Loingau Das Herzogtum Sachsen um das Jahr 1000 Die ungefähre Lage des Loingaus mini|Der Loingau und die umgebenden Gaue im Stammesherzogtum Sachsen um 1000 Der Loingau ist das Gebiet zu beiden Seiten von Böhme, Örtze, Unteraller und Leine, zwischen Rethem, Stellichte, Timmerloh, Hermannsburg und dem Steinhuder Meer im Süden. Er gehörte zur ehemaligen Diözese Minden und umfasste Teile des Landkreises Celle und der ehemaligen Landkreise Fallingbostel, Soltau und Burgdorf.Alfred Keseberg: Uetzingen, Hunenburg und Loingo, S. 35.

Geografie Der Loingau ist seit 835 immer wieder urkundlich belegt.Keseberg (S. 35) listet 16 Fundstellen auf: zuerst in: P. Wigand (Hrsg.): Traditiones Corbeiensis, 1843, zuletzt in: W. v. Hodenberg (Hrsg.): Lüneburger Urkundenbuch; Archiv des Klosters St. Johannis zu , 1859 Bezeichnet wird damit der Amts- und Machtbereich eines Grafen seit der fränkischen Landnahme. Bei der Beurkundung von Orten im Loingau mit dem Attribut „in pago [=Gau, lat.] Loingo“ wird dieser Gau als territorialpolitische Raumeinheit belegt. Keseberg listet charakteristische Siedlungs- und Ortsnamen auf, die sich um die Gohstätte, den Gohberg zwischen Uetzingen und Honerdingen ermitteln lassen.Prähistorische Stätten, heidnische Kultstätten, Kirchen, Gebiete mit dem Namen Bann, Bauerschaften, Adelssitz Hilperdingen (in der Bauerschaft Honerdingen), Gerichte und Burgen führt Keseberg (S. 41) auf.

Im Loingau finden sich viele geografische Bezeichnungen mit dem Bestandteil „Loh“, wie in Lohheide. Lohin-gao bedeutet also Waldgau.Alfred Keseberg: Uetzingen, Hunenburg und Loingo, S. 37

Abgrenzung vom Leinegau

Wenn man Loingau von „loh“, also „Wald“ ableitet, ist Loingau nicht gleichzusetzen mit „Leinegau“, benannt nach dem Fluss „Leine“. Köbler teilt in einen unteren Leinegau und einen oberen Leinegau.Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1. Gustav Droysen spricht nur von einem Lohingao. Aber auch bei ihm taucht der Name Logiga für die Leine auf. Sie verläuft zwischen den Gauen Maerstem (Marstemgau) und Flutwide (Flutwidde).Herzogtum Sachsen-Karte in: Gustav Droysen, Allgemeiner Historischer Handatlas, 1886 Keseberg setzt den Loingau ab vom Leinegau bei Göttingen.

Geschichte

Die Grenzen des Loingaus werden nach Keseberg auch durch mundartliche Grenzen (etwa des niederdeutschen mi/mik für mich und di/dik für dich) festgelegt. Der Loingau war im Mittelalter ein Sprengel des Bistums Minden. Er ist demnach von dort aus missioniert worden. In Ahlden entstand ein Haupthof des Bischofs von Minden, und von dort aus wird später die Missionierung des Loingaus fortgesetzt sein.Alfred Keseberg: Uetzingen, Hunenburg und Loingo, S. 43 Eine zweite Missionswelle nahm ihren Ursprung von dem 822 gegründeten Kloster Corvey an der Weser aus. Die Orte Alten- und Kirchwahlingen, Fallingbostel und Walsrode gehen nach Keseberg auf einen der Gründer des Klosters Corvey, Wala und dessen Nachkommen, zurück.

Der fränkische Großraum erhielt den Namen Loingo nach dem sächsischen Lohingo. Die sächsische Gohordnung wurde weiter angewandt – allerdings übernahm der Gaugraf den Vorsitz im Gohgericht.

In schriftlichen Urkunden kommt in den Berichten von den Wunderheilungen am Grab Willehads (des Bischofs von Bremen 860) der Name vor: „Im Dorf Büchten in Loinga (Gebiet an den Unterläufen der Allerzuflüsse Leine und Böhme) war eine Frau mit Namen Siberin an allen Gliedern geschwächt ihre Gesundheit wurde vollständig wiederhergestellt.“Andreas Röpcke (Hrsg.): Willehad: das Leben des hl. Willehad, Bischof von Bremen, und die Beschreibung der Wunder an seinem Grabe. Schünemann Verlag, Bremen 1982, ISBN 3-7961-1738-4

In einer Urkunde aus dem Jahre 1069 wird von der Äbtissin der Quedlinburger Kirche Adelheid dem Herzog Magnus der Schutz über den Hof Soltau, der im Gau Loinge liegt, übertragen.als Faksimile, lateinischer Text und deutsche Übersetzung abgedruckt bei Alfred Keseberg: Uetzingen, Hunenburg und Loingo, S. 61ff.

Literatur Friedrich Grütter: Der Loingau, hrsg. von Otto Jürgens, Hannover 1901. (Veröff. z. Niedersächsischen Geschichte H. 4.) Wilhelm von Hodenberg (Hrsg.): Der pagus Loingo. In: Lüneburger Urkundenbuch. Archiv des Klosters St. Johannis zu Walsrode, 1859 Alfred Keseberg: Uetzingen, Hunenburg und Loingo. Bomlitz 1969 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1.

Einzelnachweise

Kategorie:Gau (Niedersachsen) Kategorie:Geographie (Niedersachsen) Kategorie:Leine (Aller) Kategorie:Aller Kategorie:Geschichte (Landkreis Heidekreis) Kategorie:Geschichte (Landkreis Celle) Kategorie:Altsachsen