mini|hochkant=1.3|Colmdorf: gleichnamige Straße und Schloss mini|Landwirtschaftliches Anwesen Colmdorf Nr. 6, im Hintergrund die Lärmschutzwand der Bundesautobahn 9 mini|hochkant|Bahnbrücke über die Bahnstrecke Weiden–Bayreuth

Colmdorf ist ein am östlichen Stadtrand gelegener Stadtteil von Bayreuth. Die Gemarkung Colmdorf hat eine Fläche von 1,232 km². Sie ist in 617 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1996,88 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Ortsteile Monplaisir, Obere Röth, Rollwenzelei und Untere Röth.

Lage Colmdorf liegt erhöht über der Stadt am Nordwesthang des Eichelbergs. Seit ihrem Bau im Jahr 1937 trennt die Autobahn Berlin–München (heutige A 9) den Ortsteil von der Innenstadt. Diese Trennung wurde durch die Errichtung von Schallschutzwänden nach dem sechsspurigen Ausbau um die Jahrtausendwende noch unterstrichen.

Durch Colmdorf verläuft seit 1863 die Bahnstrecke Weiden–Bayreuth, eine Bahnstation existierte im Ort jedoch nie.

Geschichte Colmdorf, damals „Kolbendorf“ genannt, wurde erstmals im Landbuch A des Amtes Bayreuth von 1386 erwähnt. Bereits ab 1421 wurde es nur noch als Colmdorf bezeichnet. Der nördlich der heutigen Königsallee gelegene Ort war überwiegend landwirtschaftlich geprägt, mit Bauernhöfen, einer Gastwirtschaft und einem kleinen Schloss.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Colmdorf 9 Anwesen (1 Schlösslein, 4 Sölden, 1 Wirtshaus, 2 Tropfhäuser, 1 Häuslein). Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über sämtliche Anwesen hatte das Amt St. Johannis.

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde Colmdorf bayerisch. Infolge des Gemeindeedikts wurde Colmdorf dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Sankt Johannis zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Colmdorf, zu der Monplaisir, Obere Röth, Rollwenzelei und Untere Röth gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Bayreuth zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Ab 1862 gehörte Colmdorf zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Bayreuth (1879 in Amtsgericht Bayreuth umgewandelt).Richard Winkler: Bayreuth, S. 462 ff. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 6,243 km². Am 1. April 1939 wurde Colmdorf nach Bayreuth eingemeindet.

Umstritten war die Führung der Reichsautobahn an der Stelle bei Colmdorf. Der Gauleiter Karl Schlumprecht und der Architekt Hans Reissinger wandten sich diesbezüglich an Adolf Hitler, als dieser im März 1935 anlässlich der Trauerfeier für Hans Schemm in Bayreuth weilte. Hitler sagte zu, noch Korrekturen vornehmen zu lassen, „auch wenn die Brücken in die Luft gesprengt werden“ müssten. Der Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen Fritz Todt erhielt eine entsprechende Weisung, worauf die bereits fertiggestellte Brücke über die Königsallee tatsächlich wieder gesprengt wurde. Wegen des Zeitdrucks wurde jedoch von einer Trassenverlegung nach Westen hin abgesehen und lediglich eine breitere und gefälligere Brücke aus Sandstein errichtet.Bernd Mayer: Von der „Hitlerbahn“ zur Katastrophenstrecke in: Heimatkurier 4/1996 des Nordbayerischen Kuriers, S. 6 f.

Baudenkmäler Colmdorf 8: Schloss Colmdorf Königsallee 55: Denkmalgeschütztes ehemaliges GardehausDas Gardehäuschen ist gerettet in: Nordbayerischer Kurier vom 8. Januar 2025, S. 10.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Colmdorf Jahr 1822 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933Einwohner 89 111 113 120 132 150 150 136 139 190 199 184 187 194 232 216 200 216HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 16 17 20 20 21 27 Quelle

Ort Colmdorf Jahr 1819 1822 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 111 82 103 117 159 164 182 94 53 48 Häuser 15 17 18 24 13 8 Quelle

Aktuelle Situation mini|Ehemaliges Gardehaus am Schlosspark (2012) mini|Neubaugebiet südlich der Königsallee Der Stadtteil ist zum reinen Wohngebiet geworden, es gibt nur noch einen einzigen landwirtschaftlichen BetriebHerbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 304.. Der historische Ortskern besteht weitgehend aus nur einer Häuserzeile gegenüber dem großen Park mit dem Schloss. Mitte der 1950er Jahre entstanden südlich der Königsallee die ersten einzeln stehenden Siedlungshäuser. Zwanzig Jahre später begann dort der Bau einer Reihenhaussiedlung.

Rollwenzelei mini|Rollwenzelei mit erhaltener Dichterstube Am Knick der Königsallee in Richtung Eremitage steht das ehemalige Gasthaus Rollwenzelei. Berühmtheit erlangte es durch den Dichter Jean Paul, der dort in seiner „Dichterstube“, die ihm die Wirtin eingerichtet hatte, seine bedeutendsten Werke verfasste.Kurt Herterich: Im östlichen Bayreuth, S. 182.

Religion Colmdorf ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach Sankt Johannis gepfarrt.

Literatur

Weblinks

Verein zur Erhaltung von Jean Pauls Einkehr- und Dichterstube in der Rollwenzelei e. V.

Fußnoten

Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Bayreuth Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Bayreuth) Kategorie:Gemeindegründung 1812 Kategorie:Gemeindeauflösung 1939 Kategorie:Ersterwähnung 1386 Kategorie:Gemarkung in der kreisfreien Stadt Bayreuth