Die Atlantische Hurrikansaison 2012 beginnt offiziell am 1. Juni und endet am 30. November. Während dieser Periode bilden sich üblicherweise die meisten Hurrikane, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen existieren, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, um die Bildung von tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen. Die Saison 2012 startete jedoch vorzeitig mit der Bildung des tropischen Sturms Alberto am 19. Mai. Auch der zweite benannte Sturm der Saison, Beryl, entstand vor dem offiziellen Saisonbeginn am 26. Mai. Es war das erste Mal seit der atlantischen Hurrikansaison 1951, dass sich vor dem offiziellen Saisonbeginn zwei Stürme bildeten.

Stürme im Pazifischen Ozean sind im Artikel Pazifische Hurrikansaison 2012 gelistet.

Saisonprognosen +Voraussagen tropischer Wirbelsturmaktivitäten für die Saison 2012QuelleDatumStürmeAnzahl derHurrikaneKat. 3+CSUDurchschnitt (1950–2000)9,65,92,3NOAADurchschnitt (1950–2005)11,06,22,7Rekordwerte (hoch)28158Rekordwerte (niedrig)420––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––TSR7. Dezember 20111473WSI21. Dezember 20111273CSU4. April 20121042––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––Tatsächliche Aktivität 19 10 2

Voraussagen über die Aktivität der kommenden Hurrikansaison werden jedes Jahr durch die Hurrikanexperten Philip J. Klotzbach und William M. Gray und ihren Mitarbeitern an der Colorado State University und separat durch die Meteorologen der NOAA sowie vom Konsortium Tropical Storm Risk erstellt.

Klotzbachs Team definierte die durchschnittliche Anzahl von Stürmen pro Saison im Durchschnitt (1950–2000) auf 9,6 tropische Stürme, 5,9 Hurrikane und 2,3 schwere Hurrikane (also solche, die auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala zumindest in die Kategorie 3 eingestuft werden). Eine normale Saison, wie sie durch die NOAA festgelegt wurde, besteht aus 9–12 benannten Stürmen, von denen 5–7 Hurrikanstärke erreichen und 1–3 schwere Hurrikane werden. Prognosen vor Beginn der Saison Am 7. Dezember 2011 gab Tropical Storm Risk (TSR), ein öffentliches Konsortium aus Experten für Versicherungen, Risikomanagement und saisonale Klimavorhersagen am University College London, eine mittelfristige Vorhersage aus, die für 2012 eine überdurchschnittliche Hurrikansaison annimmt. In dem Bericht stellte TSR fest, dass die tropische Zyklonaktivität etwa 49 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 1950 bis 2010 legen könnte, wobei 14,1 (± 4,2) tropische Stürme, 6,7 (± 3,0) Hurrikane und 3,3 (± 1,6) schwere Hurrikane sowie ein kumulierter ACE-index von 117 (± 58) erwartet wurden.

Am 21. Dezember 2011 gab Weather Services International (WSI) eine Vorhersage heraus, die von einer nahezu durchschnittlichen Hurrikansaison 2012 ausgeht. In dieser Vorhersage wies WSI darauf hin, dass eine seit einem Jahrzehnt nicht mehr verzeichnete kühlere North Atlantic Oscillation im Zusammenspiel mit der sich abschwächenden La Niña zu einem durchschnittlichen Saisonverlauf führen werde, mit zwölf benannten Stürmen, darunter sieben Hurrikane, von denen drei die Kategorie 3 oder höher erreichen könnten. Diese Vorhersage ging des Weiteren von einer fast durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit eines Hurrikans mit Landfall in den Vereinigten Staaten aus, wobei das Risiko für die Golfküste leicht höher und für die Ostküste der Vereinigten Staaten leicht niedriger als durchschnittlich errechnet wurde.

Stürme Sturmnamen In der atlantischen Hurrikansaison 2012 wurden die folgenden Namen verwendet: Alberto, Beryl, Chris, Debby, Ernesto, Florence, Gordon, Helene, Isaac, Joyce, Kirk, Leslie, Michael, Nadine, Oscar, Patty, Rafael, Sandy und Tony. Nicht verwendet wurden Valerie und William.

Diese Liste wurde im Jahre 2018 wieder verwendet, vorbehaltlich der Namen, die durch die World Meteorological Organization im Frühjahr 2013 möglicherweise ersetzt wurden. Diese Liste ist identisch mit der Liste für die Atlantische Hurrikansaison 2006.

Tropischer Sturm Alberto

Der erste tropische Sturm der Saison im Atlantik bildete sich am 19. Mai um 17 Uhr Ortszeit (21 Uhr UTC) vor der Küste des US-Bundesstaates South Carolina und erhielt den Namen Alberto. Seine Windgeschwindigkeit im Zentrum betrug 75 km/h bei einem Luftdruck von 1007 hPa. Das System bewegte sich zunächst in südwestlicher Richtung und erreichte noch am gleichen Tag mit Windgeschwindigkeiten von 95 km/h und einem Luftdruck von 995 hPa seine größte Stärke.Blake, Franklin: Tropical Storm ALBERTO Tropical Cyclone Update, NHC vom 19. Mai 2012 Alberto war der früheste tropische Sturm der Saison im Atlantik seit Ana im Jahr 2003. Und zum ersten Mal in der Geschichte der Aufzeichnungen bildete sich sowohl im Atlantik als auch im östlichen Pazifik ein tropischer Sturm vor dem offiziellen Saisonbeginn am 1. Juni.Brennan: Tropical Storm ALBERTO Forecast Discussion 1, National Hurricane Center vom 19. Mai 2012 Am 21. Mai kam Alberto mit seiner Südwest-Bewegung in Höhe von Jacksonville, Florida zum Stillstand, drehte um und bewegte sich in nordöstlicher Richtung weiter, während er an Stärke verlor.Pasch: Tropical Storm ALBERTO Advisory Number 9, NHC vom 21. Mai 2012 Am Abend des gleichen Tages wurde Alberto zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herabgestuft.Stewart: Tropical Storm ALBERTO Advisory Number 10, NHC vom 21. Mai 2012 Einen Tag später wurde Alberto außertropisch.Pasch: Tropical Storm ALBERTO Advisory Number 12, NHC vom 22. Mai 2012

Tropischer Sturm Beryl

Am 23. Mai entwickelte sich ein längliches Tiefdruckgebiet über der nordwestlichen Karibik und bewegte sich nach Nordosten. Zunächst gab es kein klares Zentrum und die Windscherung war ungünstig für die Entwicklung. Am nächsten Tag befand sich das System in der Floridastraße, und das Nationale Hurricane Center wies auf mögliche günstigere Bedingungen innerhalb von zwei Tagen hin. Das System zog weiter nach Nordosten und entwickelte eine gut definierte Zirkulation mit Konvektion, die sich unter einem Höhentief befand. Am 26. Mai erklärte das NHC das Tiefdruckgebiet deswegen zum subtropischen Sturm Beryl. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Beryl 490 km östlich von Charleston, South Carolina. Ein Hochdruckrücken lenkte Beryl dann westwärts und danach in südwestlicher Richtung. Einen Tag später verstärkte sich Beryl in einen vollwertigen tropischen Sturm und erreichte seinen Höhepunkt mit Windgeschwindigkeiten von 110 km/h und einem minimalen Luftdruck von 992 hPa. Mit dieser Intensität machte Beryl an diesem Tag Landfall in der Nähe von Jacksonville Beach, Florida. Kurz danach schwächte er sich zu einem tropischen Tiefdruckgebiet ab. Während der beiden folgenden Tage zog das System über Land zunächst nach Südwesten, nach Norden und schließlich nach Nordosten und lud dabei über Nordflorida, dem Osten von Alabama und dem Süden Georgias hohe Regenmengen ab. Beryls Landgang am 28. Mai war der stärkste in der US-Geschichte, der sich nicht in der Saison bildete. Der Sturm war zudem verantwortlich für 4 direkte und 2 indirekte Todesopfer.

NHCs Sturmarchiv zu Tropensturm Beryl (englisch) NHCs Grafikenarchiv zu Tropensturm Beryl (englisch) NHCs Tropical Cyclone Report on Tropical Storm Beryl (englisch; PDF; 301 kB)

Hurrikan Chris

Am 17. Juni entwickelte sich aus einer stationären Front in der Nähe von Bermuda ein Tiefdruckgebiet. Über dem warmen Wasser des Golfstroms und infolge geringer Windscherung eignete sich das System am folgenden Tag allmählich tropische Eigenschaften an, und am Nachmittag des 19. Juni, nachdem die tiefe Gewittertätigkeit eine ausreichend lange Zeit Bestand gehabt hatte, klassifizierte das National Hurricane Center das System als tropischen Sturm und nannte diesen Chris. Am 21. Juni verstärkte sich Chris, obwohl sich der Sturm über relativ kühlem Wasser von weniger als 22 °C Oberflächentemperatur bewegte,Tropical Storm CHRIS Discussion Number 7, National Hurricane Center vom 21. Juni 2012 zum ersten Hurrikan der Saison. Über noch kühleres Wasser gelangend schwächte sich Chris schon sechs Stunden später wieder zu einem tropischen Sturm ab.

Früh am 22. Juni begann durch den Einfluss eines größeren nichttropischen Tiefs südlich des Sturms der Übergang des Sturms in eine post-tropische Zyklone. Nachdem der Sturm seine tropischen Eigenschaften verloren hatte und von dem nichttropischen Tiefdruckgebiet absorbiert wurde, gab das NHC im Tagesverlauf des 22. Juni seine letzte Warnung zu Chris bekannt.

Chris war der im Jahresverlauf drittfrühste tropische Sturm seit Beginn der Aufzeichnung, nur zwei Stürme in den Jahren 1887 und 1959 bildeten sich früher. Chris war auch der zweitnördlichste tropische Sturm seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1851. Nur der Tropische Sturm Alberto im Jahr 1988 wurde nördlicher zu einem tropischen Sturm hochgestuft.

NHCs Sturmarchiv zu Hurrikan Chris (englisch) NHCs Grafikenarchiv zu Hurrikan Chris (englisch) NHCs Tropical Cyclone Report on Hurricane Chris (englisch; PDF; 2,9 MB)

Tropischer Sturm Debby

Mitte Juni entstand in der zentralen Karibik ein Gebiet niedrigen Luftdrucks, dass am 22. Juni die Yucatán-Halbinsel überquerte und Richtung Norden in den Golf von Mexiko zog. Das Gebiet verstärkte sich am nächsten Tag in einen tropischen Sturm, der den Namen Debby erhielt. Debby bewegte sich am 24. und 25. Juni sehr langsam und war fast stationär und konnte sich nicht mehr sonderlich verstärken. Der Sturm befand sich am 25. Juni stationär 140 km südlich von Apalachicola, Florida. Am folgenden Tag schwächte sich Debby beim Annähern der Westküste Floridas zu einem schwachen tropischen Sturm ab, der Windgeschwindigkeiten von 65 km/h besaß und dennoch einen ungewöhnlich niedrigen Luftdruck von 992 hPa aufwies. Über Taylor County, Florida, traf der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 65 km/h auf Festland, wo er sich zu einem tropischen Tiefdruckgebiet abschwächte und fast die gesamte Konvektion verlor. Am 27. Juni wurde Debby außertropisch. Die Reste des Sturms zogen Richtung Nordosten in den offenen Atlantik und lösten sich am 30. Juni vollständig auf. Debby war der im Saisonverlauf früheste vierte Sturm, der je im Atlantik beobachtet wurde – der zuvor früheste vierte Sturm bildete sich 2005 mit Hurrikan Dennis am 5. Juli.

NHCs Sturmarchiv zu Tropensturm Debby (englisch) NHCs Grafikenarchiv zu Tropensturm Debby (englisch) NHCs Tropical Cyclone Report on Tropical Storm Debby (englisch; PDF; 685 kB)

Hurrikan Ernesto