Der Große Preis von Deutschland 1976 (offiziell XXXVIII Großer Preis von Deutschland) fand am 1. August auf dem Nürburgring in Nürburg statt und war das zehnte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1976.

Berichte Hintergrund miniatur|links|hochkant=1.3|Clay Regazzoni im Ferrari 312T2 miniatur|links|hochkant=1.3|Rolf Stommelen im Brabham BT45 Zwei Wochen nach dem kontrovers diskutierten Großen Preis von Großbritannien fand der Deutschland-GP 1976 trotz immer größer werdender Vorbehalte seitens der Fahrer gegenüber der hinsichtlich Sicherheitseinrichtungen und Streckenlänge als nicht mehr zeitgemäß eingestuften Nürburgring-Nordschleife ein letztes Mal auf dieser traditionsreichen Strecke statt.

Nach der Kündigung von Jacky Ickx nahm Arturo Merzario dessen Platz bei Walter Wolf Racing ein. Daraufhin trat March Engineering mit nur noch drei Werkswagen an. Das italienische Privatteam Gulf Rondini trug sich mit einem Tyrrell 007 und dem Formel-1-Neuling Alessandro Pesenti-Rossi erstmals in die Meldeliste eines Grand Prix ein.

Rolf Stommelen wurde vom Brabham-Kundenteam RAM Racing als Gaststarter für seinen Heim-Grand-Prix gemeldet. Er qualifizierte sich daraufhin mit einem der beiden vom Team eingesetzten Brabham BT44B für den 15. Startplatz. Aufgrund einer gerichtlichen Klage, die Loris Kessel wegen ausstehender Gehaltszahlungen für seine vier bereits für das Team absolvierten Einsätze eingereicht hatte, wurde eines der Fahrzeuge während des Trainings von der Polizei beschlagnahmt. Brabham-Teamchef Bernie Ecclestone stellte Stommelen daraufhin kurzfristig den Ersatzwagen des Werksteams zur Verfügung.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 193

In der Fahrerwertung führte Niki Lauda mit 31 Punkten vor Jody Scheckter und mit 35 Punkten vor Patrick Depailler. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit 21 Punkten vor Tyrrell und mit 32 Punkten vor McLaren.

Mit Clay Regazzoni und Carlos Reutemann (jeweils einmal) traten zwei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training James Hunt erzielte die beste Trainingszeit und war dabei rund eine Sekunde schneller als der Zweitplatzierte Lauda. Die Rundenbestzeit des Vorjahres wurde um rund acht Sekunden verfehlt. Die zweite Startreihe bildeten Depailler im Tyrrell P34 sowie Hans-Joachim Stuck, der im March 761 vor heimischem Publikum eine gute Trainingsleistung zeigte, indem er die stärker eingeschätzten Regazzoni, Jacques Laffite, Carlos Pace und Jody Scheckter hinter sich ließ.

Rennen mini|Niki Lauda Bis kurz vor dem Start des Rennens hatte es geregnet. Daraufhin entschieden sich alle Fahrer außer Jochen Mass für den Einsatz von Regenreifen.

Regazzoni ging von Startplatz fünf aus in Führung vor Hunt und dem gut gestarteten Mass. Laffite profitierte als Viertplatzierter davon, dass Stucks Fahrzeug wegen eines Kupplungsschadens aus der Startaufstellung genommen worden war. Stuck nahm das Rennen dennoch mit kurzer Verzögerung auf, indem er sich am Ende des Feldes von Mechanikern anschieben ließ.

Während der ersten Runde drehte sich Regazzoni und fiel dadurch auf den vierten Rang zurück. Bereits nach wenigen Kilometern stellten nahezu alle Piloten fest, dass dank abtrocknender Streckenverhältnisse keine Regenreifen mehr benötigt wurden. Rund die Hälfte des Feldes steuerte daraufhin am Ende der ersten Runde die Boxengasse an, um die Reifen wechseln zu lassen. Dadurch befand sich Mass, der diese rapide Verbesserung der Streckenverhältnisse als einziger geahnt hatte, auf dem zweiten Rang hinter Ronnie Peterson, der eine weitere Runde auf Regenreifen zurücklegte. Nachdem auch Peterson am Ende des zweiten Umlaufs stoppte, übernahm Mass die Führung vor Gunnar Nilsson, der als einer von wenigen zu diesem Zeitpunkt nach wie vor mit Regenreifen bestückt war, und Hunt. mini|Niki Laudas Ferrari wurde vom Surtees TS19 von Brett Lunger getroffen. Lauda, der nach einem schlechten Start und einem vergleichsweise langsamen Boxenstopp mehrere Plätze eingebüßt hatte, verlor in der zweiten Runde im Bereich des Streckenabschnitts „Bergwerk“ möglicherweise durch einen Aufhängungsschaden die Kontrolle über seinen Ferrari. Der Wagen durchbrach mehrere Fangzäune, wurde gegen einen Erdwall geschleudert und rutschte anschließend mehrere Meter unkontrolliert über die Strecke, während sich das aus den nahezu vollen Tanks austretende Benzin entzündete. Guy Edwards, der unmittelbar folgte, konnte knapp ausweichen. Die nachfolgenden Fahrer Brett Lunger und Harald Ertl hingegen rammten das Wrack. Die Strecke war dadurch blockiert. Edwards, Lunger und Ertl sowie der ihnen zu Hilfe eilende Merzario retteten Lauda, der durch die Wucht des Aufpralls seinen Helm verloren hatte, aus dem brennenden Wagen. Die nachfolgenden Rennwagen kamen trotz der Unübersichtlichkeit der Situation ohne Kollisionen rechtzeitig vor der Unfallstelle zum Stehen. Das Rennen war somit abgebrochen. Die übrigen Fahrer, die zum Zeitpunkt des Unfalls vor Lauda gelegen hatten, erhielten diese Information durch die rote Flagge der Rennleitung.

Wenig später trafen ein Sicherheitsfahrzeug der ONS sowie ein Rettungswagen am Unfallort ein. Auf Initiative von Hans-Joachim Stuck brachte der Rettungswagen den verletzten Lauda, der zeitweise bei Bewusstsein war, entgegen der sonst üblichen Fahrtrichtung durch die zweite, weniger bekannte Ausfahrt der Rennstrecke auf direktem Weg ins Krankenhaus nach Adenau. Von dort wurde Lauda zunächst ins Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz und schließlich in eine auf Brandwunden spezialisierte Klinik nach Ludwigshafen am Rhein geflogen.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 190 mini|Laudas brennender Ferrari mit dem Fahrer im Cockpit. Zum Neustart des Rennens traten nur noch 20 Fahrzeuge an. Chris Amon hatte sich angesichts der Ereignisse spontan für einen Ausstieg aus der Formel 1 entschieden. Bei nun gänzlich trockenen Bedingungen ging Hunt vor Regazzoni, Scheckter, Depailler und Pace in Führung. Im Bereich des Streckenabschnitts „Flugplatz“ verunglückte Peterson kurz drauf, blieb aber unverletzt. Regazzoni drehte sich abermals und Depailler kam beim Versuch, dem Ferrari auszuweichen, von der Strecke ab. Pace beendete die erste Runde nach einem Überholmanöver gegen Scheckter als Zweitplatzierter hinter Hunt, fiel jedoch im Verlauf der folgenden Runde wieder hinter Scheckter sowie hinter Regazzoni auf den vierten Rang zurück. Unterdessen verunglückte Vittorio Brambilla durch einen Bremsdefekt im Bereich der Adenauer Brücke, ohne sich zu verletzen.

Mass, der beim Rennabbruch in Führung gelegen hatte, überholte nacheinander den Fünftplatzierten Nilsson sowie den Viertplatzierten Pace. Als Profiteur eines erneuten Drehers von Regazzoni in der zwölften Runde beendete er das neu gestartete Rennen auf dem dritten Platz. Pace, Nilsson und Brabham-Gastfahrer Stommelen komplettierten die Punkteränge.

Ab dem folgenden Jahr wurde der Große Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring ausgetragen, dessen Streckensicherheit sich aufgrund der im Vergleich zur Nordschleife deutlich geringeren Streckenlänge wesentlich einfacher gewährleisten ließ. Diese Entscheidung stand allerdings bereits vor dem Rennen 1976 fest. Es war demzufolge keine Entscheidung, die erst infolge des Unfalls von Lauda getroffen wurde.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor 1 Ferrari 312T2 Ferrari 015 3.0 F12 2 3 Tyrrell P34 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 4 5 Lotus 77 6 7 Brabham BT45 Alfa Romeo 115-12 3.0 F12 8 77 Stommelen war ursprünglich im Brabham BT44B mit der Startnummer 36 des Teams RAM Racing gemeldet und absolvierte damit die Qualifikation. Im Rennen fuhr er den Brabham BT45 mit der Startnummer 77, der dem Brabham-Werksteam als T-Car zur Verfügung stand. 9 March 761 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 10 34 11 McLaren M23 12 16 Shadow DN5B 17 18 Surtees TS19 19 20 Williams FW05 22 Ensign N176 24 Hesketh 308D 25 26 Ligier JS5 Matra MS73 3.0 V12 28 Penske PC4 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 30 Copersucar FD04 36 Brabham BT44B 37 38 Surtees TS19 Scuderia Gulf Rondini 40 Tyrrell 007 Anmerkungen

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 7:06,5 192,746 km/h 1 2 7:07,4 192,340 km/h 2 3 7:08,8 191,712 km/h 3 4 7:09,1 191,578 km/h 4 5 7:09,3 191,488 km/h 5 6 7:11,3 190,601 km/h 6 7 7:12,0 190,292 km/h 7 8 7:12,2 190,204 km/h 8 9 7:13,0 189,852 km/h 9 10 7:14,9 189,023 km/h 10 11 7:14,9 189,023 km/h 11 12 7:16,1 188,503 km/h 12 13 7:17,7 187,814 km/h 13 14 7:19,9 186,874 km/h 14 15 7:21,6 186,155 km/h 15 16 7:23,0 185,567 km/h 16 17 7:23,1 185,525 km/h 17 18 7:23,3 185,441 km/h 18 19 7:23,5 185,357 km/h 19 20 7:28,0 183,496 km/h 20 21 7:28,8 183,168 km/h 21 22 7:30,0 182,680 km/h 22 23 7:30,9 182,315 km/h 23 24 7:32,7 181,590 km/h 24 25 7:38,6 179,254 km/h 25 26 7:48,5 175,466 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Lombardi und Pescarolo an der Qualifikation. 7:51,1 174,498 km/h – DNQ 8:04,2 169,777 km/h – Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 14 1 1:41:42,7 1 7:11,1 (10.) 2 14 0 + 27,7 8 7:10,8 (13.) 3 14 0 + 52,4 9 7:12,9 (14.) 4 14 0 + 54,2 7 7:11,2 (14.) 5 14 0 + 1:57,3 16 7:14,5 (9.) 6 14 0 + 2:30,3 15 7:18,8 (10.) 7 14 0 + 2:33,9 19 7:19,5 (13.) 8 14 0 + 2:48,2 18 7:21,3 (102) 9 14 0 + 3:46,0 5 7:11,1 (11.) 10 14 0 + 3:47,3 14 7:19,6 (14.) 11 14 0 + 4:58,1 23 7:28,8 (8.) 12 14 1 + 4:58,1 12 7:14,9 (9.) 13 14 0 + 5:25,2 20 7:30,9 (7.) 14 13 0 + 1 Runde 26 7:42,8 (13.) 15 13 0 + 1 Runde 25 7:43,0 (12.) – 3 0 DNF 21 7:40,5 (2.) – 1 0 DNF 13 7:47,9 (1.) – 0 0 DNF 3 – – 0 0 DNF 10 – – 0 0 DNF 11 – – 0 0 DNF 4 – – 0 0 DNF 6 – – Amon, Lauda, Lunger und Ertl nahmen nur am ersten Start des Rennens teil. (1) 0 DNF 17 – – (1) 0 DNF 2 – – (1) 0 DNF 24 – – (1) 0 DNF 22 – Anmerkungen

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zählte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 61 2Tyrrell-Ford 36 3 McLaren-Ford 35 4 Tyrrell-Ford 26 5Ferrari 16 6 McLaren-Ford 147Penske-Ford 10 8Ligier-Matra 109Brabham-Alfa Romeo 7 10 Shadow-Ford 7 11March-Ford 6 12 Lotus-Ford 613Surtees-Ford 414Lotus-Ford / Parnelli-Ford 315Copersucar-Ford 3 16Brabham-Alfa Romeo 317Ensign-Ford 218Brabham-Alfa Romeo 119Shadow-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte20Hesketh-Ford 0 21Wolf-Williams-Ford 022March-Ford 0 23Boro-Ford 0 24March-Ford / Wolf-Williams-Ford 0 25Wolf-Williams-Ford 0 26Lotus-Ford / March-Ford 027Wolf-Williams-Ford 028Lotus-Ford 0 29Copersucar-Ford 0 30Surtees-Ford 0 31Brabham-Ford 0 32March-Ford 033Tyrrell-Ford 034Hesketh-Ford 035Brabham-Ford 0 –B.R.M. 0 –Tyrrell-Ford 0–Surtees-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 64 2 493 414 105 106 9 7 88 79 6 Pos. Konstrukteur Punkte10 4 11 312 213 1 14 015 016 017 0– 0 Einzelnachweise

Weblinks

Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1

#1976 Deutschland Kategorie:Nürburgring Kategorie:Sportveranstaltung in Rheinland-Pfalz