Stalin ist eine US-amerikanische Filmbiografie aus dem Jahr 1992. Der von HBO produzierte und von Ivan Passer inszenierte Fernsehfilm erzählt die Geschichte um Josef Stalins Aufstieg zur Macht bis zu seinem Tod und umfasst die Zeitspanne von 1917 bis 1953. Dank seines guten Rufes und der damals vorherrschenden Politik von Glasnost und Perestroika erreichte Produzent Mark Carliner, dass der Film als erster Spielfilm überhaupt eine Drehgenehmigung für den Moskauer Kreml erhielt.David Gritten: ‚Stalin‘ Gets Lenin’s Office in the Kremlin auf latimes.com vom 16. November 1992 (englisch), abgerufen am 19. April 2012 Obwohl der Film fast ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht wurde und Carliner darauf Wert legte, dass der Film, nach der Überprüfung mehrerer Wissenschaftler und Historiker, „die Wahrheit widerspiegelt“,Tom Jicha: Stalin Robert Duvall’s Powerful Presence And Hbo’s Quest For Accuracy Combine For A Chilling Portrait Of The Soviet Dictator auf sun-sentinel.com vom 21. November 1992 (englisch), abgerufen am 19. April 2012 liegt der Fokus weniger auf dem historischen Kontext als auf Stalins Charakter. Das wurde von vielen Filmkritikern als Mangel angesehen, wobei sie gleichzeitig Robert Duvalls Darstellung lobten. Allerdings interpretierte Duvall Stalin auf seine eigene Weise, sodass der Film nicht die historische Wahrheit zeigt.David Gritten COVER STORY: ON LOCATION: Awakening the Kremlin’s Ghosts auf latimes.com vom 12. Januar 1992 (englisch), abgerufen am 19. April 2012 Der Film hatte mehrere Filmpreisnominierungen, darunter drei Auszeichnungen bei den Golden Globe Awards 1993, wobei Duvall als Bester Hauptdarsteller einer Mini-Serie oder eines TV-Films seinen vierten Golden Globe erhielt. Eine deutschsprachige Veröffentlichung ist nicht bekannt.

Handlung Swetlana Iossifowna Allilujewa, Tochter Josef Stalins, erzählt, wie ihr Vater aus seinem sibirischen Exil geholt wurde, um erst im Ersten Weltkrieg und später gegen den Zaren zu kämpfen. Mit der Oktoberrevolution wird unter der Führung Lenins eine neue Regierung in Russland installiert. Für Stalins Aktivitäten wird ihm die junge Sekretärin Nadeschda Allilujewa zur Seite gestellt. Sie bewundert ihn und ist fest davon überzeugt, dass er eines Tages Russland verändern könne. Dabei verliebt sie sich in ihn und heiratet ihn, wobei sie seine charakterlichen Schwächen, wie etwa sein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber anderen Menschen, übersieht. Stalin zeigt sich entschlossen und rücksichtslos. So lässt er mehrere Offiziere hinrichten, worüber sich Leo Trotzki bei Lenin beschwert. Zum Missfallen des intellektuellen Trotzkis wird Stalin von Lenin in Schutz genommen. Es entwickelt sich zwischen ihm und Stalin ein Machtkampf um Lenins Erbe. Als Lenin einen Schlaganfall erleidet, nutzt Stalin jede Möglichkeit, um Trotzki auszuschließen und sich als Nachfolger in Stellung zu bringen. Er umgibt sich mit loyalen Weggefährten, wie Grigori Sinowjew und Lew Kamenew, sodass er sich nach Lenins Tod über dessen Testament, Trotzki als dessen Nachfolger zu installieren, hinwegsetzen kann und neuer Herrscher der Sowjetunion wird. Als eine seiner ersten Handlungen lässt er seine Kritiker entweder töten oder ins Exil schicken. Trotzki wird in die Türkei ausgewiesen.

Anschließend beginnt Stalin mit der Entkulakisierung, wobei er sich mit militärischer Hilfe gegen alle Widerstände durchsetzt und ihm jedes Opfer, das die Bauern, etwa 80 Prozent der Bevölkerung, bringen müssen, recht ist. Er fordert von ihnen Gehorsam und droht mit harten Strafen. Nadeschda sieht bei ihrer Zugreise durch das Land die Erschießung oder Deportierung von immer mehr Bauern, sodass sie ihrem Mann bei einer ausgelassenen Feier die Stirn bietet. Doch Stalin lässt sich von seiner lauten Ehefrau nichts sagen und steckt ihr nur eine brennende Zigarre unter ihr Kleid. Gedemütigt von ihm verlässt sie die Feier und überlegt, da es in ihrer Ehe bereits seit langem kriselt, ob sie ihn verlassen soll. Da eine Trennung nicht im Sinne von Nadeschas Eltern ist und Stalin sich gegen Nadeschda immer rücksichtsloser verhält, sieht sie keinen anderen Ausweg als Suizid. Dieser Verlust lässt Stalin kalt. Vielmehr treibt er die Industrialisierung der Sowjetunion mit immer neuen Großprojekten voran, um Russland zu einer Weltmacht auszubauen.

Allerdings bereitet ihm Leningrad Probleme. Nach der Veröffentlichung von Lenins politischem Testament begann sich Widerstand in der Stadt gegen Stalin aufzubauen. Er schickt Sergei Mironowitsch Kirow dorthin, um wieder die nötige Loyalität herzustellen. Aber Kirow wird schnell beliebt und zur neuen Leningrader Hoffnung, weswegen Stalin in ihm einen Konkurrenten sieht, der ausgeschaltet werden muss. Nach dem erfolgreichen Attentat nutzt er die Schauprozesse, um eine angebliche Verschwörung zu inszenieren. Er lässt viele seiner Kritiker und Oppositionellen ermorden. Doch kaum sind die Säuberungen vorbei, sieht er erneute Verschwörungen und Konkurrenten, die er ausspionieren und töten lässt, womöglich auch Trotzki.

Als Adolf Hitler den Anschluss Österreichs vollzieht, kommt es auf Stalins Initiative zum Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. Hitler hält sich aber nicht lange daran und startet im Juni 1941 den Russlandfeldzug. Nachdem Stalin den Schock verdaut hat, bereitet er die Gegenoffensive vor. Während des Krieges wird sein Sohn aus erster Ehe, der Artillerieoffizier Jakow Dschugaschwili, von Deutschen gefangen genommen. Stalin lehnt allerdings einen Gefangenenaustausch mit dem Generalfeldmarschall Friedrich Paulus ab. Nach dem Sieg über Deutschland zieht sich Stalin immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und sieht fortan nur noch Verschwörungen. Bis zu seinem Lebensende macht er sich Gedanken über Russlands Zukunft. Sein einziges Bedauern liegt im Selbstmord Nadeschdas. Als er stirbt, wird Nikita Chruschtschow sein Nachfolger. Da dieser in Stalin den Schuldigen für alle russischen Gräueltaten erkennt, beginnt er mit der Entstalinisierung.

Hintergrund Entstehung Die Idee eines Films über Stalin entstand mit der Ausstrahlung des von Carliner produzierten Fernsehfilms Inferno auf Rampe 7. Die Ausstrahlung auf ABC wurde zufälligerweise von einer offiziellen russischen Delegation während ihres USA-Aufenthalts gesehen. Da sie von der anti-nuklearen Thematik begeistert war, lud sie Carliner zu mehreren Seminaren und Vorführungen nach Russland ein. Während er das Land schließlich besuchte, wurde der Film im russischen Fernsehen übertragen und wohlwollend aufgenommen. Das ermöglichte Carliner später, Drehgenehmigungen für Originalschauplätze zu erhalten.Michael Hill: Gilman graduate produces Stalin film for HBO auf baltimoresun.com vom 22. Juli 1991 (englisch), abgerufen am 19. April 2012

Carliner studierte einst Russische Geschichte an der Princeton University, weswegen die Idee nahe lag, einen Film über Stalin zu drehen. Er stellte das Projekt ABC vor und wurde mit der Begründung, dass es „zu teuer und zu riskant“ sei, abgelehnt. Erst der Vorsitzende des Kabelsenders HBO, Michael Fuchs, sagte zu, das Projekt zu übernehmen. Er selbst habe schon seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, einen Stalinfilm zu verwirklichen. Anschließend brauchte es zwei weitere Jahre und die Hilfe von russischen Beamten, die sich mit Stalins Zeit beschäftigten und den Zugang zu Archiven und historischen Aufnahmen ermöglichten.

Im Juli 1991 wurde das Projekt als „erste ehrliche, ganz persönliche Abrechnung mit über den umstrittenen, diktatorischen Paten der Sowjetunion“ vorgestellt., Chicago Sun-Times, 18. Juli 1991 (englisch) (via Highbeam.com) Dabei betonte Carliner, dass es sich nicht nur um eine historische Biografie, sondern auch um einen Gangsterfilm handeln werde.Will Englund: Hbo Brings Stalin To Life auf baltimoresun.com vom 4. Januar 1992 (englisch), abgerufen am 19. April 2012 Laut unterschiedlichen Angaben wurde dafür ein Produktionsbudget zwischen 9,5 Mio.Stephanie Simon: ‚Stalin‘ Divides Russians: Some Charge HBO Film Blackens Dictator, Others Call It Too Rosy auf latimes.com vom 9. November 1992 (englisch), abgerufen am 19. April 2012 und 10 Mio. US-Dollar bereitgestellt.

Besetzung Obwohl, laut Carliner, Al Pacino sein Interesse für die Hauptrolle bekundet haben soll, wurde Robert Duvall für die Rolle des Stalin besetzt. Duvall hatte bereits drei Monate zuvor das Angebot, in Andrei Sergejewitsch Michalkow-Kontschalowskis Spielfilm Der innere Kreis Stalin zu spielen, abgelehnt, was an den unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen gelegen haben soll.Jerry Buck: , The Buffalo News, 15. November 1992 (englisch) (via Highbeam.com) Duvall selbst war aber auch nicht die erste Wahl, da er von seiner Konstitution her eher Lenin ähnelte.

Duvall wollte unbedingt den Tschechen Ivan Passer als Regisseur haben, weil er wusste, dass Passer den Schauspielern viel Freiraum ließ, um ihre Figuren zu gestalten. Obwohl den Produzenten das nicht gefiel, wurde Passer für das Projekt erst sehr spät eingestellt. Da Passer während des Prager Frühlings aus seinem Heimatland flüchtete, hatte er eine spezielle Beziehung zum Projekt.

Make-up

Um Duvall an Stalin anzugleichen, wurde der Make-up-Spezialist und Oscarpreisträger Stephan Dupuis engagiert.Michael McGuire: Makeup Artist Turns Duvall Into Stalin auf chicagotribune.com vom 2. April 1992 (englisch), abgerufen am 19. April 2012 Er sah sich der Herausforderung gestellt, Duvalls blaue Augen, die tiefliegend sind und weich wirken, seine Glatze und die kleine Nase in Stalins grobes Gesicht, dunkle Haut und braune, leicht mongolische Augen zu verwandeln. Dazu studierte er Fotos von beiden, um die Unterschiede in den Gesichtskonturen festzustellen. Er fuhr zur Ranch von Duvall, fertigte dort einen Abdruck seines Gesichts an und stellte anschließend zu Hause daraus eine Tonmaske her. Unter der Beachtung der unterschiedlichen Hautpartien, der richtigen Farbe, Perücke, Nasenprothese und falschen Augenbrauen und Schnurrbart stellte er schließlich Duvalls Maske für Josef Stalin her. Endgültig fertiggestellt war die Maske erst eine Woche vor Drehbeginn. Dank eines mobilen Studios, das während der Dreharbeiten in Russland zum Einsatz kam, konnten allerdings beliebig viele Masken hergestellt werden.

Vorproduktion Am Vorabend des 18. August 1991 befanden sich Passer und Carliner in Moskau auf der Suche nach geeigneten Drehorten. Sie übernachteten im Hotel Oktyabrskaya, wie sich später herausstellte die Hauptzentrale der Opposition, die am nächsten Morgen den Augustputsch in Moskau einleitete. Als das Militär Stellung um den Kreml bezog, flohen sie augenblicklich aus Russland nach Budapest, aus Angst, für feindliche CIA-Agenten gehalten zu werden. In Budapest angekommen, glaubte Carliner, dass „zwei Jahre Arbeit, die Drehgenehmigungen zu erhalten, in Rauch aufgingen“ und der Film nicht gedreht werden könne. Passer schlug vor, den Film stattdessen in Budapest zu drehen. Am nächsten Tag rief Leonid Vereshchagin, damaliger Generalmanager des Produktionsunternehmens des russischen Autorenfilmers Nikita Michalkow, der wiederum Kulturberater der russischen Regierung war, an und meinte, dass der Putsch in etwa zehn Tagen beendet sei. Außerdem drängte er ihn, unbedingt in Russland zu drehen. Wohl wissend, welcher propagandistische Nutzen aus dem Film gegenüber oppositionellen Kritikern gezogen werden könne, sagte man den Filmemachern jede Unterstützung zu und lud sie drei Tage später, nachdem der Putschversuch beendet war, wieder nach Moskau ein. Mehrere Innenszenen wurden noch in Ungarn gedreht, bevor die komplette Filmcrew etwa einen Monat später wieder in Moskau war. Am 6. November kam Carliner mit Schell nach Russland.Laurinda Keys: , The Boston Globe, 8. Dezember 1991 (englisch) (via Highbeam)

Drehbuch