Das Mercure Hotel Potsdam City (früher: Interhotel Potsdam) ist ein im Jahr 1969 fertiggestelltes Hotel aus der Zeit der DDR, das von der Interhotel-Kette betrieben wurde. Nach der Wende gelangte es in das Eigentum der Mercure-Kette, die den Plattenbau sanieren und auf den nun üblichen Ausstattungsstandard umbauen ließ.
Das Hotel befindet sich an der Langen Brücke auf einem Teil des barocken Lustgartens gegenüber dem Potsdamer Stadtschloss. Das Hochhaus steht mit seiner kantigen Grundform und der Höhe von 60 Metern im Kontrast zum nahen Kirchturm der Kirche St. Nikolai.
Nachdem der Abriss des Hotels Mercure 2016 umstrittenes Sanierungsziel war, wird seit 2021 seine Unterschutzstellung als Denkmal geprüft.https://www.stadtspuren.com/aktuelles/maz-hotel-mercure-bald-unter-denkmalschutz/ Das Hotel gehört inzwischen dem Immobilienunternehmen Covivio und wird seit 2026 von der Odyssey Hotel Group gemanagt.
Geschichte und Konzeption mini |hochkant |links| Interhotel Potsdam und der erhaltene Teil der Ringerkolonnade, 1969.Quelle: Bundesarchiv. Originale Bildunterschrift aus der DDR-Zeit: Die von G. W. Knobelsdorff geschaffenen Kolonnaden - ehemals Schmuck des Potsdamer Stadtschlosses - Reste preußischer „Herrlichkeit“, bilden einen interessanten Kontrast zum modernen Interhotel Potsdam, Zeugnis der Aufbauleistungen der DDR-Bewohner.
Der Vorsitzende des DDR-Staatsrats Walter Ulbricht gab 1967 den Auftrag, eine „sozialistische Stadtkrone“ in Potsdam zu bauen.Sabine Schicketanz: Plattners Rückzug ins Grüne. In: Der Tagesspiegel, 6. Juni 2012 Das Hotelgebäude wurde als Prestigebau durch ein Architektenkollektiv unter der Leitung von Sepp Weber verwirklicht und sollte höchsten internationalen Standards entsprechen. Wie bei solchen Projekten üblich wurde das Haus mit Werken der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks ausgestattet. So erhielt z. B. der Raum "Rouen" einen 1,50 × 6,50 m großen Woll-Knüpfteppich nach dem Entwurf von Fritz Eisel. Für den Raum "Sanssouci" schuf Wieland Förster eine drei Meter hohe Säule aus Sandstein.
Für die Fertigstellung des Objekts kamen einige Baugeräte aus dem kapitalistischen Ausland zum Einsatz.Hella Kaiser: Wir hatten auch eine Blumenfee. In: Der Tagesspiegel, 8. November 2009 Das Haus bietet über 420 Gästezimmer in 17 Etagen und wurde als erstes Hotel der DDR mit 20 Fernsehern ausgerüstet. Prominente wie Karlheinz Böhm, Audrey Landers und Zsa Zsa Gabor waren hier Gäste. Für besondere Besucher stellte das Hotel auf Wunsch eine hauseigene Motoryacht zur Verfügung.Bettina Seipp: Was aus den Hotels des Sozialismus wurde, In: Die Welt, 26. Oktober 2009 Auf der Speisekarte des Hotelrestaurants standen neben regionaltypischen Gerichten auch russische und jugoslawische Spezialitäten.Kurzinfo zur Versorgungslage auf ddr-wissen.de
Bis zum Ende der DDR war der FDGB Hauptnutzer. Als Folge des Wechsels von Walter Ulbricht zu Erich Honecker als Staats- und Parteichef und der neuen wirtschaftspolitischen Ausrichtung nach dem VIII. Parteitag der SED – der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik – wurden ab 1971 in ausgewählten Hotels wie dem Interhotel Potsdam Kontingente an den FDGB abgegeben.Hasso Spode: Urlaub macht Geschichte. Reisen und Tourismus in der DDR. BeBra Verlag GmbH, Berlin 2022, ISBN 978-3-89809-201-2 (auch erschienen als Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2023, ISBN 978-3-7425-1066-2), S. 149 Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Verkauf der Interhotels an die Klingbeil-Gruppe wurde das Hotel 1992 für zwanzig Jahre an Mercure verpachtet. Eigentümer der Immobilie ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone Group, von der es Hotelbetreiber Accor gepachtet hatte.Katrin Starke: Potsdam sind im Fall "Hotel Mercure" die Hände gebunden In: Berliner Morgenpost, 12. Mai 2012
Perspektiven mini |Ansicht des Hotels vom Südostufer der Havel, die rechte Seite zeigt die Südspitze der Freundschaftsinsel (2009). mini|Blick vom Turm der Kirche St. Nikolai über das 2013 fertiggestellte Stadtschloss hinweg zum Mercure. Das Hotel wurde bis Ende 2012 von der Accor-Gruppe selbst betrieben, die vor Ablauf des Pachtvertrags Ende 2012 frühzeitig erklärte, das Hotel nicht selbst fortführen zu wollen. Im Zuge des in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels erfolgten Neubaus des Potsdamer Landtags in der äußeren Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses, dessen Kriegsruine 1959/1960 durch die DDR-Führung gesprengt wurde, wurde von verschiedener Seite der Abriss des Plattenbauhochhauses gefordert.Guido Berg: 17 Etagen abtragen. In Potsdamer Neueste Nachrichten, 10. Januar 2009 Der Softwaremilliardär Hasso Plattner wollte zunächst am Standort des Hotelhochhauses eine niedriggeschossige Kunsthalle bauen, nachdem diese Pläne in Potsdam nicht nur Befürwortung fandenKathrin Bischoff: Ein Konkurrent für das einstige Interhotel. In Berliner Zeitung, 14. April 2012Guido Berg: DDR-Architektur. Accor verhandelt über Mercure-Hotel.In Potsdamer Neueste Nachrichten, 29. März 2012 errichtete er das Museum Barberini im rekonstruierten Palast Barberini am Alten Markt.
Ende 2012 entschied der Eigentümer Blackstone, das Hotel als Franchisenehmer von Accor für die nächsten 10 Jahre selbst zu betreiben.Guido Berg: Zehn-Jahres-Vertrag. „Mercure“ bleibt stehen. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 13. September 2012 (PDF; 11,8 MB); Leserzuschrift im Preußen Spiegel Potsdam vom 12. Dezember 2012 Mitte 2013 wurde bekannt, dass Blackstone beabsichtige, das Mercure zu verkaufen und dass die Betreibergesellschaft des Hotels insolvent sei. Nachdem der Potsdamer Oberbürgermeister zwischenzeitlich bereits die Absicht geäußert hatte, den Lustgarten ins Sanierungsgebiet am Alten Markt einzubeziehen, plante die Stadtverwaltung zwischenzeitlich den Kauf und Abriss des Hochhauses, um die entstehende Freifläche wieder an den Lustgarten anzugliedern und somit das historische Umfeld des äußerlich rekonstruierten Stadtschlosses (Landtagsgebäude) mit den alten Blickbeziehungen wiederherzustellen. Dies war in der Potsdamer Bürgerschaft jedoch umstritten, was vor allem bei der Abstimmung zum Bürgerhaushalt 2015/16 deutlich wurde: Kein Kauf und Abriss des Hotels Mercure kam auf den zweiten Platz.Votierung Bürgerhaushalt 2015/16; abgerufen am 19. Nov. 2014
Ende Mai 2016 wurde bekannt, dass das Hotel zusammen mit acht weiteren ehemaligen DDR-Interhotels und einigen Hotels in Frankreich an die Firma FDM Management, ein Gemeinschaftsunternehmen einer Tochter der französischen Immobiliengesellschaft Reits Foncière des Régions und verschiedener französischer Versicherungen, verkauft wurde. FDM Management: €936 million in new hotel investments PRESS RELEASE 20 May 2016 Was diese Transaktion für die Zukunft des „Mercure“-Hotels bedeutet, ist derzeit nicht absehbar.
Literatur
Atreju Allahverdy / Christian Klusemann: Interhotel Potsdam (Hotel Mercure), in: Christian Klusemann (Hrsg.): Das andere Potsdam. DDR-Architekturführer. 26 Bauten und Ensembles aus den Jahren 1949 - 1990, Berlin 2016, S. 129–139.
Weblinks
Website des Hotels
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut 1969 Kategorie:Architektur (DDR) Kategorie:Bauwerk in Potsdam Kategorie:Unternehmen (Potsdam) Kategorie:Hotel in Brandenburg Kategorie:Unternehmensgründung 1969