Helen Louise Maroulis (* 19. September 1991 in Rockville, Maryland) ist eine US-amerikanische Ringerin. Sie wurde 2015 in der Gewichtsklasse bis 55 kg und 2017 in der Gewichtsklasse bis 58 kg Körpergewicht Weltmeisterin. 2016 gewann sie bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Goldmedaille in der Gewichtsklasse bis 53 kg Körpergewicht. Sie war die erste US-Ringerin der Geschichte, die eine olympische Goldmedaille gewann. Nach mehreren Hirnerschütterungen und Jahren, die immer wieder von Verletzungspausen durchzogen waren, gewann sie 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio und bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris jeweils die Bronzemedaille. Im Jahr 2023 gewann sie an der Weltmeisterschaft in Belgrad die Bronzemedaille.

Werdegang

Helen Maroulis besuchte die High School in Marquette (Michigan), wo sie im Jahre 1999 mit dem Ringen begann. Nunmehr wohnt sie in Rockville, Maryland und ist Angehörige des New-York-Athletic-Club. Nach ihrer High-School-Zeit studierte sie zunächst an der Simon-Fraser-University in Burnaby/Kanada und danach an der Missouri Baptist University. Trainiert wurde bzw. wird sie von Mike Jones, Bryan Jackson und Wladislaus Isboinikow. Die 1,60 Meter große Athletin startet als Erwachsene in der Gewichtsklasse bis 55 kg Körpergewicht.

Ihren ersten bemerkenswerten Erfolg hatte sie im Jahre 2006, als sie bei der US-amerikanischen Juniorenmeisterschaft in der Altersgruppe „Cadets“ (bis zum 16. Lebensjahr) in der Gewichtsklasse bis 52 kg den 3. Platz belegte. 2007 wurde sie dann in der gleichen Altersgruppe und in der gleichen Gewichtsklasse US-amerikanische Meisterin. 2008 wurde sie US-amerikanische Juniorenmeisterin (Altersgruppe bis zum 20. Lebensjahr) und belegte bei den US-Meisterschaften der Damen in der Gewichtsklasse bis 51 kg hinter Jessica Medina und vor Katherinae Fulp-Allen den 2. Platz. Im gleichen Jahr absolvierte sie dann auch ihre ersten Starts bei internationalen Meisterschaften. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Istanbul belegte sie dabei in der Gewichtsklasse bis 51 kg mit vier Siegen und einer Niederlage gegen die Japanerin Yu Horiuchi den 3. Platz und gewann damit eine WM-Bronzemedaille. Im September 2008 setzte sich Helen Maroulis dann auch bei der WM-Ausscheidung (Trials) gegen so erfahrene Ringerinnen wie Stephanie Murata und Whitney Conder durch und vertrat die Vereinigten Staaten bei der Weltmeisterschaft in Tokio. Dort siegte sie über Roksana Zasina aus Polen, unterlag dann aber gegen die mehrfache Weltmeisterin Hitomi Sakamoto und gegen die Kanadierin Jessica MacDonald und kam auf den 8. Platz.

2009 wurde Helen Maroulis sowohl US-amerikanische Meisterin bei den Damen und bei den Juniorinnen, jeweils in der Gewichtsklasse bis 55 kg. Während sie bei der Junioren-Weltmeisterschaft dieses Jahres in Ankara gleich ihren ersten Kampf gegen Marwa Amri aus Tunesien verlor und deshalb nur auf den 17. Platz kam, gewann sie bei den Pan-Amerikanischen-Meisterschaften in Maracaibo eine Bronzemedaille.

2010 wurde sie bei der US-amerikanischen Meisterschaft und bei den WM-Trials jeweils von Tatjana Padilla geschlagen. Sie startete aber bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Budapest und belegte dort mit vier Siegen bei einer erneuten Niederlage gegen Yu Horiuchi den 3. Platz, womit sie wieder eine Bronzemedaille gewann.

Im April 2011 wurde Helen Maroulis US-amerikanische Meisterin in der Gewichtsklasse bis 55 kg vor Kelsey Campbell und Schuyler Brown. Sie gewann auch wieder den Titel bei der US-amerikanischen Junioren-Meisterschaft und setzte sich auch bei den WM-Trials vor Ashley Hudson und Kelsey Campbell durch. Im November 2011 veranstaltete der US-amerikanische Ringerverband noch eine USA-Meisterschaft für die vier olympischen Gewichtsklassen (bis 48 kg, bis 55 kg, bis 63 kg und bis 72 kg). Helen Maroulis siegte auch dort vor Leigh Jaynes und Kelsey Campbell. Diese Meisterschaft zählt bereits zur Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London.

2011 war sie dann auch bei drei internationalen Meisterschaften am Start. Zunächst gewann sie in Bukarest bei der Junioren-Europameisterschaft eine Silbermedaille. Sie unterlag dort erst im Finale gegen die Japanerin Kanako Murata, der sie einen großen Kampf lieferte, knapp mit 1:2 Runden bei 5:5 Punkten. Bei der Weltmeisterschaft in Istanbul siegte sie über Aiym Abduldina aus Kasachstan und Wolja Trandewa Tihomirowa aus Bulgarien, unterlag dann der vielfachen Weltmeisterin und Olympiasiegerin Saori Yoshida nach Punkten, siegte über Emriye Musta aus der Türkei und Alma Jane Valencia Escoto aus Mexiko, ehe sie im Kampf um eine WM-Bronzemedaille gegen Ida-Theres Nerell aus Schweden unterlag. Bei den Panamerikanischen Spielen in Guadalajara gelang es ihr, die kanadische Favoritin Tonya Verbeek im Finale zu besiegen und damit den Meistertitel davonzutragen.

Im Februar 2012 siegte sie dann auch bei den Panamerikanischen Meisterschaften in Colorado Springs. Hier besiegte sie im Endkampf Marcia Yuleisi Andrades Mendoza aus Mexiko. Den Sprung zu den Olympischen Spielen in London schaffte Helen Maroulis nicht, weil sie bei der US-amerikanischen Olympiaausscheidung gegen Kelsey Campbell unterlag. Sie wurde aber im September 2012 bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Strathcona County eingesetzt und wurde dort in der Gewichtsklasse bis 55 kg nach Siegen über Nadeschda Michailowa, Weißrussland, Maria Prevolaraki, Griechenland und Brittanee Laverdure, Kanada und einer Niederlage im Finale gegen Saori Yoshida Vize-Weltmeisterin.

Bei der Weltmeisterschaft 2013 in Budapest gelang ihr der Sprung in die Medaillenränge nicht. Sie siegte dort zunächst über Han Kum-ok, Nordkorea und Pham Thi Hue, Vietnam, unterlag dann aber gegen Soria Mattsson und gegen Maya Christowa aus Bulgarien, womit die auf den 7. Platz kam.

2014 aber gewann sie bei der Weltmeisterschaft in Taschkent wieder eine Medaille. Sie besiegte dort in der Gewichtsklasse bis 55 kg Elverina Jimenez Zepeda aus Nicaragua und Battsetseg Altantsetseg aus der Mongolei. Im Halbfinale unterlag sie gegen Chiho Hamada aus Japan und sicherte sich danach in der Trostrunde mit einem Sieg über Katarzyna Krawczyk aus Polen eine Bronzemedaille.

Bei der Weltmeisterschaft 2015 in Las Vegas gelang Helen Maroulis dann endlich der Titelgewinn. Sie besiegte dort Brend Isabella Fernandes Salazar aus Mexiko, Ewelina Nikolowa aus Bulgarien, Pang Qianyu aus China und im Finale Irina Ologonowa aus Russland, die sie beim schnellen 11:0-Sieg klar beherrschte.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro startete Helen Maroulis in der Gewichtsklasse bis 53 kg Körpergewicht. Sie gewann dort mit fünf Siegen in überlegenem Stil die olympische Goldmedaille. Auf dem Weg zu diesem Erfolg besiegte sie Julija Blahinja aus der Ukraine (12:1) und Zhong Xuechun, China (10:0) jeweils vorzeitig. In der dritten Runde schlug sie die sich hartnäckig wehrende Nordkoreanerin Jong Myong Suk nach Punkten (7:4). Im Halbfinale kam Helen Maroulis zu einem Schultersieg über die starke Schwedin Sofia Mattsson und im Finale besiegte sie die Ausnahmeringerin und dreifache Olympiasiegerin Saori Yoshida aus Japan sicher mit 4:1 Punkten und sorgte damit für eine große Überraschung. Ihr Sieg war aber hochverdient.

2017 wurde Helen Maroulis in Paris in überlegenem Stil auch Weltmeisterin in der Gewichtsklasse bis 58 kg Körpergewicht. Sie besiegte dabei fünf Gegner in vorzeitig durch techn. Fall und erzielte dabei 52:0 techn. Punkte. Ihre Finalgegnerin war Marwa Amri aus Tunesien.

Im Januar 2018 traf Helen Maroulis im Rahmen der Indischen Profi-Ringer-Liga in einem Revanchekampf wieder auf Marwa Amri. Sie erlitt in diesem Kampf eine schwere Kopfverletzung, von der sie sich nur langsam erholte. Aus diesem Grund konnte sie sich erst am 6. Oktober 2018 in einer extra angesetzten Qualifikation mit zwei überlegenen vorzeitigen Siegen (10:0 und 12:0) über Alex Hendrick für die Weltmeisterschaft in Budapest qualifizieren. In Budapest traf sie in der ersten Runde auf Aljona Kolesnik aus Aserbaidschan, gegen die sie eine überraschende Schulterniederlage hinnehmen musste. Da Aljona Kolesnik das Finale nicht erreichte, schied Helen Maroulis aus und kam nur auf den 21. Platz.

Bei den 2021 ausgetragenen Olympischen Spielen in Tokio gewann sie die Bronzemedaille. Die gleiche Platzierung erreichte sie bei den Weltmeisterschaften 2023 in Belgrad und den Olympischen Spielen 2024 in Paris.

Internationale Erfolge