Der Japankäfer (Popillia japonica) ist ein ursprünglich aus Asien stammender Vertreter der Familie der Scarabaeidae (Blatthornkäfer). Er ernährt sich von mehr als 300 Wirtspflanzen, darunter beispielsweise Obstgehölze, Gemüse, Ackerkulturen und holzige sowie krautige Zierpflanzen.
Die Art gilt als invasiv (→ Verbreitung und Verschleppung); die EU führt den Japankäfer (2019 mit 19 weiteren Organismen) als „prioritären Quarantäneschädling“; er ist meldepflichtig.
Merkmale Eier Die weißlichen Eier werden in den obersten 10 cm des Bodens abgelegt. Frisch gelegt haben sie einen Durchmesser von 1,5 mm. Das Ei vergrößert sich bis zum Schlüpfen der Larve.
Larve Die Larven werden auch als Engerlinge bezeichnet. Ihr Körper ist weißlich gefärbt, der Kopf gelblich-braun mit kräftig ausgebildeten Mundwerkzeugen (Mandibeln). Die drei Brustsegmente des Körpers besitzen jeweils ein Beinpaar (insgesamt 6 Beine). Die 10 Hinterleibssegmente besitzen keine Beine. Die flexible Cuticula (äußerste Zellschicht) der Larve ist mit vereinzelten bräunlichen Haaren bedeckt. Die Anordnung der Haare und die Form der Analöffnung sind entscheidend für die Unterscheidung der Engerlinge der verschiedenen Käfer-Arten.(siehe LTZ-Merkblatt, S. 5) Der Japankäfer-Engerling besitzt ventral (bauchseits) auf dem letzten Hinterleibssegment eine V-förmig angeordnete Härchenreihe. Die Larven, die insgesamt 3 Entwicklungsstadien durchlaufen, verpuppen sich, sobald sie reif sind, anschließend schlüpft der adulte Käfer.
Puppe Die Puppe ähnelt dem erwachsenen Käfer. Sie ist zunächst farblos bzw. cremefarben. Mit fortschreitender Entwicklung nimmt sie die Farbe des späteren Käfers an.
Adulte Die erwachsenen Käfer sind ca. 1 cm lang und 0,5 cm breit. Die Weibchen sind meist größer als die Männchen. Damit ist der Japankäfer nur wenige Millimeter größer als ein Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) und deutlich kleiner als ein Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Der Körper ist dunkel gefärbt und teilweise auffallend grün-metallisch schimmernd. Diese schimmernde Färbung setzt sich im Vergleich zum Gemeinen Rosenkäfer (Cetonia aurata) allerdings nicht auf den Flügeldecken (Elytren) fort. Die Elytren des Japankäfers, die den Hinterleib (Abdomen) nicht komplett überdecken, weisen eine kupferbraune Färbung auf. Leicht zu erkennen sind die hellen Haarbüschel am Abdomen. Seitlich auf der rechten und linken Körperhälfte befinden sich jeweils fünf und auf dem letzten Hinterleibssegment zwei Haarbüschel. Die Geschlechter können u. a. durch die Form der Schienbeinsporne („tibial spurs“) unterschieden werden: Die Weibchen besitzen spatelförmige und die Männchen hakenförmige Sporne.
Verwechslungsmöglichkeiten Optisch ähnelt der Japankäfer besonders dem Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola) und dem Kleinen Julikäfer (Anomala dubia). Beide Arten haben aber keine hellen Haarbüschel am Abdomen. Eine weitere Unterscheidung ist durch das spezielle Alarmverhalten des Japankäfers möglich: Bei Bedrohung spreizt er ein Beinpaar im rechten Winkel von seinem Körper weg. Laien könnten den Japankäfer außerdem mit Rosenkäfern (Cetoniinae), dem Junikäfer (Amphimallon solstitiale) oder dem Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) verwechseln.
Lebenszyklus Der Japankäfer bildet in der Regel eine Generation pro Jahr (univoltin). Die Larven überwintern ca. 15 bis 20 cm tief im Boden. Bei Erwärmung des Bodens im Frühjahr auf über 10 °C steigen sie auf ca. 2,5 bis 5 cm Bodentiefe auf und fressen an den Wurzeln von Gräsern. Nach 4 bis 6 Wochen verpuppen sie sich. Der adulte Käfer schlüpft abhängig vom Breitengrad zwischen Mai und Juli. Kurz darauf beginnt die Paarung. Die Weibchen produzieren hierfür den Sexuallockstoff (Pheromon) „Japonilure“. Es kann zu Ansammlungen von einer Vielzahl an Männchen um ein einziges jungfräuliches Weibchen kommen. Die Weibchen können in ihrer Lebenszeit von ca. 30 bis 45 Tagen zwischen 40 und 60 Eier legen. Diese legen sie bevorzugt in mit Weidegräsern bewachsene feuchte, lehmige Böden ab. Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die jungen Larven aus den Eiern und ernähren sich von feinen Wurzeln und organischem Material in den obersten 5 cm des Bodens. Bis zum Spätherbst haben die Larven das dritte Entwicklungsstadium erreicht. Sinkende Bodentemperaturen veranlassen die Larven dann, tiefer in den Boden zu wandern, um dort zu überwintern.
Verbreitung und Verschleppung Ursprünglich stammt die Art aus Japan und ist auch im äußersten Ost-Russland heimisch. In ihrer Heimatregion ist sie weit verbreitet und weitestgehend unauffällig.
Verbreitungsgeschwindigkeit Neben der nahezu weltweiten Verschleppung des Käfers durch Transporte von Pflanzen und Pflanzenprodukten können sich die Käfer bei günstigen Verhältnissen auch selbstständig verbreiten. Die natürliche Verbreitung der flugfähigen adulten Käfer liegt zwischen 3 und 24 km pro Jahr. Sie legen in der Regel kurze Strecken von 500 bis 700 m pro Tag zurück. Allerdings sind auch anhaltende, längere Flüge von bis zu 8 km beispielsweise über Wasser bekannt. Bei einer Windgeschwindigkeit von weniger als 20 km/h, einer relativen Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 % und einer Temperatur zwischen 29 und 35 °C wird das Maximum an Flugaktivität erreicht.
Nordamerika Bereits 1916 wurde der Käfer erstmals in den USA nachgewiesen – vermutlich wurde er unbeabsichtigt gemeinsam mit Pflanzenmaterial aus Japan eingeschleppt; seine Verbreitung in den USA wird vom Center für Environmental and Research Information Systems (CERIS) festgehalten.
Europa Alle europäischen Funde sind vermutlich auf anthropogene Verschleppung zurückzuführen. Der globale Handel und Tourismus ermöglicht die Mitreise als „blinder Passagier“ über mehr oder weniger große Entfernungen, teilweise sogar über Kontinente hinweg.
Bereits in den 1970er Jahren wurde der Käfer auf der portugiesischen Inselgruppe der Azoren nachgewiesen; 2014 wurde er erstmals in der Lombardei (Italien) entlang des Flusses Ticino und 2017 durch Fallenfänge erstmals an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz nachgewiesen.
Schweiz Der erste Befallsherd im Südtessin wurde 2020 festgestellt, in der Folge kam es zu einer jährlichen Verzehnfachung der in Fallen aufgefundenen Individuen. Nachdem man im Tessin die Zahl der Fallen von 28 (2021) auf 265 (2022) erhöht und auch landesweit das Monitoring erweitert hatte, kam es außerhalb des Südtessins zunächst nur zu Einzelfunden.
Obwohl sich der Japankäfer bisher nur im Westen der Lombardei, im Osten des Piemont und in einem zentralen Gebiet des Aostatals etablieren konnte, nimmt man in der Schweiz an, dass eine Tilgung im Südtessin bereits nicht mehr möglich ist, daher ist man dort bereits 2021 zu einer Eindämmungsstrategie übergegangen. Als Teil dieser Strategie hat das schweizerische Bundesamt für Landwirtschaft daher 2022 in seiner Allgemeinverfügung zum Schutz gegen die Ausbreitung von Popillia japonica Newman im Kanton Tessin einige Gemeinden als „Befalls-“ und weitere Gemeinden als „Pufferzone“ deklariert, in denen jeweils besondere Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen.
Das am 13. Juli 2021 nachgewiesene lebende Männchen aus einer Pheromon-Falle in der Nähe des Güterbahnhofs Basel sorgte aufgrund der Nähe zu Baden-Württemberg für deutliche Aufregung in der deutschen Presselandschaft.
2022 wurde in einer Falle im Schweizer Kanton Solothurn ebenfalls ein einzelner Käfer entdeckt. Trotz intensivierter Suche wurden anschließend keine weiteren Tiere gefunden. Im Juli 2023 wurde in Kloten (Kanton Zürich) in einer Lockstofffalle der erste Freilandbefall auf der Alpennordseite entdeckt. Die Untersuchung von Wirtspflanzen auf Fraßspuren und Käfer in einem Umkreis von drei Kilometern ergab, dass dort eine kleine Population besteht. Das Amt für Landwirtschaft und Natur (ALN) des Kantons Zürich hat, ausgehend vom Fundort, eine Zone mit einem Radius von zwei Kilometern als Befallsherd deklariert sowie eine Zone mit einer Breite von fünf Kilometern, in der sich 24 Gemeinden befinden, als Pufferzone ausgewiesen und für beide Zonen Maßnahmen zur Tilgung verfügt. Es wurden Fallen aufgestellt und – entgegen der bisherigen Schweizer Strategie – ein Insektizid ausgebracht. In den Gebieten mit den meisten Käfersichtungen wurden bis Ende Juli 2023 auf öffentlichen Grünflächen und in privaten Gärten Wirtspflanzen des Käfers wie Rosen, Obstbäume und Beerensträucher einmalig mit einem Insektizid behandelt und ein Bewässerungsverbot für Rasen- und Grünflächen erteilt. Zusätzlich wurde verfügt, dass Grüngut, Kompost, Pflanzen mit Wurzeln in Erde oder organischem Substrat und Bodenmaterial nicht mehr aus der Befallszone verbracht werden dürften.
Im Juli 2023 wurden auch im Oberwallis Japankäfer entdeckt: Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL führt aus, dass man davon ausgehe, „dass sich der Japankäfer in der gesamten Schweiz ansiedeln könnte – zumindest in den Tallagen bis 900 m ü. M.“ Seit dem Fallenfang in Basel im Jahr 2021 stehen die Behörden der Schweiz, Frankreichs und Deutschlands in regelmäßigem Kontakt, um das grenznahe Geschehen zu überwachen. Schweizer Forscher sind außerdem an Bekämpfungsmaßnahmen und Forschungsprojekten in der Lombardei und im Piemont beteiligt.
Nach dem Fund von mehreren Käfern Ende Juni 2024 leitete der Kanton Baselland die bekannten Maßnahmen zur Bekämpfung ein; Basel-Stadt bereitete ebenfalls eine Verfügung vor – betroffen ist auch ein Trainingsfeld des FC Basel, das nach der Abdeckung mit einer Folie zur Verhinderung des Ausflugs der Käfer bis auf Weiteres nicht bespielbar ist: Insgesamt wurden in der Nähe der Merian-Gärten und im Bereich der Sportplätze in Münchenstein 38 Japankäfer gefunden – fast alle befanden sich in aufgestellten Lockfallen. Nach neuen Funden auf Schweizer Seite Mitte Juli weitete die Basler Stadtgärtnerei die Befallsherd-Zone mit strengen Vorgaben auf gut ein Drittel des Kantonsgebiets aus: Grossbasel-Ost sowie Teile Kleinbasels sowie der Gemeinden Riehen und Birsfelden; im benachbarten deutschen Landkreis Lörrach wurde die bereits bestehende Pufferzone ausgeweitet.
Neue Befallsherde gab es im Sommer 2025 in den Kantonen Genf, Waadt, Solothurn und Luzern. Zudem wurden Kanton Bern im August 2025 in Spiez und in der Stadt Bern einzelne Käfer entdeckt, wobei sich in Spiez bereits eine kleine Population etabliert hat.
Bei allen Fundorten auf der Alpennordseite ist das Ziel des Bundes nach wie vor, den Japankäfer zu tilgen.
Deutschland Der erste Nachweis eines lokalen Vorkommens des Japankäfers in der Nähe von Paderborn stammt von 2014; 2018 wurde die Art auch im bayrischen Oberstdorf nachgewiesen. Im November 2021 wurde in einer Freiburger Pheromonfalle ein lebender Käfer gefunden.
2023 gab es erneut zwei Funde männlicher Japankäfer in jeweils einer Falle in Weil am Rhein und in Freiburg. Da es sich wieder um Einzelfunde männlicher Käfer handelte, ging man auch hier davon aus, dass es erneut „blinde Passagiere“ aus den oben beschriebenen Transportmitteln aus Befallsgebieten waren. Mit dem Auftreten der ersten kleinen Population des Japankäfers nördlich der Alpen in Kloten bei Zürich ergibt sich dann für Baden-Württemberg eine Gefährdungslage, wenn die Bekämpfungsmaßnahmen des dortigen Kantons keinen Erfolg zeitigen sollten.
Nach dem Fund mehrerer Käfer in Lockfallen Ende Juni 2024 in Basel bringt auch Baden-Württemberg im Grenzbereich zum südlichen Nachbarn zusätzliche Lockfallen aus; außerdem wird hier das Monitoring intensiviert und Grüngut darf aus dem Bereich der in Basel-Land nun ausgewiesenen, bis in das Gebiet der deutschen Grenzgemeinden Grenzach-Wyhlen und Weil am Rhein herausreichenden Pufferzone nur noch herausgebracht werden, wenn sichergestellt ist, dass damit keine Käfer transportiert werden. Sichtungen sollen per E-Mail an das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe-Durlach gemeldet werden.ltz.landwirtschaft-bw.de: Pressemitteilung 04.07.2024