mini|Azygoskontinuität der V. cava inferior in der Computertomographie links axial mit Darstellung des Venensterns der Leber (im Prinzip normal) und der deutlich erweiterten V. azygos. Bild auch mit Cavathrombose vereinbar, bei der die Umleitung über die Azygos erfolgt. Rechts coronar mit Darstellung des Zusammenflusses von Nierenvenen (in diesem Schnitt nur rechte angeschnitten) und Vv. iliacae. (Arterielle Kontrastmittelphase, daher ist die Aorta deutlich heller.) mini|Azygoskontinuität bei einem Patienten mit Situs inversus. Darstellung der nicht kontrastierten deutlich erweiterten V. azygos neben der kontrastierten Aorta in einer CT-Untersuchung der Koronarien. Die Azygoskontinuität der Vena cava inferior gehört zu den angeborenen Fehlanlagen des venösen Abstroms aus der unteren Körperhälfte. Die Vena cava inferior ist nicht durchgängig vorhanden, sondern es fehlt das Segment zwischen der Leber und den Nieren. Die Lebervenen drainieren wie bei der normalen Anatomie über ein kurzes hepatisches Segment nahezu direkt in den rechten Vorhof. Die Nierenvenen münden jedoch mit dem infrarenalen Segment der Vena cava inferior in die Vena azygos, die aufgrund des vermehrten Blutflusses deutlich weiter als normal ist. Diese mündet dann nach normalem Verlauf in die Vena cava superior. Es gibt eine Reihe von Variationen mit jeweils unterschiedlich ausgebildeten Gefäßabschnitten.Thomas Cissarek, Knut Kröger, Frans Santosa, Thomas Zeller (Hrsg.): Gefäßmedizin: Therapie und Praxis. ABW Wissenschaftsverlag, 2009, S. 412.
Historie Beschreibungen dieser anatomischen Besonderheit in Kombination mit weiteren Fehlbildungen findet man von John Abernethy bereits von 1793.J. Abernethy: Account of two instances of uncommon formation in the viscera of the human body. In: Philos Trans R Soc., 83, 1793, S. 59–66, jstor.org (PDF).
Entstehung Es wird vermutet, dass ein Fehlen der Anastomose zwischen rechter Subkardinalvene und Lebervenen zu einer Atrophie der Subkardinalvene führt.J. E. Bass, M. D. Redwine, L. A. Kramer, P. T. Huynh, J. H. Harris: Spectrum of congenital anomalies of the inferior vena cava: cross-sectional imaging findings. In: Radiographics: a review publication of the Radiological Society of North America, Inc. Band 20, Nummer 3, 2000 May-Jun, S. 639–652, . PMID 10835118. (Review).
Häufigkeit Bei Patienten ohne diesbezügliche Beschwerden wird die Anomalie gelegentlich als Zufallsbefund in Schnittbilduntersuchungen entdeckt. Die Prävalenz wird mit 0,6 % angegeben.S. Ginaldi, V. P. Chuang, S. Wallace: Absence of hepatic segment of the inferior vena cava with azygous continuation. In: Journal of computer assisted tomography. Band 4, Nummer 1, Februar 1980, S. 112–114, . PMID 7354162. Häufiger tritt die Azygoskontinuität im Rahmen eines Heterotaxiesyndroms auf.S. Müther, I. Dähnert: Das Heterotaxiesyndrom. In: Zeitschrift für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Volume 14, Number 3, Juni 2000, S. 134–136, doi:10.1007/s003980070034Michalis Georgiadis: Der „Blick hinter das Herz im Vierkammerblick“ und seine Bedeutung für die sonographische Diagnose fetaler Herzfehler. Inaugural-Dissertation. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn 2008. .
Klinische Bedeutung Ob mit der Fehlanlage auch Symptome verbunden sind und somit ein Krankheitswert vorliegt, hängt davon ab, ob die vorhandenen Umgehungskreisläufe ausreichend sind, den Rückfluss zum Herz zu gewährleisten. Ansonsten sind Thrombosen und anderen Folgen eines chronischen Rückstaus wie z. B. Varizen zu beobachten. Beim Auftreten im Rahmen eines Syndroms können auch anderen Fehlbildungen z. B. des Herzens im Vordergrund stehen.
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Einzelnachweise
Kategorie:Fehlbildung Kategorie:Krankheitsbild in der Angiologie