mini|hochkant|Johannes Grenzfurthner im Museumsquartier in Wien, 2011 Johannes Grenzfurthner (* 13. Juni 1975 in Wien) ist ein österreichischer Künstler, Filmemacher, Autor, Kurator, Performer und Schauspieler sowie Lektor. Er ist Gründer und künstlerischer Leiter von monochrom, einer internationalen Kunst- und Theoriegruppe und Filmproduktionsfirma mit Sitz im Q21 des Wiener MuseumsQuartiers. Viele seiner künstlerischen Arbeiten sind unter dem Label monochrom entstanden.

Grenzfurthners Arbeit befasst sich häufig mit subversiven Underground-Kulturen, Hackerkultur, Sexualität und Technologie,Stories about orcs and rape: the man behind Arse Elektronika, in: Kill Screen Magazine, abgerufen am 7. Februar 2019.Zitiert nach Julia Carrie Wong: Joy Stick: The Tarnished Dreams of Teledildonics' Inventor, in: SF Weekly, abgerufen am 7. Februar 2019. Medien- und Technologietheorie sowie den politischen Implikationen technischer Systeme. Er gilt als Mitbegründer der technohedonistischen Bewegung und prägte den Begriff des „Context Hacking“. Er veröffentlichte außerdem Texte zu Kunst, Film und Technologie, darunter das Manifest Manifesto of Reality: Cinema After the Physical Trace.

In Darstellungen seiner Arbeit wird Grenzfurthner häufig im Zusammenhang mit Nerd-, Hacker- und Off-Kulturen beschrieben. Das Boing-Boing-Magazin bezeichnete ihn als Leitnerd,Zitiert nach Johannes Grenzfurthner: The Story of Traceroute, in: Boing Boing, 14. April 2016, abgerufen am 7. Februar 2019. eine Wortkombination aus Leitkultur und Nerd. 2600: The Hacker Quarterly beschrieb ihn als eine „Konstante“ in der Hackerwelt und ordnete seine Arbeit als Teil eines subversiven „Ökosystems“ der Kreativität ein. Der Kunstjournalist Matthias Dusini nannte ihn im Falter den „Off-Papst“.

Als Filmemacher wurde Grenzfurthner unter anderem von Christian Fuchs vom ORF der Austrian New Wave zugerechnet. Seine Filme bewegen sich an der Schnittstelle von Genrefilm, extreme cinema, essayistischem Dokumentarfilm und experimenteller Medienpraxis und befassen sich häufig mit Technologie, Ideologie, Subkultur, Verschwörungskultur und Erinnerung. Die Kritikerin Mary Beth McAndrews schrieb in ihrem Essay „Johannes Grenzfurthner and the Evolution of Found Footage“, seine Genrefilme erweiterten die formalen Möglichkeiten von Found Footage und zeitgenössischem Horrorkino.

Wirken Gruppe monochrom In den frühen 1990er Jahren war Grenzfurthner Mitglied von verschiedenen Diskussionsforen. Grenzfurthner nutzte seine Onlinekontakte, um monochrom ins Leben zu rufen, anfangs primär als ein Zine (also ein alternatives Magazin), das sich mit den Themen Kunst, Technologie und Gegenkultur beschäftigte.Siehe Uwe Husslein, Ralf Bornowski: Fandom Research (Reader und Index zu deutschsprachigen Fanzines), Ventil-Verlag, 1995, abgerufen am 3. April 2021. Seine Motivation war einerseits die Verbreitung konservativer Kräfte (siehe: Californian Ideology) in der Cyberkultur zu verhindern,CRE062 Monochrom, in: Chaos Radio, abgerufen am 7. Februar 2019. andererseits wollte er seine politischen Aktivitäten in der österreichischen Punk- und Antifa-Bewegung mit dem Diskurs über neue Technologien und Kulturtechnologien verbinden.Zitiert nach Marc Da Costa: , in: Furtherfield, 17. März 2012, abgerufen am 6. Januar 2019. Die monochrom-Publikationen enthielten Interviews mit und Beiträge von namhaften Persönlichkeiten, u. a. Bruce Sterling, HR Giger, Eric Drexler, Terry Pratchett, Kathy Acker, Blixa Bargeld und Bob BlackIn: monochrom Print. 6. Oktober 2007, abgerufen am 6. Januar 2019. in einem experimentell gehaltenen Layoutstil, der von Grenzfurthner entwickelt wurde., in: Neural, 5. Mai 2012, abgerufen am 7. Februar 2019.

1995 entschied sich Grenzfurthner mit monochrom neue künstlerische Felder zu erschließen, in: Neural, 5. Mai 2012, abgerufen am 7. Februar 2019.Zitiert nach Erin Kobayashi: , in: Toronto Star, 6. Februar 2007, abgerufen am 7. Februar 2019. und begann mit unterschiedlichen Medien und Ausdrucksformen zu experimentieren, z. B. Computerspiele, Puppentheater, Filme, künstlerische Interventionen,Zitiert nach Marie Lechner: 'Le festival The Influencers a rassemblé, ce week-end à Barcelone, une dissidence protéiforme.', abgerufen am 6. Januar 2019.Zitiert nach Johannes Grenzfurthner: The Thomann In(ter)vention von Hadas Emma Kedar, in: Youtube, abgerufen am 6. Januar 2019. Konferenzen, aber auch Aktivismus. Grenzfurthner bezeichnet diese aktivistische Praxis als Urban Hacking oder Context Hacking, einen Begriff, den er selbst geprägt hat., in: RE/Search, abgerufen am 7. Februar 2019.

Context Hacking überträgt Ansprüche und Herangehensweisen der Hacker auf jene sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sich künstlerische Produktion vollzieht und auf die sie wiederum angewiesen ist. In einem metaphorischen Sinne besitzen auch diese einen Quellcode. In ihnen laufen Programme ab, denen wir auf einer Benutzer_innenoberfläche gegenüberstehen. Wo wir wissen, wie und durch was ein Raum, eine Nische, eine Szene, eine Subkultur, eine mediale oder politische Praxis funktioniert, können wir sie verändern und »umcodieren«, ihre Machtverhältnisse dekonstruieren und uns von ihren Zwängen und Zurichtungsweisen emanzipieren.

Das Kollektiv ist bekannt dafür in verschiedenen Medien-, Kunst- und Unterhaltungsformaten zu arbeiten. Grenzfurthner beschreibt die Praxis wie folgt: "[Wir] suchen nach der Waffe für die bestmögliche Verbreitung eine Idee, einer sogenannten Massenverbreitungswaffe.""Finding Your Weapons of Mass Distribution: A Conversation with Context Hacker Johannes Grenzfurthner", in: Narrative Design, 19. September 2015

Konferenzen und Festivals mini|Grenzfurthner als Keynote-Speaker auf dem Paraflows-Symposium, 2012

Grenzfurthner ist Leiter und Kurator des Arse Elektronika-FestivalsZitiert nach David Silverberg: "Sex Meets Tech at Kinky Conference in San Francisco", in Digital Journal.Zitiert nach Violet Blue: sfgate.com, in: SFGate, 4. Oktober 2007. in San Francisco, einer jährlich stattfindenden akademischen und künstlerischen'Dirty Deeds Done Six Feet Deep', in: Rue Morgue, Januar 2011 Konferenzreihe, die sich mit Sexualität und Technologie beschäftigt. Die erste Arse Elektronika wurde 2007 von Johannes Grenzfurthner konzipiert und widmete sich der Frage nach den Auswirkungen von Sexualität auf technologische Innovation und deren Adaption.

Grenzfurthner veranstaltet außerdem die Roboexotica,Zitiert nach Jenna Wortham: wired.com, in: Wired, 12. Juni 2008. einem internationalen Festival für Cocktail-Robotik, das erstmals 1999 in Wien stattfand. Das Festival lädt Forscher, Künstler und Bastler ein, Maschinen zu bauen, die in der Lage sind, Cocktails zu mixen oder zu servieren. V. Vale sagt über die Roboexotica, dass sie ein „ironischer Versuch (ist) den Techno-Triumphalismus zu kritisieren und technologische Hypes zu sezieren.“Zitiert nach V. Vale: , in: SquidList

Grenzfurthner ist Leiter der Hedonistika, einem Festival für künstlerische Lebensmitteltechnologien, das erstmals 2014 in Montreal im Rahmen der Biennale internationale d'art numèrique veranstaltet wurde. Die darauffolgenden Festivals fanden in Cholon (nahe Tel Aviv; im Rahmen des Festivals Print Screen 2016)Hedonistika am Print Screen Festival 2016 und in Linz (im Rahmen der Ars Electronica 2022) statt.

mini|Grenzfurthner und Matt Winston sprechen über Stan Winston und Spezialeffekte ("Traceroute", 2016)

Theater, Performance-Kunst Grenzfurthner schreibt Theaterstücke und führt auch Regie.Zitiert nach Ronald Pohl: Das ist der Zuckerbäckerblues, in: Der Standard, 17. September 2004Zitiert nach Peter Mühlbauer: Kotze, Sperma und Inventur im Weltraum, in: Telepolis, 2011.Steppenrot: Der Sonnenkönig ist runtergefallen, in: Kurier; Dezember 2017Sex, Crime und ein Halleluja für Hansi, in: Die Presse, Januar 2019. Er produziert Performances (z. B. die Aktion Eignblunzn) und Interventionskunst."Protestors" call games industry a "temple of sin," demand repentance, in: Ars Technica, 2012.

Film Grenzfurthner ist Drehbuchautor, Regisseur und Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma monochrom Propulsion Systems.Produzent von "Traceroute", 2016 Er ist Mitglied beim österreichischen Regieverband,Profil Johannes Grenzfurthner, Österreichischer Regieverband beim Verband österreichischer DokumentarfilmerProfil Johannes Grenzfurthner, dok.at und ordentliches Mitglied der Akademie des österreichischen Films.

Sein TV-Regiedebüt war die postapokalyptische Science-Fiction-Komödie Die Gstettensaga: The Rise of Echsenfriedl,Rezension von Amy R. Handler in 'Film Threat'; 2014 die 2014 für ORF III produziert, aber auch im Kino und online veröffentlicht wurde. Danach folgte Traceroute, Grenzfurthners erste Langfilm-Dokumentation, im Jahre 2016, gefolgt vom essayistischen Polit-DokumentarfilmRezension von Brad Gibson in 'Film Threat'; 2016 Glossary of Broken Dreams (2018). Das Horror-Drama Masking Threshold wurde 2021 auf dem Fantastic Fest in Austin, Texas erstmals gezeigt und wurde von der Los Angeles Times als einer der besten 10 Horrorfilme der Saison 2022 genannt.

Grenzfurthner Horror-Spielfilm Razzennest hatte auf dem Fantastic Fest 2022 Premiere.

Seine Doku Hacking at Leaves wurde im Frühjahr 2024 veröffentlicht und ist seit 2025 online frei abrufbar auf Archive.org.Film Hacking at Leaves auf Archive.org (1:48 Std.)Marcus Hansson: Hacking at leaves: Dokumentarfilm mit Makerbezug online frei verfügbar. In: Heise.de, 6. November 2025. Die Horror-Groteske Solvent veröffentlichte er im Herbst 2024.

mini|Grenzfurthner und Pedobear auf der ROFLcon 2010

Autor, Herausgeber, Akademische Arbeit, Vorträge Grenzfurthner hält Vorträge an Kunstinstitutionen,CCA Montreal, 'Come and Forget, with Johannes Grenzfurthner'; April 2018Aksioma, Tactics&Practice, Ljubljana 2010 ist Gast bei SymposienUtopiaFest 2104, Tel Aviv: "Robots in Human Society"KUPF/Symposion über Crowdfunding, Linz; 2012 und bei politischen Veranstaltungen, lehrt an UniversitätenAkademische Biografie in "Kunst, Krise, Subversion", erwähnt seine Lehrposition an der FH Joanneum Graz und der Kunstuniversität LinzSexual Cultures Conference 2012, Brunel University, UK (Onscenity Research, School of Arts and the School of Social Sciences at Brunel University) und betreut Studenten."Keeper of Evil", 2014Mir, Georg. Michtim: Designing a Pen & Paper Storytelling Game. Graz: FH Joanneum, 2012. S. 1.

Er hat mehrere Bücher, Essays und Artikel über zeitgenössische Kunst, Kommunikationsprozesse und Philosophie verfasst, z. B. Comparative Approaches Towards Complexity, Do androids sleep with electric sheep?, Of Intercourse and Intracourse: Sexuality, Biomodification and the Techno-Social Sphere und Pr0nnovation?: Pornography and Technological Innovation.SF Site: "Do Androids Sleep With Electric Sheep? Critical Perspectives on Sexuality and Pornography in Science and Social Fiction. A review by Paul Graham Raven"

Darüber hinaus veröffentlichte Grenzfurthner 2009 das viel diskutierte Pamphlet Hacking the Spaces, das die exklusionistischen Tendenzen in der Hackerspace-Bewegung behandelte. Grenzfurthner erweiterte seine Kritik durch Vorträgen im Rahmen der Hackers-on-Planet-Earth-Konferenz in New York City in den Jahren 2012 und 2014.Zitiert nach Nicolas Niarchos A Print Magazine for Hackers, in: The New Yorker.

Von 2020 bis 2021 war er Chefredakteur des Print- und Online-Magazins The Free Lunch.Laut Biografie zum Artikels "Die Leiden der Politik, oder: Die Identitätskrise", Die Presse, 9. Oktober 2020, S. 30.

Seit April 2023 ist er Kolumnist beim Profil.

mini|Grenzfurthner spielt einen CDC-Agenten im Rahmen eines fingierten Virusausbruchs auf der Art Basel Miami Beach 2005

Unterhaltung, Schauspielerei, Moderation