mini|hochkant|Gloria von Thurn und Taxis, 1981 Mariae Gloria von Thurn und Taxis, geborene Gräfin von Schönburg-Glauchau (* 23. Februar 1960 in Stuttgart, amtlicher Familienname Prinzessin von Thurn und Taxis, seit 1982 überwiegend als Fürstin von Thurn und Taxis bekannt), ist eine deutsche Unternehmerin und Managerin. Seit dem Tod ihres Ehemanns 1990 verwaltet sie das Gesamtvermögen des Hauses Thurn und Taxis. Seit der Jahrtausendwende macht sie mit polarisierenden Aussagen von sich reden, denen eine Nähe zur katholischen und zur Neuen Rechten sowie zu Verschwörungsmythen attestiert wird.
Name Mariae Gloria Ferdinanda Joachima Josephine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau (Taufname) trägt seit ihrer Heirat 1980 den amtlichen Namen Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis und nennt sich seit 1982 gemäß den traditionellen Richtlinien des privat organisierten Adelsrechtsausschusses mit dem Aristonym I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis.: Impressum (Idee und Durchführung)
Leben Gloria von Thurn und Taxis ist das zweite von vier Kindern von Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998) und dessen erster Ehefrau Beatrix Széchenyi de Sárvár-Felsövidék (1930–2021).Rolf Seelmann-Eggebert u. a.: Deutsche Fürstenhäuser. Neuer Glanz auf alten Kronen. Econ, 2000, ISBN 3-430-18276-X, S. 52. Sie hat drei Geschwister, Maya Felicitas Gräfin von Schönburg-Glauchau (1958–2019), Carl Alban Graf von Schönburg (* 1966) und Alexander Graf von Schönburg-Glauchau (* 1969).
Ihr Vater war Journalist und arbeitete als Auslandskorrespondent für einen Rundfunksender. Als er das Angebot erhielt, nach Afrika zu gehen, nahm er seine Frau und seine beiden Töchter mit. So wuchs Gloria erst in Togo und später in Somalia auf. In Afrika besuchte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Maya Benediktinerinnenschulen. 1970 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und wohnte zwei Jahre auf Schloss Willebadessen. Gloria ging von dort in Peckelsheim zur Schule. Danach kam sie an das Konrad-Adenauer-Gymnasium in Meckenheim, anschließend war sie Schülerin im Mädcheninternat Kloster Wald. Als die Familie 1976 in die Nähe von München zog, wechselte sie zunächst an das Edith-Stein-Gymnasium, war dann Schülerin des Privatgymnasiums Dr. Florian Überreiter und beendete die Schulzeit schließlich 1979 mit der Mittleren Reife.Marita A. Panzer: Fürstinnen von Thurn und Taxis. Verlag F. Pustet, Regensburg 2008, S. 157 Sodann arbeitete sie beim Münchner Kunst-Auktionshaus Ketterer.Marita A. Panzer: Fürstinnen von Thurn und Taxis. Verlag F. Pustet, Regensburg 2008, S. 158
mini|Allianzwappen Schönburg / Thurn und Taxis (heraldisch seitenverkehrt) 1979 begegnete sie erstmals Johannes von Thurn und Taxis (1926–1990), dem späteren 11. Oberhaupt des Hauses Thurn und Taxis, im Münchner Lokal Café Reitschule in Schwabing.Eigene Aussage Gloria von Thurn und Taxis in Menschen bei Maischberger, ARD, 9. September 2008, ca. 23:00 Uhr Die beiden heirateten am 31. Mai 1980 in Regensburg. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:
Maria Theresia Ludowika Klothilde Helene Alexandra Wilson, geb. von Thurn und Taxis (* 28. November 1980) ⚭ 13. September 2014 Hugo Wilson (* 1982), zwei Töchter Elisabeth Margarete Maria Anna Beatriz von Thurn und Taxis (* 24. März 1982) Albert Maria Lamoral Miguel Johannes Gabriel von Thurn und Taxis (* 24. Juni 1983)
Nach der Geburt ihres ersten Kindes wurde Gloria von Thurn und Taxis durch ihr Party-Leben bekannt. Dabei stand ihre zum Teil außergewöhnliche Kleidung und Frisur im Fokus der Boulevardmedien. In der Presse fanden sich Schlagzeilen wie etwa „Bayerns Gloria“, „Punker-Fürstin“, „Pop-Aristokratin“, „Prinzessin TNT“ oder „Jet-Set-Darling“.
1982 erkrankte ihr Mann schwer. Acht Jahre später starb er nach zwei Herztransplantationen. Kurz vor seinem Tod am 14. Dezember 1990 erteilte er ihr eine Generalvollmacht, worauf sie mit Hilfe von Fachleuten wie Nicolas Hayek das Familienunternehmen sanierte, das diverse Privatbanken, zahllose Immobilien, Industriebeteiligungen sowie eine Brauerei umfasste. Um die Erbschaftsteuer in Höhe von rund 45 Millionen DM bezahlen zu können, ließ sie 1992 einen Teil des Erbes beim Auktionshaus Sotheby’s versteigern.
1998 eröffnete der Freistaat Bayern in einer Liegenschaft des Familienbesitzes, dem Schloss St. Emmeram, die Fürstliche Schatzkammer Thurn und Taxis, eine Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums. Die repräsentativen Räume des Schlossmuseums, die Reithalle und das Refektorium werden für große Veranstaltungen genutzt.
Im Jahre 2001 wurde ihr Sohn volljährig und damit Oberhaupt des Hauses Thurn und Taxis. Sie blieb jedoch weiterhin die Verwalterin des Gesamtvermögens und repräsentiert de facto bis heute die Familie nach außen. Mit Stand 2024 wird ihr Vermögen auf ca. 3 Mrd. Euro geschätzt.The princess and the judge: Samuel Alito’s ties to a German aristocrat who defends the far right. In: The Guardian, 13. September 2024. Abgerufen am 14. September 2024.
Als Wahlfrau der CSU war sie 2004 Mitglied der 12. Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten.
Gloria von Thurn und Taxis bekennt sich öffentlich zum katholischen Glauben.Päpstlicher Orden für Gloria von Thurn und Taxis. tagesspiegel.de, 17. Oktober 2008. Sie ist Präfektin der 2006 von ihr in Anlehnung an die Marianische Männer-Congregation Regensburg initiierten Gebetsgruppe Marianische Frauencongregation „Mariä Verkündigung“ Regensburg (MFC). Pressestelle Bistum Regensburg Pressemitteilung des Bistums Regensburg, 17. Oktober 2008. Gloria von Thurn und Taxis ist Mitglied des Stiftungsrates der Lebensrechtsbewegung Stiftung Ja zum Leben und engagiert sich bei der Bayerischen Stiftung Hospiz. Sie ist Kuratoriumsmitglied des konservativen Forums Deutscher Katholiken. In der Adventszeit tritt sie regelmäßig gemeinsam mit Sacco & Mancetti und Mitgliedern aus dem „Lebenshilfe-Chor“ auf dem Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis auf. Zudem liest sie dort die Weihnachtsgeschichte nach Lukas.Fürstin Gloria gibt ein Zusatzkonzert
Medienpräsenz und Kontroversen
In den 1980er Jahren zunächst als „neuer Stern im internationalen Jet Set Circuit“ und „Punk-Prinzessin“ wahrgenommen, wandelte sie sich seit der Jahrtausendwende zunehmend zur Verfechterin eines radikalen Katholizismus und Unterstützerin von Rechtsextremen.Nach Enthüllungen über Spendendinner: „Keine komische Krawallfürstin, sondern extrem rechts“: 400 demonstrieren gegen Gloria von Thurn und Taxis; abgerufen am 28. März 2024.
Eine bekannte Äußerung von ihr stammt aus der Talkshow Friedman vom 9. Mai 2001: „Afrika hat Probleme nicht wegen der Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“ Auf Nachfrage präzisierte sie, sie meine Menschen, die wegen des wärmeren Klimas weniger Kleidung trügen. Dasselbe wiederholte sie im September 2008 in einem Interview mit der Bild am Sonntag: „Die Afrikaner sind mitnichten anders drauf als wir. Dass die mehr schnackseln, hat mit den klimatischen Bedingungen da unten zu tun“. Ihre Medienpräsenz ging nach diesem Vorgang zunächst zurück.
2004 erwirkten die Söhne eines verstorbenen ehemaligen Managers die Entfernung von Behauptungen über ihren Vater aus ihrer Autobiographie, die sie bereits 1992 nach einem Rechtsstreit zurückgenommen hatte. In demselben Buch hatte sie auch erzählt, dass sie 1990 dem Manager Magazin Finanzunterlagen zugespielt hatte, welches diese in einer Skandalgeschichte verarbeitete. In der Sendereihe Durch die Nacht mit … des Senders ARTE wurde sie von dem Galeristen Leo König auf einer Fahrt durch New York begleitet. Kurze Zeit später ließ sie die eingekaufte Sammlung bei Phillips de Pury wieder versteigern.
Seit etwa 2004 steht sie wieder verstärkt in der Öffentlichkeit, vorwiegend aufgrund zunehmend radikaler politischer Aussagen: Anlässlich der Thurn-&-Taxis-Festspiele im Jahre 2004 wirkte sie in einer Inszenierung von Hofmannsthals Jedermann mit. Zudem trat Gloria von Thurn und Taxis im Jahr 2012 mit einem selbst produzierten Rap-Song („Schloss-Rap“) ins Rampenlicht.„Gloria rappt bei Florian Silbereisen in der Show“.
Am 4. April 2005 bezeichnete sie Papst Johannes Paul II. in der Talkshow Beckmann im Ersten als einen „Vorreiter für die Frauenrechte“. Sie bekräftigte diese Aussage in einem späteren Interview und begründete dies mit der von Johannes Paul II. entwickelten „Theologie des Leibes“. Nach dieser müsse „der Mann die Frau ehren und lieben“, weil sie „die Trägerin des Lebens“ sei. zenit.org, 31. August 2006.
Thurn und Taxis steht der Lebensrechtsbewegung nahe, in deren Zusammenhang sie sich gegen Abtreibung einsetzt und von einer „Kultur des Todes und des Tötens“ spricht. Nach ihrem eigenen Bekunden wurden mit der Papstwahl Benedikts XVI. ihre jahrelangen Gebete erhört. Im Vorfeld des Papstbesuches in Bayern 2006 erklärte sie, dass ihr die Worte Benedikts XVI. „helfen, das Leben mit seinen Höhen und Tiefen zu bewältigen“.
Den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München bezeichnete Thurn und Taxis als „eine Art ökumenische Kirmes“ und meinte: „[…] aus dem Alter bin ich raus!“Ökumene: Piusbrüder warnen vor Kirchentag. focus.de, 6. Mai 2010. Ferner begrüßt sie die Wiederzulassung der Messfeier nach tridentinischem Ritus und befürwortete „im Sinne der Ökumene“ Gespräche mit der Piusbruderschaft, da sie in „diese(n) von Rom Abgefallenen unsere Brüder und nächsten Verwandten“ sieht.Gloria von Thurn und Taxis: Kritik am Papst „reine Polemik“. fr-online.de, 14. April 2010.
Im Mai 2012 sprach sich Thurn und Taxis in der TV-Sendung Markus Lanz gegen Kondomautomaten an Schulen aus und erklärte, diese hätten dort ebenso wenig etwas verloren wie Zigaretten- oder „Haschischautomaten“. Auf den Hinweis, es gehe um die Verhütung bei Teenagern, antwortete sie, diese „sollen lieber Tennis spielen“. Sie erklärte weiterhin, der Mensch sei „ein monogames Tier“; Partner zu teilen, wie es in den 68ern üblich gewesen sei, sei sehr schwierig für eine Frau: „Deshalb ist die Erziehung zur Promiskuität keine gute Idee. Sie schadet langfristig der Gesellschaft.“
2015 warnte Thurn und Taxis davor, dass die Flüchtlingskrise in Deutschland eine „Art Krieg“ und die Aufnahme der Flüchtlinge der Vorbote „eines dritten Weltkriegs“ sei.
Im Herbst 2016 ließ sie Gerhard Ludwig Kardinal Müller sein neues Buch in ihrem Schloss vorstellen. Rund 70 Leute waren eingeladen: Peter Gauweiler, Henryk M. Broder, Hans Magnus Enzensberger und Martin Mosebach, Prälat Wilhelm Imkamp, der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Ratzinger, und Journalisten. Des Weiteren waren auch Sven von Storch, der Mann von AfD-Politikerin Beatrix von Storch, und Michael Klonovsky eingeladen. Klonovsky war „publizistischer Berater“ der damaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, später arbeitete er als persönlicher Referent des damaligen AfD-Bundestagsfraktionschefs Alexander Gauland. Gegen Mitternacht hob Kardinal Müller zu einer kurzen Rede an: „Die Welt ist furchtbar.“ Müllers Anwesenheit sei ein Zeichen wider den „Zeitgeist“ gewesen.
Im Juni 2017 wurde Gloria von Thurn und Taxis Mitglied im Aufsichtsrat des Kreml-nahen Thinktanks Dialogue of Civilizations Research Institute.