mini|Konrad Witz, Heilsspiegelaltar, Außentafel: Hl. Bartholomäus mini|Bartholomäus (links) – Detail aus dem Wandgemälde Das Abendmahl von Leonardo da Vinci Bartholomäus ( Bar-Tôlmay, aramäisch „Sohn des Tholmai“) ist ein biblischer Apostel, der Anfang des 1. Jahrhunderts in Kana, Galiläa gelebt haben soll.

Biblische Überlieferung In den drei ersten Evangelien wird Bartholomäus als Jünger Jesu (vgl. ) genannt und in den Apostellisten als einer der zwölf Apostel aufgezählt.

Nathanael Bar-Tholomäus Sein voller Name könnte Natanael Bar-Tholomäus gewesen sein. Auch wenn der älteste Beleg für die Gleichsetzung von Bartolomäus mit dem Nathanael aus dem Johannesevangelium erst aus dem 9. Jahrhundert stammt,Wohl früheste Erwähnung beim syrischen Bischof Ishodad von Merv, hat diese Gleichsetzung eine gewisse Plausibilität, weil Bartholomäus in den Namenslisten der Synoptiker (; ; ) auf Philippus folgt, wie bei Johannes Nathanael als nächster Jünger nach Philippus von Jesus berufen wird. Bartholomäus wäre dann der Vatersname, Nathanael der Eigenname.

Legende (Hagiographie) Der Legende nach soll er als „Zeuge Christi“ in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien das hebräische Matthäusevangelium gepredigt haben,Albrecht Dihle: Art. Indien. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 18, Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart, Sp. 1–56, hier Sp. 46. wo er auch das Martyrium erlitten haben soll. Astyages, ein Bruder des armenischen Herrschers Polymios, soll den Befehl gegeben haben, ihm bei lebendigem Leibe die Haut abzuziehen und ihn anschließend kopfunter zu kreuzigen. Andere Quellen berichten von einer Enthauptung des Heiligen.

Nach späteren Legenden sei der Sarg mit seinem Leichnam an der Insel Lipari bei Sizilien angespült worden, wo man ihn auch bestattet habe. Nach Gregor von Tours sei er 580 von Mesopotamien nach Lipari gebracht worden.Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 5. Herder, Freiburg 1968, Spalte 322. Über seinem vermutlichen Grab wurde eine Kirche errichtet, die 831 die Sarazenen zerstörten.

Kirchengeschichte mini|San Bartolomeo all’Isola Kaiser Otto II. ließ die angeblichen Gebeine 983 nach Rom bringen, wo sie seither in San Bartolomeo all’Isola aufbewahrt werden. Darauf wurde Bartholomäus zum Patron vieler deutscher Kirchen. Die angebliche Hirnschale kam unter Kaiser Friedrich II. 1238 in den Frankfurter Kaiserdom, der darauf Bartholomäus als Kirchenpatron erhielt.Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 5. Herder, Freiburg 1968, Spalte 322.

Ikonographie und Attribute mini|hochkant=1.4|Bartholomäus mit Messer und abgezogener Haut – Detail aus dem Jüngsten Gericht von Michelangelo Seit Beginn des 13. Jahrhunderts wird Bartholomäus mit Messer und abgezogener Haut in zahlreichen Bildern dargestellt. In Michelangelos Jüngstem Gericht in der Sixtinischen Kapelle in Rom gilt das Antlitz auf der Haut von Bartholomäus als Selbstbildnis Michelangelos.

In jüngerer Zeit entstanden neue Darstellungen des Apostels, so etwa der Bronzeguss von Damien Hirst (2006). oder die großformatige Ölmalerei des Leipziger Malers Aris Kalaizis, die in Konfrontation mit Darstellungen des Heiligen am Kaiserdom St. Bartholomäus 2014/2015 entstand. Im Jahr 2015 errichtete das Kunst- und Kulturforum Stubenberg eine Bartholomäus-Skulptur vor der Kirche von Stubenberg. Der Kopf ist aus Marmor, der Körper aus Magnesit mit glitzernden Glimmereinschlüssen.

Gedenktage

katholisch: 24. August evangelisch: 24. August anglikanisch: 24. August orthodox: 11. Juni

Patronate mini|St. Bartholomäus auf einer Fahne der Bruderschaft der Metzger, Ravensburg Patrozinien Orte: siehe Sankt Bartholomä, San Bartolomeo, Saint-Barthélemy, Saint Bartholomew Kirchen und Kapellen siehe Bartholomäuskirche

Bartholomäus gilt als Patron der Städte Baku, Altenburg, Büchenau, Frankfurt am Main, Heitersheim (Baden), Geraardsbergen, Görwihl, Kettig, Maastricht, Markgröningen, Markranstädt, Pilsen, Wiehe bzw. des Stadtteils Barcola in Triest; der Liparischen Inseln (bei Sizilien); der Berufe Bergleute, Gipser, Bauern, Winzer, Hirten bzw. Schäfer, Lederarbeiter, Gerber, Sattler, Schuhmacher, Schneider, Bäcker, Metzger, Buchbinder und Öl- und Käsehändler (in Florenz).

Bei Haut- und Nervenkrankheiten sowie Zuckungen, Dämonen und Geistern wird der heilige Bartholomäus um seine Fürsprache bei Gott angerufen.

Literatur Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 5. Herder, Freiburg 1968 (Neuaufl. der WBG, Darmstadt 2015), Spalten 320–334. ISBN 978-3-534-26725-5

Otto Wimmer: Handbuch der Namen und Heiligen, mit einer Geschichte des christlichen Kalenders. 3. Aufl. Innsbruck/Wien/München 1966, S. 143 f.

Siehe auch Bartholomäusevangelium Bartholomäusnacht (Mordnacht in Paris am 24. August 1572)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Apostel Kategorie:Heiliger (1. Jahrhundert) Kategorie:Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche Kategorie:Person des evangelischen Namenkalenders Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert Kategorie:Mann