Bei den X. Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble fanden zehn Wettbewerbe im nordischen Skisport statt. Diese galten gleichzeitig als 27. Nordische Skiweltmeisterschaften. Neben olympischen Medaillen wurden auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben. Einzige Ausnahme war die Nordische Kombination, in der es ausschließlich olympische Medaillen gab. Austragungsorte waren Autrans mit der Sprungschanze Le Claret und dem provisorischen Skistadion südlich des Dorfes sowie Saint-Nizier-du-Moucherotte mit der Dauphiné-Schanze.

Zum ersten Mal starteten zwei deutsche Teams bei Olympischen Spielen. Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR traten mit einer jeweils eigenen Mannschaft an.

Bilanz

Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 4 2 2 8 2 2 2 1 5 3 1 2 2 5 4 1 1 – 2 5 1 – – 1 1 – – 1 7 – 1 2 3 8 – 1 1 2 – 1 1 2 10 – – 1 1

Medaillengewinner + Langlauf Männer Konkurrenz Gold Silber Bronze 15 km Harald Grønningen Eero Mäntyranta Gunnar Larsson 30 km Franco Nones Odd Martinsen Eero Mäntyranta 50 km Ole Ellefsæter Wjatscheslaw Wedenin Josef Haas 4 × 10 km Staffel Ole Ellefsæter, Harald Grønningen, Odd Martinsen, Pål Tyldum Bjarne Andersson, Jan Halvarsson, Gunnar Larsson, Assar Rönnlund Kalevi Laurila, Eero Mäntyranta, Kalevi Oikarainen, Hannu Taipale

+ Langlauf Frauen Konkurrenz Gold Silber Bronze 5 km Toini Gustafsson Galina Kulakowa Alewtina Koltschina 10 km Toini Gustafsson Berit Mørdre Inger Aufles 3 × 5 km Staffel Inger Aufles, Babben Enger, Berit Mørdre Toini Gustafsson, Barbro Martinsson, Britt Strandberg Rita Atschkina, Alewtina Koltschina, Galina Kulakowa

+ Skispringen Konkurrenz Gold Silber Bronze Normalschanze Jiří Raška Reinhold Bachler Baldur Preiml Großschanze Wladimir Beloussow Jiří Raška Lars Grini

+ Nordische Kombination Konkurrenz Gold Silber Bronze Einzel Franz Keller Alois Kälin Andreas Kunz

Langlauf Männer

15 km Olympiasieger 1964: Eero Mäntyranta (FIN) / Weltmeister 1966: Gjermund Eggen (NOR). Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Harald Grønningen 47:54,2 2 Eero Mäntyranta 47:56,1 3 Gunnar Larsson 48:33,7 4 Kalevi Laurila 48:37,6 5 Jan Halvarsson 48:39,1 6 Bjarne Andersson 48:41,1 7 Pål Tyldum 48:42,0 8 Odd Martinsen 48:49,3 9 Waleri Tarakanow 49:04,1 10 Kalevi Oikarainen 49:11,1 12 Walter Demel 49:38,4 18 Josef Haas 50:34,8 19 Flury Koch 50:37,2 20 Karl Buhl 50:38,1 29 Gerhard Grimmer 51:22,1 30 Albert Giger 51:26,6 31 Andreas Janc 51:29,8 33 Gert-Dietmar Klause 51:51,6 35 Konrad Hischier 52:06,4 37 Peter Thiel 52:07,8 38 Helmut Gerlach 52:21,8 39 Klaus Ganter 52:30,0 42 Heinrich Wallner 52:53,6 47 Ernst Pühringer 53:23,0 51 Walter Sailer 54:12,5 Datum: 10. Februar 1968, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 214 m; Maximalanstieg: 74 m; Totalanstieg: 490 m 75 Teilnehmer aus 25 Ländern, davon 72 in der Wertung.

Als erster der Favoriten nahm der Norweger Grønningen die Strecke in Angriff. Lufttemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hatten die Loipe ein wenig aufgeweicht, wodurch die tieferen Startnummern einen leichten Vorteil besaßen. Der später gestartete Finne Mäntyranta lag nach 5 km noch hinter Grønningen zurück, wies aber bei der 10-km-Zwischenzeit einen Vorsprung von 9,6 Sekunden auf. Grønningen war auf den letzten 5 km der Schnellste, überholte Mäntyranta und hatte am Ende einen Vorsprung von 1,9 Sekunden. Der Schwede Larsson lag nach 10 km noch auf dem 6. Platz, konnte aber drei Ränge gutmachen und gewann die Bronzemedaille.

30 km Olympiasieger 1964 und Weltmeister 1966: Eero Mäntyranta (FIN).

Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Franco Nones 1:35:39,2 2 Odd Martinsen 1:36:28,9 3 Eero Mäntyranta 1:36:55,3 4 Wladimir Woronkow 1:37:10,8 5 Giulio Deflorian 1:37:12,9 6 Kalevi Laurila 1:37:29,8 7 Kalevi Oikarainen 1:37:34,4 8 Gunnar Larsson 1:37:48,1 9 Walter Demel 1:37:49,2 10 Anatoli Akentjew 1:37:52,4 15 Gerhard Grimmer 1:38:46,0 19 Gert-Dietmar Klause 1:39:30,5 28 Denis Mast 1:41:58,8 30 Konrad Hischier 1:42:26,1 31 Karl Buhl 1:42:52,2 32 Flury Koch 1:43:06,9 35 Fritz Stüssi 1:43:57,8 36 Axel Lesser 1:44:16,2 37 Helmut Unger 1:44:47,9 38 Ernst Pühringer 1:44:51,0 40 Franz Vetter 1:45:11,2 46 Herbert Steinbeißer 1:46:31,2 48 Karl-Heinz Scherzinger 1:47:08,7 50 Hansjörg Farbmacher 1:49:43,3 Datum: 7. Februar 1968, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 275 m; Maximalanstieg: 90 m; Totalanstieg: 990 m 66 Teilnehmer aus 22 Ländern, davon 63 in der Wertung.

Der 30-km-Lauf war die erste Entscheidung dieser Winterspiele, zurückzulegen waren zwei Schleifen von 10 und 20 km Länge. Die Favoriten hatten durchwegs hintere Startnummern gewählt. Der italienische Zollwachbeamte Franco Nones hatte bald einen beachtlichen Vorsprung, doch niemand glaubte, dass er dieses Tempo durchhalten würde. Er legte die ersten 10 km am schnellsten zurück und lag 21,7 Sekunden vor Woronkow und 28,4 Sekunden vor Eero Mäntyranta. Bis zur nächsten Zwischenzeit bei 20 km kam der Finne bis auf 4,2 Sekunden an den Italiener heran, während der Norweger Odd Martinsen bereits einen Rückstand von 32,3 Sekunden aufwies. Es deutete auf eine erfolgreiche Titelverteidigung durch den Finnen hin. Doch auf dem letzten, meist bergab führenden Abschnitt konnte sich Nones nochmals steigern: Er lief wiederum die klare Bestzeit und realisierte den ersten Olympiasieg eines Langläufers aus einem Alpenland (und war erster nichtskandinavischer Goldmedaillengewinner in einer Einzelkonkurrenz, nachdem 1956 es der Staffel der Sowjetunion gelungen war, überhaupt erstes Gold eines Landes außerhalb Skandinaviens zu erobern). Mäntyranta baute ab, Martinsen nahm ihm auf dem letzten Teilstück fast eine Minute ab und stieß auf den zweiten Platz vor.

50 km Olympiasieger 1964: Sixten Jernberg (SWE) / Weltmeister 1966: Gjermund Eggen (NOR). Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Ole Ellefsæter 2:28:45,8 2 Wjatscheslaw Wedenin 2:29:05,5 3 Josef Haas 2:29:14,8 4 Pål Tyldum 2:29:26,7 5 Melcher Risberg 2:29:37,0 6 Gunnar Larsson 2:29:37,2 7 Jan Halvarsson 2:30:05,9 8 Reidar Hjermstad 2:31:01,8 9 Walter Demel 2:31:14,4 10 Assar Rönnlund 2:31:19,3 13 Andreas Janc 2:32:32,2 23 Alois Kälin 2:36:40,8 25 Gert-Dietmar Klause 2:36:52,5 33 Helmut Gerlach 2:41:55,8 34 Franz Vetter 2:43:51,1 37 Franz Kälin 2:44:29,7 43 Siegfried Weiß 2:46:53,4 Datum: 17. Februar 1968, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 248 m; Maximalanstieg: 70 m; Totalanstieg: 1480 m 51 Teilnehmer aus 18 Ländern, davon 47 in der Wertung.

Zurückzulegen war zweimal eine Runde mit einer Länge von 25 km. Der Norweger Reidar Hjermsted lag bei 15 km in Führung, gefolgt von seinem Landsmann Ole Ellefsæter und dem Schweden Assar Rönnlund. Nach Hälfte der Strecke übernahm Ellefsæter die Führung, während Hjermsted und Rönnlund weit zurückfielen. Bei 40 km kam Pål Tyldum bis auf 40 Sekunden an Ellefsæter heran und lag zwischenzeitlich auf dem zweiten Platz; nur wenig langsamer unterwegs war der Russe Wjatscheslaw Wedenin. Dieser konnte Tyldum noch überholen und gewann die Silbermedaille. Josef Haas, der nach 15 km noch auf dem 12. Platz gelegen hatte, lief auf dem letzten Abschnitt klare Bestzeit, verbesserte sich auf Platz 3 und holte die erste olympische Langlaufmedaille für die Schweiz.

Die Norweger waren die großen Gewinner der Langlaufbewerbe. Bei den 50 km hatten die Läufer Wetterglück: sonniges Wetter, schnelle Spur. Ellefsæter hatte seinen Großangriff nach ungefähr 19 Kilometern gestartet. Die Norweger waren über dessen Sieg nicht sonderlich überrascht, sie wussten, dass er der beste 50-km-Läufer war. Zwar führte vorerst Hjermstad, dann wurde aber Ellefsæter immer schneller, er nahm die steilen, schnellen Abfahrten mühelos; seine Siegerzeit war die schnellste je über 50 km gelaufene Zeit. Enttäuschend waren die Leistungen der Schweden und Finnen, deren Asse während des Rennens fast durchwegs Schwächeanfälle erlitten und keine Chance auf den Sieg hatten. Die Österreicher hatten nur zwei Läufer am Start. Andreas Janc lief trotz ungünstiger Start-Nr. 1 ein erfreuliches Rennen, welches nicht einmal die kühnsten Optimisten von ihm erwartet hatten. Er ließ zahlreiche Asse, darunter Mäntyranta (mit 20 Sekunden), Martinsen, und Akentjew hinter sich. Er lag nach 15 km auf Rang 18, steigerte sich Kilometer 25 auf Rang 15 und konnte mit einem kräftigen Finish auf Rang 13 vorrücken, eine seit 1948 (Josef Gstrein mit Rang 12) nicht mehr gesehene Leistung.«Kronen-Zeitung Wien» vom 18. Februar 1968.«Norweger gewann Schi-Marathon . Andreas Janc lief ganz hervorragend»; »Kleine Zeitung«, Steiermark-Ausgabe vom 18. Februar 1968, S. 24.

4 × 10 km Staffel Olympiasieger 1964: SWE (Karl-Åke Asph, Sixten Jernberg, Janne Stefansson, Assar Rönnlund) / Weltmeister 1966: NOR (Odd Martinsen, Harald Grønningen, Ole Ellefsæter, Gjermund Eggen). Platz Land / Sportler Zeit 1 Odd Martinsen Pål Tyldum Harald Grønningen Ole Ellefsæter 2:08:33,5 h 31:57,3 min 32:13,8 min 32:05,2 min 32:17,2 min 2 Jan Halvarsson Bjarne Andersson Gunnar Larsson Assar Rönnlund 2:10:13,2 h 32:37,0 min 32:26,4 min 32:24,4 min 32:45,4 min 3 Kalevi Oikarainen Hannu Taipale Kalevi Laurila Eero Mäntyranta 2:10:56,7 h 33:00,7 min 33:16,0 min 32:16,3 min 32:23,7 min 4 Wladimir Woronkow Anatoli Akentjew Waleri Tarakanow Wjatscheslaw Wedenin 2:10:57,2 h 32:38,4 min 32:32,5 min 32:56,4 min 32:49,9 min 5 Konrad Hischier Josef Haas Flury Koch Alois Kälin 2:15:32,4 h 34:27,1 min 33:02,2 min 33:45,9 min 34:17,2 min 6 Giulio Deflorian Franco Nones Palmiro Serafini Aldo Stella 2:16:32,2 h 34:58,4 min 33:55,6 min 34:09,9 min 33:28,3 min 7 Gerhard Grimmer Axel Lesser Peter Thiel Gert-Dietmar Klause 2:19:22,8 h 33:52,1 min 34:00,3 min 36:46,5 min 34:43,9 min 8 Helmut Gerlach Walter Demel Herbert Steinbeißer Karl Buhl 2:19:37,6 h 34:53,5 min 33:42,2 min 35:27,1 min 35:34,8 min 13 Heinrich Wallner Franz Vetter Ernst Pühringer Andreas Janc 2:22:29,4 h 35:42,2 min 35:02,6 min 36:25,2 min 35:19,4 min Datum: 14. Februar 1968, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 174 m; Maximalanstieg: 65 m; Totalanstieg: 420 m 15 Staffeln am Start, alle in der Wertung.

In diesem Rennen mit Massenstart legte der Norweger Odd Martinsen den ersten Abschnitt am schnellsten zurück. Er war 39,7 Sekunden schneller unterwegs als der Schwede Jan Halvarsson, der Russe Wladimir Woronkow verlor 41,1 Sekunden. Auch der zweite norwegische Läufer, Pål Tyldum, lief seinen Abschnitt am schnellsten: Nach Hälfte des Rennens hatten die Norweger bereits einen Vorsprung von 52,3 Sekunden, so dass es klar war, dass sie siegen würde, womit Schweden nur mehr darauf bedacht war, Rang 2 zu halten. Harald Grønningen baute den Vorsprung der Norweger auf der dritten Runde auf 71,5 Sekunden aus und Schlussläufer Ole Ellefsæter auf 1:39,7 min. Die Schweden sicherten sich ähnlich deutlich die Silbermedaille. Der finnische Schlussläufer Eero Mäntyranta holte den Russen Wjatscheslaw Wedenin noch ein und auf der Zielgerade lieferten sich beide ein spannendes Duell, das der Finne mit einer halben Sekunde Vorsprung für sich entschied. Österreichs Startläufer Heinrich Wallner teilte wohl aus Unroutiniertheit seine Kräfte nicht richtig ein, lief vorerst mit den Assen mit und überforderte sich.

Langlauf Frauen

5 km Olympiasiegerin 1964: Klawdija Bojarskich (URS) (Karriere beendet) / Weltmeisterin 1966: Alewtina Koltschina (URS). Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Toini Gustafsson 16:45,2 2 Galina Kulakowa 16:48,4 3 Alewtina Koltschina 16:51,6 4 Barbro Martinsson 16:52,9 5 Marjatta Kajosmaa 16:54,6 6 Rita Atschkina 16:55,1 7 Inger Aufles 16:58,1 8 Senja Pusula 17:00,3 9 Stefania Biegun 17:03,4 00 Berit Mørdre 17:11,9 12 Christine Nestler 17:23,5 13 Gudrun Schmidt 17:24,3 14 Renate Köhler 17:25,5 16 Anna Unger 17:30,7 17 Monika Mrklas 17:32,5 25 Michaela Endler 17:59,2 29 Barbara Barthel 18:20,0 Datum: 13. Februar 1968, 9:00 Uhr Höhenunterschied: 100 m; Maximalanstieg: 65 m; Totalanstieg: 170 m 34 Teilnehmerinnen aus 11 Ländern, alle in der Wertung.

10 km Olympiasiegerin 1964 und Weltmeisterin 1966: Klawdija Bojarskich (URS) (Karriere beendet).