mini|hochkant|Antenne des Kurzwellen­senders in Zeesen (April 1931) Der Deutsche Kurzwellensender war ein Auslandsrundfunkprogramm des Dritten Reiches. Er sendete ab dem 1. April 1933 über Kurzwelle und war weltweit bis kurz vor Kriegsende zu empfangen. 1938 wurden rund um die Uhr Sendungen in 12 Sprachen ausgestrahlt.

Die Nationalsozialisten hatten die Senderinfrastruktur des Weltrundfunksenders in Zeesen bei Königs Wusterhausen von der Vorgängerregierung übernommen und den Namen „Deutscher Kurzwellensender“ eingeführt. Er wurde eines von mehreren, in das Ausland wirkenden Propagandamittel der nationalsozialistischen Regierung. Eine namentliche Verwechslungsgefahr besteht zu dem von den Briten im Zweiten Weltkrieg betriebenen, für Angehörige der deutsche Marine bestimmten, Tarnsender Deutscher Kurzwellensender Atlantik, der sich subtiler Methoden der Unterwanderung bediente.

Geschichte Entstehung Reichspropagandaminister Joseph Goebbels betrieb unmittelbar nach der Machtübernahme Hitlers und der Schaffung des Propagandaministeriums zum 1. April 1933 nicht nur den Umbau der Inlandssender im Sinne der Gleichschaltung auf Parteilinie, sondern initiierte den Auslandsrundfunk als politisches Instrument.

Kurt von Boeckmann wurde mit Sendebeginn am 1. April 1933 Intendant des Deutschen Kurzwellensenders und in dieser Funktion Leiter der Auslandsabteilung in der Reichssendeleitung. Redaktionell startete das Programm aus einer Privatvilla in der Nähe des Berliner Funkhauses an der Masurenallee mit sieben Mitarbeitern. 1935 waren es 51, 1938 dann 242 Mitarbeiter. Unter anderem die britische Presse empfand den Kurzwellensender von seiner Sendeleistung wie auch den Inhalten her als aggressiv.

Bewährungsprobe Olympische Spiele Die Reichspost hatte anlässlich der Olympischen Winterspiele 1936 die Sendekapazitäten über die Antennen in Zeesen erweitert. Zu den bestehenden Kurzwellensendern mit 5 kW, 8 kW und 13 kW Leistung kamen 1935 und 1936 acht weitere mit einer Sendeleistung von 40 kW sowie zwölf Richtstrahler für besonders hohe Reichweiten hinzu. Die neuen Übertragungskapazitäten dienten sowohl dem Hörfunkbetrieb ins Ausland, insbesondere in die USA, als auch dem internationalen Programmaustausch.Siehe Deutsches Rundfunkarchiv:

Am 1. September 1939 hatte der KWS 150 Mitarbeiter, wozu auch Orchestermitglieder und freie Journalisten zählten. 1942 waren es um die 600. Die Programmredaktionen befanden sich im Haus Kaiserdamm 77, die Sendestudios im Deutschlandhaus am heutigen Theodor-Heuss-Platz und die Betriebstechnik in Baracken hinter dem Haus des Rundfunks in der Bredtschneiderstraße. 1938 entwarf Albert Speer einen später nicht durchgeführten Plan für ein eigenes Funkhaus für den Deutschen Kurzwellensender, angesiedelt zwischen Kaiserdamm und Masurenallee.

Im März 1940 berief Goebbels Adolf Raskin vom Reichssender Saarbrücken zum Intendanten, nach dessen Tod im selben Jahr Toni Winkelnkemper vom Reichssender Köln; 1941 wurde Horst Cleinow Leiter der Kurzwelle. 1943 erfolgte ein Namenswechsel: Der Deutsche Kurzwellensender hieß fortan und bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs 1944 in Abgrenzung zu den neu entstandenen Europasendern Die Deutschen Überseesender.

Intendant Kurt von Boeckmann 1933 In Rundfunk im AufbruchRundfunk im Aufbruch - Handbuch des Deutschen Rundfunks 1934 mit Funkkalender. Hrsg. Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer (R. D. R.) e. V., Berlin 1934 beschrieb Intendant Kurt von Boeckmann detailliert Programm und Funktion des neuen Senders (Stand Juni 1933):

Erweitertes Programm Das Propagandaministerium strahlte, koordiniert vom „Auslandsdirektor“ der Reichs-Rundfunkgesellschaft Anton Winkelnkemper in enger Abstimmung mit Goebbels, 147 Stunden Auslandsprogramm täglich in 53 Sprachen in die Welt hinaus.Herbert Schroeder: Dolmetscher und Waffe. In: Welt-Rundfunk, Heft 2, März/April 1943

Ab Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 setzte Winkelnkemper auf immer mehr Wortanteil im Programm. Waren 1938 noch 60 % der Sendestrecke mit Musik bestückt, so waren es 1943 nur noch 46 % und 1944 30 %. An erster Stelle kamen Nachrichten, gefolgt von Kommentaren, die damals im deutschen rundfunkinternen Sprachgebrauch „Talks“ hießen. Während das Inlandsprogramm während des Kriegs die Produktion aufwändiger Sendungen, vor allem von Hörspielen und neuen Musikeinspielungen, einstellte, produzierten die Kurzwellenredaktionen unter dem Chefdramaturgen Willi Schäferdiek Hörspiele und unter dem Musikchef des KWS Walter Jentsch Musik – wenn auch nur in kleinen Mengen. Die Fremdsprachenprogramme erlaubten sich bei der Musikauswahl Ausflüge in die von Goebbels aus dem Inlandsradio verbannte, aber von ihm für das Auslandradio als notwendig empfundene „heiße Musik“ (vor allem Jazz). Das deutschsprachige Auslandsprogramm lief im KWS unter dem Namen Deutsche Zone und produzierte unter anderem mehrmals wöchentlich längere Reportagesendungen, genannt „Features“Das heutige Radio-Feature hat mit diesen reinen Reportagesendungen, die den Eindruck vermitteln sollten, dass der Hörer live ganz nah am Geschehen ist (auch wenn das oft nicht so war), nicht viel zu tun; der gemeinsame Nenner ist der sachliche Inhalt, also die fehlenden fiktionalen Elemente. mit einer großen Zahl an freien Mitarbeitern. Die Honorarsätze für diese Reporter lagen zwischen 20 Reichsmark für drei Minuten und 240 RM für 60 Minuten Reportage. Häufig wurden diese Produktionen, auch dank verbesserter Aufzeichnungsmöglichkeiten auf Plattenfolie (statt Wachsplatte) und Magnetband, später im Programm der Reichssender übernommen. Während des Kriegs verschlechterte sich der Versand von Briefen, sodass der KWS zunehmend persönliche Grüße übermittelte. Die beliebtesten dieser volksnahen Auslandssendungen waren Blinkfeuer Heimat und Ankerspill.

Antijüdische Propaganda Eine der wichtigsten Hörfunk-Redaktionen war seit 1939 die rund 80-köpfige Orientredaktion. Sie bereitete speziell für Araber, Türken, Perser und Inder Hetzmaterial auf. Dabei wurde die nationalsozialistische Rassentheorie nicht eins zu eins übersetzt und gesendet, da diese bei der Hörerzielgruppe im Mittleren Osten kaum Propagandawirkung gehabt hätte. Deshalb war man bestrebt, den Koran für die Zwecke der NS-Ideologie auszuschlachten und sich auf die hier vorhandenen antijüdischen Passagen zu beziehen. Entsprechende Textstellen wurden gezielt aus dem Zusammenhang gerissen und im großen Stil zu Hasstiraden gegen das Judentum aufgebauscht. Dennoch argumentierte man nicht nur religiös, sondern verbreitete alte Stereotypen: Juden seien „feige“ und „geizig“ – Moslems hingegen „mutig“ und „kriegerisch“. Damit beschworen die Rundfunkleute angebliche Gemeinsamkeiten der Deutschen mit den Arabern.

Zweiter Weltkrieg und Ende Ab 1943 organisierte die Deutsche Auslands Rundfunk Gesellschaft – Interradio AG die AuslandspropagandaMagazin »Der Spiegel«, Nr. 25, 1967, Artikel Seite 60 ff.: „ZEITGESCHICHTE/NS-RUNDFUNKPROPAGANDA Bessere Ordnung“ vom 12. Juni 1967.

Wegen zunehmender Bedrohung Berlins durch Bombardements der Alliierten zog der Kurzwellensender im August 1943 aufs Land, in unmittelbare Nähe der Sendeantennen nach Königs Wusterhausen. Intendanz und Sendeleitung wurden im Bahnhofshotel untergebracht, den Redakteuren und Technikern standen drei Tonträgerräume (kleine Studios, vor allem für den Tonschnitt) zur Verfügung. Die Sendestudios selbst befanden sich im Keller des Postamts.Das Postamt war als Ort für die Sendestudios gut geeignet, weil die Kabelverbindungen nach Berlin dort hindurch verliefen. Die Auslagerung nach Königs Wusterhausen hatte mehrere Verschiebungsaktionen zur Folge. So mussten etwa die Sehbehinderten aus dem Blindenheim in die „Brandenburgische Landes-Irrenanstalt“ nach Teupitz umziehen, damit im Blindenheim die rund 80 Mitarbeiter des Kurzwellenrundfunks einziehen konnten. Die ganze Umgebung wurde von Mitarbeitern des Auslandsrundfunks belegt, etwa arbeitete die Redaktion Deutsche Zone im Gasthof Gussow, der Leiter des Auslandsrundfunks Winkelnkemper bezog das Schloss Schenkendorf. Wenige Wochen nach dem Umzug, im November 1943, zerstörten alliierte Bomben das komplette Gelände des Kurzwellensenders in Berlin. Das Auslandsprogramm aus Königs Wusterhausen musste wegen der primitiven Technik und der immer schlechteren Anbindung an Berlin (wo Mitarbeiter kriegsbedingt bei ihren Familien blieben oder Kuriere mit Schallplatten nie in Königs Wusterhausen ankamen) drastisch reduziert werden. Eigenproduktionen fanden kaum mehr statt, das meiste Programm wurde von den Reichssendern übernommen. Es entstanden Ausweichstellen in Helmstedt (für Sendungen nach Indien und den Nahen Osten, im Keller des Hotels Pätzold) und in Landshut (für Asien, im Tanzsaal des Gasthauses „Goldene Sonne“). Am 25. April 1945 räumte der letzte Techniker aus Angst vor der anrückenden sowjetischen Armee die Anlagen in Königs Wusterhausen. Das Leitungspersonal (Winkelnkemper, Cleinow und der spätere Bundeskanzler Kiesinger) versuchte, sich nach Landshut durchzuschlagen, kam dort jedoch nie an. Ende April 1945 stellte auch der „Sender Goldene Sonne“ sein Programm ein.

Literatur Ansgar Diller: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. In: Hans Bausch (Hrsg.): Rundfunk in Deutschland, Band 2, S. 161 ff., dtv, München 1980, ISBN 3-423-03184-0 Konrad Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte – Eine Einführung, UVK Medien Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 1999, ISBN 3-89669-250-X Hans Sarkowicz: Radio unterm Hakenkreuz, Deutsche Grammophon, Berlin 2004, ISBN 3-8291-1448-6

Anmerkungen

Einzelnachweise

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