mini|hochkant=1.2|Wohnblöcke in grüner Umgebung sind typisch für die Siedlung am Perlacher Forst mini|hochkant=1.2|Beispiel für die großzügigen Grünflächen

Die Siedlung am Perlacher Forst, im Volksmund auch „Ami-Siedlung“ genannt, ist eine Großwohnsiedlung in München-Fasangarten. Sie entstand in den Jahren 1954 bis 1957 als amerikanische Siedlung auf einer weitgehend abgeholzten Waldfläche des Perlacher Forstes, um den Wohnraumbedarf der amerikanischen Besatzungssoldaten zu decken.

Die Siedlung am Perlacher Forst besteht großenteils aus Wohnblöcken, die weitgehend einheitlich gebaut wurden und von viel Grün umgeben sind. Die Siedlung ist für ihre großzügigen Grünflächen bekannt. Der besondere parkähnliche Charakter der Siedlung blieb bislang erhalten.

Nach dem Abzug der Amerikaner wurde das Areal im Jahr 1992 von der Bundesvermögensverwaltung übernommen. Danach wurden 13 von 67 Wohnblöcken sowie weitere Immobilien verkauft. Die übrigen Wohnblöcke sind bis heute im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die aus der Bundesvermögensverwaltung hervorging. Von diesen 54 Wohnblöcken wurden bislang 35 saniert, 19 blieben unsaniert.

Die Nachverdichtung fand bisher vor allem durch den Ausbau von Dachgeschossen statt. In Zukunft sollen mehrere große Neubauten mit grünem Innenhof errichtet werden, außerdem ist die Aufstockung bestehender Gebäude geplant.

Ein großer Teil der Siedlung, vor allem die ursprünglichen Gebäude, bilden seit 2026 das Baudenkmal-Ensemble Amerikanische Siedlung im Perlacher Forst (siehe Liste der Baudenkmäler im Fasangarten).Amerikanische Siedlung im Perlacher Forst auf geoportal.bayern.de.

Lage und Fläche

Die Siedlung am Perlacher Forst liegt im Münchner Stadtteil Fasangarten im Süden des Stadtbezirks 17 Obergiesing-Fasangarten am südlichen Stadtrand von München. Sie wird im Norden von der Lincolnstraße bzw. dem Friedhof am Perlacher Forst begrenzt, im Süden von der Fasangartenstraße. Das Gebiet endet im Westen an der Tegernseer Landstraße (direkt neben dieser verläuft die Bundesautobahn 995) und im Osten an der Bahnstrecke München Ost–Deisenhofen.Zu den vier Grenzen des Siedlungsgebiets vgl. Übersichtsplan (1980er Jahre) auf www.usarmygermany.com (englisch), unterer Teil: Wohnsiedlung am Perlacher Forst („Perlacher Forst Housing Area“). Die begrenzende Straße im Westen hieß damals Unterhachinger Straße (heute Tegernseer Landstraße). Hinweis: Die Skizze ist nicht maßstäblich. Unter anderem ist die Nord-Süd-Richtung im Vergleich zur Ost-West-Richtung verkürzt dargestellt und die Minnewitstraße ist zu weit rechts eingezeichnet.

Diese vier Verkehrswege schließen eine annähernd quadratische Fläche mit einer Seitenlänge von rund einem Kilometer ein. Die Fläche des Quadrats ist somit rund einen Quadratkilometer groß (= rund 100 Hektar). Sie ist allerdings nicht vollständig durch Straßen und Bebauung erschlossen. Insbesondere am östlichen und am westlichen Rand des Quadrats, aber teils auch in mittleren Bereichen sind Waldflächen erhalten geblieben, die im Luftbild gut zu erkennen sind. Die Fläche der eigentlichen Siedlung ist daher deutlich kleiner als 100 Hektar.

Geschichte Vorgeschichte Bereits im 18. und 19. Jahrhundert erstreckte sich südlich von München der Perlacher Forst mit zahlreichen Ausflugszielen, wie das Schloss Harlaching, der Gutshof Menterschwaige und das Forsthaus Fasangarten. Dieses verdankte seinen Namen der angrenzenden Fasanenzucht und war später namensgebend für das nahe Umfeld (Fasangarten).

Amerikanische Siedlung Ab 1951 wurden die US-amerikanischen Truppen in Westdeutschland im Zusammenhang mit dem Koreakrieg erheblich verstärkt. 1953 ließ die Bundesrepublik Deutschland eine rund einen Quadratkilometer große, bereits lichte Waldfläche weitgehend abholzen, um dort Wohnraum für die in der nahegelegenen McGraw-Kaserne stationierten Angehörigen der US-Armee und ihre Familien zu schaffen.Vgl. Übersichtsplan McGraw-Kaserne und Wohnsiedlung (1980er Jahre) auf www.usarmygermany.com (englisch). Die Zusammengehörigkeit von Kaserne und Wohnsiedlung („Perlacher Forst Housing Area“) wird auch durch die gemeinsame Legende deutlich. Der Abstand zwischen Kaserne und Siedlung ist stark verkürzt dargestellt, um eine kompakte Übersicht der beiden Objekte zu ermöglichen. Das Gebiet mit einem annähernd quadratischen Grundriss war historisch der nordöstlichste Teil des gemeindefreien Gebiets Perlacher Forst. Es wurde 1951 in die Stadt München eingegliedert.DE-1992-BUR-2011 Änderung der Gemeindegrenzen: Eingliederung der Flurstücke 114, 115 und 115 1/2 des gemeindefreien Forstbezirkes Perlach in die Stadt München, 1951 (Akt) stadtarchiv.muenchen.de

mini|Einer der 67 freistehenden Wohnblöcke. Ursprünglich waren nur die unteren drei Stockwerke bewohnt. Durch späteren Ausbau kamen Wohnungen im Dachgeschoss hinzu.

Das Konzept der Bebauung und der Freiräume wurde von dem Architekten Emil Freymuth in Zusammenarbeit mit den örtlichen amerikanischen Amtsstellen und dem Finanzbauamt München I entwickelt.Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Dokumente zum Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 1. Februar 2012 (PDF; 2,6 MB), S. 161. Der Gartenarchitekt Alwin Seifert wurde 1953 mit der Gestaltung der Außenanlagen beauftragt (unter anderem Bepflanzung der Grünflächen und Wegeführung).Seifert, Alwin bei mediaTUM (Projekt 1953, Tegernseer Landstraße). Von 1954 bis 1957 entstand eine typische amerikanische Siedlung mit großzügigen Grünflächen, breiten Straßen und einer Bebauung, wie sie in der gesamten Bundesrepublik an nahezu allen Standorten der US-Army errichtet wurde. Baugleiche Wohnblöcke findet man in der Wohnanlage München-Nord, die ebenfalls als Siedlung für das US-Militär entstand, allerdings auf kleinerer Fläche als die Siedlung am Perlacher Forst.

Insgesamt 67 einheitliche Wohnblöcke wurden als dreistöckige Gebäuderiegel mit jeweils 18 WohnungenMeilensteine auf der Projekt-Website der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, siehe Angaben zum Jahr 1955 (ganz unten). errichtet. Wie im Luftbild zu erkennen (siehe oben, rechtes Bild), sind die meisten dieser Wohnblöcke quer zur Straße ausgerichtet, einige stehen in spitzem Winkel annähernd längs zur Straße. Der Bereich mit Wohnblöcken nimmt etwa 80 Prozent der Fläche mit Gebäuden ein.Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Dokumente zum Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 1. Februar 2012 (PDF; 2,6 MB), S. 162.

Alle Wohnblöcke sind ca. 76 Meter lang. Sie bestehen funktionell aus drei zusammengebauten Einzelhäusern – in jedem Block gibt es drei Eingänge zu jeweils einem Treppenhaus. Jedes Treppenhaus erschließt den Zugang zu jeweils zwei Wohnungen auf jeder Etage. Bei einigen Wohnblöcken steht ein Gebäudedrittel um wenige Meter in Querrichtung versetzt, so dass sich eine Abweichung vom sonst rechteckigen Grundriss ergibt.Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Dokumente zum Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 12. Juni 2024 zur geplanten Nachverdichtung (PDF; 13,2 MB), S. 3.

mini|Zweifamilienhaus im Osten der Siedlung

Im Osten gibt es einen Bereich mit 55 Ein- und Zweifamilienhäusern. Deren Grundstücke sind für Münchener Verhältnisse groß: Die Grundfläche beträgt bei den Zweifamilienhäusern meist zwischen 700 und 850 m², bei den Einfamilienhäusern sogar 900 bis 1500 m²; im Schnitt sind nur 11 % der Grundstücksfläche bebaut.Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Dokumente zum Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 1. Februar 2012 (PDF; 2,6 MB), S. 136.

Zu der Siedlung gehörten, den Bedürfnissen der Amerikaner entsprechend, breite Straßen mit Parkplätzen, eine Tankstelle, Sportplätze für Football, Baseball und Basketball, Schulen (Elementary School und High School), Spielplätze, eine Kirche, ein Kino und sogar ein modernes Krankenhaus, ferner ein PX-Einkaufsladen, ein Heizwerk und ein Möbellager. Erhalten geblieben sind die Schulgebäude, das ehemalige Krankenhaus, die Kirche und das Kino. Im Osten, nahe der S-Bahn-Station, wurden der Einkaufsladen, das Heizwerk und das Möbellager abgerissen, um Platz für Neubauten zu schaffen.

Zum Schutz der Amerikaner vor Anschlägen war die Siedlung nach außen abgeriegelt. Nachts wurde das Gebiet von Patrouillen der Military Police überwacht. Die großen Vorgärten wurden bewusst nicht eingefriedet. Die Amerikaner brauchten keine Hecken oder Zäune, weil es für sie selbstverständlich war, fremde Grundstücke nicht zu betreten.Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Dokumente zum Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 1. Februar 2012 (PDF; 2,6 MB), S. 79 f.

Die amerikanischen Besatzungssoldaten hielten sich meist nur 18 Monate in München auf und blieben in der Siedlung unter sich. Eine Ausnahme war das „Little Oktoberfest“, das 1956 ins Leben gerufen wurde, um freundschaftliche Kontakte zur deutschen Bevölkerung herzustellen. Das beliebte Volksfest, kurz „Little O“ genannt, fand dann jährlich statt, auch noch nach dem Abzug der Amerikaner, letztmals im Jahr 2005.Landeshauptstadt München (Hrsg.): KulturGeschichtsPfad 17: Obergiesing-Fasangarten. 2. Auflage 2015 (PDF hier verfügbar), S. 74–77: US-amerikanische Siedlung am Perlacher Forst.Bericht zum letzten „Little Oktoberfest“ vom 25. Juni bis 4. Juli 2005, ganz-muenchen.de.

Übernahme und weitere Entwicklung Nach dem Abzug der Amerikaner übernahm die Bundesvermögensverwaltung im Jahr 1992 das gesamte Areal. Die Bundesvermögensverwaltung – beziehungsweise ab 2005 die neu gegründete Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – verkaufte die Immobilien teilweise an die Patrizia AG und an private Eigentümer.

Die Wohnanlage wurde ab 1993 wieder durch Bundesbedienstete bezogen, da sich die Lage aufgrund auslaufender Darlehenswohnungen auf dem Münchner Mietwohnungsmarkt auch für die Wohnungsfürsorgestellen des Bundes zusehends verschärfte. Die Kirche der US-Community wurde im Jahr 1993 an die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland verkauft.Nikolai Artemoff: Die russisch-orthodoxe Kathedralkirche in München sobor.de (Website der russisch-orthodoxen Kathedralkirche in München), 22. Oktober 2009. Das amerikanische Krankenhaus wurde vorübergehend das Bundeswehrkrankenhaus München. Die heutigen Nutzer sind das Bundespatentgericht und das Deutsche Patent- und Markenamt.

mini|Die aufgeständerten Balkone kamen im Zuge der Sanierung 1996–2003 hinzu

34 Wohnblöcke wurden im Zeitraum 1996 bis 2003 Zug um Zug grundsaniert und auf den technischen Stand der 1990er Jahre angehoben. Zugleich wurden unter den Satteldächern im Sinne der Nachverdichtung Dachgeschossgewohnungen eingebaut. Aus Blöcken mit 18 Wohnungen auf drei Etagen wurden so Blöcke mit 24 Wohnungen auf vier Etagen.Meilensteine auf der Projekt-Website der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, siehe Angaben zum Jahr 1996. Im Zuge der Sanierung erhielten die unteren drei Geschosse der Wohnblöcke aufgeständerte Balkone an einer Gebäudeseite. Danach wurde das Sanierungsprogramm vorerst abgebrochen.

Ab 2004 wurden 13 Wohnblöcke an die Patrizia AG verkauft sowie teilweise saniert und dann als Eigentumswohnungen an private Eigentümer verkauft. Nach dem Verkauf der 13 Gebäude befanden sich noch 54 Wohnblöcke im Besitz der BImA. Außerdem wurden Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser direkt an private Erwerber verkauft.

Auch das Grundstück der ehemaligen AAFES-Tankstelle an der Tegernseer Landstraße wurde an die Patrizia AG verkauft. Der Unternehmer Dietrich Sailer erwarb das Grundstück. Dort entsteht ein Neubau der Münchner Kindl Brauerei.

mini|Das aufgestockte „Haus 327“, Cincinnati­straße 59. Rechts die Laubengänge und das angebaute Treppenhaus mit Aufzug.