mini|Das umstrittene Gebiet ( rot) wurde 1921 der Republik Österreich angeschlossen. Die Landnahme des Burgenlandes bezeichnet die politischen, polizeilichen und militärischen Maßnahmen zur Angliederung eines Teiles von Ungarn an Österreich und die Entstehung des Burgenlandes von 1919 bis 1921.

Vertrag von Saint-Germain, Vertrag von Trianon Im Vertrag von Saint-Germain, am 10. September 1919 von Staatskanzler Karl Renner unterzeichnet, wurden dem neuen Staat Österreich westliche Teile der Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg (heute: Komitat Győr-Moson-Sopron und Komitat Vas) zugesprochen (Artikel 27, Punkt 5). Diesem Wunsch der österreichischen Delegation bei den Verhandlungen wurde entsprochen, weil es den Siegermächten wichtig war, dass das neue Österreich seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten meistern könnte und dass nahe der bevölkerungsreichen Stadt Wien ausreichend landwirtschaftlich fruchtbares Gebiet zur Verfügung stand. Während der viermonatigen Ungarischen Räterepublik und des gleichzeitigen Ungarisch-Rumänischen Krieges bezogen die Entente-Mächte eine harte Position gegen Ungarn. Bei der Vertragsunterzeichnung im September 1919 war die kommunistische Herrschaft unter Béla Kun durch den ehemaligen Konteradmiral Miklós Horthy und dessen Anhänger bereits gestürzt. Im Vertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 zwischen der Entente und Ungarn musste Ungarn bedeutende Gebietsverluste hinnehmen, unter anderem den Verlust von Teilen Westungarns an Österreich.

Die in Saint-Germain festgelegte Gebietsbezeichnung Burgenland setzte sich langsam durch.Land Burgenland: Die Entstehung des Landesnamens „Burgenland“ (PDF). Abgerufen am 3. Februar 2018. Die Regierung Horthy hatte nicht den Willen, das Gebiet an Österreich abzutreten, und ließ sowohl innen- als auch außenpolitisch nichts unversucht, um die Abtretung zu verhindern.

Verwaltungsstelle für das Burgenland Bereits am 25. Mai 1919 war im Staatsamt für Inneres und Unterricht in Wien eine interministerielle Kommission gebildet worden, die Verwaltungsstelle für den Anschluß Deutsch-Westungarns hieß. Der Verwaltungsstelle gehörte auch der sozialdemokratische Bürgermeister Anton Ofenböck von Wiener Neustadt als Mitglied an. Noch unter der Herrschaft Béla Kuns begann das Staatsamt in Wien, den Grenzschutz gegen Ungarn zu organisieren. Mit dem Oberst der Gendarmerie Georg Ornauer wurde in Wiener Neustadt eine Gendarmeriegrenzschutzleitung für Niederösterreich für den Bereich Hainburg bis zur Südgrenze des Bezirks Wiener Neustadt eingerichtet, die wöchentlich Bericht erstattete. Mit dem „ersten Burgenlandgesetz“ vom 25. Jänner 1921Bundesverfassungsgesetz über die Stellung des Burgenlandes als selbständiges und gleichberechtigtes Land im Bund und über seine vorläufige Einrichtung, BGBl. Nr. 85 wurde die Verwaltungsstelle für das Burgenland mit zwölf Mitgliedern und sechs Ersatzmitgliedern geschaffen; sie konstituierte sich am 15. März 1921 im Bundesministerium für Inneres in Wien. Den Vorsitz führte ein Beamter, der Sektionschef Robert Davy. Die weiteren Mitglieder waren Franz Binder, Rudolf Gruber, Franz Luttenberger, Gregor Meidlinger für die Christlichsoziale Partei, Ernst F. Beer, Max Jungmann, Eugen Schuster, Alfred Walheim für die Großdeutsche Volkspartei sowie Johann Fiala, Oskar Helmer, Ernst Hoffenreich, Anton Weixelberger für die Sozialdemokratische Partei. Ersatzmann für Oskar Helmer war der sozialdemokratische Vizebürgermeister von Wiener Neustadt Josef Püchler. Adalbert Wolf, von 1919 bis 1921 wegen Hochverrates in Győr inhaftiert, wurde am 27. Jänner 1922 Mitglied der Verwaltungsstelle für das Burgenland.

Politische Parteien In dem mit Gregor Meidlinger aus Frauenkirchen 1907 gegründeten Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn bildete 1913 Thomas Polz aus Mönchhof die Ortsgruppe Deutsche Landsleute aus West-Ungarn, welche sich im März 1919 zum Aktionskomitee für die Befreiung West-Ungarns wandelte. Obmann des Aktionskomitees wurde Alfred Walheim, Stellvertreter Thomas Polz, Schriftführer Georg Meidlinger, Stellvertreter Oskar Lentsch, Zahlmeister Rosa Reumann und Alfred Schmidt, Beiräte Karl Rausch, Josef Reichl und Eugen Schuster. Weitere bemerkenswerte Mitglieder waren Adam Müller-Guttenbrunn, Ernst Beer und Josef Vukovits.Burgenländische Landsmannschaft in Wien: 70 Jahre Burgenländer in Wien (PDF; 710 kB). Auch Karl Wollinger, Landwirt und Mühlenbesitzer in Heiligenkreuz im Lafnitztal sowie Funktionär der GDVP, engagierte sich nach Ende des Ersten Weltkrieges für den 'Anschluss' des überwiegend deutschsprachigen Westungarns an Österreich. So traten auf seine Initiative hin am 15. Dezember 1918 Vertreter von über 40 Gemeinden Westungarns in Heiligenkreuz zusammen, um entsprechende Forderungen zu formulieren. Wegen seiner Aktivitäten wurde Wollinger mehrfach bedroht und inhaftiert und flüchtete 1919 nach Österreich. Johann Fiala, Gründer des Ödenburger Arbeiterbildungsvereines und Obmann der sozialdemokratischen Organisation in Ödenburg, war unter der Regierung Horthy nach Österreich emigriert und lebte und arbeitete nun in Wiener Neustadt. Er fand hier auch Kontakt zu weiteren geflüchteten westungarischen Arbeiterführern wie Adolf Berczeller, Ludwig Leser und Franz Probst und auch zu Sozialdemokraten in Wien. Der sozialdemokratische Parteivorstand in Wien beauftragte den Abgeordneten zum Niederösterreichischen Landtag und Redakteur der Parteizeitung Gleichheit Oskar Helmer mit dem Aufbau einer Landesorganisation für das zukünftige Burgenland. Helmer lud im 9. Jänner 1921 zu einer konstituierenden Landeskonferenz nach Wiener Neustadt. 48 Delegierte folgten der Einladung, wo Johann Fiala zum Landesobmann gewählt wurde. Der Ort der weiteren Versammlungen war das Wiener Neustädter Arbeiterheim.

Milizen Österreichische Legion Ende 1920/Anfang 1921 traten in Wiener Neustadt Werber für die Österreichische Legion auf. Die Legion war mit dem Ziel gegründet worden, die Staatsregierung Renner III zu stürzen, dafür in einem eventuellen Bürgerkrieg einzugreifen und in Österreich einzufallen. Diese mit Wohlwollen von der ungarischen Regierung geduldete Österreichische Legion hatte ihren Sitz in Csot in Ungarn. Kommandant der Legion war Major Schwerdtner. Am 12. Jänner 1921 wurden im Café Bank in Wiener Neustadt fünf Legionäre, welche mit Chloroform, Zyankali, Opiumzigarren und Waffen ausgestattet waren, von der Polizei verhaftet. Einer der Legionäre, ein aus Tirol stammender Fliegeroffizier, hatte den Plan, ein Flugzeug von den Hangars am Neustädter Flugfeld zu entführen und nach Ungarn zu verbringen. Die anderen vier Legionäre planten einen Raubüberfall auf einen Wiener Kaufmann, um der Geldknappheit der Legion abzuhelfen, nachdem zuvor die üblichen monatlichen Dotationen aus Wien ausgeblieben waren.

Ungarische Freischärler mini|Freischärler im Raum Oberwart (1921) Im Frühsommer 1921 musste sich die Verwaltungsstelle mit zahlreichen Klagen und Hilfeansuchen aus Deutschwestungarn befassen, die durch die mit voller Unterstützung der ungarischen Regierung aufgestellten bewaffneten Freiwilligenformationen verursacht waren. Die Freischärler rekrutierten sich hauptsächlich aus abgerüsteten Offizieren, aus Studenten, aus Vertriebenen aus der Slowakei, Siebenbürgen und Kroatien und aus Abenteurern. Sie versammelten sich um zwei Freikorpsführer der sogenannten weißen Gegenrevolution, Husarenoberstleutnant Pál Prónay und Oberleutnant d. R. Iván Héjjas, und nannten sich Königlich Ungarische westungarische Aufständische. An der Spitze stand der spätere Ministerpräsident Gyula Gömbös. Sie trugen bürgerliche Kleidung – Armbinden kennzeichneten ihre Zugehörigkeit zu einer Formation – und waren mit Stahlhelm, Patronengürtel und Patronentaschen, Gewehren, Bajonetten, Maschinengewehren und Handgranaten ausgerüstet. Das ungarische Heer sorgte für Autos und Panzerwagen, die Behörden für Ausrüstung und Nachschub. Die Angaben zur Stärke sind jedoch sehr unterschiedlich, von 2.700 bis 30.000 Mann. Vermutlich waren es aber nie mehr als 10.000 Mann, wobei es ihnen gelang, durch hohe Beweglichkeit und Schwerpunktbildung bei Angriffen eine höhere Mannschaftsstärke vorzutäuschen.Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren – Burgenland 1918–1921. Eisenstadt 2001, S. 434 ().

Nach dem gescheiterten Restaurationsversuch von Kaiser Karl I., von Österreich zugleich König Karl IV. von Ungarn, entstand ein Zuwachs aus legitimistischen Formationen, die um ihre Erhaltung und Bewaffnung rangen, welche unter der Bezeichnung Reservegendarmeriebataillon Nr. 2 unter Major Julius von Ostenburg-Morawek im Raum Ödenburg-Eisenstadt konzentriert waren, nachdem dieses zuvor in Stuhlweißenburg aus zumeist ungarischen Freiwilligen des Honvéd-Infanterie-Regiments Nr. 69 aufgestellt worden war. Auch der ehemalige Ministerpräsident Stephan Friedrich warb unter Budapester Hochschülern ein Freikorps an, das später als Friedrich-Freischärler bezeichnet wurde. Diese Gruppe trug nach dem Rückzug von Ostenburgs Einheit (dem „Osztenburg-Detachement“) nach Ödenburg die Hauptlast des Widerstandes im Bereich von Eisenstadt. Eine weitere kleinere königstreue Einheit, die als einziger dieser genannten Verbände viele Freiwillige aus Westungarn in ihren Reihen hatte, versammelte sich unter Graf Tamás Erdődy im Raum Güns-Steinamanger und nahm später im Raum Oberwart aktiv an Kampfhandlungen teil.Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren – Burgenland 1918–1921. Eisenstadt 2001, S. 396 (). Diese königstreuen Formationen wurden jedoch von den gegen Habsburg eingestellten Freischärlern um Prónay und Héjjas bald als gefährliche Rivalen angesehen.

Die Freischärler gliederten sich im Laufe des Septembers 1921 nach diversen Umgruppierungen in sechs Korps:Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren – Burgenland 1918–1921. Eisenstadt 2001, S. 424 (). I. Freischärlerkorps: Kommandostandort Oberwart; Kommandant Oberleutnant Árpád Taby II. Freischärlerkorps: Kommandostandort Oberpullendorf, danach Lackenbach; Kommandant Hauptmann Miklós Budaházy; Einsatzgebiet reichte vom Rosaliengebirge bis zu den Quellen der Güns III. Freischärlerkorps: Kommandostandort Eltendorf, danach Güssing; Kommandant Oberleutnant Endre Molnar IV. Freischärlerkorps: Kommandostandort Parndorf, später Neusiedl am See; Kommandant Oberleutnant Iván Héjjas V. Freischärlerkorps: Kommandostandort Mattersburg; Kommandant Hauptmann Viktor Maderspach, danach Hauptmann Paul Gebhardt VI. Freischärlerkorps: Kommandostandort Eisenstadt; Kommandant Dezső Wein

Die ersten drei Korps waren Pál Prónay unterstellt, dem sich Héjjas erst in der zweiten Septemberhälfte anschloss, während die beiden letzten Korps hingegen als königstreu galten. Zusätzlich zu diesen königstreuen Verbänden gab es noch das „Osztenburg-Detachement“, welches sich von Eisenstadt nach Ödenburg zurückgezogen hatte.

Gescheiterte Besitzergreifung im August 1921 Mit der friedlichen Übergabe des Gebietes an Österreich war eine Interalliierte Generalskommission betraut, die sich aus 30 Offizieren und deren Gefolge zusammensetzte. Am 17. August trafen die Militärs in Ödenburg ein und verteilten sich später auf die einrückenden österreichischen Einheiten.Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren – Burgenland 1918–1921. Eisenstadt 2001, S. 401, 409 (). Die Landnahme sollte am Sonntag, dem 28. August beginnen, und am 29. August sollten die Ostgrenze erreicht und das Burgenland an Davy (den Sektionschef der Verwaltungsstelle für das Burgenland) übergeben sein.