mini|RAF-Fahne (mit dem RAF-Emblem) Die Teilnahme von Angehörigen der tschechoslowakischen Luftwaffe in den Verbänden der Royal Air Force (RAF) während des Zweiten Weltkrieges war ein bedeutender Beitrag sowohl in der Luftschlacht um England als auch im Kampf für die Befreiung der Tschechoslowakei von der deutschen Besetzung des Landes, an dem sich auch andere Einheiten der tschechoslowakischen Exilarmee beteiligten. Ihr Einsatz hat darüber hinaus wesentlich zur Anerkennung sowohl der tschechoslowakischen Exilregierung in London als auch der Tschechoslowakei als alliierte Macht nach dem Krieg beigetragen. Eine Anerkennung durch die eigene Regierung erfuhren diese Widerstandskämpfer an der Westfront erst nach der Samtenen Revolution von 1989.

Hintergrund mini|Emblem der RAF auf Flugzeugen Infolge des Münchner Abkommens von 1938 wurden zuerst große Gebiete der Vorkriegstschechoslowakei besetzt, danach kam es am 15. März 1939 zur Besetzung der sog. Rest-Tschechei und Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren und Gründung der Ersten Slowakischen Republik sowie zur Besetzung der Karpatenukraine durch Ungarn. Sowohl die Regierung wie auch die Armee des Landes waren somit aufgelöst. Einige Regierungsmitglieder flohen zuerst nach Paris, um dann schließlich am 21. Juli 1940 in London unter dem Präsidenten Edvard Beneš und dem Ministerpräsidenten Jan Šrámek die Tschechoslowakische Exilregierung zu gründen, die bald international anerkannt wurde. Nachdem auch zunehmend Armeeangehörige, vor allem Piloten der ehemaligen tschechoslowakischen Luftwaffe im Vereinigten Königreich eintrafen, unternahm die Exilregierung Schritte zu deren offizieller Formierung, weil einige Soldaten bereits ohne eine vertragliche Regelung in verschiedene RAF-Einheiten eingetreten waren.RAF Organisation, online auf: rogerdarlington.me.uk/...Section_II, abgerufen am 7. April 2012

Am 15. Oktober 1940 unterzeichneten der Außenminister der Exilregierung Jan Masaryk und der Außenminister der Regierung des Vereinigten Königreichs Lord Halifax den Vertrag über die tschechoslowakischen StreitkräfteDohoda mezi vládou Československou a vládou Spojeného království o československé branné moci (Vertrag zwischen der Regierung der Tschechoslowakei und der Regierung des Vereinigten Königreiches über die tschechoslowakischen Streitkräfte) vom 25. Oktober 1940, online auf: cs.wikisource.org/wiki/Dohoda..., tschechisch, abgerufen am 29. März 2012 nebst einer Anlage, die sich speziell mit der Luftwaffe beschäftigtePříloha I., jednající o československém letectvu (Anlage I., welche die tschechoslowakischen Luftstreitkräfte behandelt) vom 16. Dezember 1941, onhline auf: cs.wikisource.org/wiki/Příloha I..., tschechisch, abgerufen am 29. März 2012, wo alle Grundprinzipien wie auch Einzelheiten geregelt wurden. Die tschechoslowakischen Soldaten wurden demnach Angehörige sowohl der RAF wie auch der tschechoslowakischen Streitkräfte. Gleichzeitig wurde in einem der Artikel auch geregelt, dass die Finanzierung der tschechoslowakischen Einheiten durch einen Kredit der britischen Regierung geschieht, für den wiederum mit dem in der Bank of England deponierten Goldschatz der Tschechoslowakei (etwa 30.000 kg Gold) gedeckt wird.Financování čs. jednotek ve Velké Británii, zlatý poklad, online auf: fronta.cz/dotaz/financovani..., tschechisch, abgerufen am 8. April 2012

Neben anderen Einheiten der Luftwaffe und des Heeres, die unter anderem auch in der Sowjetunion entstanden, bildeten die tschechoslowakischen Jagd- und Bomberverbände in der RAF das Rückgrat der tschechoslowakischen Armee während des Zweiten Weltkrieges.

Formierung der Verbände

Flucht

Die Teilnahme der tschechoslowakischen Angehörigen der Luftwaffe in ausländischen Armeen verlief am Anfang etwas anders als beispielsweise bei den polnischen Piloten. Die polnische Armee durchlief 1939 eine Mobilisierung mit anschließenden Kampfhandlungen und die polnischen Piloten gingen dann recht geschlossen ins Ausland. Die tschechoslowakischen Piloten wurden jedoch nach der Besetzung des Landes am 15. März 1939 überrascht, und ferner auch verunsichert über Berichte, wonach der Marschall Hermann Göring an etwa 1500 tschechoslowakischen Luftwaffenangehörigen interessiert war und sie in die Lufthansa und Luftwaffe übernehmen wollte, wie bis heute vom tschechischen Verteidigungsministerium ohne Dementi verbreitet wird. Außerdem gab es keinen Befehl zu einem geordneten oder geschlossenen Weggang ins Ausland.Odchod československých vojáků a letců do zahraničí, ein nicht näher gekennzeichneter Text, online auf den Seiten des Verteidigungsministeriums: army.cz/..., tschechisch, abgerufen am 15. März 2012

Nach der Besetzung des Landes kam es zu einer nicht organisierten Emigrationswelle in Richtung Polen, wo die Behörden jedoch nur zögernd die Aufenthaltsgenehmigungen ausgaben. Die sich in Polen formierenden Einheiten sollten nach Frankreich abgeschoben und in die Fremdenlegion überführt werden. Im Juli 1939 wurden etwa 1200 tschechoslowakische Soldaten, darunter dann etwa 500 Piloten, nach Frankreich verschifft. Die Situation änderte sich nach dem Überfall auf Polen, als die noch verbliebenen einigen Dutzend Piloten in die polnische Armee aufgenommen wurden.Free Czechoslovak Air Force, online auf: fcafa.wordpress.com, tschechisch/englisch, abgerufen am 18. März 2012Českoslovenští piloti v cizích službách, online auf: druha.svetova.cz/clanky/letecka-valka, tschechisch, abgerufen am 16. März 2012 Nach der Niederlage zogen sich diese Einheiten einschließlich der Führung insbesondere nach Rumänien zurück und kamen über den Mittleren Osten danach nach Frankreich, insgesamt etwa 7000 Luftwaffenangehörige. Einen wesentlichen Anteil an der Fluchthilfe leistete die Widerstandsgruppe Obrana národa.

Nach der Besetzung Polens blieb nur noch ein Fluchtweg über die Slowakei und Ungarn, beides Staaten, die mit Deutschland verbündet waren und tschechoslowakische Flüchtlinge entweder ins Gefängnis setzten oder – was schlimmer war – zurück an die Protektoratsbehörden auslieferten. Diejenigen, die Jugoslawien erreichen konnten, wurden dann über Griechenland und die Türkei und danach über den durch Frankreich besetzten Libanon nach Frankreich verschifft.

Frankreich mini|Morane-Saulnier MS.406, mit dem tschechoslowakische Piloten in Frankreich kämpften Alle in Frankreich angekommenen Soldaten mussten zuerst in die Einheiten der Fremdenlegion eintreten und sollten später eigene Verbände gründen. Am 2. August 1939 entstand in Paris das Tschechoslowakische Militärbüro. Nach dem Ausbruch des Krieges wurde in Adge ein tschechoslowakisches Militärlager eingerichtet. Am 17. November 1939 entstand in Paris der Tschechoslowakische Nationalausschuss, der umgehend durch die französische Regierung anerkannt wurde und mit der Bildung einer tschechoslowakischen Exilarmee begann.Československé vojenské jednotky ve Francii 1939–1940, online auf dem Portal des tschechischen Verteidigungsministeriums: veterani.army.cz, abgerufen am 19. März 2012

Infolge der schnellen Entwicklung konnten keine Luftverbände gebildet werden, die tschechoslowakischen Piloten dienten ab dem 1. Dezember 1939 in französischen Einheiten, wo sie mit französischen Flugzeugen Morane-Saulnier MS.406, Bloch MB.152, Dewoitine D.520 sowie auf amerikanischen Curtiss P-36 und Curtiss Hawk Model 75 gekämpft haben.

Nach der Kapitulation Frankreichs wurde etwa 5000 tschechoslowakische Soldaten, darunter etwa 1000 Piloten, durch die britische Marine nach Großbritannien evakuiert.

Verbände im Vereinigten Königreich

Die tschechoslowakischen Fliegerasse in der RAFThe best Czechoslovak fighter pilots in the Great Britain, online auf: aces.safarikovi.org/victories/czech-gb, abgerufen am 12. März 2012 Name Erfolgeerste Zahl: bestätigte Abschüsse, zweite Zahl: unbestätigte Abschüsse, dritte Zahl: beschädigte Flugzeuge Staffeln Karel Kuttelwascher 18Bei Roger Darlington finden sich 20 Abschüsse, s. THE CZECH NIGHT HAWK, Abschnitt Karel Kuttelwascher’s Victories With The RAF, online auf: rogerdarlington.me.uk/... – 1 – 5 1, 23 Josef František 17 – 1 – 0 303 Otto Smik 11 – 1 – 3zzgl. Abschuss von 3 V1-Flugkörpern 131, 122, 222, 310, 312, 127 Miroslav Mansfeld 10 – 0 – 2zzgl. Abschuss von 2 V1-Flugkörpern 111, 68 Otmar Kučera 7 – 1 – 1 111, 312, 313 Josef Dygrýn 6 – 0 – 1 1, 310 Josef Příhoda 5 – 2 – 3 1, 111, 313 Ladislav Bobek 5 – 1 – 3 68 Emil Fechtner 4 – 1 – 1 310 Josef Hanuš 4 – 0 – 1 310, 32, 245, 125, 68, 600 Anmerkungen:

Die Grundeinheit der Royal Air Force während des Zweiten Weltkrieges war die Staffel (squadron), welche in der Regel aus zwei Schwärmen (flight) bestand, ab etwa 1942 bildeten etwa drei Staffeln eine Gruppe (wing).

In den Flugverbänden an der Westfront waren in der Zeit von 1939 bis 1945 beinahe 2500 Soldaten (einschließlich des Boden-Personals) im Einsatz.V Británii bojovali za Československo. A to je pak pronásledovalo, Beitrag vom 11. Juli 2011, online auf dem Portal des Verteidigungsministeriums: mocr.army.cz/informacni-servis..., tschechisch, abgerufen am 13. März 2012 Im Rahmen der britischen Luftstreitkräfte RAF waren insbesondere vier Staffeln tätig, die beinahe vollständig aus tschechischen und slowakischen Angehörigen bestanden: No. 310 Squadron RAF No. 311 Squadron RAF No. 312 Squadron RAF No. 313 Squadron RAF

Am 3. Mai 1942 wurden die drei Jagdstaffeln in Exeter zu einer tschechoslowakischen Gruppe (Wing) zusammengefasst (dem späteren No. 134 (Czechoslovak) Wing) die zuerst im Rahmen der No. 10 Group (10. Jagdgeschwader) operierte.Československý stíhací wing, online auf: , tschechisch, abgerufen am 16. März 2012 Die einzelnen Verbände besaßen jeweils eine Kommandantendoppelspitze – außer einem Tschechen oder Slowaken war es zusätzlich auch ein Brite, der die Kommunikation mit den Oberkommandos vereinfachen sollte.

Daneben dienten viele Tschechoslowaken auch in folgenden britischen oder sonstigen Staffeln: 1. Jagdstaffel der RAF (№ 1 Fighter Squadron), eine traditionelle Staffel der RAF, ausgestattet vor allem mit Jagdflugzeugen Hawker Hurricane; nach und nach dienten hier 30 tschechoslowakische Piloten, unter anderem auch der berühmte Karel Kuttelwascher, der mit 18 Abschüssen (und weiteren 5 wahrscheinlichen) zu den größten Nachtfliegerassen der RAF und dem besten unter den tschechoslowakischen Piloten gehörte. 68. Nachtjagdstaffel der RAF (№ 68 Night Fighter Squadron) entstand am 7. Januar 1941 in Catterick. Der Nummerierung nach war es eine britische Staffel, die allerdings viele Piloten anderer Nationen hatte, darunter auch 37 tschechoslowakischeNames of Czechoslovak aircrew who served with 68 squadron in World War II (1941–1945), online auf: laarbruch-museum.net/Source..., abgerufen am 13. März 2012, die bereits am 20. Januar 1941 einen eigenen tschechoslowakischen Schwarm B gründeten; der erste Kommandeur der Staffel war der tschechische Pilot Veselý. Die Staffel benutzte auch ein Motto, das die tschechoslowakischen Piloten auswählten – „Vždy připraven“ („Immer bereit“).The Squadrons, online auf: rogerdarlington.me.uk/...Section_III, abgerufen am 9. April 2012 111. Jagdstaffel der RAF (№ 111 Fighter Squadron) war vor allem in Schottland stationiert und mit Jagdflugzeugen Hawker Hurricane ausgestattet. Zu den bekannten tschechischen Piloten gehörten beispielsweise J. Mansfeld, O. Kučera. 122. Jagdstaffel der RAF (№ 122 Fighter Squadron) war beheimatet meist auf dem Stützpunkt Hornchurch, Essex, und sollte mit ihren Supermarine Spitfires vor allem die britische und US-amerikanische Bomber bei Angriffen auf Frankreich, Belgien und die Niederlande begleiten. Zu den bekannten tschechoslowakischen Piloten gehörten T. Kruml und František Fajtl (der 1942 auch der Kommandeur der Staffel war).