Die Alliierten führten im Pazifikkrieg zahlreiche Luftangriffe auf Japan durch, die viele Städte des Landes großflächig zerstörten und mindestens 241.000 Menschen töteten. In den ersten Jahren nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor beschränkten sich diese Luftangriffe auf den Doolittle Raid im April 1942 und kleinere Attacken gegen Militärstellungen auf den Kurilen ab Mitte 1943. Seit Juni 1944 setzte das strategische Bombardement der Inseln ein und dauerte bis zur Beendigung der Kampfhandlungen am 15. August 1945 an. Durch das Vordringen der Kriegsfront auf Japan wurden die Luftangriffe im Verlauf des Jahres 1945 zusätzlich durch see- und landgestützte taktische Lufteinheiten unterstützt.
Die Luftangriffe der Streitkräfte der Vereinigten Staaten begannen im großen Stil ab Mitte 1944 und steigerten sich in Umfang und Intensität insbesondere während der letzten Kriegsmonate. Trotz Planungen in der Vorkriegszeit konnten die US Army Air Forces die planmäßige strategische Bombardierung erst nach Erhalt des technisch überlegenen B-29-Bombers beginnen. Für diesen Typ wurde eigens eine eigenständige Luftflotte, die Twentieth Air Force geschaffen. Von Juni 1944 bis in den Januar 1945 hinein waren die B-29 Verbände in Britisch-Indien stationiert und flogen, mit Tankstopps im nicht japanisch besetzten Teil Chinas, von dort aus Japan an. Diese Langstreckenflüge stellten sich jedoch als ineffektiv heraus. Ab November 1944 wurde die strategische Bombardierung erheblich ausgeweitet, nachdem die Marianen erobert und die dortigen Flugfelder verfügbar geworden waren. Die Angriffe richteten sich ursprünglich hauptsächlich gegen Industrieanlagen und zielten ab März 1945 allgemein auf urbanes Gebiet. Trägergestützte und nach der Eroberung von Okinawa gestartete Bomber griffen 1945 zusätzlich Japan an, um die ab Oktober 1945 geplante Invasion der Hauptinseln vorzubereiten. Anfang August 1945 warfen amerikanische Bomber der Spezialeinheit 509. Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki ab.
Japans Militär und die Zivilverteidigung waren nicht in der Lage, die alliierten Luftangriffe zu stoppen. Die Zahl der auf den Hauptinseln stationierten Jagdflugzeuge und Flugabwehrkanonen stellte sich als zu gering heraus. Erschwerend kam hinzu, dass die meisten der eingesetzten Flugzeug- und Kanonentypen die Höhe nicht erreichten, in der die B-29 flogen. Weitere Gründe für die Ineffektivität der japanischen Jagdgeschwader lagen in Treibstoffmangel, schlechter Pilotenausbildung und mangelnder Koordination der einzelnen Verbände. Trotz der Gefährdung japanischer Städte durch Brandbombenabwürfe verfügten die japanischen Brandschutzeinheiten nur über mangelhafte Ausrüstung und eine schlechte Ausbildung. Ebenso standen für die Zivilbevölkerung nur wenige Luftschutzbunker zur Verfügung. Diese Schwächen ermöglichten es den Alliierten, viele japanische Städte großflächig zu zerstören und selbst nur geringe Verluste zu erleiden.
Die alliierten Luftangriffe waren einer der Hauptfaktoren, die Mitte August 1945 zur Kapitulation Japans führten. Seit Kriegsende gab es langfristige Debatten über die moralische Rechtfertigung der Angriffe auf japanische Städte. Besonders kontrovers wurde dabei der Einsatz der Atombomben gegen Hiroshima und Nagasaki diskutiert. Die meistzitierten Schätzungen zu den Opfern unter der japanischen Bevölkerung gehen von etwa 333.000 Toten und 473.000 Verwundeten aus, andere Schätzungen variieren zwischen etwa 241.000 und 900.000 Toten sowie 213.000 und 1,3 Millionen Verwundeten. Zusätzlich zu diesen Verlusten unter der Bevölkerung zerstörten die Luftangriffe viele urbane Gebiete intensiv und führten zu einem enormen Rückgang der industriellen Kapazitäten.
Hintergrund Pläne der Vereinigten Staaten Das United States Army Air Corps, das im Februar 1942 zu den United States Army Air Forces (USAAF) umgeformt wurdeFranklin Delano Roosevelt: 1942, abgerufen am 21. April 2012., begann im Verlauf des Jahres 1940 für den Fall eines Krieges zwischen beiden Ländern Pläne für einen Luftkrieg gegen Japan zu entwickeln. Im selben Jahr berichtete der Marineattaché der Botschaft der Vereinigten Staaten in Tokio, dass die Zivilverteidigung in Japan nur schwach ausgeprägt sei.
Ebenso wurden Pläne entwickelt, Freiwilligen der amerikanischen Luftstreitkräfte den Dienst auf Seiten der chinesischen Streitkräfte im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg zu ermöglichen.Barrett Tillman: Whirlwind: The Air War Against Japan 1942–1945. 2010, S. 31–32. Ende 1941 begann mit den Flying Tigers die erste American Volunteer Group (AVG) als Teil der chinesischen Luftstreitkräfte ihren Dienst in China, wobei amerikanische Jagdflugzeuge vom Typ Curtiss P-40 zum Einsatz kamen. Eine zweite AVG wurde ebenfalls Ende 1941 aufgestellt und mit Bombern vom Typ Lockheed Hudson und Douglas A-20 ausgerüstet, mit denen Japan von Basen auf dem chinesischen Festland aus anzugreifen geplant war. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und der folgenden Kriegserklärung der Vereinigten Staaten an das Japanische Kaiserreich waren solche verdeckten Luftoperationen nicht mehr nötig, weshalb die zweite AVG nicht aktiviert und deren Flugzeuge anderweitig eingesetzt wurden. Das bereits im November 1941 teilweise eingeschiffte Personal der 2. AVG befand sich bei Kriegsausbruch in Australien, wo es zunächst verblieb.Barrett Tillman: Whirlwind: The Air War Against Japan 1942–1945. 2010, S. 32.Charles F. Romanus und Riley Sunderland: Stillwell’s Mission to China. 1953, S. 24.
Die japanischen Erfolge und der damit verbundene Vormarsch in den ersten Kriegsmonaten machten die amerikanischen Vorkriegspläne zur Bombardierung der Hauptinseln zunichte. Planungen zur Bombardierung der Hauptinseln vom chinesischen Festland aus konnten ebenfalls nicht realisiert werden. Vor dem Krieg hatten die USAAF geplant, ihre Angriffe von Guam, den Philippinen und Wake aus zu fliegen. Alle diese Gebiete fielen schnell unter japanische Kontrolle und die meisten der auf den Philippinen stationierten schweren Bomber der USAAF fielen einem Luftangriff auf die Clark Air Base auf der Philippineninsel Luzon zum Opfer.Clayton K. S. Chun: The Doolittle Raid 1942: America’s first strike back at Japan. 2006, S. 7 und 30. Im März und April 1942 versuchten die USAAF, 13 schwere Bomber nach China zu verlegen, um die Hauptinseln zu bombardieren. Diese erreichten Britisch-Indien und wurden von dort nicht weiter verlegt, da die japanische Invasion Burmas die logistische Unterstützung der Bomber in China erschwerte und der chinesische Führer Chiang Kai-shek Angriffen auf Japan vom Gebiet unter seiner Kontrolle zu dieser Zeit ablehnend gegenüberstand. Im Mai 1942 wurden weitere 13 schwere Bomber vom Typ Consolidated B-24 in Richtung China in Marsch gesetzt, allerdings erhielten sie noch während der Verlegung die neue Aufgabe, die alliierten Operationen im Mittelmeerraum zu unterstützen.Barrett Tillman: Whirlwind: The Air War Against Japan 1942–1945. 2010, S. 32–33. Im Juli 1942 forderte der Kommandeur der AVG, Oberst Claire Lee Chennault, insgesamt 100 Kampfflugzeuge vom Typ Republic P-47 und 30 mittlere Bomber des Typs North American B-25 an, mit denen er der Meinung war, die japanische Flugzeugindustrie „zerstören“ zu können. Drei Monate später berichtete Chennault US-Präsident Franklin D. Roosevelt, dass eine Streitkraft aus 105 modernen Kampfflugzeugen und 40 Bombern, darunter 12 schweren Bombern, in der Lage wäre, den „Untergang Japans [in sechs bis zwölf Monaten] herbeizuführen“. Das Hauptquartier der USAAF stufte diese Behauptungen als nicht glaubhaft ein, weshalb Chennault die geforderten Verstärkungen nicht erhielt.
Japanische Verteidigungspläne der Vorkriegszeit mini|Bau eines Luftschutzbunkers in Japan, September 1940. Die Vorkriegspläne der japanischen Regierung zum Schutz des Landes vor Luftangriffen konzentrierten sich darauf, feindliche Luftbasen auszuschalten. In diesen Planungen stellten sowjetische Flugzeuge, die vom Osten des Landes aus operieren würden, den gefährlichsten Gegner dar. Daher plante das Militär im Falle eines Krieges beider Länder, alle sowjetischen Flugfelder in Reichweite der Hauptinseln zu zerstören.Foreign Histories Division of the Headquarters of the United States Army, Japan (Hrsg.): Japanese Monograph No. 157: Homeland Air Defense Operations Record. 1980, S. 1. Nach Beginn des Krieges gegen die Vereinigten Staaten hielt die japanische Regierung es für die beste Idee, die Gebiete in China und im Pazifik, von welchen Bomber die Hauptinseln erreichen konnten, zu erobern, um Luftangriffe zu verhindern. Diese Planungen gingen davon aus, dass die Alliierten nicht in der Lage wären, die Stützpunkte zurückzuerobern. Die Japaner erwarteten nur kleinere Angriffe von trägergestützten Flugzeugen gegen die Inseln. Die Regierung beschloss, keine starken Verteidigungsvorbereitungen gegen solche Angriffe zu treffen, da die dafür benötigten industriellen Kapazitäten nicht ausreichten, um gleichzeitig die offensiv ausgerichteten Luftstreitkräfte in China und im Pazifikraum und eine Verteidigungsstreitkraft auf den Hauptinseln zu unterstützen.Foreign Histories Division of the Headquarters of the United States Army, Japan (Hrsg.): Japanese Monograph No. 157: Homeland Air Defense Operations Record. 1980, S. 1–2.
Nur wenige Lufteinheiten oder Flakbatterien wurden in den ersten Monaten des Krieges auf den Hauptinseln stationiert. Im Juli 1941 bildete die Militärführung das Zentrale Verteidigungskommando, um die Verteidigung der Inseln zu koordinieren. Dieses musste das Kommando aller Kampfeinheiten allerdings an die vier formell unterstellten Militärdistrikte (Nord, Ost, West und Zentral) abgeben, welche ihrerseits direkt an das Heeresministerium berichteten. Hierdurch fiel dem Zentralen Verteidigungskommando lediglich die Koordinierung der Kommunikation zwischen dem Kaiserlichen Generalhauptquartier – Japans höchstem militärischen Führungsgremium – und den Militärdistrikten zu.Foreign Histories Division of the Headquarters of the United States Army, Japan (Hrsg.): Japanese Monograph No. 17: Homeland Operations Record. 1980, S. 2–4. Anfang 1942 verfügten die zum Schutz der Hauptinseln abgestellten Einheiten über 100 Kampfflugzeuge der Kaiserlich Japanischen Heeresluftstreitkräfte und 200 der Marineluftstreitkräfte, welche großteils veraltet waren. Darüber hinaus befanden sich 500 durch Heerespersonal und 200 durch Marinepersonal bemannte Flugabwehrkanonen im Einsatz.Clayton K. S. Chun: The Doolittle Raid 1942: America’s first strike back at Japan. 2006, S. 24–27. Die meisten Einheiten auf den Hauptinseln dienten der Ausbildung neuen Flugpersonals, wodurch sie sich nur in begrenztem Maße zur Abwehr feindlicher Luftangriffe eigneten.Foreign Histories Division of the Headquarters of the United States Army, Japan (Hrsg.): Japanese Monograph No. 157: Homeland Air Defense Operations Record. 1980, S. 7. Das Heer betrieb zusätzlich ein Netzwerk durch Soldaten und Zivilisten bemannter Beobachtungsposten, welche anfliegende Feindflugzeuge melden sollten, und baute erste Radar-Stationen. Befehlsgewalt und Kontrolle über die Luftverteidigung waren so zwischen den einzelnen Teilstreitkräften zerstreut und sowohl Heer als auch Marine bemühten sich nicht, ihre Aktionen zu koordinieren oder die Kommunikation zu verbessern. Daher waren die eingesetzten Kräfte meist nicht in der Lage, auf einen überraschenden Luftangriff zu reagieren.