Winston Hibler (* 8. Oktober 1910 in Harrisburg, Pennsylvania; † 8. August 1976 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Drehbuchautor, Filmproduzent und -regisseur sowie Schauspieler und Off-Sprecher. Bekannt ist vor allem seine Arbeit für Walt-Disney-Produktionen. Dem englischsprachigen Film- und Fernsehpublikum ist er als Sprecher der Disney-Dokumentarfilme vertraut.
Leben Herkunft, Ausbildung und erste Berufsjahre Winston Hibler wollte schon als Jugendlicher Schauspieler werden und ging deshalb nach New York, um an der dortigen American Academy of Dramatic Arts eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren, die er 1930 abschloss. Im gleichen Jahr heiratete er die Schauspielerin und Eisläuferin Dorothy „Dottie“ Johnson (1912–2010). Das Paar hatte drei Kinder, darunter Christopher Hibler (1942–2010), der später nach seiner Ausbildung in den Disney-Studios ebenfalls im Filmgeschäft tätig war.
Nachdem er Anfang der 1930er Jahre zunächst für kurze Zeit am Broadway und beim Saisontheater gespielt hatte, versuchte Winston Hibler, in Hollywood Fuß zu fassen. Als Schauspieler kam er im Filmgeschäft allerdings über Statisten- und winzige NebenrollenHibler spielte beispielsweise in Der Untergang von Pompeji (The Last Days of Pompeii, 1935) mit. nicht hinaus und hielt sich als freier Autor für Magazine und Radiosender über Wasser.Winston Hibler bei Disney Legends; abgerufen am 26. März 2012
Karriere in den Disney-Studios 1942 fing er in den Walt-Disney-Studios als Kameraoperateur an, arbeitete sich aber alsbald empor zum Technischen Direktor (Technical Director) militärischer Ausbildungsfilme, die das Studio während des Zweiten Weltkriegs im Auftrag der US-Regierung herstellte. Sein erster reiner Unterhaltungsfilm war dann Musik, Tanz und Rhythmus (1948), für den er das Drehbuch für das Segment Hänschen Apfelkern (Johnny Appleseed) schrieb. Walt Disney erkannte sein Talent als Autor, und in der Folge war Winston Hibler dann bis einschließlich Dornröschen und der Prinz (1959) an den Drehbuchentwicklungen für alle langen Disney-Zeichentrickfilme beteiligt, ausgenommen lediglich Susi und Strolch (1955). Für diese Filme war er auch als Dialog-Regisseur tätigDave Smith: Disney A to Z. The Official Encyclopedia. 3. Auflage. Hyperion, New York 1996, ISBN 0-7868-6223-8, S. 234. und steuerte einige Liedtexte bei, etwa die zusammen mit Ted Sears geschriebenen Songs Following the Leader für Peter Pans heitere Abenteuer (1953) und I Wonder für Dornröschen und der Prinz (1959). In seiner Funktion als Liedtexter war Hibler ab 1954 Mitglied der American Society of Composers, Authors, and Publishers (ASCAP).Kurzbiografie in der IMDb; abgerufen am 26. März 2012
Die Stimme der Disney-Dokumentarfilme Dem breiten Publikum im englischsprachigen Raum ist Winston Hibler jedoch vor allem als Kommentator der Disney-Dokumentarfilmreihen Entdeckungsreisen im Reiche der Naturspäter auch nur schlichter Abenteuer der Natur überschrieben (True-Life Adventures) und Land und Leute (People and Places) bekannt. Seine ruhige und angenehme Stimme, geprägt vom Akzent des Mittleren Westens war, beginnend mit Die Robbeninsel (1948), ein Markenzeichen aller dieser Filme.siehe Leonard Maltin: The Disney Films. 3. Auflage. Hyperion, New York 1995, ISBN 0-7868-8137-2, S. 114. Dies war Walt Disney durchaus bewusst, und so hatte Hibler für über eine Dekade vor allem mit diesen Dokumentarproduktionen zu tun. Bereits ab Erde, die große Unbekannte (1951) schrieb er regelmäßig auch an den Drehbüchern mit, wobei er eng mit seinem Autorenkollegen Ted Sears sowie Koproduzent Ben Sharpsteen und Regisseur James Algar zusammenarbeitete. In dieser Konstellation hatte Hibler auch erheblichen Anteil am Erfolg der langen Kinodokumentationen wie Die Wüste lebt (1953), Wunder der Prärie (1954) oder Geheimnisse der Steppe (1955).
Demgegenüber geriet seine Arbeit für Land und Leute etwas in den Hintergrund. Einen Film der Reisefilm-Reihe, Unternehmen Arktis (1955), gestaltete er in Personalunion als Regisseur, Drehbuchautor und Sprecher entscheidend mit. Die Dokumentation über Eisbrecher im Arktischen Ozean brachte 1956 Walt Disney nicht nur den Oscar als „Bester kurzer Dokumentarfilm“, sondern Hibler persönlich auch die „Kleine Goldene Plakette“ bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin ein.Angaben der IMDb; abgerufen am 4. März 2012 Später führte er noch bei Seven Cities of Antarctica (1958) Regie.
Besonders intensiv arbeitete Hibler zusammen mit Ralph Wright und N. Paul Kenworthy außerdem an Perris Abenteuer (1957), Disneys erster und einziger True-Life Fantasy. Bei dieser Realverfilmung der Vorlage von Felix Salten wurden Aufnahmen echter Tiere in Anlehnung an den Stil der Dokumentarfilme verwendet. Hibler war dabei nicht nur am Drehbuch und den Liedertexten beteiligt, sondern auch Koproduzent und Erzähler.
Daneben wirkte Hibler als Autor, Regisseur und Sprecher an verschiedenen Folgen der Disney-Fernsehshow Disneyland mit, in der er mehrmals auch vor der Kamera zu sehen war. Ein besonderer Erfolg war dabei das zusammen mit Hamilton S. Luske inszenierte Fernsehspecial Unternehmen Tiefsee (1954), das nicht nur die Geschichte der Erforschung der Tiefsee thematisierte, sondern zugleich auch als Making-of für 20.000 Meilen unter dem Meer (1954) fungierte. Das Studio gewann dafür 1955 einen Emmy.
Als Produzent Als Walt Disney seine Dokumentarfilmreihen zu Anfang der 1960er Jahre auslaufen ließ, konzentrierte sich Hibler – beginnend mit Nikki, Held des Nordens (1961) – als Produktionsleiter vorrangig auf diejenigen Kinospielfilm-Produktionen des Studios, in denen Tiere oder die Natur tragende Elemente waren. Besonders eng arbeitete er dabei mit Regisseur Norman Tokar und Drehbuchautor Louis Pelletier zusammen, so an Diese Calloways (1965) und Vierzig Draufgänger (1966). Gelegentlich führte er auch selbst Regie, so bei den einfühlsamen Tierabenteuerfilmen Der einsame Puma (1967), Lefty, der Luchs (1971) und Chandar, der schwarze Leopard (1972).
Nach Walt Disneys Tod 1966 gehörte Winston Hibler neben James Algar, Bill Anderson, Ron Miller, Bill Walsh, Harry Tytle und Roy E. Disney zum Stab der sieben Produzenten, die unter Vorsitz von Disney-Vizepräsident Card Walker die Produktionsleitung übernahmen.Dave Smith, Steven Clar: Disney – Die ersten 100 Jahre. (Originaltitel: Disney – The First 100 Years). Egmont Ehapa Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-7704-0417-3, S. 104. Sie wurden für die nächste Dekade die Hauptverantwortlichen für die gesamte Filmproduktion des Studios. Insgesamt war Hibler, der innerhalb des Studios schlicht nur Hib oder HibbieIMDb-Eintrag zu Hibler; abgerufen am 23. März 2012 genannt wurde, an rund 150 Film- und Fernsehproduktionen der Disney-Studios beteiligt.
Sein letzter Kinofilm war die aufwendige, jedoch nicht sonderlich erfolgreiche Science-Fiction-Literaturverfilmung Insel am Ende der Welt (1974).
Gerade mit Vorarbeiten zu Das schwarze Loch (1979) beschäftigt, starb Winston Hibler plötzlich und unerwartet im Alter von 65 Jahren am 8. August 1976.
In Würdigung seiner Verdienste ernannte ihn die Walt Disney Company 1992 postum zur Disney-Legende.
Filmografie (Auswahl) 1948: Musik, Tanz und Rhythmus (Melody Time) – Drehbuchbeteiligung 1948: Die Robbeninsel (Seal Island) – Sprecher 1949: Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte (The Adventures of Ichabod and Mr. Toad) – Drehbuchbeteiligung 1950: Im Tal der Biber (In Beaver Valley) – Sprecher 1950: Aschenputtel, auch: Cinderella (Cinderella) – Drehbuchbeteiligung 1951: Erde, die große Unbekannte (Nature’s Half Acre) – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1951: Alice im Wunderland (Alice in Wonderland) – Drehbuchbeteiligung 1952: The Olympic Elk – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1952: Wasservögel (Water Birds) – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1953: Im Lande der Bären (Bear Country) – Sprecher 1953: The Alaskan Eskimo – Sprecher 1953: Peter Pans heitere Abenteuer (Peter Pan) – Drehbuch- und Liedertextebeteiligung 1953: Die Wüste lebt (The Living Desert) – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1954: Siam – Land und Leute (Siam) – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1954: Unternehmen Tiefsee (Operation Undersea) – TV – Koregie 1954: Wunder der Prärie (The Vanishing Prairie) – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1955: Schweiz (Switzerland) – Sprecher 1955: Unternehmen Arktis (Men Against the Arctic) – Regie, Drehbuch und Sprecher 1955: Geheimnisse der Steppe (The African Lion) – Drehbuchbeteiligung und Sprecher 1956: Sardinien (Sardinia) – Sprecher 1956: Geheimnisse des Lebens (Secrets of Life) – Sprecher 1956: Disneyland, U.S.A. – Sprecher 1957: Perris Abenteuer (Perri) – Drehbuch- und Liedertextebeteiligung, Koproduzent und Erzähler 1957: Die blauen Männer von Marokko (The Blue Men of Morocco) – Sprecher 1958: Seven Cities of Antarctica – Regie und Sprecher 1958: Tauchermädchen (Ama Girls) – Sprecher 1958: Weiße Wildnis (White Wilderness) – Sprecher 1958: The Pigeon That Worked a Miracle – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Produzent 1959: Dornröschen und der Prinz (Sleeping Beauty) – Drehbuch- und Liedertextebeteiligung 1959: Wilde Katzen (Jungle Cat) – Sprecher 1959: Geheimnisse der Tiefe (Mysteries of the Deep) – Sprecher 1960: Inseln im Meer (Islands of the Sea) – Sprecher 1961: Flash, the Teenage Otter – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Erzähler 1961: Nikki, Held des Nordens (Nikki, Wild Dog of the North) – Drehbuchbeteiligung und Produzent 1961: Chico, the Misunderstood Coyote – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Erzähler 1962: Mein Freund Red (Big Red) – Koproduzent 1962: Sammy, the Way-Out Seal – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Koproduzent 1963: Little Dog Lost – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Koproduzent und Erzähler 1965: Ida, the Offbeat Eagle – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Koproduzent und Erzähler 1965: Diese Calloways (Those Calloways) – Koproduzent 1965: A Country Coyote Goes Hollywood – Fernsehfilm der Disneyland-Reihe – Drehbuchbeteiligung und Erzähler 1966: Geliebter Haustyrann (The Ugly Dachshund) – Koproduzent 1966: Vierzig Draufgänger (Follow Me, Boys!) – Koproduzent 1967: Der einsame Puma (Charlie, the Lonesome Cougar) – Regie, Koproduzent und Geschichte 1968: Der Hengst im grauen Flanellanzug (The Horse in the Gray Flannel Suit) – Produzent 1970: Aristocats (The Aristocats) – Koproduzent 1970: König der Grizzlies (King of the Grizzlies) – Produzent und Erzähler 1971: Lefty, der Luchs (Lefty, the Dingaling Lynx) – Fernsehfilm – Regie 1972: Chandar, der schwarze Leopard (Chandar, the Black Leopard of Ceylon) – Regie 1972: Flucht in die Wildnis (Napoleon and Samantha) – Produzent 1973: Ein Kamel im wilden Westen (One Little Indian) – Produzent 1974: Meine Bären und ich (The Bears and I) – Produzent 1974: Südsee-Cowboy (The Castaway Cowboy) – Koproduzent 1974: Insel am Ende der Welt (The Island at the Top of the World) – Produzent
Weblinks
Winston Hibler bei Disney Legends (englisch)
Einzelnachweise
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