mini|Peel-Vorschlag mit schematischem Kartenverlauf. Jaffa (nicht eingezeichnet) liegt südlich von Tel Aviv im britischen Gebiet, Jaffa selbst sollte aber zum arabischen Staat kommen. Die britische Zone umfasst Ramla und Bethlehem.

Die Peel-Kommission, offiziell Palestine Royal Commission, war eine Kommission, welche die Briten während ihrer Mandatsherrschaft in Palästina einrichteten. Ihr 404-seitiger Bericht schlug am 7. Juli 1937 erstmals die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vor.

Der Peel-Teilungsplan in seinem historischen Zusammenhang

Die Kommission nimmt ihre Arbeit auf Nach Beginn der thawra, dem „Großen Arabischen Aufstand“, setzte die britische Mandatsregierung im August 1936 eine aus sechs Personen bestehende Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von William Peel ein. Am 12. Oktober 1936 endete in dessen ersten Phase auf Druck Ägyptens, des Irak, Transjordaniens und Saudi-Arabiens ein Generalstreik von 176 Tagen. Der Konflikt kostete Großbritannien bereits viel Geld, die geschätzten zusätzlichen Ausgaben für Militär und Polizei wurden auf 1,5 Millionen Pfund geschätzt, die entgangenen Einnahmen beliefen sich auf geschätzte 900.000 Pfund.

Mitglieder der vom Colonial Office abgeschirmt agierenden Kommission waren neben Peel sein Stellvertreter, der Diplomat Horace Rumbold, der Indien-Beamte Laurie Hammond, die Juristen William Morris Carter und Harold Morris und als einflussreichstes Mitglied Oxford-Professor Reginald Coupland. Sie verließ London am 5. November nach Marseille und nahm die SS Cathay nach Port Said. Am 11. November 1936 kamen sie mit der Bahn in Palästina an. Am Abreisetag hatte der prozionistische William Ormsby-Gore ein Kontingent von 1800 neuen Einwanderungszertifikaten bekannt gegeben. 113 Zeugenaussagen (davon 60 oder 62 öffentlich) von Briten, Juden und Arabern wurden angehört. Die meisten Anhörungen fanden im Jerusalemer Palace Hotel statt, wo die Kommission ihre offiziellen Büros bezog, während das nahe King David Hotel von ihnen als Residenz gewählt wurde. Das Palace gehörte dem Obersten Islamischen Rat, der im Anhörungssaal vorgängig Abhörgeräte installieren ließ.

Angehört wurden beispielsweise die Gewerkschafter Dov Hoz (Histadrut) oder im Januar 1937 George Mansour (Arab Workers Society). Mansour veröffentlichte darauf die englisch verfasste Schrift The Arab Worker under the Palestine Mandate. Als Vertreter der Interessen beider Seiten präsentierte sich Shmuel Tolkowsky, der Leiter der Jaffa Citrus Exchange und ein engagierter Jaffa-Lobbyist. Die Husseini-Fraktion, die die Kommission zunächst boykottierte, musste von den ausländischen Monarchen Abd al-Aziz ibn Saud aus dem Hause Saud und König Ghazi I. von Irak zur Teilnahme an den Anhörungen gedrängt werden. Am 5. Januar 1937 erklärte er sich zur Anhörung bereit. Der zunächst ebenfalls ablehnende Raghib an-Naschaschibi wurde vom transjordanischen Monarchen Abdallah ibn Husain I. zu einer Teilnahme bewogen. Und selbst Fausi al-Kawukdschi wollte die Kommission nicht boykottieren.

Die jüdische Seite sah die Schuld am Ausbruch der Gewalt, nach britischer Diktion zunächst zurückhaltend troubles oder disturbances genannt, hauptsächlich im angeblich unentschlossenen Handeln der Briten. Ihrer Meinung nach hatten es diese bis dato versäumt, ihre selbsterklärte Politik einer „jüdischen Heimstätte in Palästina“ zu verwirklichen. Chaim Weizmann, der fünf Mal vorsprechen durfte, wusste dies diplomatisch zu formulieren, wobei nur die erste Rede öffentlich war. Er erklärte, was die Juden in Europa zu verlieren hatten und gab abwertende Ansichten über Araber zu Protokoll. Auf dreimalige Nachfrage verneinte Weizmann wiederholt, dass seinerseits eine Absicht bestehe, in Palästina einen jüdischen Staat zu gründen.

Nach sechs Wochen des Zögerns brachte die arabische Seite ihre Klage vor, dass sie sich als einst vollwertige Bürger des Osmanischen Reiches und dann als Alliierte der Entente, im Widerspruch zu den Erklärungen der Hussein-McMahon-Korrespondenz und des Völkerbundes, nun in der Lage befänden, von den einstigen Verbündeten kolonial unterworfen und zudem durch die Jewish Agency enteignet zu werden. Husseini sprach Mitte Januar 1937 auch über seine Befürchtungen um die islamischen Stätten, für die Ansiedlung einer jüdischen Heimat im „arabischen Ozean“ fehle ein Präzedenzfall. Nachdem weitere palästinensische Araber unbeholfen gewirkt hatten, versuchte George Antonius mit der Zurückweisung jeglichen Antisemitismus die aufgeklärte arabische Kultur aufzuzeigen.

Coupland hatte sich am 23. Dezember 1936 zu privaten Gesprächen mit Chaim Weizmann getroffen und „Kantone“ und gemischte Gebiete vorgeschlagen, worauf Weizmann die Fassung verlor. Coupland ließ ihm am 8. Januar 1937 einen persönlichen Vorschlag über zwei unabhängige Staaten zukommen: Eine „jüdische Küstenebene“ und „arabische Berge“. Einige Wochen später kam er zu einem weiteren Treffen mit ihm in Nahalal. Nichtöffentliche Zwischenstandgespräche führten die Mitglieder der Kommission im ägyptischen Helwan. Zwei öffentliche Anhörungen und 8 weitere in camera folgten in London, dort sprach Wladimir Jabotinsky. Der Peel-Bericht stammte überwiegend aus der Feder von Coupland.

Die Vorschläge der Peel-Kommission Die Peel-Kommission war zunächst mit der Vorgabe angereist, Anpassungen an den Bestimmungen des Mandats vorzuschlagen, empfahl dann jedoch zur allgemeinen Überraschung einen Teilungsplan: „Ein nicht beizulegender Konflikt ist zwischen zwei nationalen Gemeinschaften innerhalb der engen Grenzen eines kleinen Landes entstanden“,William Peel et al.: The Peel Commission Report (July 1937). In: Jewish Virtual Library, S. 370 (dies ist ein Summary, das vollständige Dokument steht über diesen Link als full text zum Download bereit). berichtete die Kommission. Ihre Vorschläge wurden am 22. Juni 1937 von der Kommission unterzeichnet und als Cmd. 5479 im Juli 1937 im britischen Unterhaus diskutiert. David Lloyd George, Herbert Samuel und Winston Churchill lehnten den Vorschlag einer Teilung ab, da sie darin einen Verstoß gegen die Balfour-Deklaration sahen, während die Regierung den Plan unterstützte.

Als Zugeständnisse an die arabische Bevölkerung sollten Landverkäufe an die zionistischen Organisationen bis zur Ausführung der Teilung eingeschränkt werden. Die jüdische Einwanderung, die bereits zuvor von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit („economic absorptive capacity“) Palästinas abhängig gemacht worden war, sollte von ihrer politischen Verträglichkeit („political high level“) abhängig werden. Dies entsprach 12.000 Einwanderern pro Jahr.

Der Plan sah somit erstmals die Teilung Palästinas in einen jüdischen Teil und einen arabischen Teil vor. Ersterer sollte die Küstenebene, die Jesreʿel-Ebene und einen großen Teil Galiläas umfassen, während letzterer die übrigen Gebiete (Judäa, Samaria und den Negev) umfasste. Zudem war ein britisch kontrolliertes Corpus separatum von Jerusalem bis Jaffa vorgesehen, in dem sich der Großteil der religiösen Stätten befand. Die Briten behielten sich zudem das Recht vor, zunächst weiter die Kontrolle in den Häfen von Haifa, Jaffa, Akkon und im transjordanischen Akaba auszuüben. In ihrem Korridor lag auch der Flughafen Lydda (heute Lod) und die britische Militärbasis Sarafand im heutigen Ort Tzrifin, heute ein Teil der Gemeinden Rischon LeZion und Beʾer Jaʿaqov.

Opposition und Zustimmung

Bludan Zum Ärger der arabischen Seite sollten beide Parteien als gleichberechtigt behandelt werden. („The Arabs and the Jews of Palestine stand as opposed litigants with equal rights.“) Ebenso nahm die arabische Seite Anstoß an der Aussage, dass der Peel-Plan in erster Linie als Problemlösung für die Juden gedacht war. („The Jewish case as the basic issue to be considered and solved without reference to the Arab issues at stake.“) Auf der arabischen Seite, allen voran seitens des Arabischen Hohen Komitees, – mit Ausnahme von König Abdallah von Transjordanien und dem Oppositionspolitiker Raghib an-Naschaschibi, der es vorzog, das Land als Teil des haschimitischen Staats zu sehen, als es dem Alleinanspruch Amin al-Husseinis zu überlassen – wurde der Peel-Vorschlag abgelehnt. Die Husseinis selbst, so argumentierte der in Amman stationierte John Bagot Glubb, sahen sich als Jerusalemer auf unbestimmte Zeit unter britischer Herrschaft. Auch wenn sich die Bürgermeister von Naschaschibis Nationaler Verteidigungspartei in Jaffa, Ramleh und Nablus für die Teilung aussprachen und der Teilungsvorschlag laut John Bagot Glubb in Nablus sogar pro-transjordanische Freudenkundgebungen auslöste, waren viele Menschen nicht bereit, solche persönlichen Opfer zu leisten. So schlossen sich insbesondere die christlichen Araber Galiläas unter Führung des radikal ablehnenden griechisch-katholischen Erzbischofs Grigorios Hajjar der von islamischen Parolen begleiteten Politik Husseinis an. Dieser verschanzte sich bis zu seiner Flucht nach Beirut im Jerusalemer Haram al-Scharif.

Peel hatte vorgeschlagen, den ganzen arabischen Teil Transjordanien zuzuschlagen, wogegen sich eine am 8. September 1937 im syrischen Ort Bludan vom Komitee für die Verteidigung Palästinas, einer syrischen Nichtregierungsorganisation, abgehaltene Konferenz mit 400 bis 450 Teilnehmern einstimmig positionierte. Während dort politisch-religiöse Selbstvergewisserung überwog, trafen sich Tage später im Geheimen etwa 100 von Bludan enttäuschte Gewaltbereite unter Führung von Jakub Ghussein im Suq Sarudscha in Damaskus, wie dem britischen Konsul berichtet wurde. Eine anti-haschimitische arabische Allianz stellte sich damit gegen das zukünftige Jordanien. Mit Transjordanien gab es nach Ansicht mancher Zionisten bereits einen arabischen Staat in Palästina. Die rechtsgerichtete Jordanien-ist-Palästina-These wurde seither wiederholt in den politischen Diskurs eingebracht, so etwa in der Kontroverse um das Anglo-amerikanische Untersuchungskomitee von 1945/46.

Zürich Die jüdische Seite, die auf der Tagung der linken Organisation Poale Zion und am zeitgleich stattfindenden 20. Zionistenkongress in Zürich am 3.–21. August 1937 zunächst geteilter Meinung war, stimmte zögernd zu. Zumal der Bericht zum ersten Mal offiziell die Möglichkeit eines jüdischen Staats erwähnte und nicht lediglich von einer jüdischen Heimstätte sprach. Die Frage der Souveränität hatten zuvor nicht einmal die zionistischen Entscheidungsträger explizit anzusprechen gewagt. Der Historiker Ben Halpern spricht in The Idea of the Jewish State (1969) gar von einem frappierenden Desinteresse für die Frage der angestrebten Staatsform.