Fatubessi (Fatubesse, Fatu Besi) ist ein osttimoresischer Suco im Verwaltungsamt Hatulia B (Gemeinde Ermera).

Geographie

Fatubessi liegt im Südwesten des Verwaltungsamts Hatulia B. An ihn grenzt im Nordwesten und Nordosten der zweigeteilte Suco Mau-Ubo und dazwischen der Suco Urahou. Östlich liegt der Suco Fatubolo. Im Süden und Westen befindet sich das Verwaltungsamt Hatulia mit den Sucos Manusae, Ailelo und Aculau. Die Südgrenze bildet der Fluss Eahora, den südlichen Teil der Westgrenze der Gamerama und die Nordwestspitze von Fatubessi wird eingerahmt von den Flüssen Guradi und Acolaco. Die Flüsse gehören alle zum System des Lóis.Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Ermera. Der Suco ist gebirgig. Im Osten reicht die Meereshöhe über , fällt aber nach Westen zum Gamerama hin unter . Berge sind im Nordwesten der Foho Buburia (, ) und der Foho Abat (, ), im Südwesten der Foho Kairslau (, ) und der Foho Lauisu (, ) und im Südosten der Foho Assulau (, ) und der Foho Ducurai (, ).PeakVisor: Foho Abat, abgerufen am 6. Februar 2026. Fatubessi hat eine Fläche von 34,95 km² und teilt sich auf in die sechs Aldeias Assulau Hautete, Lebumeo (Lebomeo), Matanoba (Matanova, Mata Nova), Peregrinação, Sabsoi (Sapso) und São Francisco.Jornal da República: Diploma Ministerial n.° 16/2017, mit Korrekturen vom 9. Mai 2017, abgerufen am 12. März 2019.

Im Zentrum liegt die große Siedlung Fatubessi, der Hauptort von Hatulia B. Den östlichen Teil bildet die Siedlung Mauka. Westlich des Hauptplatzes liegt unterhalb der Ortsteil Laclo. Etwas südlich davon befinden sich die Siedlungen Guiaves-Laran (Nacahun) und Hurtali (Urtali) und nördlich das Dorf Maukali. Zwischen Guradi und Acolaco liegt im Nordwesten das Dorf Buburia (Bubria), im Nordosten die Dörfer Oeleo und Tredu, im Westen Sabsoi, Boro (Bono) und Lebumeo, im Süden Assulau (Asulau) und im Südosten Betorema.

Im Ort Fatubessi befinden sich die Kapelle Santuário de Nossa Senhora Peregrina (Fatubessi) und unterhalb eine Grundschule und ein Hospital. Der Sitz des Verwaltungsamtes Hatulia B wurde am 19. April 2023 eingeweiht. Er liegt zwei Kilometer östlich des Dorfes Fatubessi (). Weitere Grundschulen stehen in Buburia, Mauka, Lebumeo und Assulau. In Assulau befindet sich eine weitere Kapelle. Trotz einer Straße, die von Fatubessi nach Osten führt, ist der Suco relativ schlecht an die Außenwelt angebunden, weswegen die Wahlurnen für die Parlamentswahlen in Osttimor 2007 mit Pferden und Trägern zum Wahllokal in der Grundschule gebracht und wieder abgeholt werden mussten.Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)

Der Fatuk Asu (, ) ist ein Felsen in Form eines Hundes. Er ist der Namensgeber der Aldeia Assulau Hautete. Die spitzen Hundenohren sind klar zu erkennen. Vier Clans wachen über dieses Heiligtum: die Asulau, die Berhatu, die Tanenti und die Lihu. Der Felsen diente während des Unabhängigkeitskampfes gegen die Indonesier als Treffpunkt und Zufluchtsort von Kämpfern der FALINTIL unter dem Kommandanten Fulan Sia.

Einwohner In Fatubessi leben 5582 Einwohner (2022), davon sind 2867 Männer und 2715 Frauen. Im Suco gibt es 846 Haushalte. Fast 99 % der Einwohner geben Tetum Prasa als ihre Muttersprache an. Kleine Minderheiten sprechen Habun oder Mambai.Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Fatubessi (tetum; PDF; 8,5 MB)

Geschichte mini|Die SAPT-Handelsniederlassung in Fatubessi mini|Einweihung der Bronzebüste in Fatubessi (1940) mini|Fatubessi (2021)

Unterhalb der auf einem Hügel stehenden Kapelle Santuário de Nossa Senhora Peregrina im Ort Fatubessi steht ein Denkmal für den portugiesischen Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908), der in Fatubessi die Kaffeeplantagen der Sociedade Agrícola Pátria e Trabalho (SAPT) gründete. Zur Fazenda gehörten auch die Kapelle und die anderen wichtigen Gebäude des Ortes.Boletim Eclesiástico da Diocese de Macau, Nr. 430, Januar 1940, S. 418. Auch die Säule mit der Bronzebüste Silvas wurde im Januar 1940 von der Familie Silvas errichtet. Während der indonesischen Besatzung (1975–1999) wurde die Büste gestohlen und nach Westtimor verschleppt. Erst als die Bevölkerung sich beim indonesischen Gouverneur Mário Viegas Carrascalão beschwerte, wurde die Büste nach Fatubessi zurückgebracht.„Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

Julio Celestino de Montalvão e Silva, der Sohn des Gouverneurs, war ursprünglich bei der Marine und als Hafenkapitän seinem Vater nach Dili gefolgt. Bald führte er stattdessen die Kaffeeplantage der SAPT in Fatubessi und erhielt seine eigene Plantage in den höheren Lagen von Gugleur. Hier nahm er sich Lo Bete (Taufname Madalena), die Tochter eines Dato aus der Aldeia Vatumori als Mätresse und nahm sie mit zu seinem Heim in Fatubessi. Als Montalvão e Silva 1909 nach Portugal zurückging und Lo Bete mit den gemeinsamen Kindern zurückließ, kehrte sie nach Gugleur zurück und übernahm die dortige Plantage mit ihrem neuen Mann.

1976 erreichten die indonesischen Invasoren auch die Region. In Fatubessi befand sich von 1976 bis 1979 eine Widerstandsbasis (base de apoio) und war das Hauptquartier des Widerstandssektors Fronteira Norte. Dort kam es zum Konflikt zwischen den radikalen politischen Führern der FRETILIN und gemäßigten FALINTIL-Offizieren, die früher im portugiesischen Kolonialmilitär gedient hatten. Als Politoffizier Hélio Sanches Pina den Sergeant Major José da Silva und andere Unteroffiziere degradierte, weil sie nach seiner Meinung nicht revolutionär waren, eskalierte die Situation. Pinas Gegner gründeten die Gruppierung Maromak Fatubessi () und versuchten angeblich einen internen Putsch. Die Verschwörung flog auf, wurden die Verdächtigen verhaftet und Silva hingerichtet. Die Führung der FALINTIL in Fatubessi stand später unter Filomeno Paixão.

Eine Offensive gegen Fatubessi ab dem 1. Januar 1978 konnte von der FALINTIL gestoppt werden,„Part 5: The History of the Conflict“ (PDF; 564 kB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) doch die Situation wurde immer schwieriger. Während Paixão zur Aufgabe riet, bestand Pina auf ein Weiterführen des Kampfes. Als die Situation zu kritisch wurde und man drohte aufgrund von Krankheit und Hunger zu sterben, nahm Paixão mit den Streitkräften Indonesiens Kontakt auf. Am 7. Februar 1979 ergaben sich in Caisoru Paixão und ein Großteil der militärischen und zivilen Führer von Fronteira Norte dem indonesischen Bataillon 512. Am 16. Februar 1979 wurde die Widerstandsbasis in Fatubessi von den Indonesiern eingenommen. Sie war die letzte osttimoresische Widerstandsbasis. Pina kam auf der Flucht ums Leben.

In Fatubessi richteten die Indonesier ein Transit Camp ein, wo Zivilisten vor ihrer Ansiedlung an anderen Orten interniert wurden. Es herrschte akuter Nahrungsmittelmangel. Der Hungertod war alltäglich.

Während der Unruhen von 1999 operierten zwischen dem 27. Januar und September in der Region die pro-indonesischen Milizen Darah Merah, Aitarak und Pancasila zusammen mit dem indonesischen Militär gegen Befürworter der Unabhängigkeit Osttimors. Zwischen dem 10. und 14. Mai wurden Fatubessi und andere Sucos der Region überfallen. In Assulau ermordeten Milizionäre der Darah Merah Bernabel Araújo.„Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

Politik mini|Chefe de Suco Armando de Carvalho (2020)

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Olegario António da Silva zum Chefe de Suco gewählt und 2009 bestätigt. 2016 gewann Armando de Carvalho. Bei den Wahlen 2023 wurde Idelfonsão Soares Marcal gewählt.Gemeinde Ermera: POSTO ADMINISTRATIVO HATOLIA B, abgerufen am 27. Januar 2026.

Wirtschaft Fatubessi ist eines der Kaffeeanbauzentren Osttimors. Hier entdeckte man in Mata Nova in den 1940er-Jahren den Híbrido de Timor, einen natürlichen Hybriden von Arabica- und Robusta-Kaffee, der resistent gegen Kaffeerost ist.Vicente de Paulo Correia, Carlos da Conceição de Deus, Marcal Gusmão, Pedro Damião de Sousa Henriques, Pedro Nogueira: Original Coffee Plant ‘Híbrido de Timor’, Agriculture Faculty, Universidade Nasionál Timór Lorosa’e & Universität Évora, Dili 2013.

Im Suco gibt es heiße Quellen. (englisch; PDF-Datei; 374 kB).

Persönlichkeiten Gilman Exposto dos Santos (1956–2019), Politiker Domingos da Silva Soares (1952–2025), geboren in Letefoho, katholischer Priester. Wuchs in Fatubessi auf.

Weblinks

(tetum; PDF; 8,5 MB) (tetum; PDF) Seeds of Life: Suco information sheets Hatulia (tetum)

Einzelnachweise

Kategorie:Suco in Hatulia B