Kummersdorf (Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 12 (= Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08664-1, S. 226–228.) ist ein Ortsteil der Kleinstadt Storkow (Mark) im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg. Mit rund 500 Einwohnern ist das 2003 eingemeindete Dorf der einwohnerstärkste der 14 Ortsteile Storkows. Homepage der Stadt Storkow (Mark). Das 1442 erstmals urkundlich erwähnte Dorf liegt im Naturpark Dahme-Heideseen und wird vom Storkower Kanal, der den Großen Storkower See mit dem Wolziger See verbindet, durchflossen.
Geographie Naturraum und Lage Kummersdorf liegt südlich des von der Spree durchflossenen Berliner Urstromtals und westlich der Storkower Platte im Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet, das in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands als Nr. 82 geführt wird. Die zahlreichen Seen des Gebiets sind ein Relikt des Brandenburger Stadiums (24.000 bis 22.000) der Weichsel-Eiszeit.Brigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands Teil 5: Brandenburg. Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Abschlussbericht F&E Vorhaben FKZ 299 24 274, im Auftrag des Umweltbundesamtes am Lehrstuhl Gewässerschutz der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, 2004. Kapitel 1.37 Wolziger See S. 155. b-tu.de (PDF; 1,9 MB). Rund zwei Kilometer westlich befindet sich der Wolziger See mit dem Ort Wolzig, der zur Nachbargemeinde Heidesee gehört. Nordöstlich folgt, in gleichfalls rund zwei Kilometern Entfernung, der Storkower Ortsteil Alt Stahnsdorf und östlich schließt sich die Gemarkung des Storkower Ortsteils Rieplos an. Die Storkower Kernstadt liegt rund fünf Kilometer östlich. Im Süden grenzen die Gemarkungen der Storkower Ortsteile Philadelphia und Görsdorf an die Kummersdorfer Gemarkung.Digitale Topographische Karten 1:10.000. Brandenburg-Viewer (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten).
Im äußersten Nordosten auf der Grenze zu Rieplos bezieht die Gemarkung Kummersdorfs eine Teilstrecke des Rieploser Fließes mit ein. Im Nordwesten umfasst die Kummersdorfer Gemarkung einen Teil des Naturschutzgebietes Storkower Kanal, das das Stahnsdorfer Fließ mit einbezieht und wild lebende Pflanzengesellschaften, Bruchwaldgesellschaften und Tierarten in der vermoorten Niederung zwischen dem Wolziger und Stahnsdorfer See bewahren soll. Dazu zählen Hochstaudenfluren und Krebsscherenfluren und gefährdete Tierarten wie Fischotter, Rapfen und Bitterling. Das Gebiet ist zudem als FFH-Gebiet im Natura 2000 Verbund ausgewiesen.Minister für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg: Verordnung über das Naturschutzgebiet „Storkower Kanal“ vom 24. Mai 2004. (GVBl.II/04, Nr. 13, S. 338). Potsdam, den 24. Mai 2004.
Verkehrsanbindung Hauptverkehrsader des Dorfes ist die Landesstraße 40 (Kummersdorfer Hauptstraße), die den Ort von West nach Ost durchschneidet und an Wolzig sowie über die L 23 an Storkow anbindet. Die Brücke über den Kanal wurde vom 27. Mai 2013 bis 10. April 2014 in Rekordzeit komplett neu gebaut. Dieser Ersatzneubau wurde notwendig, weil das Bauwerk aus den 1960er Jahren, welches zur Bedarfsumleitung der BAB 12 gehört, sehr stark beschädigt war. Zudem besteht in der Kreisstraße 6748 eine Verbindung nach Alt Stahnsdorf und an die gleich nördlich des Alt Stahnsdorf zugehörigen Neu Stahnsdorf gelegene Anschlussstelle Storkow der Bundesautobahn 12, die vom Berliner Ring nach Frankfurt (Oder) führt. Im Öffentlichen Nahverkehr vernetzt die Linie 406 der Busverkehr Oder-Spree (BOS) Kummersdorf mit Storkow und Wolzig, allerdings nur werktags und rund achtmal täglich. Mit einem eigenen Bahnhof beziehungsweise Haltepunkt ist Kummersdorf eine Ausnahme unter den Ortsteilen Storkows. Der Haltepunkt ist Teil der von der NEB betriebenen Bahnstrecke von Königs Wusterhausen nach Frankfurt (Oder) (RB 36, unter anderem über Storkow, Beeskow, Müllrose). NEB.
Der Storkower Kanal, unter der Regierung Friedrichs II. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Flößergraben zum Kanal ausgebaut, ist Teil der 33,44 Kilometer langen Bundeswasserstraße Storkower Gewässer (SkG) vom Scharmützelsee zur Dahme. Über Jahrhunderte insbesondere zur Versorgung Berlins mit Bauholz genutzt, liegt seine heutige verkehrswirtschaftliche Bedeutung weitgehend im Bereich der Freizeit- und Tourismusindustrie. In der Regel wird er nur noch von Fahrgastschiffen, Sportbooten und zum Wasserwandern genutzt. Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin.
Geschichte Ersterwähnung und Namengebung Kummersdorf wurde, soweit bekannt, erstmals 1442 unter dem Namen Lumersdorf (lies: Kumersdorf) als Dorf mit einer Mühle erwähnt. 1463 findet sich die Bezeichnung Cummersdorff.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, . S. 98. Die Namensableitung ist unklar. Die offizielle Internetseite der Stadt Storkow führt den Namen bei der Ortsteilbeschreibung auf den Personennamen Komor oder Kummer zurück, der möglicherweise der Ortsgründer gewesen sei. Laut Ortschronik hingegen könnte der Name aus comora = Speicher oder aus dem slawischen Comari = Stechmücke hervorgegangen sein.Gisela Zeige: Aus der Chronik von Kummersdorf. S. 216. Als Quelle gibt Zeige an: Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 12 (= Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08664-1, S. 80/81. Der Sprachwissenschaftler und Slawist Reinhard E. Fischer wiederum verzichtet in seiner Zusammenstellung Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin von 2005 auf jegliche etymologische Ableitung und gibt lediglich die Ersterwähnungen an.
Entwicklung des Dorfes bis 1933 mini|Bauernhaus in Kummersdorf Im Jahr 1448 gehörte Cummersdorf als Lehnsbesitz den Lewinwalde zu Storkow, danach war das Dorf im Besitz derer von Löschebrand zu Saarow und Görsdorf und ab 1494 im Besitz der Queiß zu Görsdorf. Zwischen 1518 und 1653 gehörte Kummersdorf zum Amt Storkow, danach 1812 zum Amt Stahnsdorf und von 1813 bis 1872 wieder zum Amt Storkow.Gisela Zeige: Aus der Chronik von Kummersdorf. S. 216 f.
1518 gab es 7 Höfe, die von 4 Bauern- und 3 Kossätenfamilien betrieben wurden. Um 1600 werden 12 Bauern und 4 Kossäten genannt. 1870 hatte das Dorf 253 Einwohner, darunter 5 Großbauern und mehrere landwirtschaftliche Kleinbetriebe. 1723 ist eine Mühle mit Sägewerk erwähnt und zwischen 1850 und 1862 wurde eine Öl-, Getreide- und Schneidemühle gebaut. Im 18. Jahrhundert ergänzte die Seidenraupenzucht die kargen Erträge aus der Landwirtschaft. Die in vielen Dörfern Brandenburgs betriebene und merkantilistisch motivierte Seidenraupenzucht sollte Preußen von ausländischer Seidenlieferung unabhängiger machen und wurde von Friedrich dem Großen systematisch gefördert. Ein unter Naturschutz stehender Maulbeerbaum in Nähe der Schleuse erinnert an den einst in Kummersdorf betriebenen Wirtschaftszweig.
Mit dem Kanal- und Schleusenbau 1862/65, dem Bau der Landstraße Königs Wusterhausen–Storkow–Beeskow 1868 und der Anbindung an die Eisenbahn 1898 erhielt Kummersdorf Anschluss an die größeren Zentren der Umgebung. Die Verkehrsverbindungen ermöglichten, dass die Kummersdorfer, die von ihrer Landwirtschaft kaum leben konnten, Arbeit in den aufstrebenden Orten Niederlehme und Wildau wie auch in Berlin suchten und fanden; die Landwirtschaft wurde nur noch nebenbei betrieben. Zudem wurde das Dorf Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner. Zahlreiche begüterte Berliner Bauherren ließen hier Villen errichten. Am 1971 abgebrannten „Mühlenheim“, einem Hotel mit Ausflugsgaststätte für die „bessere Gesellschaft“ aus Berlin auf der Insel vor der Schleuse, legten an den Wochenenden bis zu drei Dampfer an. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es unter anderem 5 Gaststätten, 4 Fleischer und einen Kolonialwarenladen.Gisela Zeige: Aus der Chronik von Kummersdorf. S. 217 ff.
Zweiter Weltkrieg, DDR- und Nachwendezeit In der Zeit des Nationalsozialismus versteckte das Ehepaar Helling, Besitzer der gleichnamigen Gaststätte, ein jüdisches Ehepaar auf seinem Grundstück. Nach dem Verrat eines Dienstmädchens 1943 oder 1944 kam Herr Helling in die Strafdivision 999 und seine Frau ins Zuchthaus. Nach Kriegsende konnten beide in ihre Gaststätte zurückkehren. Zum Ende des Krieges 1945 wurden die Dorfbrücke und die Schleuse gesprengt und später wiederaufgebaut.
In der DDR-Zeit erhielt Kummersdorf erstmals eine Schule, die allerdings bereits 1966 wieder geschlossen wurde. Von den Fleischereien verblieben zwei, daneben gab es einen HO-Laden, zwei weitere Geschäfte für Haushaltswaren beziehungsweise Textilien und später den Konsum. 1957 wurde eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) vom Typ I und 1960 gemeinsam mit Alt Stahnsdorf und Rieplos vom eher seltenen Typ III gegründet.Gisela Zeige: Aus der Chronik von Kummersdorf. S. 218 ff.
Die Zahl der Läden, Geschäfte und Gaststätten nahm weiter ab. Am 26. Oktober 2003 wurde das lange selbstständige Dorf nach Storkow eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 Die Eingemeindung stieß bei den Kummersdorfern auf wenig Gegenliebe (siehe unten).
Bauten mini|Denkmalgeschützte „Villa Agnes“, Siedlung West 2 mini|Schleuse Kummersdorf, erbaut 1862
Die Landesdenkmalliste mit Stand vom 31. Dezember 2012 führt unter den Baudenkmalen in Storkow ein Objekt in Kummersdorf an: Siedlung West 2, Wohnhaus. Es handelt sich um einen Gründerzeitbau mit der Bezeichnung „Villa Agnes“. Die Villa befindet sich am Storkower Kanal in der Straße Siedlung West 2, die kurz hinter der Kanalbrücke von der Kummersdorfer Hauptstraße (Landesstraße 40) abbiegt. Eine Kirche hat der Ort nicht. Bemerkenswert unter den historischen Bauten sind ferner der Bahnhof und die Schleuse.
Bahnhof Kummersdorf Am 20. September 1898 fuhr der erste planmäßige Zug auf der neuen Bahnstrecke Königs Wusterhausen–Grunow über Beeskow nach Grunow. Die eingleisige Nebenbahn vernetzte den Landkreis Beeskow-Storkow mit der Berlin-Görlitzer Eisenbahn und der Bahnstrecke Cottbus–Frankfurt (Oder). 1907 wurde in Kummersdorf ein neuer Bahnhof gebaut. Später wurde in dem hohen Backsteingebäude eine Gaststätte mit Tanzsaal angebaut. 1945 durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt, wurde der Bahnhof ohne Gaststätte wiederaufgebaut. Der Tanzsaal wurde nunmehr als Fahrrad-Abstellraum genutzt.
Nach der Deutschen Wiedervereinigung wollte die Deutsche Bahn den Bahnhof abreißen lassen, tatsächlich abgerissen wurde der Anbau mit dem ehemaligen Saal. Die Beseitigung des Hauptgebäudes verhinderte der Kummersdorfer Bürgermeister. Inzwischen wurde das nahezu unveränderte Gebäude privatisiert und von der Bahn an Berliner Künstler verkauft. Heute halten in Kummersdorf im Bedarfsfall die Triebwagen der NEB (siehe oben). Der Haltepunkt und der nebenstehende ehemalige Bahnhof liegen nördlich etwas außerhalb des Dorfes an der Bahnhofstraße, die Teil der Kreisstraße 6748 nach Alt Stahnsdorf ist.Gisela Zeige: Aus der Chronik von Kummersdorf. S. 217 f.Erich Oehring, Jürgen Pfeiler, Reinhold Zielke: Storkow und seine Ortsteile …. S. 252
Schleuse Kummersdorf