mini|Werner C. Barg 2026 Werner C. Barg (* 1957 in Neumünster) ist ein deutscher Autor, Film- und Medienwissenschaftler sowie Filmproduzent. Unter dem Pseudonym Henrijk van Zaiszt veröffentlichte er in den 1980er Jahren satirische Essays und Kurzfilme.
Ausbildung Im Alter von 19 Jahren beendete Barg die Immanuel-Kant-Schule in Neumünster und studierte an der Universität Kiel zunächst Philosophie, später Germanistik und Geschichte, zudem Geographie, Soziologie und Pädagogik. Die Ausbildung umfasste Gastsemester sowohl in Marburg als auch in Freiburg im Breisgau.
Nach dem Zivildienst arbeitete Barg zunächst zwei Jahre als Medienpädagoge. Bereits in diese Zeit fielen erste Veröffentlichungen. Gemeinsam mit dem Künstler und Musiker Jonathan Weiszbrodt gründete Barg die Kieler Künstlervereinigung Deutsche AC.NE. Sie formulierten offene Briefe an Politiker, publizierten kritische Essays zu Themen wie Kernenergie, Friedensbewegung und drehten in Bargs erster Produktionsfirma Vulkan-Film diverse Kurzfilme u. a. für den NDR. Die als vulkanistisch bezeichneten Filme und Texte nahmen den bundesrepublikanischen Politikbetrieb satirisch aufs Korn. In Anlehnung an Heinrich von Kleist unterzeichnete Barg seine Arbeiten mit dem Pseudonym Henrijk van Zaiszt.
Von 1987 bis 1993 unterrichtete Barg Ästhetik und Geschichte des Films an der Kieler Universität, sowie Kunst der Medien an der Pädagogischen Hochschule Kiel und Medienpraxis an der dortigen Fachhochschule. 1992 promovierte er über die Filme von Alexander Kluge und Edgar Reitz an der Universität Kiel – die Dissertation erschien 1996 als Sachbuch.
Leben 1994 wechselte Barg nach Köln und war knapp fünf Jahre als künstlerischer-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fernsehen/Film an der Kunsthochschule für Medien Köln tätig.Werner Barg, auf filmuniversitaet.de, abgerufen am 6. Januar 2026 In Zusammenarbeit mit Michael Lentz und Jeanine Meerapfel beteiligte er sich am Aufbau des Lehrbereichs Drehbuchschreiben. Schon in dieser Zeit veröffentlichte Barg zahlreiche Rezensionen zu neu erschienenen Film-Fachbüchern in der Zeitschrift Medienwissenschaft und schrieb bis 1998 Filmkritiken für die Kulturredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
1998 wurde Barg zum Studienleiter an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin berufen. Ab 2001 war er zusätzlich künstlerischer Leiter der angeschlossenen Drehbuchakademie. Mit Ausscheiden von Reinhard Hauff wurde Barg ab 2005 einer der beiden Interims-Geschäftsführer. In dieser Funktion verantwortete er insbesondere die Außenvertretung der dffb für Produktion und Koproduktion der Abschlussfilme gegenüber Fernsehsendern und Filmförderungen, bei Programm füllenden Filmen zudem die Zusammenarbeit mit Redaktionen und Produzenten. In den über 15 Jahren Lehrtätigkeit betreute Werner Barg zahlreiche Dokumentationen sowie über 20 Spielfilme für Kino und Fernsehen zusätzlich als Koproduzent und Dramaturg. Darunter waren Projekte wie Berlin is in Germany (2001) vom Regisseur Hannes Stöhr, Mitfahrer – Jede Begegnung ist eine Chance (2003), Regie: Nicolai Albrecht sowie Früher oder später (2007) von der Regisseurin Ulrike von Ribbeck.
Ab 2007, seit seinem Ausstieg aus dem Lehrbetrieb an der dffb, ist Barg hauptberuflich als Autor und Produzent für Fernseh-, Kino- und Wirtschaftsfilm tätig. Als Chefdramaturg betreute er die erste Staffel der Doku-Fiktion-Serie Die Deutschen (2008) vom ZDF; davon fünf Folgen in der szenischen Dramaturgie und zwei Folgen als Koautor. Für den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien war Werner Barg dramaturgischer Berater der geförderten Drehbuchprojekte.
Um bei der Produktion von Debüt-, Dokumentar- und Arthousefilmen, ebenso an der Entwicklung von historischen Doku-Fiktion-Formaten möglichst senderübergreifend zu arbeiten, gründete Barg mit Alexander von Hohenthal, Geschäftsführer der Opal Filmproduktion, in 2011 die herzfeld productions als Erweiterung der Opal-Gruppe. Als erstes Beispiel für die synergetische Zusammenarbeit steht die Kino-Koproduktion mit dem NDR: Über das Meer – Die DDR-Flucht des Erhard Schelterndr.de: , auf ndr.de (2011), ein Doku-Drama in der Regie von Arend Agthe.
Barg arbeitet zudem als Krimi-Autor. Gemeinsam mit Andreas Dirr beteiligte er sich an der ZDF-Serie Küstenwache, Folge: Die Bernsteinhexe (2012). Autorenprojekte von Barg behandeln vorwiegend Themen aus Historie und Zeitgeschichte. So auch Die Odyssee der Kinder (2008) über die Fluchtgeschichte jüdischer Kinder, der so genannten Teheran-Kinder während des Zweiten Weltkriegs, zusammen mit Autor und Produzent Stephan M. Vogel für das ZDF. Seit 2010 arbeitet Barg als Autor und Realisator für history-vision.de, eines der größten Online-Filmarchive für Zeitgeschichte. Weitere Projekte sind: Jahrestage – 365 Tage – 365 Ereignisse – 365 Clips, in dem für jedes Datum des Jahres ein historisches Ereignis filmisch dokumentiert wird, die Clip-Produktionen Boulevard History sowie das App-Guide zur Geschichte der Berliner Mauer. Zudem arbeitete Barg an der Filmclip-Produktion des kontinuierlich wachsende Webportal Your History – Mehr Wissen über den Holocaust, einem dreijährigen Förderprojekt des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2014 realisierte er für history-vision.de den 45-minütigen Dokumentarfilm Berlin 1945 sowie die Dokumentation Mein Berlin im folgenden Jahr. Zudem war er Autor der Pilotsendung für das zeitgeschichtliche Magazin Walking History, in der Moderation u. a. von Jo Schück und Ilja Richter.
Parallel von 1993 bis 2017 schrieb Barg wöchentlich Filmkritiken für die Kinoseite des sh:z (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag/Flensburger Tageblatt). In Fachzeitschriften, u. a.Tv diskurs und MedienConcret, veröffentlicht er regelmäßig Artikel, Essays und Interviews zu Themen wie Filmkultur, Filmrezeption, KinofilmBarg, Werner C.: Skandalfilme. Von der Lust an der Provokation. In: Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) (Hrsg.): Tv diskurs. Tabus. Kulturell gesetzt, medial verhandelt. 14. Jg., Heft 4/10. ().
2017 und wiederum als Produzent realisierte Barg den Kinospielfilm Einsamkeit und Sex und Mitleid, eine satirische Gesellschaftskomödie in der Regie von Lars Montag und betreibt seit 2018 als alleiniger Produzent die herzfeld productions in Berlin und Halle/Saale. Neben seiner Tätigkeit als Filmproduzent und Autor vertrat Werner C. Barg ab 2015 die Professur Audiovisuelle Medien in der Abteilung Medien- und Kommunikationswissenschaft im Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU); von 2021 an leitet er stattdessen den dortigen Ergänzungsstudiengang "Medienbildung" im Rahmen der Lehrerausbildung.Prof. Dr. Werner C. Barg, auf medienkomm.uni-halle.de Bereits seit 2010 ist Barg Lehrbeauftragter an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf; 2020 wurde er zum Honorarprofessor ernannt.
Barg ist mit der Schauspielerin Lisa Adler verheiratet und lebt in Berlin und in der Uckermark.
Filmpolitisches Engagement „…der Zuschauer ist mehr denn je gefordert, auf eine Medienwelt zu reagieren, die weitgehend tabulos fast alles zu zeigen bereit ist. Gefordert ist die eigene Sensibilität, die persönliche Verantwortung, die manchem Medienmacher offenbar abhanden gekommen ist. Wo die gesellschaftlichen Zeigegesten immer grenzenloser werden, wird jeder für sich und individuell seine Tabus finden und seine „persönlichen Skandale“ setzen müssen, um nicht gänzlich in den uferlosen Sex-&-Crime-Attitüden der Medien abzustumpfen. Es geht darum, Tabu im eigentlichen Wortsinne wieder ernst zu nehmen, als das Unanschaubare….“ (Zitat: Barg aus: Skandalfilme. Von der Lust an der Provokation. S. 9)Barg, Werner C.: Skandalfilme. Von der Lust an der Provokation. In: Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) (Hrsg.): Tv diskurs. Tabus. Kulturell gesetzt, medial verhandelt. 14. Jg., Heft 4/10. ().
1980 war Barg Gründungsmitglied der Kieler Künstlervereinigung Deutsche AC.NE und 1989 Gründungsmitglied der Filmförderung Schleswig-Holstein e.V. Von 1995 bis 1999 war er Mitglied im Vorstand des Bundesverband Jugend und Film (BJF), für den er bereits 1993/94 als Kulturmanager arbeitete und die Konzeption und Leitung des Zelttournee-Projekts 100 Jahre Kino verantwortete. Er war Mitglied der Jury des Internationalen Verbandes der Filmclubs (FICC) beim Internationalen Filmfestival von Locarno 1998 und Mitglied der PANORAMA-Kurzfilmjury der Berlinale 2000 und dem FISH 2007.
Seit 2002 ist Barg Mitglied im Kuratoriums des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums (KJF) und war ab 2008 sein Stellvertretender Vorsitzender; zusammen mit Claudia Wegener führt er seit 2012 den Vorsitz des KJF-Kuratoriums. Zudem war er von 2009 bis 2013 ehrenamtliches Mitglied der Fachjury für den Deutschen Jugendfilmpreis des Bundes.Festival.Film.
Auszeichnungen 1988: Publikumspreis beim No-Budget-Kurzfilmfestival Hamburg für "Nichtgedanke feat. Die Wanne des Monats". 1990: German Special Award beim 13th Tokyo-Video-Festival für "Einengung". 1997: Debüt-Drehbuchpreis (mit Thomas Plöger) der Medienstiftung Schleswig-Holstein, des Rowohlt-Verlags und des NDR für Der Acker, die Hölle über das Leben der Landarbeiter im 19. Jahrhundert. 2006: Spezialpreis Bester Europäischer Kurzfilm beim Internationalen Filmfestival Cork als Produzent für Gero, Gerd und die Großartige (Regie: Lisa Adler). 2006: Publikumspreis beim Internationalen Filmfestival St.Etienne für Gero, Gerd und die Großartige (Regie: Lisa Adler). 2006: Canal+ Kurzfilmpreis beim Internationalen Filmfestival Paris für Gero, Gerd und die Großartige (Regie: Lisa Adler). 2018: Nominierung als Produzent für Einsamkeit und Sex und Mitleid als Bester Ausländischer Film beim 4th. International Filmfestival Nizza. Lars Montag wurde im Rahmen der Romyverleihung 2018 in der Kategorie Beste Regie Kinofilm ausgezeichnet.
2020 ARD-Programmprämie als der Produzent für Einsamkeit und Sex und Mitleid.
Buchveröffentlichungen Erzählkino und Autorenfilm, Zur Theorie und Praxis filmischen Erzählens bei Alexander Kluge und Edgar Reitz (Dissertation) München: Fink-Verlag, 1996, ISBN 3-7705-3001-2 Kino der Grausamkeit, Die Filme von Sergio Leone, Stanley Kubrick, David Lynch, Martin Scorsese, Oliver Stone und Quentin Tarantino (Koautor: Thomas Plöger), Frankfurt/Main: BJF-Verlag, 1996, ISBN 3-89017-147-8 Handbuch: Jugend:Film:Kultur, Grundlagen und Praxishilfen für die Filmbildung (Mitherausgeber, Autor), München: kopaed-Verlag, 2006, ISBN 3-938028-15-7 Spiel mit der Wirklichkeit Zur Entwicklung doku-fiktionaler Formate in Film und Fernsehen (Mitherausgeber, Autor), Konstanz: UVK 2012 (Reihe CLOSE UP, Schriften aus dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart), ISBN 978-3-86764-257-6 Blockbuster Culture – Warum Jugendliche das Mainstream-Kino fasziniert (Autor), Berlin: Bertz+Fischer, 2019, ISBN 978-3-86505-260-5 Rainer Werner Fassbinder transmedial (Mitherausgeber, Autor), Marburg: Schüren, 2020, ISBN 3-7410-0362-X Medienkritik als politische Satire. Being There und Wag the Dog. Bock, Hans-Michael u. a. (2020) (Hg.): Kellerkinder und Stacheltiere. Film zwischen Polit-Komödie und Gesellschafts-Satire. S. 150–163, München: edition text+kritik, ISBN 978-3-96707-442-0 Irgendwo in Berlin. Kindheitsdarstellung als Spiegel gesellschaftlicher Umstände. In: Ebert, Steffi, Kümmerling-Meibauer, Bettina (2021) (Hg.): Von Pionieren und Piraten. Der DEFA-Kinderfilm in seinen kulturhistorischen, filmästhetischen und ideologischen Dimensionen. S. 33–47, Heidelberg: Winter, ISBN 978-3-8253-4837-3 Wenn der Zeitgeist auf Montage geht – Essays & Filmkritiken 2013 – 2024, Illustrationen Zhou Chunlai, Gestaltung Zhou Wenjing, Joseph Janeti, 538 Seiten, Mead-Hill Publishing & Media, Boston, Massachusetts, 2024, deutschsprachig, ISBN 979-8-345636299