mini|hochkant=1.3|Oberer Quellhof am südwestlichen Rand der Birken mini|Karte der Birken um 1850 Birken ist ein Stadtteil von Bayreuth. Im März 2021 betrug die Einwohnerzahl 3.282.
Name Der Name des Stadtteils lässt sich auf den damals noch unbebauten „Acker auf den Pircken“Stadtarchiv Bayreuth: Spitalrechnungen zurückführen, der 1485 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Er wird mit Artikel vorzugsweise im Singular verwendet, kommt aber auch im Plural vor. Man kann sich daher „in der Birken“Reparatur der Brücke beim Plassenburger Weiher „bei der Birken“, Dokument aus dem 18. Jahrhundert im Staatsarchiv Bamberg wie auch „in den Birken“, aber keinesfalls „in Birken“ befinden.
Lage mini|Blick über die Birkenstraße zum Bindlacher Berg mini|Hegelstraße mit ehemaligem Garnisonslazarett Der Stadtteil Birken grenzt im Norden am unterirdisch kanalisierten Sendelbach unter der Universitätsstraße und dem Wittelsbacherring an die historische Innenstadt. Im Osten und Südosten bildet die ehemalige Bahnstrecke nach Hollfeld und Thurnau (heute Fuß- und Radweg) die Grenze, im Süden hat sie sich durch den Bau des Wohnquartiers Quellhöfe in den 1960er Jahren teilweise zu den Kleingartenkolonien Exerzierplatz und Schwedenbrücke hin verschoben. Nach Westen begrenzt der Aubach mit dem Röhrensee den Stadtteil.
Er liegt am Hang und auf dem Plateau einer Anhöhe zwischen den Tälern von Sendel- und Aubach, die jene nahezu ringförmig umschließen. Der höchste Punkt liegt mit 361 Meter im Bereich der Friedenstraße im Quartier Quellhöfe, der tiefste mit 341 Meter am Zusammenfluss der genannten Fließgewässer.Topographische Karte Bayreuth bei topographic-map.com, abgerufen am 8. August 2015
Die beiden Hauptachsen des Stadtteils sind in Nordost-Südwest-Richtung die Birkenstraße (nördliche Zufahrt) und die im rechten Winkel dazu verlaufende Hegelstraße (westliche Zufahrt). Die frühere Verbindung über die Straße Quellhöfe ist für Kraftfahrzeuge gesperrt. Die Zufahrt vom Universitätsgelände über die Wichernstraße ist Radfahrern und Linienbussen vorbehalten.
Die 1962 von der Birken- zu Prieserstraße angelegte Sendelbachstraße bildete die Keimzelle einer weiteren Achse. 1976 wurde sie bis Moritzhöfen verlängert, ihre neue Kreuzung mit der Birkenstraße ging Anfang August 1976 in Betrieb.Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 3. August 2026, S. 10. Die Verlängerung erhielt indes bei der Eröffnung im Oktober jenes Jahres bereits den Namen Wittelsbacherring, obwohl die Verbindung zu jenem noch nicht fertiggestellt war. Der Ostabschnitt der Sendelbachstraße ging in der Universitätsstraße auf.
Geschichte und Beschreibung Bis 1933 mini|Schloss Birken mini|Ehemaliger Rodelberg am Flurstück Judenwiese Nach dem Oberen Quellhof (von ca. 1495)Kurt Herterich: Südliches Bayreuth, S. 84. ist das Schloss Birken das zweitälteste Bauwerk des Stadtteils. Ein erstes Gebäude an dieser Stelle lässt sich für die Zeit um das Jahr 1507 nachweisen. 1684 schenkte Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth den Bauernhof seinem Hofmarschall Hans Wilhelm von Erffa. Der ließ zwischen 1686 und 1692 das vorhandene Haus abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Dieses, auch als Herrenhaus bezeichnete Gebäude, existiert noch, der daneben gelegene Gutshof Birken ist jedoch verschwunden. Im Mai 1952 entschied man, ihn aufzulassen, und im April 1954 wurde mit dem Abriss begonnen. Nach einer Zwischennutzung des Geländes als Gärtnerei wurde dort 1978 die halbkreisförmige Wohnanlage Schlosshof Birken errichtet.
Am östlichen Rand des Ortsteils ist bereits vor 1800 das Frankengut nachweisbar. Der Name des Bauernhofs (späterer „Großer Lautner“) ist auf die erste Besitzerin, Susanna Margarete Franckin, Witwe eines „Hofraths“, zurückzuführen. 1846 wurde dort ein zweiter Hof (Unteres Frankengut bzw. „Kleiner Lautner“) und 1906 ein dritter (Spitzbarthhof) errichtet. Ab 1980 musste das Ensemble im Zuge des Baus der Universität dem Emil-Warburg-Weg und den anliegenden Studentenwohnheimen weichen.Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 97 ff.
Bis 1896 erfolgte keine weitere Bebauung. Damals wurde an der Lazarettstraße, der heutigen Hegelstraße, das Garnisonslazarett errichtet, in dessen Gebäuden sich das Zentrum Bayern Familie und Soziales, das ehemalige Versorgungsamt, befindet. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden dort – und an der Birkenstraße beiderseits des Sendelbachs – auch einige wenige Einzelgebäude.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein existierten mehrere Fischteiche, deren bedeutendste vom Sendelbach gespeist wurden. Der Lange Weiher lag im Bereich des heutigen Kreuzsteinbads und wurde 1883 Teil der militärischen Schwimmschule. Bachabwärts befand sich, östlich der Birkenstraße, der auch Plassenweiher genannte Plassenburger Weiher, der spätestens in den 1950er Jahren aufgelassen wurde.Flyer zur Ausstellung Finsterer Weiher und Grünes Meer der Historischen Museums Bayreuth
Der steile Abschnitt der Birkenstraße südlich der Hegelstraße, am Flurstück Judenwiese gelegen, diente Kindern früher zum Schlittenfahren. Vermutlich übertrugen die später an den Grünen Hügel abgewanderten Rodler diesen Namen auf den dort heute als „Judenwiese“ bezeichneten Hang.Bernd Mayer: Warum heißt die Judenwiese Judenwiese? in: Heimatkurier 2/1998 des Nordbayerischen Kuriers, S. 2.
SA-Siedlung mini|1936 erbaute Reihenhäuser in der Birkenstraße mini|Von-Helmholtz-Straße mit Doppelhäusern mini|Einzeln stehende Häuser in der Hegelstraße Im Jahr 1936 wurde mit der „SA-Siedlung Birken“ die planmäßige Bebauung des Gebiets in Angriff genommen. Zunächst nördlich der Hegelstraße (damals „Straße der SA“), zwischen Birkenstraße und Schellingstraße, ab 1938 auch südwestlich davon, entstanden zwei diagonal gegenüberliegende Wohnviertel mit Doppel- und Reihenhäusern. An der Hegelstraße wurden sie durch einige deutlich größere, einzeln stehende Häuser ergänzt. Nutznießer der Eigenheimsiedlung, die bereits im Januar 1934 von der „SA-Standarte 77 Oberfranken“ aufgrund des Siebert-Programms, eines außerordentlichen bayerischen Wohnungsprogramms, beantragt worden war, sollten „verdiente“ SA-Männer sein.http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44784 Den Baugrund musste die Stein’sche Stiftung zur Verfügung stellen. Eigentümer der Gebäude mit Wohnflächen von 120 bis 140 Quadratmeter wurden Angestellte und Beamte aus der Mittelschicht.Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 323.
Der Architekt Hans Reissinger entwarf den Bebauungsplan, der im August 1935 genehmigt wurde. Ab 1936 entstanden, in einem ersten Bauabschnitt, die Häuser im Bereich Birkenstraße (Westseite), Hegelstraße (Nordseite) und Helmholtzstraße. Südlich der Hegelstraße, bis über die Jakob-Grimm-Straße hinaus, wurde im folgenden Jahr gebaut, mit dem Bau der Häuser an den Südabschnitten der Kantstraße (Nr. 31 bis 65) und der Heinrich-von-Kleist-Straße (Nr. 11 bis 42) wurde 1938 begonnen. Die südlich der Hegelstraße errichteten Doppelhaushälften und Reihenhäuser sind zweigeschossige Gebäude mit Satteldach und beidseitigen Gauben auf einer Grundfläche von ca. 75 Quadratmetern, lediglich vier Doppelhaushälften weisen eine Grundfläche von etwa 100 Quadratmetern auf. Die freistehenden Häuser Birkenstraße 66 und 76 sowie Heinrich-von-Kleist-Straße 37 haben Grundflächen von je 140 Quadratmetern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden an die Doppelhäuser häufig Garagen angebaut.Die SA-Vergangenheit stört nur wenige in: Heimatkurier 4/2008 des Nordbayerischen Kuriers, S. 12 f.
Nach Plänen Reissingers sollte ein großer Teil der Bebauung im Bereich zwischen dem Hofgarten, der Birkenstraße, der Hegelstraße und der Ludwig-Thoma-Straße bis zum Dammwäldchen abgebrochen werden und dort, analog zu den Plänen in Berlin („Germania“) und Linz, das bombastische „Gauforum Bayreuth“ entstehen.Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 106 ff. Aus diesem Grund wurde ein Schreinereibetrieb von der Jean-Paul-Straße an den Anfang der Straße zum Exerzierplatz verlagert. In Hanglage gelegen mussten die Gebäude niedrig gehalten werden, um dem „Führer“ den Blick zum Sophienberg nicht zu verstellen. Die Schreinerei, die im Erbbaurecht auf dem Gelände der Stein’schen Stiftung entstand, stellte die erste Bebauung am späteren Eichendorffring dar. An der Stelle befindet sich mit dem Alexander-von-Humboldt-Hausuni-bayreuth.de: heute das Gästehaus der Universität.
Auf dem Gelände der Stein’schen Stiftung zwischen dem Schloss Birken und der Hegelstraße entstanden um 1944 auf sechs Parzellen Behelfsheime. Die kleinen Häuschen in massiver Bauweise wurden erst nach Kriegsende endgültig fertiggestellt und 1980 wieder abgebrochen.Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 89 ff.
Nach 1945 mini|Oberer Eichendorffring mit Gästehaus der Universität 1953 entstand südlich der Bahnstrecke, auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes, das ausgelagerte Birkengut der Stein’schen Stiftung. Es wies den ersten Tieflaufstall Bayerns für Schweine, Rinder und Jungvieh auf.Vor 25 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 5. November 2019, S. 10. Das Wirtschaftsgebäude und die Stallungen brannten 1955 ab und wurden im selben Jahr wieder aufgebaut. Nach der Errichtung der Universität auf dem Gelände wurde das Wohnhaus zunächst noch vom Geologischen Institut genutzt, 1994 nach einem weiteren Brand aber endgültig beseitigt.Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 82.
Von 1949 bis Ende der 1960er Jahre zweigte in Höhe des Frankenguts in einem engen Bogen das Anschlussgleis zum städtischen Gaswerk am Anfang der Birkenstraße ab. Zwischen 1951Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 102. und 1969 stand an dieser Stelle am Frankengut der Gittermast des Senders Bayreuth. Im Jahr 1853 hatte die Produktion von Gas aus Steinkohle für den Betrieb von Straßenlaternen begonnen, 1890 wurde das Gaswerk von der Stadt übernommen.Vor 25 Jahren. Rückstände aus dem ehemaligen Gaswerk in: Nordbayerischer Kurier vom 11./12. Oktober 2025, S. 10. Nach dem Anschluss an die Ferngasversorgung wurde es Anfang März 1965 stillgelegt und im Oktober jenes Jahres abgebaut.Ende der Bayreuther Gaserzeugung in: Nordbayerischer Kurier vom 2. März 2015, S. 10.Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 111 u. 118. Der kleinere der beiden markanten Gasbehälter wurde im Jahr 1977, der größere 1989 demontiert.
Die Nachkriegsbebauung des Wohnquartiers erfolgte in mehreren Phasen, zentrale Versorgungseinrichtungen waren zunächst nicht vorgesehen. Die Baupläne waren bis in die 1960er Jahre weitgehend einheitlich, es entstanden Mehrfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Einzelgebäude. Von da an wurden überwiegend Reihenhäuser gebaut, am nördlichen Eichendorffring auch größere Wohnblöcke.
Mit der Errichtung der südlich angrenzenden Universität ab 1974 wurden die verbliebenen landwirtschaftlichen Flächen des Frankenguts bebaut. Dort befindet sich auch die Fußgängerzone Emil-Warburg-Weg mit Studentenwohnheimen und einer kleinen katholischen Kirche. Das Studentendorf Birken mit zunächst 352 Studentenwohnungen wurde zum Wintersemester 1993/94 fertiggestellt.Vor 25 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 11. September 2018, S. 10. Gegenüber existiert als Nachfolger der historischen „Schwimmschule“ seit 1964 das Freibad Kreuzsteinbad mit einem Wellenbecken, einem 10-Meter-Sprungturm und einer hohen Wasserrutsche. Im Jahr 1975 wurde südöstlich des Kreuzsteinbads eine Jugendherberge eröffnet.Vor 50 Jahren. Neue Jugendherberge am Kreuzsteinbad offiziell eingeweiht in: Nordbayerischer Kurier vom 25./26. Oktober 2025, S. 10.
Nach einem Beschluss des Bayreuther Verkehrsausschusses vom 13. April 1992 wurde der gesamte Stadtteil Birken zur Tempo-30-Zone.
Quellhöfe mini|hochkant|Ehemaliges Siechenhaus in den Quellhöfen