Die Division 1 1974/75 war die 37. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde die AS Saint-Étienne, die ihren Titel verteidigen konnte und zum achten Mal seit 1957 Champion de France wurde.

Erster Spieltag war der 2. August 1974, letzter Spieltag der 3. Juni 1975. Es gab eine dreiwöchige „Winterpause“ vom 23. Dezember bis 11. Januar.Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims - une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 316–318

Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 17. Platz abgeschlossen hatten, sowie drei direkte Aufsteiger aus der zweiten Division. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: zwei Klubs aus dem äußersten Norden (Racing Lens, Aufsteiger OSC Lille), vier aus Paris bzw. der Champagne (die beiden Aufsteiger Red Star FC und Paris Saint-Germain, Stade Reims, Troyes Aube Football), drei aus dem Nordosten (FC Metz, Racing-Pierrots Strasbourg-Meinau, FC Sochaux), vier aus dem Westen (Stade Rennes, FC Nantes, SCO Angers, Girondins Bordeaux), sechs aus dem Südosten (Titelverteidiger AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Olympique Nîmes, Olympique Marseille, OGC Nizza, AS Monaco), einer aus Korsika (SEC Bastia).

Saisonverlauf Es galt die Zwei-Punkte-Regel; bei Punktgleichheit gab die Tordifferenz den Ausschlag für die Platzierung. Die im Vorjahr eingeführte Bonusregelung wurde mit einer Veränderung beibehalten; einen zusätzlichen Punkt erhielt jede Mannschaft für jedes Spiel, das sie mit mindestens drei Toren Unterschied gewonnen hatte. Dadurch sollte der Angriffsfußball gefördert werden.

In dieser Saison interessierte die französische Öffentlichkeit sich mehr für Saint-Étiennes Parcours im Europapokal der Landesmeister als für den Spielbetrieb der Division 1, in der die „Grünen“ sich einen katastrophalen Beginn leisteten. Nach acht Spieltagen wies das Konto des Titelverteidigers sechs Punkte Rückstand auf den Überraschungs-Tabellenführer Reims auf;Rethacker, S. 106 und 122; Beaudet, S. 116 für die Rot-Weißen aus der Champagne hatte deren Torjäger Bianchi am zweiten Spieltag einen 0:1-Rückstand gegen Paris SG im Alleingang in den Endstand von 6:1 gedreht.Guillet/Laforge, S. 174 Im weiteren Verlauf der Hinrunde rückten dann aber Saint-Étienne und sein Hauptkonkurrent aus Marseille die Verhältnisse wieder gerade, und lediglich Bastia vermochte bis zum Jahresanfang 1975 mit ihnen noch Schritt zu halten. Als dann aber dessen defensiver Rückhalt Ferdinand Heidkamp beim Spiel in Lyon nicht mitwirken konnte, leitete eine deftige 1:8-Niederlage das Abrutschen der Korsen in der Tabelle ein.Beaudet, S. 115f. Saint-Étienne hingegen ließ sich auch durch das Halbfinal-Aus gegen die Münchener Bayern im Europapokal nicht aus der Bahn werfen, zumal der Verfolger trotz seiner Verstärkung durch zwei brasilianische Nationalspieler und Weltmeister von 1970 (Jairzinho, Paulo César) sowie – in der Winterpause – Bereta von den „Grünen“ keineswegs durchweg souverän auftrat. Drei Spieltage vor Saisonende lag die ASSE zwei Zähler vor Marseille, hatte zudem aber noch zwei Nachholspiele auszutragen und besiegte OM im Spitzenduell mit 4:1, was ihr sogar drei weitere Punkte bescherte.Rethacker, S. 122; Beaudet, S. 115

Saint-Étienne gewann anschließend auch drei seiner restlichen vier Begegnungen deutlich und wies am Ende neun Punkte Vorsprung auf. Am letzten Spieltag hatte der alte und neue Meister sich den „Luxus“ erlaubt, seinen Trainer Herbin, der immer noch über eine Spielerlizenz verfügte, noch einmal ins Abwehrzentrum zu stellen. Beim 5:1-Sieg über Troyes erfüllte der nicht nur seine Defensivaufgaben in gewohnter Stärke, sondern er erzielte sogar den letzten Treffer der Partie.Rethacker, S. 123 Die Mannschaft mit dem durchschlagskräftigsten Angriff und der besten Abwehr der Division 1 wies zudem eine makellose Heimbilanz auf: im Stade Geoffroy-Guichard hatte sie sämtliche 19 Spiele gewonnen. Da sie sich zudem auch erneut den Landespokal gesichert hatte, wurde sie am Ende, wie im Vorjahr, wiederum Gewinner des Doublé; dass eine Mannschaft beide Wettbewerbe zweimal nacheinander gewinnt, hatte es bis dahin in Frankreich noch nicht gegeben. Vizemeister Marseille hingegen wurde mit seinen beiden Brasilianern nicht glücklich; Jairzinho (für ein Jahr) und Paulo César (drei Monate) erhielten lange Sperren, weil sie im Pokal-Viertelfinale gegen Paris einen Linienrichter tätlich angegriffen hatten.Beaudet, S. 117

Zur folgenden Saison wurden die Absteiger Angers, Rennes und Red Star durch die Zweitdivisionäre AS Nancy, US Valenciennes-Anzin und Olympique Avignon ersetzt, von denen lediglich Letzterer ein absoluter Neuling in Frankreichs fußballerischem „Oberhaus“ war.

Abschlusstabelle

(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1973/74

Kreuztabelle SCOAngSECBasGi.BorRCLenOSCLilOl.LyoOl.MarFCMetASMonFCNanOGCNizOl.NîmSGParRStFCSt.ReiSt.RenASStÉFCSocRCStrAFTro SCO Angers3:02:21:24:10:21:22:22:10:01:32:03:11:11:21:20:11:15:11:1 SEC Bastia3:01:00:02:02:02:20:01:01:02:04:00:22:00:13:01:14:22:15:1 Girondins Bordeaux1:11:02:04:21:11:03:20:02:12:00:11:22:12:01:01:02:14:16:0 Racing Lens0:03:33:01:04:02:23:16:32:24:23:03:20:01:01:03:13:20:11:0 OSC Lille1:50:02:01:11:21:04:02:03:04:21:15:01:02:11:02:04:02:12:0 Olympique Lyon0:08:11:05:15:10:12:01:31:10:02:24:42:13:34:11:01:04:12:1 Olympique Marseille3:13:13:04:02:00:11:04:12:14:11:14:23:21:13:11:22:01:10:0 FC Metz2:00:23:32:12:13:11:01:04:02:23:01:32:11:15:23:00:12:11:1 AS Monaco1:01:02:03:01:03:10:21:21:33:23:33:04:32:32:03:13:11:03:1 FC Nantes1:00:03:02:11:03:12:00:24:22:00:10:00:00:11:12:11:03:14:1 OGC Nizza4:12:10:02:12:12:21:31:02:32:22:04:22:10:04:11:15:12:12:1 Olympique Nîmes4:03:32:13:12:11:23:12:03:00:22:12:13:02:00:00:01:06:02:2 Paris Saint-Germain3:21:11:03:10:02:21:12:20:12:32:11:12:03:02:12:20:11:10:0 Red Star FC2:50:01:21:12:14:00:01:13:04:44:10:11:12:10:21:20:10:12:1 Stade Reims1:10:12:15:14:30:24:31:22:32:11:12:16:11:12:10:22:12:03:0 Stade Rennes2:01:11:11:03:00:01:00:01:10:00:02:12:10:22:23:10:15:11:1 AS Saint-Étienne2:03:22:03:24:11:04:15:03:22:02:04:03:22:03:13:01:02:15:1 FC Sochaux0:13:05:20:11:13:11:11:14:20:11:12:00:10:01:02:11:10:00:1 Racing-Pierrots Strasbourg1:03:21:02:13:02:03:23:02:22:02:11:12:11:13:02:00:01:11:0 Troyes Aube Football4:02:11:00:10:10:01:24:15:00:03:11:11:32:12:02:01:02:22:0

Die Meistermannschaft AS Saint-Étienne 1. AS Saint-Étienne70px|zentriert Tor: Ivan Ćurković (38/-) Abwehr: Christian Lopez (37/4), Oswaldo Piazza (36/2), Gérard Farison (26/-), Gérard Janvion (22/1), Pierre Repellini (19/2), Alain Merchadier (17/2), Jean-Louis Cazes (1/-) Mittelfeld: Jean-Michel Larqué (33/9), Dominique Bathenay (32/6), Christian Synaeghel (24/5), Georges Bereta (19/2), Jacques Santini (19/5), Robert Herbin (1/1), Félix Lacuesta (1/-), Jean-François Larios (1/-) Angriff: Hervé Revelli (35/13), Yves Triantafilos (29/11), Patrick Revelli (28/6), Christian Sarramagna (10/-), Dominique Rocheteau (4/-) Trainer: Robert Herbin Dazu kam ein Eigentor.Guillet/Laforge, S. 174, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 296f.

Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Delio Onnis AS Monaco 302 François M’Pelé Paris FC 213 Hugo Curioni FC Metz 194 Marc Berdoll SCO Angers 17 Nico Braun FC Metz 17 Bernard Lacombe Olympique Lyon 17 Gérard Tonnel Troyes Aube Football 178 Boidar Antić SCO Angers 16 Christian Coste OSC Lille 16 Paulo César Olympique Marseille 1611 Carlos Bianchi Stade Reims 15 Nestor Combin Red Star FC 1513 Serge Chiesa Olympique Lyon 14 Laurent Pokou Stade Rennes 14 Hervé Revelli AS Saint-Étienne 14

Siehe auch Division 2 1974/75 Coupe de France 1974/75

Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X

Weblinks Statistiken auf lfp.fr

Anmerkungen und Nachweise

#1974/75 Kategorie:Fußballsaison 1974/75