mini|Ante Pavelić und Gustav Perčec mit den Vertretern des „Mazedonischen Nationalkomitees“ am Tag der Unterzeichnung der Deklaration in Sofia (20. April 1929). Die Deklaration von Sofia (, ) vom 20. April 1929 war eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit der nationalistisch-terroristischen kroatischen Ustascha und der bulgarischen IMRO im Kampf gegen die jugoslawische Königsdiktatur. Die Deklaration wurde von den Führern dieser Organisationen Ante Pavelić und Iwan Michajlow initiiert.
Unterzeichnet wurde die Deklaration einerseits von Ante Pavelić und Gustav Perčec für die Ustascha, andererseits vom michajlowtreuen Präsidenten Konstantin StanischewStefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert: Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. R. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58050-1, S. 132. und weiteren Vertretern der IMRO-Unterorganisation „Mazedonisches Nationalkomitee“ in Sofia.
Zielsetzung Ziel der Deklaration war die Koordination des gemeinsamen Kampfes der kroatischen und mazedonischen Emigranten bei der Zerschlagung des Königreichs Jugoslawien unter der Herrschaft der serbischen Karađorđević-Dynastie und die Errichtung der selbstständigen Staaten Kroatien und Mazedonien.
mini|Zeitungsbericht und Text der Deklaration von Sofia in der mazedonischen Zeitung „Makedonia“ (22. April 1929) Die Deklaration lautet im Wesentlichen:
Folgen Pavelić wohnte während des Besuchs im Hauptquartier der IMRO, dem Landhaus des IMRO-Führers Michajlow in Bankya bei Sofia.Vladeta Milićević: Der Königsmord von Marseille. Bad Godesberg 1959, S. 32 u. 36. Nach der Unterzeichnung der Deklaration reiste Pavelić ins faschistische Italien weiter und fand dort, durch die Unterstützung Michajlows,Vladeta Milićević: Der Königsmord von Marseille. Bad Godesberg 1959, S. 32. Zugang zu diplomatischen Kreisen, welche den Kampf der Ustascha fortan massiv unterstützen.
Am 17. Juli 1929 verurteilte das jugoslawischen Ausnahmegericht zum Schutz des Staates in Belgrad die kroatischen Unterzeichner Ante Pavelić und Gustav Perčec in Abwesenheit zum Tod. Die Urteilsbegründung warf ihnen vor:
mini|Begrüßung von Pavelić und Perčec auf dem Grenzbahnhof von Widin am Vortag der Unterzeichnung.
Im Jahr 1930 sprachen sich Michajlow und Pavelić, anlässlich einer Emigrantenkonferenz in Baden bei Wien, dafür aus, nicht bei publizistischer Tätigkeit zu bleiben, sondern durch gewaltsame Aktionen die Aufmerksamkeit der Welt auf Kroatien zu lenken und die kroatische Bevölkerung aufzurütteln. So explodierten 1931 mehrere Bomben in Zügen, die von Wien nach Belgrad fuhren.Martin Broszat, Ladislaus Hory: Der kroatische Ustascha-Staat 1941–1945. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Nummer 8, 2. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965, S. 23. mini|Ante Pavelić (rechts) und Ivan Mihailov im Exil in Brescia, Italien (1931).
Des Weiteren war die Deklaration die formelle Vorbedingung und Rechtfertigung für eine gemeinsame Zusammenarbeit und ermöglichte das tödliche Attentat gegen den jugoslawischen König Alexander I. im Jahr 1934, in gemeinsamer Planung und Durchführung von Mitgliedern beider Organisationen. Ausgeführt wurde das Attentat von Wlado Tschernosemski, einem Mitglied der IMRO, der sich als Verbindungsmann in einem Ausbildungslager der Ustascha aufhielt. Zur Ausbildung aktiver bewaffneter Kampf- und Aufstandskader durchliefen mehrere Unterführer der erst neu gegründeten Ustascha die bulgarischen Ausbildungslager der hierin besonders erfahrenen IMRO, darunter auch solche die am Attentat beteiligt waren.Vladeta Milićević: Der Königsmord von Marseille. Bad Godesberg 1959, S. 36. und Martin Broszat/Ladislaus Hory: Der kroatische Ustascha-Staat 1941–1945. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Nummer 8, 2. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965, S. 23. Die Deklaration stellte für die Ustascha die endgültige Hinwendung zum Terror dar und die Ausbildung durch die IMRO war für die Bildung des Kerns der Ustascha-Organisation von gewichtiger Bedeutung.Branimir Stanojević: Kollaborateure des Faschismus: Andrija Artuković und das Ustascha-Regime. Nachrichtenagentur Tanjug, Belgrad 1985, S. 4.
Siehe auch Geschichte Jugoslawiens Unabhängiger Staat Kroatien
Literatur
Kroatischer Text der Deklaration vgl.
Einzelnachweise
Kategorie:Politik (Jugoslawien) Kategorie:Kroatische Geschichte (20. Jahrhundert) Kategorie:Bulgarische Geschichte (20. Jahrhundert) Kategorie:Bosnien und Herzegowina im 20. Jahrhundert Kategorie:Serbische Geschichte (20. Jahrhundert) Kategorie:Slowenische Geschichte (20. Jahrhundert) Kategorie:Geschichte Nordmazedoniens Kategorie:Makedonien Kategorie:Geschichte (Sofia) Kategorie:Politik 1929