Die Landgrafen von Hessen regierten die Grafschaft Hessen von 1247 bis 1830.

Die Landgrafen (1247 bis 1567) Nr. Name (Lebensdaten) Herrschaft Anmerkungen Herkunft Darstellung1.Heinrich I.* 24. Juni 1244† 21. Dezember 13081247–1308 Erster Landgraf von Hessen. 1247 von seiner Mutter Sophie von Brabant zum Erben der im Mannesstamm ausgestorbenen Ludowinger, den Landgrafen von Thüringen ausgerufen und nach langem Erbfolgekrieg 1263 als Herrscher in Nieder- und Oberhessen anerkannt. Begründer des Hauses Hessen.Haus Brabant100px|Sophie von Brabant lässt ihrem Sohn Heinrich I. huldigen. Moderne künstlerische Darstellung der Ausrufung Heinrichs zum Landgrafen von Hessen2.Johann I., von Niederhessen† 13111308–1311 Sohn von Heinrich I. und Mechthild von Cleve; nach der Erbteilung seines Vaters von 1308 bis 1311 Landgraf von Niederhessen. Gebietsstreitigkeiten mit Markgraf Friedrich I. von Meißen, nachdem der deutsche König und spätere Kaiser Heinrich VII. dem in Kassel regierenden Halbbruder Ottos die Schutzherrschaft über Goslar, Mühlhausen und Nordhausen erteilte. Johann starb, wie seine Ehefrau Adelheid von Braunschweig-Lüneburg, 1311 in Kassel an der Pest.Haus Hessen100px|Johann I.3.Otto I.* um 1272 † 13281308–1328 Otto I. war der Sohn von Heinrich I. und übernahm nach dessen Tod 1308 die Herrschaft über Oberhessen. Sein Halbbruder Johann I. erhielt Niederhessen. Als dieser 1311 starb, übernahm Otto I. auch dort die Regierungsgeschäfte. Nach seinem Tod im Januar 1328 wurde er im Kloster Ahnaberg bestattet.Haus Hessen4.Heinrich II.* vor 1302 † 3. Juni 13761328–1376 Heinrich II., auch „Der Eiserne“ genannt, war der Sohn von Otto I. Nachdem er seit 1320/21 Mitregent gewesen war, übernahm er 1328 selbst die Herrschaft. Er regierte bis zu seinem Tod im Jahr 1376. 1321 heiratete er Elisabeth von Thüringen und bekam fünf Kinder mit ihr. Nach seinem Tod 1376 wurde er in der Elisabethkirche in Marburg beigesetzt.Haus Hessen5.Hermann II.* um 1341 † 10. Juni 14131376–1413 Hermann II. war der zweite Sohn Ludwig des Junkers und dessen Frau Elisabeth. Zunächst war er für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen. Doch nach dem Tod des eigentlichen Thronerben berief ihn Heinrich II. 1367 zum Mitregenten. Der Sternerkrieg leerte die Kassen Hessens, woraufhin Hermann eine neue Steuer erließ und damit den Unmut der Bevölkerung auf sich zog. Erst 1378 kam es zum Ausgleich. 1384 verabschiedete Hermann eine neue Verfassung, wobei Kassel seine Selbstständigkeit verlor. Die Bürger Kassels wandten sich an Balthasar von Thüringen, der mit Verbündeten in den Krieg gegen Hermann zog, welcher erst 1400 beigelegt werden konnte.Walter Heinemeyer: Hermann II. der Gelehrte. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 633 f.Haus Hessen6.Ludwig I.* 6. Februar 1402 † 17. Januar 14581413–1458 Ludwig I. von Hessen kam 1402, als Sohn des Landgrafen Hermann II. von Hessen, auf die Welt. Seine Mutter, Margarethe, war die Tochter des Nürnberger Burggrafen Friedrich V. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Ludwig den Landgrafentitel. Unter seiner Regentschaft erhielten 1421 alle Handwerkergilden neue Zunftbriefe, die ihnen bisher nie gekannte Freiheiten und Rechte garantierten.Haus Hessen7.Ludwig II., von Niederhessen* 7. September 1438 † 8. November 14711458–1471 Ludwig II., auch der Freimütige genannt, war der Landgraf von Niederhessen. Sein Vater Ludwig I. teilte die Landgrafschaft Hessen in Niederhessen und Oberhessen auf, wobei Ludwig II. ersteres regierte und sein jüngerer Bruder Heinrich III. letzteres. Zwischen den beiden Brüdern kam es wegen der unklaren Grenzen zum Krieg (Hessischer Bruderkrieg). Ludwig II. starb kurz nach einem Jagdausflug auf der Burg Reichenbach und wurde in der Elisabethkirche in Marburg beigesetzt. Man vermutete später, dass er an einem Giftanschlag gestorben sei.Haus Hessen8.Heinrich III., von Oberhessen * 15. Oktober 1440 oder 1441 † 13. Januar 14831458–1483Zweiter Sohn von Ludwig I. und Anna von Sachsen. Nach dem Tod Ludwig I. erbte Heinrich III. die Landgrafschaft Oberhessen, sein Bruder Ludwig II. wurde Landgraf von Niederhessen. Da es keine verbindliche Erbregelung gab, kam es zwischen den Brüdern zum Streit, der 1469 im Hessischen Bruderkrieg gipfelte. Nach dem Tod Ludwig II. 1471 regierte Heinrich III. bis zu seinem Tod über Nieder- und Oberhessen. Haus Hessen9.Wilhelm I., von Niederhessen * 4. Juli 1466 † 8. Februar 15151471–1493Nachfolger seines Onkels Heinrich III. von Oberhessen ab 1483, nachdem dieser gestorben war. 1488 folgte die Heirat mit Anna von Braunschweig; aus der Ehe gingen 5 Töchter hervor. Er erkrankte wahrscheinlich bei einer Pilgerreise 1491–1492 nach Palästina an der Syphilis und überließ deshalb seinem Bruder Wilhelm II. die Regierung. 1515 starb er in seiner Residenz, dem Schloss Spangenberg. Seine Eltern waren Ludwig der Freimütige (1438–1471) und Mechthild, Tochter des Grafen Ludwig I. von Württemberg. Er war der Onkel von Philipp dem Großmütigen und ein Großonkel 10. Grades des späteren Kaisers Wilhelm I. von Preußen.Pauline Puppel: Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500–1700, Frankfurt/Main 2004, ISBN 3-593-37480-3Dietrich von Schachten: In Gottes Namen fahren wir.... Die Pilgerfahrten des Landgrafen Wilhelm des Älteren von Hessen in das heilige Land. Heimatschollen-Verlag A. Bernecker, Melsungen 1925. Reihe Hessen-Nassauische Bücherei.Rajah Schepers: Regentin per Staatsstreich? Landgräfin Anna von Hessen (1485–1525), Helmer 2007, ISBN 3-89741-227-6Haus Hessen10.Wilhelm II.* 29. April 1469 † 11. Juli 15091493–1509 von Niederhessen ab 1493, von Ober- und Niederhessen ab 1500 Wilhelm war der zweite Sohn des Landgrafen Ludwig des Freimütigen und dessen Frau Mechthild. Wilhelm war zuerst für die geistliche Laufbahn bestimmt, doch entdeckte er während der Ausbildung seine Neigung zum Waffenhandwerk. Er war ein guter Freund des deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian. Nach dem Tode seines kinderlosen Vetters Wilhelm III., „des Jüngeren“ im Jahre 1500 vereinte Wilhelm die gesamte Landgrafschaft Hessen in seiner Hand. Haus Hessen100px|Wilhelm II. von Hessen11.Wilhelm III. von Oberhessen* 8. September 1471 † 17. Februar 15001483–1500Sohn des Landgrafen Heinrich III. und Anna von Katzenelnbogen. Er regierte von Marburg aus über die Teil-Landgrafschaft Oberhessen. Als Heinrich III. 1483 starb, war er noch unmündig und somit war sein Onkel Hermann, der Erzbischof von Köln, und der Hofmeister Hans von Dörnburg bis zum Jahre 1489 sein Vormund. Durch die hohen Einkommen seiner Teil-Grafschaft konnte er 1492 Teile der Herrschaft von Eppstein und 1493 von Klingenberg erwerben. 1498 heiratete er Elisabeth, die Tochter Philipps von der Pfalz. Er starb 1500 bei einem Jagdunfall, wo er von seinem Pferd stürzte und hinterließ keinen Nachkommen.Reimer: Wilhelm III. (Landgraf von Oberhessen). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 31 f.Haus Hessen12.Philipp der Großmütige * 13. November 1504 † 31. März 15671509–1567 Mit seiner Herrschaft verbinden sich die Einführung der Reformation in Hessen, die Gründung der Universität Marburg und eine gewichtige politische Rolle der Landgrafschaft innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg fünf Jahre lang Gefangener des Kaisers. Gilt als der bedeutendste der hessischen Landgrafen.Haus Hessen100px|Philipp der Großmütige

Hessen-Marburg (1567 bis 1604) → Siehe: Hessen-Marburg

Schon früher war das „Land an der Lahn“, das spätere Oberhessen, zweimal eine von Niederhessen getrennte, selbständige Landgrafschaft: 1308 hatten die Söhne des ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. das Erbe geteilt, Otto I. war Landgraf von Oberhessen in Marburg geworden, sein Halbbruder Johann hatte als Landgraf von Niederhessen in Kassel regiert. Nach Johanns Tod 1311 waren beide Landesteile jedoch wieder in Ottos Hand vereinigt worden. 1458 war Hessen unter den Söhnen Ludwigs I., Ludwig II. und Heinrich III., erneut zweigeteilt worden. Ludwig II. herrschte in Niederhessen, sein Bruder Heinrich III. in Oberhessen. Nach dem erbenlosen Tod von Heinrichs III. einzigem überlebenden Sohn Wilhelm III. gelangten beide Gebiete um 1500 unter Ludwigs II. Sohn Wilhelm II. wieder in eine Hand.

Nr. Name (Lebensdaten) Herrschaft Anmerkungen Herkunft Darstellung1.Ludwig IV.* 27. Mai 1537 in Kassel† 9. Oktober 1604 in Marburg1567–1604 Sohn des Landgrafen Philipp I. von Hessen aus der Ehe mit Christine von Sachsen. Nach dem Tod Philipps I. erhielt Ludwig Hessen-Marburg. Dieses Gebiet entsprach ca. ein Viertel des bisherigen Landgrafschaft Hessen und umfasste Oberhessen mit Marburg sowie die Festung Gießen. Da er selbst keine Erben hatte, verfügte er 1597, dass seine zwei Neffen – Moritz von Hessen-Kassel und Ludwig von Hessen-Darmstadt – Hessen-Marburg bekommen sollten. Bedingt durch dieses Testament wurde Hessen-Marburg geteilt. Haus Hessen 100px|Ludwig IV.

Hessen-Rheinfels (1567 bis 1583) → Siehe: Hessen-Rheinfels

Nach dem Tod Philipp I. 1567 wurde die Landgrafschaft Hessen unter den Söhnen aufgeteilt, wobei Philipp II. Hessen-Rheinfels erhielt. 1583 starb Philipp II. kinderlos, sodass die Landgrafschaft Hessen-Rheinfels aufgeteilt wurde und an Hessen-Kassel, Hessen-Marburg und Hessen-Darmstadt fiel.

Nr. Name (Lebensdaten) Herrschaft Anmerkungen Herkunft Darstellung1.Philipp II. (Hessen-Rheinfels)* 22. April 1541 Marburg† 20. November 1583 Burg Rheinfels1567–1583 Sohn des Landgrafen Philipp I. von Hessen und der Christine von Sachsen. Als Elfjähriger wurde er als Geisel an den Hof des französischen Königs Heinrich II. geschickt, wo er einige Zeit verbrachte. Nach dem Tod des Vaters wurde Philipp II. 1567 erster Landgraf des im Vierbrüdervergleich entstandenen Hessen-Rheinfels. 1569 heiratete er Anna Elisabeth von Pfalz-Simmern, die Ehe blieb jedoch kinderlos. Nach seinem Tod am 20. November 1583 fiel Hessen-Rheinfels an seine Brüder. Sein Grabmal befindet sich in der Stiftskirche von St. Goar.Haus Hessen 100px|Philipp II.

Landgrafen von Hessen-Darmstadt (1568 bis 1806) → Siehe: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt