mini|Das Heinrich-Sauermann-Haus auf dem Museumsberg in Flensburg. Im Erdgeschoss befindet sich das Naturwissenschaftliche Museum.

Das Naturwissenschaftliche Museum Flensburg ist ein Naturkundemuseum auf dem Museumsberg Flensburg im Erdgeschoss des Heinrich-Sauermann-Hauses. Das Museum ist ein Kulturinstitut der Stadt Flensburg und zählt wie Museumsberg und Schifffahrtsmuseum zu den Städtischen Museen. Das Eiszeit-Haus ist als geologisch-paläontologisches Schaumagazin Teil des Naturwissenschaftlichen Museums. Eine Hauptaufgabe besteht in der Vermittlung von Wissen über die Landschaftsentstehung und -besiedlung der Region nördliches Schleswig-Holstein – südliches Dänemark (Region Sønderjylland) sowie über die Fauna und Flora in dieser Region, in Abhängigkeit von den natürlichen und anthropogenen Faktoren. Besonders hervorzuheben sind die historisch wertvollen Sammlungen des Museums.

Das Naturwissenschaftliche Museum Flensburg wird im Zentralregister biologischer Forschungssammlungen in Deutschland geführt. – Website des Zentralregisters biologischer Forschungssammlungen in Deutschland. Abgerufen am 17. Februar 2012

Die Entstehung des Museums Geschichte mini|hochkant|Hans Philippsen veröffentlichte mehrere Bücher und Artikel über naturkundliche Themen Norddeutschlands.

Das Museum ging aus den Sammlungen und heimatkundlichen Forschungen von Bürgern aus Flensburg und der Umgebung hervor. Seine Geschichte beginnt mit dem Jahr 1913, als die Stadt Flensburg eine geologische Sammlung des Flensburger Lehrers Hans Philippsen ankaufte.Walther Emeis: Das Naturwissenschaftliche Heimatmuseum der Stadt Flensburg. In: Die Heimat. 71. Jahrgang, Heft 5, 1964, S. 163–167. Sie wurde im Zeichensaal der Waldschule ausgestellt und von Philippsen selbst ehrenamtlich betreut.

Bis 1924 folgten Ankäufe und Stiftungen weiterer Sammlungen (Muscheln, Käfer, Schnecken und vorgeschichtliche Funde). Im November 1924 eröffnete Oberbürgermeister Hermann Bendix Todsen die erweiterte Kollektionen als „Geologische Heimatsammlung“ im Oberstock der 1903/04 erbauten Waldschule. Im Oktober 1925 erfolgte die Umbenennung in „Naturwissenschaftliches Heimatmuseum“. Bis 1929 kamen Ergänzungen zur Vogelsammlung hinzu. Im Dezember 1936 ordnete die NS-Stadtverwaltung die Unterbringung der Sammlungen im großen Saal und in zwei Seitenräumen des Hauses der Freimaurerloge an. Nazi-Gesetze anwendend, hatte die Stadt das Gebäude der Loge zuvor entzogen. Kurz nach der Eröffnung schloss das Museum in Anbetracht der Kriegsverhältnisse.

1946 erhielt die Freimaurerloge das Gebäude zurück. Ein Teil der Sammlung konnte im Logenhaus verbleiben. Andere Teile wurden in Dachbodenräumen der Nikolaischule, dem heutigen Hans-Christiansen-Haus am Museumsberg deponiert.

Am 30. Oktober 1962 feierte man die Wiedereröffnung in den ursprünglich u. a. als Garagen vorgesehenen Räumen des Stadtbücherei-Neubaus. Dort blieb das Museum bis Ende 2001.

Seinen heutigen Standort mit Ausstellungs-, Magazin-, Bibliotheks- sowie Arbeits- und Verwaltungsbereich bezog das Museum im renovierten Erdgeschoss des Heinrich-Sauermann-Hauses auf den Museumsberg und wurde dort am 10. November 2001 als „Naturwissenschaftliches Museum“ eröffnet.Werner Barkemeyer: Museumskonzept. Unveröffentlichtes Dokument, Oktober 2011 Externe Magazinräume zur Unterbringung von Sammlungsmaterial sind weiterhin notwendig.

Die geologisch-paläontologisch-archäologischen Sammlungen öffneten als Schaumagazin für das Publikum in einen historischen Gebäude im Christiansenpark am 2. August 2002. Es ist als Eiszeit-Haus (167 m² Ausstellungsfläche) an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Es vermittelt Informationen zu den Eiszeiten im norddeutschen und nordeuropäischen Raum, zu den durch sie entstandenen Landschaftsformen sowie zu Geschieben und Fossilien, die durch Gletscher in das Flensburger Gebiet transportiert worden sind. Museum und Eiszeit-Haus liegen etwa 400 m Fußweg voneinander entfernt.

mini|Das Eiszeit-Haus ist das geologisch-paläontologische Schaumagazin des Naturwissenschaftlichen Museums.

Am 8. November 2025 feierte das Museum sein 100-jähriges Bestehen als Naturwissenschaftliches Museum.

Chronik der Museumsleiter, -pfleger und -pädagogen

Museumsleiter:

Jahr Titel, Name Funktion 1913–1926 Konrektor Hans Philippsen Ehrenamtlicher Leiter der Sammlung bzw. später des Museums 1926–1927 Studienrat Hans Reese ehrenamtlicher Leiter des Museums 1927–1973 Hochschullehrer Walther Emeis ehrenamtlicher Leiter des Museums 1973–1981 Hochschullehrer Eberhard Schmidt ehrenamtlicher Leiter des Museums 1981–1993 Hochschullehrer Willfried Janßen ehrenamtlicher Leiter des Museums 1993–1995 W. Janßen mit Meinolf Hammerschmidt (1991–1994, unterschiedliche Arbeitsverhältnisse) mit Aufsichts- u. Reinigungskraft Gerda Leegel Interimsleitung 1995–2022 Werner Barkemeyer erster hauptamtlicher Museumsleiter seit 2022 Kerstin Meise hauptamtliche Museumsleiterin

Museumspfleger:

Jahr Titel, Name Funktion 1958–1982 Alfred Zachau Museumspfleger 1982–1993 Axel Elsner-Siegfried Museumspfleger

Museumspädagogen:

Jahr Titel, Name Beruf 1975–1988 Claus Clausen Realschullehrer 1988–1992 Hans-Christian Johannsen Realschullehrer 1987–1993 Edmund Link Realschullehrer seit 1995 Werner Barkemeyer (und Honorarkräfte) Biologe 1987–heute diverse Personen Quellen: ,Willfried Janßen: Walther Emeis 1891–1973 – seine Bedeutung für Heimatforschung und Naturschutz in Schleswig-Holstein. In: Die Heimat. 98. Jahrgang, Heft 6/7, Juni/Juli 1991, S. 157–162.

Ehrenamtliches Engagement und Förderverein Neben der vom Kulturetat der Stadt Flensburg finanzierten Stelle der Museumsleiterin und der anteiligen Beschäftigung anderer städtischer Angestellter unterstützen zwei Gruppen den Betrieb des Museums: Ehrenamtlichen Mitarbeiter betreuen während der Öffnungszeiten das Schaumagazin „Eiszeit-Haus“ und bieten dort ihre Hilfe bei der Bestimmung von Fossilien, Steinen und Mineralen während der „Fossiliensprechstunden“ an. Der Verein „Freunde und Förderer des Naturwissenschaftlichen Museums Flensburg“ hat zurzeit (August 2026) 74 Mitglieder. Über den Verein werden z. B. kulturelle und pädagogische Aktivitäten des Museums unterstützt und Fördermittel Dritter für die Durchführung von Sonderausstellungen u. ä. eingeworben.

Sammlungen Die quantitativ und qualitativ herausragenden Sammlungsbestände des Naturwissenschaftlichen Museums sind ein einzigartiges Sachzeugenarchiv von naturwissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Bedeutung für die Region.Willfried Janßen: Walther Emeis 1891–1973 – seine Bedeutung für Heimatforschung und Naturschutz in Schleswig-Holstein. In: Die Heimat. 98. Jahrgang, Heft 6/7, Juni/Juli 1991, S. 158. Die ältesten Kollektionselemente stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Zum Sammlungsbestand des Museums zählen die wissenschaftliche Studiensammlung, die Museumsbibliothek, das Bild- und Dokumentenarchiv sowie die museumspädagogische Beleg- und Lehrsammlung. Ergänzt werden die Sammlungen durch Tagebuchaufzeichnungen und Archivmaterial mit Details zur Herkunft der Objekte und zur Biografie der Sammler. Sie ermöglichen Einblicke in ökologische und kulturelle Zusammenhänge zur Zeit der Entstehung der Sammlungen. Hinzu kommen, vor allem im Eiszeit-Haus, Dauerleihgaben von Privatsammlern.

Die wissenschaftlichen Sammlungen stammen zum allergrößten Teil aus dem nördlichen Schleswig-Holstein und dem südlichen Dänemark (von 1871 bis 1920 zum Deutschen Reich gehörig). Um kontextbezogene Vergleiche zu ermöglichen, werden Objekte aus benachbarten Arealen in die Sammlungen integriert. Dazu zählen Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Skandinavien (Geologie, Biologie) und das Baltikum (Geologie).

Tiersammlungen mini|Vogelarten in Wald und Park mini|Zwergmäuse (Micromys minutus) am Sommernest Die biologischen Sammlungen zur Insekten-, Vogel- und Säugetierefauna sind im 3. Stock des Heinrich-Sauermann-Hauses untergebracht und dort für Besucher nach Absprache zugänglich.

Das Insektenmagazin umfasst im Wesentlichen Trockenmaterial in über sechshundert Insektenkästen. Inhaltliche Schwerpunkte bilden die Kollektionen der Schmetterlinge, Hautflügler und Fliegen.

Die ältesten Belege der Schmetterlingepräparate wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt. Das Material stammt aus den Nachlässen verschiedener Heimatforscher wie Emeis, Hansen, Julius Lichtwerk, Paulsen und Schadewaldt. Diese Belegexemplare sind Indikatoren für den Zustand der Biotope in vergangenen Zeiten. Sie bieten heute auch vorzügliche Vergleichsgrundlagen für genetische Untersuchungen für die Wiederansiedlung regional ausgestorbener Tierpopulationen, wie sie von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein durchgeführt werden. In neuerer Zeit wurden Schmetterlingssammlungen aus Dänemark (Lokalsammlungen Dänemark und Skandinavien, Sammlung Hendriksen und Sammlung Cardel) sowie aus Norddeutschland (Sammlung von Schnering und Sammlung Brandt) erworben.

Die Hautflügler-Sammlung stammt überwiegend von Walther Emeis, der vor allem Bienen, Hummeln und Wespen aus Schleswig-Holstein untersuchte und damit internationale Anerkennung erlangte.Willfried Janßen: Walther Emeis 1891–1973 – seine Bedeutung für Heimatforschung und Naturschutz in Schleswig-Holstein. In: Die Heimat. 98. Jahrgang, Heft 6/7, Juni/Juli 1991, S. 160. Die Zweiflügler-Belege wurden überwiegend von Emeis sowie in neuerer Zeit von Claus Claußen (Flensburg) und Werner Barkemeyer Oldenburg gesammelt. Die Ameisensammlung von Emeis und anderen Sammlern wurde 2009 bis 2011 von Uwe Sörensen (Niebüll) überarbeitet.

Ein wertvoller Sammlungszuwachs ergab sich durch die Übernahme der Zehrwespen-Kollektion von Karl Otto Meyer (Oldenburg/O.) im Jahr 2002, mit zahlreichen Funden aus Norddeutschland.

Von vergleichsweise nachrangiger Bedeutung sind die Sammlungen der Käfer und Wanzen. Die Sammlung der Libellen mit vielen alten Fundstücken zeigt seit Mitte Februar 2012 eine Übersicht der Libellenfauna Schleswig-Holsteins.

Die Vogelsammlung umfasst über 900 aufgestellte Stopfpräparate. Eine Vielzahl stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben Präparaten, die im Auftrag des Museums hergestellt wurden, stammen andere aus Nachlässen, so von dem ehemaligen Hausmeister im Deutschen Haus und Amateur-Präparator Otto Beyreis, Flensburg. In der Vogelsammlung sind zwei Exemplare besonders hervorzuheben: Das Präparat eines Braunnoddis (Anous stolidus stolidus). Das Tier wurde im Herbst 1912 bei Simonsberg, eine Stunde südlich von Husum, geschossen. Noddis sind Vögel der tropischen und subtropischen Meere. Das Flensburger Exemplar gehört einer Unterart an, die auf Inseln des Atlantiks brütet. Das zweite bemerkenswerte Exponat ist das Exemplar eines Steppenflughuhns (Syrrhaptes paradoxus), das 1934 in die Sammlung gelangte. In den Jahren 1863, 1888 und 1908 kam es zu Massenwanderungen dieser Vögel durch Mitteleuropa bis nach Skandinavien und Großbritannien. Ihre Ursprungsgebiete sind die Steppen und Halbwüsten Zentralasiens, von Kasachstan bis Ost-China. Das Exemplar des Museums stammt aus der Massenwanderung von 1888. In diesem Jahr kam es in Dänemark und Großbritannien sogar zu Bruten, auf der Insel Föhr und im Wilhelminenkoog bei Tating auf Eiderstedt allerdings erfolglos. Der letzte Nachweis eines Steppenflughuhns in Deutschland gelang 1937 in Nordrhein-Westfalen. Weitere wertvolle Informationen bieten die Aufzeichnungen des Flensburtger Lehrers und Ornithologen Paulus Paulsen, der in seinen Notizbüchern für die Jahre 1878 bis 1930 346 Vogelarten dokumentiert und deren Lebensweise beschreibt.