Die Wirtschaft Südkoreas gehört zu den erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt. Sie wird grundsätzlich als freie Marktwirtschaft eingestuft. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Südkorea Platz 15 von 141 Ländern (Stand 2019). Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte Südkorea für 2020 Platz 25 von 180 Ländern. Zu den wichtigsten Unternehmensgruppen des Landes zählen die Samsung Group, die Hyundai Motor Group und die SK Group.

Nach dem Ende des Koreakrieges war Südkorea eines der ärmsten Agrarländer der Welt. 1962 begann eine Phase mit hohem Wirtschaftswachstum, so stieg das Bruttonationaleinkommen in den Jahren von 1962 bis 2008 von 2,3 Milliarden auf 928,7 Milliarden US-Dollar und das Pro-Kopf-Einkommen von 87 US-Dollar auf ca. 19.231 US-Dollar. Während die Exporte in den frühen 1970er Jahren etwa 10 % des BIP ausmachten, lag dieser Prozentsatz im Jahr 2001 bei 37,7 %. Südkorea zählt zu den Tigerstaaten und hat damit den Wandel zu einem Industrieland vollzogen.

Wirtschaftsstruktur Landwirtschaft mini|Reisblüte in Sunchang Der Anteil der südkoreanischen Landwirtschaft am BIP liegt bei 1,76 % (2020) und beschäftigt 5,14 % (2019) der Bevölkerung.

Das Hauptagrarprodukt ist der Reis, welcher in 80 % aller Felder angebaut wird. Daneben werden sowohl Soja, Weizen, Kartoffeln als auch auf Jejudo Obst produziert. Obwohl die meisten Felder bewässert werden müssen, hat der Reisanbau ähnlich wie in Japan einen hohen kulturellen Stellenwert. Doch die sinkenden Preise für Nahrungsmittel führen zu Spannungen zwischen der Bevölkerung und der Regierung. Wie auch in anderen Länder ist der Trend zu beobachten, dass die Zahl der Großbetriebe in der Landwirtschaft wächst, während die alten Familienbauernhöfe immer seltener werden.

Neben der Landwirtschaft spielt auch die Fischerei eine wichtige Rolle. Sie beschäftigt etwa 180.000 Personen. Da die küstennahen Gewässer weitgehend leer gefischt sind, hat die Regierung Regulierungen eingeführt, um das Fischsterben einzudämmen. Wegen der reichen Fischgründe an der innerkoreanischen Seegrenze kommt es regelmäßig zu Streitigkeiten zwischen Fischern aus Nord- und Südkorea.

Industrie mini|Automobilwerk von Hyundai in Ulsan Die Industrie spielt in Südkorea eine bedeutende Rolle und beschäftigt 24,58 % (2019) aller Arbeitnehmer. Sie trägt zu 32,8 % (2020) zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Rückblickend hat Koreas Industriepolitik ihren Kurs in jedem Jahrzehnt erheblich geändert. In den 1960er Jahren hat Korea damit begonnen, den Export zu fördern, indem es entsprechende Gesetze und Vorschriften erließ und exportorientierte Entwicklungspläne aufstellte. In den 1970er Jahren stand die chemische Industrie im Zentrum der koreanischen Industriepolitik. In den 1980er Jahren kam es zu einer industriellen Umstrukturierung mit dem Ziel, kleine und mittlere Unternehmen zu fördern. Während in den 80er Jahren der Industriesektor meist aus Großkonzernen bestand, konnte sich der Anbietermarkt in den letzten Jahren diversifizieren.

Südkorea hat sich in letzter Zeit auf die Fertigung von Technologieprodukten spezialisiert und konkurriert auf Augenhöhe mit anderen internationalen Herstellern. In der Produktion von Flachbildschirmen, der Chipproduktion, Computern und Schiffen haben südkoreanische Produkte beispielsweise eine marktbeherrschende Stellung erreicht.

Südkorea ist die größte Schiffsbaunation der Welt und rangiert bezüglich der Halbleiter- und Display-Produktion auf Platz eins. Bei der Herstellung von Mobiltelefonen liegt das Land auf dem zweiten Platz. Die Stahl- und Automobil-Industrien betreffend, lag die Volkswirtschaft auf Platz fünf.

Schiffsbauindustrie

Die südkoreanische Schiffsbauindustrie hat seit Anfang des 21. Jahrhunderts ihre Stellung als weltweit größter Produzent von Schiffen behauptet. Im Jahr 2005 deckte sie 40 % der weltweiten Nachfrage ab.

Halbleiterindustrie

Mit fast 11 % des globalen Marktanteils ist die Halbleiterindustrie führend, besonders im Bereich von Flash-Speicher und DRAM (Dynamic Random Access Memory). Die beiden größten Halbleiter-Produzenten, Samsung Electronics und Hynix, rangierten 2008 weltweit auf den ersten beiden Plätzen. Zusammen machten die beiden Unternehmen 50 % des Weltmarkts aus.

Automobilhersteller

Seit Südkorea 1976 erstmals mit dem Export von Autos begann, hat sich die Automobilindustrie in einem rasanten Tempo entwickelt. Als einer der größeren Automobilhersteller produziert das Land jährlich etwa 4 Millionen Fahrzeuge. 2017 war die südkoreanische Automobilproduktion die sechstgrößte weltweit und erwirtschaftete über 10 % des BIP.

Da die Anfrage koreanischer Autos weltweit zunimmt, begannen führende Hersteller in den letzten Jahren damit, Fertigungsanlagen im Ausland zu errichten (s. a.: Kia Motors Slovakia, Hyundai Motor Manufacturing Czech).

Dienstleistung mini|Finanzzentrum in Seoul Wie viele andere hochentwickelte Industriestaaten ist Südkorea der Anschluss an die Dienstleistungsgesellschaft gelungen. Heute stellt die Dienstleistung etwa 57 % (2020) des gesamten südkoreanischen Bruttoinlandsproduktes und beschäftigt 70,3 % (2019) der Arbeitskräfte. Gerade die Tourismusbranche ist in einem stetigen Aufschwung seit Beginn der 1970er Jahre. Die Sommerolympiade in Seoul 1988 sowie die Fußballweltmeisterschaft 2002 brachten der Wirtschaft hohe Gewinne ein.

NachhilfeunterrichtFür den privaten Nachhilfeunterricht (Hagwon) wurde 2012 17,5 Mrd. US-Dollar oder 19 Billionen Won von Familien ausgegeben. Im Jahr 2000 hatte das Verfassungsgericht ein eingeschränktes Verbot des Nachhilfeunterrichtes beendet. Im Oktober 2009 entschied das Verfassungsgericht, dass die Regelung rechtens ist, wonach kein Unterricht nach 22 Uhr erlaubt ist. An der Börse war eines der erfolgreichsten Online-Nachhilfeunternehmen das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen Megastudy, das 2007 einen Umsatz von 162 Mrd. Won machte. Auf dieser Plattform ist beispielsweise der Mathe-Nachhilfelehrer Hyun Woo-jin zu finden, der jährlich zwischen 20 und 30 Mrd. Won oder 17 bis 26 Mio. US-Dollar mit seinen Videos verdienen soll.

Ein mit diesem Phänomen zusammenhängendes Problem sind die sogenannten „gireogi appa“. Gemeint sind damit Männer, die ihre Kinder zur Schule ins Ausland schicken, während sie in Korea zurückbleiben. Eventuell geht die Mutter der Kinder mit ins Ausland.

Kapitalmarkt Das Land führt eine Wertpapierbörse, die als Korea Exchange bekannt ist. Der zugehörige Leitindex der Volkswirtschaft ist der KOSPI, wobei auch der KOSDAQ als Pendant zum US-Amerikanischen NASDAQ zu nennen ist.

Am 21. April 2026 hat der KOSPI-Index mit 6.388 Indexpunkten ein neues Allzeithoch erreicht. Berichte zeigen, dass die Verknappungsängste für Öl und Gas deutlich übertroffen werden durch die große Börsen-Euphorie für Aktien aus dem Technologie-Sektor. Gut laufende Geschäfte für Künstliche Intelligenz (Speicherchips), Rüstung und Industrie bescheren der Börse in Südkorea laut aktuellen Berichten einen Aufschwung. Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnis) zeigen, dass südkoreanische Aktien immer noch spürbar günstiger bewertet sind als US-Aktien.

Staatsfonds Südkorea verfügt mit der Korea Investment Corporation über einen der größeren und erfolgreichen Staatsfonds der Welt.

Energiewirtschaft Südkorea bezieht seinen gesamten Erdölbedarf aus dem Ausland. Kernkraftwerke produzierten 2015 etwa 30 % des elektrischen Stroms (siehe auch: Kernenergie in Südkorea). Die Korea Electric Power Corporation ist das staatliche Energieversorgungsunternehmen Südkoreas, welches auch die Atomkraftwerke betreibt. Das größte private Energieunternehmen ist Posco Energy. Die Korea Gas Corporation ist der weltweit größte Importeur von Flüssigerdgas.

Rohstoffabbau Staatliche RohstoffunternehmenMine Reclamation Corp. (Mireco), vor 2021 Korea Resources Corporation (Kores): Vom Staat am 5. Juni 1967 gegründet. Das Unternehmen sollte unter anderem koreanische Unternehmen bei der Finanzierung helfen, die sich mit dem Rohstoffabbau von strategisch wichtigen Ressourcen beschäftigen. Es handelt sich dabei um: Steinkohle, Uranium, Eisenerz, Kupfer, Zink und Nickel, seit Kurzem auch Metalle der Seltenen Erden und Lithium.

Korea Coal Corp. (Kocoal): 1950 gegründet (es gab bereits in der Besatzungszeit ein Unternehmen). Betreibt unter anderem mehrere südkoreanische Steinkohle-Bergwerke.

Korea National Oil Corp. (KNOC): Das Unternehmen beutet weltweit Öl- und Gasfelder aus. Seit November 2014 ist das Hauptquartier in Ulsan.

Sangdong-BergwerkDas Bergwerk liegt in der Provinz Gangwon-do im Taebaek-Gebirge (). 1918 wurde die Lagerstätte von Scheelit entdeckt, woraus das Schwermetall Wolfram gewonnen werden kann. Von 1938 bis 1946 wurden 7500 Tonnen gefördert, 1948 und 1949 10.000 Tonnen und 1950 bis 1959 56.000 Tonnen. Das Bergwerk wurde 1992 geschlossen, weil die Förderung nicht mehr wirtschaftlich war. Die Bergbaukonzession für diese Lagerstätte wurde 2001 neu vergeben. Die Produktion soll im 4. Quartal 2022 aufgenommen werden.

Die Exporterlöse des Bergwerks waren für Südkorea nach dem Koreakrieg (1950–53) von großer Bedeutung.

Wirtschaftsdaten mini|Entwicklung des südkoreanischen BIP (PPP) von 1911 bis 2008 Das Bruttoinlandsprodukt Koreas liegt bei 1.642 Milliarden US-Dollar (Stand 2019)., The World Factbook, cia.gov Damit stellt Südkorea die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Welt dar. In einigen Bereichen der Technologie ist Südkorea Marktführer. Im Weltaußenhandel gehört Südkorea mit einem Gesamtexport von etwa 654 Milliarden US-Dollar mittlerweile zu den acht exportstärksten Volkswirtschaften. Im Asienraum ist Südkorea hinter China und Japan die drittstärkste Exportnation. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (43.029 US-Dollar, kaufkraftbereinigt) entspricht in etwa dem des EU-Durchschnitts (44.439 US-Dollar, kaufkraftbereinigt).

Größte Handelspartner (2020) sind: Export: VR China (25,9 %), USA (14,5 %), Vietnam (9,5 %), Hong Kong (6,0 %), Japan (4,9 %) Import: China (23,3 %), USA (12,4 %), Japan (9,8 %), Deutschland (4,4 %), Vietnam (4,4 %)

Die wichtigsten Handelsprodukte (2020) sind: Export ($512,7 Mrd.): ICs (16,2 %), Autos (7 %), petrochemische Erzeugnisse (4,5 %), Smartphones (3,5 %), Schiffe (3,2 %) Import ($467,5 Mrd.): Erdöl (9,5 %), ICs (8,6 %), Erdgas (4 %), Öl (2,7 %), Smartphones (2,6 %)

Die wichtigsten gehandelten Dienstleistungen (2020) sind: Export ($96,3 Mrd.): Transport (28,8 %), verschiedene Dienstleistungen (22,5 %), Reisen (15,9 %), Bau (13 %), Lizenzen (8 %), Computer Dienstleistungen (5,3 %), Finanzdienstleistungen (3 %) Import ($118,4 Mrd.): Verschiedene Dienstleistungen (27,8 %), Transport (27,1 %), Reisen (27 %), Lizenzen (8,3 %), Bau (2,8 %), Computer Dienstleistungen (2,6 %), Finanzdienstleistungen (1,7 %) + Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in % gegenüber dem Vorjahr (real) Jahr 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Veränderung in % ggü. Vj. 2,95 3,16 2,91 2,04 -0,96 3,59

Vermögen Südkorea stand, laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017, auf Rang 10 weltweit beim nationalen Gesamtvermögen. Der Gesamtbesitz an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 6.586 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person beträgt 160.609 Dollar im Durchschnitt und 67.934 Dollar im Median (in Deutschland: 203.946 bzw. 47.091 Dollar). Beim Vermögen je Einwohner gehört Südkorea damit zu den Top 20 Ländern weltweit. Insgesamt war 38,1 % des gesamten Vermögens der Südkoreaner finanzielles Vermögen und 61,9 % nicht-finanzielles Vermögen. Der Gini-Koeffizient bei der Vermögensverteilung lag 2017 bei 70, was auf eine relativ moderate Vermögensungleichheit hindeutet. Die obersten 10 % der koreanischen Bevölkerung besaßen 47,6 % des Vermögens und die obersten 1 % besaßen 17,5 % des Vermögens. Der Anteil der Koreaner mit einem Vermögen von über einer Million Dollar wird auf 1,7 % der Bevölkerung geschätzt.

Arbeitsmarkt