr. Gastell) Kategorie:Schienenfahrzeug (Rathgeber) Kategorie:Schienenfahrzeug (Waggonfabrik Ludwigshafen)