miniatur|Johann Faust, wie man ihn sich um 1726 vorstellte. Tatsächlich ist über sein Aussehen nichts bekannt.Bearbeitung des Faust-Stoffes von einem „Christlich-Meynenden“. 1726, Faust-Sammlung in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Johann Georg Faust, auch Georg Faust (* wahrscheinlich um 1480 in Knittlingen, in verschiedenen Quellen werden auch Simmern,Laut Georg Witkowski: Der historische Faust. In: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Neue Folge, 1. Jahrgang (1896/97), S. 298–350, ist dieses Simmern gemeint Roda und Salzwedel genannt; † um 1541 in oder bei Staufen im BreisgauDie Zimmerische Chronik, Band 3, Seite 529 schreibt: „um die Zeit des Regensburger Reichstags“. Da die Zimmern im Kontext bereits als Grafen benannt sind, muss dies nach 1538 sein. Da Froben Christoph von Zimmern noch unverheiratet ist es vor 1544. Es kommt also nur der Reichstag 1541 in Frage.), war ein wandernder Wunderheiler, Alchemist, Magier, Astrologe und Wahrsager. Sein Leben gilt als historische Vorlage des Fauststoffes.

In allen Zeugnissen über Faust, die zu seinen Lebzeiten niedergeschrieben wurden, erscheint er immer mit dem Vornamen Georg oder Jörg. Von einem Johann Faust wird erst mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod geschrieben, weil er selbst wohl den häufig verwendeten ersten Vornamen Johann aussparte.Günther Mahal: Faust. Untersuchungen zu einem zeitlosen Thema, 1998, S. 59. Aus Berichten über Faust entstand in Verbindung mit älteren Magiergeschichten der in vielen literarischen und musikalischen Werken verarbeitete Fauststoff.

Herkunft aus Knittlingen oder Helmstadt miniatur|Faust-Museum im Knittlinger Alten Rathaus mini|Aufenthaltsorte von Johann Georg FaustGünther Mahal: Faust. Und Faust. Der Teufelsbündler in Knittlingen und Maulbronn. Attempto, Tübingen 1997, S. 29. miniatur|Faust-Archiv in der Alten Lateinschule, Knittlingen mini|Gedenktafel am Haus, Collegienstraße 31, in Wittenberg Faustus ist ein lateinischer Gelehrtenname, der in der Zeit der Renaissance üblich war. Faustus bedeutet „der Glückliche“. Der Namensträger wollte sich damit als glücklich und glückbringend sowie humanistisch gebildet darstellen.Jochen Schmidt: Goethes Faust. Erster und zweiter Teil. Grundlagen, Werk, Wirkung. C. H. Beck, München 2001, S. 11. In Knittlingen ist Faust allerdings auch als Familienname 1546–1566 durch die Maulbronner Musterungslisten verbürgt.Konstantin Huber, Jürgen H. Staps, Manfred Metzger, Horst Naumann, Gerhard Fritz (Hrsg.): Die Musterungslisten des württembergischen Amtes Maulbronn 1523–1608. Edition mit Beiträgen zur Namenkunde, Militär- und Regionalgeschichte. Pforzheim 1999. Zum historischen Faust sind nur neun zeitgenössische Quellen bekannt, die überwiegend „Georg“ als Vornamen angeben. Diese enthalten größtenteils auch nur wenige und von den jeweiligen Autoren subjektiv eingefärbte Informationen. Der Geburtsort Fausts ist umstritten. Neben dem baden-württembergischen Knittlingen wird auch Helmstadt bei Heidelberg genannt. Das thüringische Roda spielt als Geburtsort nur in der Faust-Sage eine Rolle.

In Knittlingen, das bis 1504 zur Pfalz gehörte, befinden sich heute ein umfangreiches Faust-Museum und Faust-Archiv. Das umstrittene historische Dokument für Knittlingen als Geburtsort Fausts ist die Abschrift der Urkunde eines Immobilienkaufs im Jahr 1542. Diese handschriftliche Abschrift wurde von dem Lehrer Karl Weisert 1934 mit einem Bleistift gefertigt. Das Original ist während des Zweiten Weltkriegs verbrannt. Die Richtigkeit der Abschrift Weiserts wurde am 3. März 1934 vom damaligen Bürgermeister Lehner mit Unterschrift und Stempel bestätigt.„Beglaubigung. Die Richtigkeit der vorgezeigten Abschrift des im Keller des Knittlinger Rathauses in einer Kiste gefundenen Kaufvertrags vom Jahre 1542 (betr. Geburtshaus des Dr. Faust) wird auf Grund vorgelegten Kaufbriefs bescheinigt. Knittlingen, den 3. März 1934“. Da die Originalurkunde verbrannt ist, kann theoretisch eine Art „Geschichtsfälschung“ zugunsten Knittlingens nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Überschrift „Beglaubigung“ ist verwaltungsrechtlich streng genommen zweifelhaft, da entsprechende Texte nicht beglaubigungsfähig sind. Zu den Zweifeln vgl. Peter Thaddäus Lang: Zur Biographie des historischen Faustus. Die Frage nach der Zuverlässigkeit einer Quelle aus Knittlingen. In: Württembergische Kommission für Landesgeschichte u. a. (Hrsg.): Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. Band 44, 1985, S. 308–315, der Wortlaut des umstrittenen Dokuments steht auf S. 314. Danach bezeichnet ein Knittlinger Kaufbrief das Haus neben der heutigen Stadtkirche als das Gebäude „allwo Fausten born“:

Außerdem zitierte der aus Ansbach gebürtige Johannes Manlius im Jahr 1563 eine Äußerung seines Wittenberger Lehrers Philipp Melanchthon, er habe den Knittlinger Faust gekannt:

Melanchthon stammte aus dem fünf Kilometer entfernten Bretten.Vgl. dazu auch Günther Mahal: Faust-Museum Knittlingen. 1984, S. 12. In einem Protokoll der Stadt Ingolstadt aus dem Jahr 1528 ist von einem „Dr. Jörg Faustus von Haidlberg“ die Rede.Protokolle der Stadt Ingolstadt. Originale in Ingolstadt, Stadtarchiv, Ratsprotokolle, 1523/94 fol. 70v und 1527/30 fol. 49v. Erster Druck in: Ostermair: Zur Faust-Sage. Doctor Faust 1528 in Ingolstadt. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte. Band 32, 1872/73, Heft 2/3, S. 336: „Am Mittwoch nach viti 1528 ist einem der sich genant Dr. Jörg Faustus von Heidelberg gesagt, dass er seinen Pfennig anderswo verzehre, und hat angelobt, solche Erforderung für die Obrigkeit nicht zu ahnden noch zu äffen.“ In dem Wettertagebuch des Rebdorfer Priors Kilian Leib wird ein „Georgius Faustus helmstet.“ genannt.Wettertagebuch aus dem Jahr 1528 des Rebdorfer Priors Kilian Leib [1471–1553]. Original in München, Bayerische Staatsbibliothek, 4° L. impr. c. n. mss. 73, fol. 257r. Text im Original lateinisch. Erster Druck in: Karl Schottenloher: Der Rebdorfer Prior Kilian Leib. In: Riezler-Festschrift. Beiträge zur bayerischen Geschichte. Gotha 1913, S. 92 f.: „Georgius faustus helmstet. sagte am 5. Juni: wenn Sonne und Jupiter im gleichen Grad ein und desselben Sternzeichens stehen, dann werden Propheten geboren (wohl solche wie seinesgleichen). Er versicherte, daß er Kommendator oder Präzeptor einer kleinen Niederlassung der Johanniter im Grenzgebiet Kärntens sei, einem Ort namens Hallestein.“ Das abgekürzte Wort „helmstet.“ hat die These vom „Georg Helmstetter“ hervorgebracht, der sich nur im selbstgewählten Beinamen Faustus genannt hätte. Tatsächlich immatrikulierte sich im Januar 1483 an der Universität Heidelberg ein Georgius Helmstetter dioc. Warmaciensis, der am 1. März 1487 zum Lizentiaten promoviert wurde und sich bis zum Frühjahr 1489 in Heidelberg aufhielt.Badische Historische Kommission: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 85, 1933, S. 232. Der Name Faustus ist aber nirgendwo in den Registern mit dem Namen Georgius Helmstetter verbunden.Dies räumt auch Frank Baron ein, der trotzdem die Helmstadt-These verteidigt: „Jedenfalls erwarb sich ein Mann namens Georg von Helmstadt (in den Matrikeln auch einfach Georg Helmstetter genannt) in Heidelberg jenen höchsten Grad philosophischer Ausbildung, auf den Faustus später sehr stolz war. Seinen Familiennamen hat Georg von Helmstadt ebenso konsequent verschwiegen wie später Faustus.“ Frank Baron: Faustus. 1982, S. 18. Unberücksichtigt bleibt bei diesen Spekulationen außerdem, dass „Faust wie ein Großteil der damaligen Knittlinger Bevölkerung wohl als Helmstädter Leibeigener geboren worden war und daß er leicht in Erfahrung bringen konnte, daß im Raum um Rebdorf dieses pfälzische Adelsgeschlecht große Besitzungen und wichtige Ämter innehatte. Wenn er sich dem Prior Kilian Leib als ein „helmstet.“ und zudem als Komtur der Johanniter vorstellte, konnte er auf günstigen Empfang rechnen.“Günther Mahal, Brigitte Bruns, Ottmar Maier (Hrsg.): Faust-Museum Knittlingen. Exponate, Materialien, Kommentare. Daxer, Stuttgart 1980, S. 20.

Weisheit, Schwarzkunst oder Prahlerei

Faust erschien in vielen Städten im süddeutschen Raum. Er trat als Philosoph, Wunderheiler, Alchemist und Wahrsager auf. Viele sahen in dem als Quacksalber und Storger auftretenden „Magier“ allerdings nur einen Betrüger und Hochstapler. Besondere Anfeindungen erfuhr er von Klerikern. Für die Zeit vor 1506 existieren keine gesicherten Belege für Fausts Wirken. Im Gegensatz zu anderen auch als Magier angesehenen Gelehrten seiner Zeit wie Agrippa von Nettesheim, Trithemius und Paracelsus war er vor allem als Praktiker bekannt.Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Zum Magie-Begriff in der Renaissance-Medizin und -Pharmazie. 1984, S. 105 f.

Bericht des Trithemius Belegt ist ein Aufenthalt Fausts im Jahr 1506 in der Nähe von Gelnhausen. Davon berichtet ein im Jahr 1507 verfasster Brief des Abtes Johannes Trithemius an Johann Virdung, worin Trithemius, ein wie Faust, Agrippa und Paracelsus auch als Magier geltender Gelehrter,Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Zum Magie-Begriff in der Renaissance-Medizin und -Pharmazie. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 99–116, hier: S. 104–106. sich abfällig über Faust äußert. Das handschriftliche Original befindet sich in der Vatikanischen Bibliothek. Es handelt sich um die erste, längste und folgenreichste zeitgenössische Quelle. Der Mann nannte sich, mit Titel, nach Trithemius: „Magister Georgius Sabellicus, Faustus iunior. fons necromanticorum, astrologus, magus secundus, chiromanticus, agromanticus, pyromanticus, in hydra arte secundus“.

mini|hochkant|Johannes Trithemius war Verfasser eines Werks gegen das Zauberwesen (Antipalus maleficiorum)

Im Erfurter Wirtshaus In einem 1513 geschriebenen Brief des Humanisten Mutianus Rufus, der Faust in einer Herberge getroffen hat, wird dieser als „ein bloßer Prahler und Narr“ bezeichnet.

Kloster Maulbronn mini|Faustturm Maulbronn Süd Eine historische Quelle berichtet über den Aufenthalt von Faust im Kloster Maulbronn im Jahre 1516. Johann Entenfuß war zu der Zeit ein baufreudiger Abt. Im Fürstlich Württembergischen Dienerbuch aus dem 17. Jahrhundert berichtet der Archivar Philip Jacob Zeiter: „Johannes Entenfuß de Evisheim […] ist Dr. Fausten deß Zauberers Collega gewesen, welcher diesen Abbte zu Maulbronn besucht.“ Durch die Bautätigkeiten geriet das Kloster in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten – und vielleicht hatte Abt Entenfuss deshalb Faust zu Hilfe gerufen. Heute verweist der sogenannte Faustturm an der Südostecke des Klosters auf Doktor Faustus.

Bamberg, Kloster Rebdorf und Ingolstadt miniatur|hochkant|Der Fürstbischof des Hochstifts Bamberg, Georg III., ließ sich von Faust ein Horoskop stellen Faust war 1520 in Bamberg, um dem Bamberger Fürstbischof Georg III. Schenk von Limpurg ein Horoskop zu erstellen. Dies geht aus einer Hofkammerrechnung des Bischofs hervor, in der es heißt: „Item X guld[en] geben und geschenckt doctor faustus ph[ilosoph]o zuuererung hat m[einem] g[nedigen] herrn ein nativitet [Horoskop] oder Indicium [Geburtshoroskop] gemacht, zalt am Sontag nach stolastice Jussit R[everendissi]mus“.Hofkammerrechnung des Bamberger Bischofs Georg III. [1470–1522], Schenk von Limpurg, 1520. Original gefertigt von Kammermeister Hans Muller (Bamberg, Staatsarchiv, Bestand A 231, Nr. 1741). Erster Druck in: Johann Mayerhofer: Faust beim Fürstbischof von Bamberg. In: Vierteljahrsschrift für Litteraturgeschichte 3, 1890, H. 1, S. 177 f. Nachgewiesen bei Günther Mahal, Brigitte Bruns, Ottmar Maier (Hrsg.): Faust-Museum Knittlingen. Exponate, Materialien, Kommentare. Daxer, Stuttgart 1980, S. 20.