mini|Haus der Spoerls, 1998 mini|Gedenkplakette für die Schriftsteller Heinrich und Alexander Spoerl am Gebäude ihrer früheren Schule am Fürstenwall in Düsseldorf (seit 1998 „Lore-Lorentz-Schule“, zuvor „Kollegschule Kikweg“)
Alexander Johann Heinrich Spoerl (* 3. Januar 1917 in Düsseldorf; † 16. Oktober 1978 in Rottach-Egern) war ein deutscher Schriftsteller, Film- und Rundfunkautor. mini|Grabstätte von Alexander Spoerl
Leben Alexander Spoerl war Sohn des 1933 durch humorvolle Unterhaltungsromane wie Die Feuerzangenbowle bekannten Schriftstellers Heinrich Spoerl und seiner Ehefrau Gertrud. Nach der Schulzeit (Oberrealschule am Fürstenwall in Düsseldorf-Bilk, heutiges Geschwister-Scholl-Gymnasium, das sich jedoch nicht mehr am Fürstenwall befindet) studierte er zunächst Maschinenbau an der Technischen Hochschule Charlottenburg.
Zwischen 1939 und 1949 arbeitete er als Dolmetscher, Ingenieur, Filmproduktionsassistent und Mietwagenchauffeur. Er unterstützte 1942 Libertas Schulze-Boysen als deren Mitarbeiter in der Kulturfilmzentrale des Reichspropagandaministeriums bei einer Fotosammlung zu den Gewalttaten an der Ostfront für die Widerstandsgruppe Rote Kapelle. 1949 wandte er sich der Schriftstellerei zu.
1948 heiratete er Margot Klinzmann aus Berlin, mit der er zwei Kinder bekam: Anna-Katharina Gertrud, geb. 1949, und Florian Alexander, geb. 1951. Nach der Scheidung heiratete er 1954 die Düsseldorfer Fotografin Ingeborg Wollenzien.
Spoerl starb am 16. Oktober 1978 an einem Herzinfarkt in Rottach-Egern am Tegernsee (Oberbayern) und wurde dort auf dem neuen katholischen Friedhof im Grab seiner Eltern beigesetzt.
Künstlerisches Schaffen Spoerls bekannteste Werke entstanden in den 1950er Jahren. In seinem charakteristischen Stil – eine Mischung aus Humor und Ironie, gemischt mit melancholischen Untertönen – nahm er die Schwächen seiner Zeitgenossen sowohl in der Gegenwart als auch während des Nationalsozialismus, Behörden, Beamte und Justiz immer wieder aufs Korn.
Er publizierte neben Romanen wie Memoiren eines mittelmäßigen Schülers (Erstveröffentlichung 1950; in Reminiszenz an Libertas Schulze-Boysen, eine Vertraute der Roten Kapelle, die er in der Zeit des Nationalsozialismus bis zu ihrer Hinrichtung 1942 kannte) und Bürgersteig, vor allem Fachbücher (u. a. Mit dem Auto auf Du, Das große Hundebuch) und schrieb als Autotester für die Zeitschrift Stern. Sein letztes Werk Die braunen Dreißiger konnte er nicht mehr vollenden, es wurde postum 1988 veröffentlicht.
Spoerl über Spoerl
Werke (Auswahl) Der eiserne Besen. Von Vater und Sohn Spoerl. 1949 (gemeinsam mit Heinrich Spoerl) Memoiren eines mittelmäßigen Schülers. R. Piper & Co, München 1950 (populärstes Werk; Neuausgabe 1995). Ich habe nichts damit zu tun (späterer Titel: Der Mann, der keinen Mord beging. Eine fast ernste Kriminalgeschichte. R. Piper & Co., München), 1951 Ein unbegabter Liebhaber. 1952 Mit dem Auto auf du. 1953 Moral unter Wasser. 1953 Bürgersteig – Aufsässiger Roman. 1954 Gentlemen in Unterhosen – Lehrbuch für den Herrn im Hause. 1955 (späterer Titel: Gentlemen können es selbst) Mit Motorrad und Roller auf du. 1955 Auf dem Busen der Natur – Ein heiteres Buch für Leute innerhalb und außerhalb des Zelts. 1956 Mit der Kamera auf du. 1957 Umgang mit einer Göttin. (Eine Werbebroschüre für Citroën) 1958 Teste selbst – Für Menschen, die ein Auto kaufen. 1959 So ist der Alltag ein Scherz. 1960 Fische fangen. 1960 Matthäi am letzten – Roman um einen Weltuntergang. 1960 Der Panne an den Kragen. R. Piper & Co, München 1962. Kleiner Mann baut im Tessin. R. Piper & Co, München 1963. So kam der Mensch auf Auto. 1963 Vergrößern eine Kleinigkeit. 1964 Der Mensch im Auto – Enthüllungen und Ratschläge. R. Piper & Co, München 1965. Auto im Winter – Eine kleine Plauderei mit praktischen Tips für das Autofahren im Winter. 1966 Die anderen Leute – von fünfundvierzig bis heute. 1967 Filmen mit Spoerl. 1967 Menschen dritter Klasse. 1968 (über Obdachlose, unter die sich Spoerl als Lehrer mischt) Groschen und Millionen – Alles Wichtige über Lotto und Toto, Kreuzchen und Systeme, Einsatz und Gewinn. 1969 Das große Auto-ABC. 1970 Unter der Schulbank geschrieben. 1970 Computerbuch. 1971 Ein unbegabter Ehemann. 1972 Der alphabetische Herr. 1973 Mikrowellen-Kochen – Gerätetechnik, Anwendung, Rezepte. 1973 Pachmayr – Lebenslauf einer Leiche. 1973 Der Klang macht die Musik – alles über Platten, Bänder und Geräte. 1975 Mehr über die Heizung. (für die Fa. Buderus) 1975 Die Sache fing von vorne an – Ein Jugendroman. 1976 (für Kinder ab 10) Das neue Angelbuch in Farbe. 1977 Das neue Hundebuch in Farbe – alles über Ihren Partner und Sie. 1978 Hausherrenbrevier – vom Umgang mit Nägeln, Schrauben und anderen Heimsuchungen. 1985 Die braunen Dreißiger. 1988 (aus dem Nachlass) Der Mann, der keinen Mord beging: eine fast ernste Kriminalgeschichte. Neuausgabe, 5. Auflage, 27.–33. Tsd. Verlag Piper, München 1994, ISBN 978-3-492-11907-8.
Verfilmungen 1968: Der Mann, der keinen Mord beging – Fernseh-Mehrteiler – Regie: Hans Quest, mit Karl-Michael Vogler, Grit Boettcher, Kerstin de Ahna, Erik Ode, Georg Lehn und Herbert Mensching 1974: Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler – Spielfilm nach Motiven des Romans Memoiren eines mittelmäßigen Schülers – Regie: Werner Jacobs, mit Detlev Eckstein, Bernd Herberger und Jutta Speidel
Literatur Fritz Wiesenberger: Vater und Sohn warfen sich Bälle zu. Spoerl-Nachlaß jetzt im Heinrich-Heine-Institut. In: Düsseldorfer Hefte. 29 (1984) 5, S. 6–7. Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. ergebnisse, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0
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