Der Landkreis Alsfeld war ein Landkreis in Hessen, der bis 1972 bestand. Er trug von seiner Gründung 1832 bis Ende 1938 die Bezeichnung Kreis Alsfeld. Das Landratsamt befand sich in Alsfeld.

Geographie Das Kreisgebiet gehörte im Großherzogtum Hessen (bis 1918) und ab 1919 im Volksstaat Hessen bis 1937 zur Provinz Oberhessen. Nach der Gründung Groß-Hessens 1945 gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Darmstadt. Am 1. August 1972 wurde er mit dem benachbarten Landkreis Lauterbach zum Vogelsbergkreis vereinigt, dessen Verwaltungssitz Lauterbach wurde.

Der Landkreis grenzte zuletzt an die Landkreise Marburg, Ziegenhain, Lauterbach, Büdingen und Gießen.

Geschichte Territoriale Entwicklung Im späteren Gebiet des Landkreises Alsfeld bestanden seit 1821 die Landratsbezirke Kirtorf mit Sitz in Homberg und Romrod mit Sitz in Alsfeld. Durch die Gebietsreform von 1832Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376 (365); Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (563). wurden diese Landratsbezirke aufgehoben und zum Kreis Alsfeld zusammengefasst. Lediglich der Ort Ermenrod im Landratsbezirk Kirtorf kam zum neuen Kreis Grünberg.

Durch Bekanntmachung vom 28. Dezember 1838 wurde der Landratsbezirk Schlitz aufgelöst und mit Wirkung vom 1. Februar 1839 dem Kreis Alsfeld zugeordnet.Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1839, S. 13.

Im Zuge der Revolution von 1848 im Großherzogtum Hessen wurden die Provinzen und Kreise aufgelöst. Der Kreis Alsfeld ging dabei im Regierungsbezirk Alsfeld auf. Im Zuge der Reaktionsära wurden die Regierungsbezirke 1852 wieder aufgehoben und die alte Kreiseinteilung prinzipiell wieder hergestellt. Dabei entstand ein neu zugeschnittener Kreis Alsfeld aus den Landgerichtsbezirken Alsfeld und Homberg sowie einigen Orten des Landgerichtsbezirks Ulrichstein. Der Raum Schlitz kam zum Kreis Lauterbach.Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1852, Nr. 30, (reader.digitale-sammlungen.de)

Nach dem Krieg von 1866 wurde im Friedensvertrag vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen vereinbart, dass eine ehemals kurhessische Enklave, das früher mainzische Gericht Katzenberg, mit den vier Gemeinden Ohmes, Ruhlkirchen, Seibelsdorf und Vockenrod an das Großherzogtum fiel. Diese Gemeinden, die bis dahin zum kurhessischen Kreis Kirchhain gehört hatten, kamen nun zum Kreis Alsfeld.

Die hessische Kreisreform von 1874 löste unter anderem den Kreis Grünberg auf. 13 Gemeinden von dort wurden dem Kreis Alsfeld zugeschlagen: Atzenhain, Bernsfeld, Ermenrod, Flensungen, Ilsdorf, Kirschgarten, Lehnheim, Merlau, Nieder-Ohmen, Ober-Ohmen, Ruppertenrod, Wettsaasen und Zeilbach. Gleichzeitig wechselten Helpershain, Köddingen, Meiches und Stumpertenrod aus dem Kreis Alsfeld in den Kreis Schotten. Danach umfasste der Kreis Alsfeld 84 Gemeinden.

Aufgrund des Gesetzes vom 7. April 1938 wurde der Kreis Schotten aufgelöst und mit Wirkung vom 1. Oktober 1938 wurden weitere 13 Gemeinden in den Kreis Alsfeld eingegliedert.Reg.Bl. 1938, S. 7 f. Neu hinzu kamen Köddingen, Stumpertenrod, Altenhain, Bobenhausen II, Groß-Eichen, Helpershain, Höckersdorf, Ilsdorf (Solms), Ober-Seibertenrod, Schmitten, Sellnrod, Unter-Seibertenrod und Wohnfeld.

1938 wurde im Zuge einer reichsweiten Vereinheitlichung mit Wirkung zum 1. Januar 1939 die Bezeichnung „Kreis“ in „Landkreis“ geändert§ 1 Abs. 3 Dritten Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. November 1938 (RGBl. I S. 1675)., aus dem „Kreis Alsfeld“ wurde damit der „Landkreis Alsfeld“.

Ebenfalls 1939 wurden Ilsdorf (Solms) nach Ilsdorf und Kirschgarten nach Merlau sowie 1951 Schmitten nach Sellnrod eingemeindet. Damit umfasste der Landkreis 94 Gemeinden.

Auflösung Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurden im Landkreis Alsfeld zwischen 1969 und 1972 zahlreiche Gemeinden fusioniert. Am 31. Dezember 1971 schieden einige Gemeinden aus dem Landkreis aus: Lehnheim und Altenhain wurden nach Grünberg und Laubach im Landkreis Gießen eingemeindet. Bobenhausen II, Helpershain, Ober-Seibertenrod, Unter-Seibertenrod und Wohnfeld wurden nach Ulrichstein im Landkreis Lauterbach eingemeindet. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Gemeinden des Landkreises durch dieser Umstrukturierung bis zum Juli 1972 auf 14.

Am 1. August 1972 wurde der Landkreis Alsfeld aufgelöst und mit dem benachbarten Landkreis Lauterbach zum Vogelsbergkreis zusammengeschlossen. Gleichzeitig fanden noch weitere Eingemeindungen statt. Aus dem Landkreis Alsfeld traten damit letztendlich zehn Gemeinden in den neuen Vogelsbergkreis ein.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1852 34.499 1900 36.280 1910 37.883 1925 37.746 1933 39.157 1939 43.819 1950 62.455 1960 54.300 1970 55.700 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland. 1972. 1971 53.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland. 1973.

Politik Leitende Beamte Kreisräte 1832–1839 Eduard Neidhardt, seit 1829 bereits Landrat des Landratsbezirks Romrod 1839–1842 Peter Camesasca 1842–1848 Friedrich Daniel Carl Fuhr 1848–1852 gab es im Großherzogtum Hessen keine Kreise. Die Aufgaben wurden von größeren Regierungsbezirken wahrgenommen, hier vom Regierungsbezirk Alsfeld. 1852–1874 Wilhelm Fröhlich 1874–1889 Robert Hoffmann 1889–1896 Konrad von GrölmannKonrad von Grölmann war vor 1889 Vorsitzender des Polizeiamtes Darmstadt und ging 1896 in Pension (Haberkorn / Boss, S. X.). 1896–1906 Karl Melior 1906–1910 Franz HölzingerFranz Hölzinger kam 1906 als Oberregierungsrat aus dem Innenministerium in Darmstadt und ging 1910 als Ministerialrat nach dort zurück (Haberkorn / Boss, S. X.). 1910–1917 Otto Heinrichs, ab 1917 Kreisdirektor

KreisdirektorenBis 1917 trugen die Spitzenbeamten der Kreise im Großherzogtum Hessen und folgend im Volksstaat Hessen den Titel „Kreisrat“, ab 1917 den Titel „Kreisdirektor“ (Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1917, S. 36).

1917–1933 Hermann Stammler 1933 (Februar bis März) Walter Nanz 1933–1934 Hermann Stammler 1934–1936 Hugo Lotz, kommissarisch 1936–1937 Harald Kessel, kommissarisch 1937–1939 Heinrich Schönhals

Landräte 1939–1945 Heinrich SchönhalsHeinrich Schönhals befand sich ab 1941 „im Felde“ (Haberkorn / Boss, S. XI.). 1941–1943 Eberhard Fuhr, kommissarisch 1943–1944 Wilhelm Reeb, kommissarisch 1944–1945 James Legau, kommissarisch 1946–1947 August Rosenkranz 1949–1967 Kurt Mildner 1967–1972 Georg Kratz

Wappen mini|Vorlage für das Wappenbild: Das Fachwerk-Rathaus von Alsfeld

Am 4. Dezember 1956 erhielt der Landkreis Alsfeld vom hessischen Innenministerium ein eigenes Wappen verliehen. Es zeigt auf rotem Grund das 1512–1516 erbaute Fachwerk-Rathaus der Kreisstadt Alsfeld. Das Wappen war bis zum Zusammenschluss der beiden Landkreise Alsfeld und Lauterbach in Gebrauch.

Gemeinden Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die dem Landkreis Alsfeld angehörten, und die Daten aller Eingemeindungen. Gemeinde eingemeindetnach Datum derEingemeindung Alsfeld, Stadt Altenburg Alsfeld 1. Dezember 1969 Altenhain Laubach (Landkreis Gießen) 31. Dezember 1971 Angenrod Alsfeld 31. Dezember 1971 Antrifttal Appenrod Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Arnshain Kirtorf 1. August 1972 Atzenhain Mücke 31. Dezember 1971 Bernsburg Antrifttal 31. Dezember 1971 Bernsfeld Mücke 31. Dezember 1971 Bieben Grebenau 1. August 1972 Billertshausen Alsfeld 31. Dezember 1971 Bleidenrod Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Bobenhausen II Ulrichstein 31. Dezember 1971 Brauerschwend Schwalmtal 31. Dezember 1971 Burg-Gemünden Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Büßfeld Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Dannenrod Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Deckenbach Homberg (Ohm) 31. Dezember 1971 Ehringshausen Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Eifa Alsfeld 31. Dezember 1971 Elbenrod Alsfeld 31. Dezember 1971 Elpenrod Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Erbenhausen Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Ermenrod Feldatal 31. Dezember 1971 Eudorf Alsfeld 31. Dezember 1971 Eulersdorf Grebenau 31. Dezember 1971 Feldatal Fischbach Alsfeld 31. Dezember 1971 Flensungen Mücke 1. September 1970 Gemünden (Felda) Gleimenhain Kirtorf 31. Dezember 1971 Gontershausen Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Grebenau, Stadt Groß-Eichen Mücke 31. Dezember 1971 Groß-Felda Feldatal 31. Dezember 1971 Haarhausen Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Hainbach Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Heidelbach Alsfeld 31. Dezember 1971 Heimertshausen Kirtorf 1. August 1972 Helpershain Ulrichstein 31. Dezember 1971 Hergersdorf Schwalmtal 31. Dezember 1971 Höckersdorf Mücke 1. Oktober 1971 Höingen Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Homberg (Ohm), Stadt Hopfgarten Schwalmtal 31. Dezember 1971 Ilsdorf Mücke 31. Dezember 1971 Ilsdorf (Solms) Ilsdorf 1. April 1939 Kestrich Feldatal 31. Dezember 1971 Kirschgarten Merlau 1. April 1939 Kirtorf, Stadt Köddingen Feldatal 31. Dezember 1971 Lehnheim Grünberg (Landkreis Gießen) 31. Dezember 1971 Lehrbach Kirtorf 31. Dezember 1971 Leusel Alsfeld 31. Dezember 1971 Liederbach Alsfeld 1. August 1972 Maulbach Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Merlau Mücke 1. September 1970 Mücke Münch-Leusel Alsfeld 31. Dezember 1971 Nieder-Breidenbach Romrod 31. Dezember 1971 Nieder-Gemünden Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Nieder-Ofleiden Homberg (Ohm) 31. Dezember 1971 Nieder-Ohmen Mücke 31. Dezember 1971 Ober-Breidenbach Romrod 31. Dezember 1971 Ober-Gleen Kirtorf 31. Dezember 1971 Ober-Ofleiden Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Ober-Ohmen Mücke 31. Dezember 1971 Ober-Seibertenrod Ulrichstein 31. Dezember 1971 Ober-Sorg Schwalmtal 31. Dezember 1971 Ohmes Antrifttal 31. Dezember 1971 Otterbach Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Rainrod Schwalmtal 31. Dezember 1971 Reibertenrod Alsfeld 31. Dezember 1971 Reimenrod Grebenau 31. Dezember 1971 Renzendorf Schwalmtal 31. Dezember 1971 Romrod, Stadt Ruhlkirchen Antrifttal 31. Dezember 1971 Rülfenrod Gemünden (Felda) 31. Dezember 1971 Ruppertenrod Mücke 1. Oktober 1971 Schadenbach Homberg (Ohm) 1. Oktober 1971 Schmitten Sellnrod 1. April 1951 Schwabenrod Alsfeld 31. Dezember 1971 Schwalmtal Schwarz Grebenau 31. Dezember 1971 Seibelsdorf Antrifttal 31. Dezember 1971 Sellnrod Mücke 1. Oktober 1971 Storndorf Schwalmtal 31. Dezember 1971 Strebendorf Romrod 31. Dezember 1971 Stumpertenrod Feldatal 31. Dezember 1971 Udenhausen Grebenau 31. Dezember 1971 Unter-Seibertenrod Ulrichstein 31. Dezember 1971 Unter-Sorg Schwalmtal 31. Dezember 1971 Vadenrod Schwalmtal 31. Dezember 1971 Vockenrod Antrifttal 31. Dezember 1971 Wahlen Kirtorf 31. Dezember 1971 Wallersdorf Grebenau 31. Dezember 1971 Wettsaasen Mücke 31. Dezember 1971 Windhausen Feldatal 31. Dezember 1971 Wohnfeld Ulrichstein 31. Dezember 1971 Zeilbach Feldatal 31. Dezember 1971 Zell Romrod 31. Dezember 1971

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen ALS zugewiesen. Es wurde bis zum 11. Februar 1979 im Teilkreis Alsfeld des Vogelsbergkreises ausgegeben.

Literatur Eva Haberkorn und Friedrich Boss: Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt. Abteilung G15: Kreis Alsfeld. 1821–1945. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Darmstadt 1985.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliger Landkreis in Hessen Kategorie:Kreis (Oberhessen, Provinz Hessen-Darmstadt) Kategorie:Ehemaliger Landkreis im Volksstaat Hessen Alsfeld Landkreis Alsfeld Kategorie:Geschichte (Vogelsbergkreis)