UNGEGN Toponymic Guidelines (Toponymische Richtlinien der UNGEGN, Volltitel: Toponymic guidelines for map and other editors, for international use, Toponymische Richtlinien für Herausgeber von Kartenwerken und anderen Veröffentlichungen für den internationalen Gebrauch) sind von der Sachverständigengruppe der Vereinten Nationen für geographische Namen (United Nations Group of Experts on Geographical Names, kurz UNGEGN) initiierte und koordinierte standardisierte namenkundliche Länderinformationen. Sie dienen dem Zweck, namenkundlich (toponomastisch) relevante Informationen zu einem bestimmten Staat zusammenzustellen, vor allem aus dem Blickwinkel der Namenstandardisierung.

Entstehung Auf der dritten Konferenz der Expertengruppe der Vereinten Nationen für geographische Namen zur Standardisierung geographischer Namen (UNGEGN), die im August/September 1977 in Athen stattfand, wurde das Thema Zusammenstellung und Verbreitung toponomastischer Information ausführlich diskutiert. Auf Grund der unterschiedlichen Herangehensweise der einzelnen Staaten an dieses Thema, regte Josef Breu, auf ebendieser Konferenz zum Vorsitzenden der UNGEGN gewählt, eine Zusammenstellung mehr oder weniger standardisierter toponymischer Richtlinien an. Er arbeitete am Beispiel Österreichs ein Modell dafür aus und präsentierte dieses unter dem Titel „Toponymic Guidelines for International Cartography / Austria“ als Arbeitspapier Nr. 5 auf der 8. Sitzung der UNGEGN, die im Februar/März 1979 in New York stattfand.

UN-Resolutionen im Zusammenhang mit UNGEGN Toponymic Guidelines Das Echo auf Breus Vorstoß war sehr positiv. In den folgenden Jahren wurden mehrere UN-Resolutionen verabschiedet, die die Erstellung von Toponymic Guidelines unterstützten. So wird etwa in der auf der 4. VN-Konferenz zur Standardisierung geographischer Namen in Genf im August/September 1982 beschlossenen Resolution Nr. 4 eine Art Raster betreffend den Inhalt der Toponymic Guidelines präsentiert.Siehe Report of the Fourth United Nations Conference on The Standardization of Geographical Names, S. 29 (PDF; 5,3 MB) Darin wird auch auf die von Breu ausgearbeiteten österreichischen Guidelines als Vorbild verwiesen und die Einsetzung eines Koordinators für diese Richtlinien angeregt.

Auf der 5. VN-Konferenz zur Standardisierung geographischer Namen in Montreal, im August 1987, wurden ebenfalls zwei die Toponymic Guidelines betreffenden Resolutionen verabschiedet: Resolution Nr. 11 empfiehlt, dass auf amtlichen Kartenwerken zwischen Toponymen und anderen Textelementen typografisch deutlich unterschieden werden soll. Diese typografische Unterscheidung soll in den jeweiligen Toponymic Guidelines erläutert werden.Siehe Report of the Fifth United Nations Conference on The Standardization of Geographical Names, S. 37 (PDF; 6,2 MB)

Die Resolution Nr. 14 derselben Konferenz empfiehlt, dass die einzelnen Staaten dazu angeregt werden sollen, Toponymic Guidelines zu publizieren und zu aktualisieren. Das VN-Sekretariat soll bei der Veröffentlichung und Verbreitung von Guidelines Unterstützung leisten.Siehe Report of the Fifth United Nations Conference on The Standardization of Geographical Names, S. 38 (PDF; 6,2 MB)

Der Titel der Toponymic Guidelines wurde zweimal leicht abgeändert. Während Breu seine österreichischen Modell-Guidelines als Toponymic Guidelines for International Cartography veröffentlicht, verwendet die oben erwähnte Resolution Nr. 4 aus dem Jahre 1982 bereits den Titel Toponymic guidelines for map and other editors. 1986 wurde auf der Zwölften Sitzung der UNGEGN beschlossen, den Zusatz for international use anzubringen.Siehe Report of the United Nations Group of Experts on Geographical Names on the Work of its Twelfth Session, S. 13 (PDF; 2,9 MB)

Inhalt In oben erwähnter Resolution Nr. 4, die auf der 4. VN-Konferenz zur Standardisierung Geographischer Namen (1982) verabschiedet wurde, findet sich auch eine Liste jener Punkte angeführt, die die Toponymic Guidelines enthalten sollen, nämlich u. a.:

In mehrsprachigen Ländern: Verbreitungsgebiete von Sprachen, rechtlicher Status geographischer Namen in den jeweiligen Sprachen; Alphabete der jeweiligen in einem Land gesprochenen Sprache(n), sowie – bei nicht-lateinschriftigen Sprachen – die jeweiligen amtlichen Transkriptionsschlüssel; Ausspracheregeln und -hilfen für geographische Namen; Informationen über relevante linguistische Substrata, sofern diese dem Kartographen von Nutzen sind; Verhältnis zwischen Dialekten und Standardsprache(n); Dialektale Besonderheiten und dialektale Gliederung; Namenbehörden und ihre Aktivitäten; Toponymisch elevante Quellen; Glossar zum besseren Verständnis von Karten; in der amtlichen Kartographie verwendete Abkürzungen; Verwaltungsgliederung.

Liste der Staaten, die bereits Toponymic Guidelines veröffentlicht haben Bislang haben 41 Staaten Toponymic Guidelines (oder zumindest Entwürfe zu solchen) erarbeitet (Stand: März 2017; nicht mehr existente Staaten sind mit einem Sternchen gekennzeichnet; Namensformen nach der Liste der Staatennamen des Ständigen Ausschusses für geographische Namen, kurz StAGN):

Staat Jahr der Veröffentlichung bzw. der letzten Aktualisierung Algerien 2000 Australien 2002 Belgien 2009 China 1992 Dänemark 2017 Deutschland 2017 *Deutschland (DDR) 1981 Estland 2012 Finnland 2017 Frankreich 1989 Griechenland 2000 Island 1982 Iran, Islamische Republik 2000 Irland 1994 Italien 2004 Japan 2007 Kanada 2000 Korea, Republik 2015 Kroatien 2007 Madagaskar 2017 Malaysien 2017 Niederlande 2017 Norwegen 2007 Österreich 2012 Polen 2011 Rumänien 1994 Schweden 2007 Schweiz 1982 Slowakei 2010 Slowenien 1995 Spanien 1982 Südafrika 2012 Suriname 1985 Thailand 2002 Tschechische Republik 2007 *Tschechoslowakei 1987 Türkei 1982 *UdSSR 1987 Ukraine 2011 Ungarn 2017 Vereinigte Staaten 1989 Vereinigtes Königreich 2017 Zypern 2002

Daneben haben manche Staaten toponymische Richtlinien für den nationalen Gebrauch erarbeitet und präsentiert, so z. B. 2007 Chile.Lineamientos Generales de Toponimia para editores de mapas y otras publicaciones, de Chile (PDF)

Literatur Kerfoot, Helen / Närhi, Eeva Maria: Toponymic guidelines for map and other editors, for international use (from the 1970s to the present). In: Manual for the national standardization of geographical names United Nations Group of Experts on Geographical Names United Nations. New York: United Nations, 2006: S. 143–152. Online: https://unstats.un.org/unsd/publication/seriesm/seriesm_88e.pdf

Siehe auch UNGEGN

Weblinks Informationen zu Toponymic Guidelines auf der Homepage der UNGEGN Links auf rezent veröffentlichte oder aktualisierte UNGEGN Toponymic Guidelines

Fußnoten

Kategorie:Toponomastik