mini|Riedberg-Siedlung im Jahr 2021 mini|hochkant=1.7|Panorama: Riedberg von Osten, September 2010 Riedberg ist ein neuer Stadtbezirk in Frankfurt am Main. Seine Entwicklung begann 2001 mit den ersten Baumaßnahmen, die Planungen gehen bis Anfang der 1990er Jahre zurück.
Riedberg liegt im Nordwesten des Stadtgebiets rund acht Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt auf bisher landwirtschaftlich genutzten Hang- und Hochflächen, die die Stadt Frankfurt am Main für diese städtebauliche Entwicklungsmaßnahme erworben hat. Im Jahr 2020 sollte Riedberg ca. 6000 Wohneinheiten mit rund 16.000 Einwohnern haben. Zudem sind rund 3000 Arbeits- und 8000 Studienplätze auf dem Riedberg vorgesehen, vor allem auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt mit seinen angegliederten Instituten, forschungsnahen Zentren und Lifescience-Firmen.
Geografische Lage Die zugewiesene Fläche erhebt sich an der höchsten Stelle (148 m ü. NHN) rund 30 Meter über die südlich angrenzende Flachzone und umfasst 266 ha. Davon entfallen 92 ha auf Parks, verbindende Grünanlagen und integrierte offene Landschaftsflächen, 56 ha auf den Universitätscampus und zugeordnete forschungsnahe Bauten, 43 ha auf Straßen und öffentliche Plätze, 6 ha auf Bauland für soziale Infrastruktur, sowie 78 ha auf das Nettobauland, wovon nur etwa 60 ha reine Wohnbauflächen sind. Südlich begrenzt wird Riedberg durch das Mertonviertel.
Trotz der Vermarktung als „neuer Stadtteil“ ist Riedberg kein Stadtteil im statistischen Sinn. Der Hauptteil einschließlich sämtlicher Wohngebiete ist ein Stadtbezirk und bildet zusammen mit dem Stadtbezirk Kalbach den Ortsbezirk 12 und den statistischen Stadtteil Kalbach-Riedberg. Die rund ein Sechstel des Riedbergs ausmachenden Flächen des Uni Campus und der sonstigen wissenschaftlichen Einrichtungen im Süden bilden einen weiteren Stadtbezirk, der zum statistischen Stadtteil Niederursel und zum Ortsbezirk 8 gehört.
Quartiere
Der Riedberg wurde auch aufgrund der geografischen Voraussetzungen als räumlich stark gegliederte Siedlung geplant. Sie setzt sich aus sieben Quartieren zusammen, die mit jeweils unterschiedlichem Baubeginn zum Teil schon abgeschlossen sind. In ihren Funktionen und baulichen Ausprägungen unterscheiden sich die Quartiere erheblich:
Der Riedberg Westflügel (bis Mai 2013 noch Niederurseler Hang genannt, im Westen, Baubeginn im Norden 2012) besteht aus freistehenden Einfamilienhäusern an drei Ringstraßen, Eigentumswohnungen, Mietwohnungen, Doppelhäusern und Reihenhäusern und der vierzügigen Marie-Curie-Schule (Grundschule II) mit Kita, Turnhalle und Hallenschwimmbad. Das mit 47,8 Hektar Gesamtfläche größte und zuletzt bebaute Quartier war nach Erfahrungen mit den älteren Quartieren noch einmal überplant worden. Die Architektur der Geschossbauten sollte mehr abgerundeten organischen Bauformen entsprechen. Die maximale Höhe der Häuser wurde nach Einsprüchen der Anwohner auf sieben Geschosse begrenzt. Ebenso wurden die beiden äußeren Straßenzüge für die insgesamt 1400 Wohneinheiten für rund 3500 Einwohner leicht geschwungen angelegt. In dem Quartier mit fünf erkennbaren Nachbarschaften und 26 Hektar öffentlichen Grünflächen sollte ein breites Angebot aus öffentlich gefördertem Mietwohnbau und frei finanzierten Einheiten für eine soziale Durchmischung sorgen. Die Anbindung erfolgt über die Carl-Hermann-Rudloff-Allee, die sich an die Riedbergallee anschließt, sowie die in die Rosa-Luxemburg-Straße einmündende Graf-von-Stauffenberg-Allee. Die Erschließungs- und Straßenbauarbeiten für den Westflügel liefen von Mai 2013 bis April 2015. Der letzte Hochbauabschnitt begann etwa 2017. Die Fertigstellung der letzten Hausbauten war bis 2020 geplant, ist aber aktuell (2026) noch nicht komplett abgeschlossen.
Das Quartier Altkönigblick (im Nordwesten) setzt sich aus Doppelhäusern, Reihenhäusern, Eigentumswohnungen, Eigenheimen in freien Bauherrengruppen, Stadtvillen, einer genossenschaftlichen Wohnanlage, einem Haus für inklusives Wohnen und 30 zusammenhängenden Grundstücken für die von der Bauhaus-Architektur inspirierte Eigenheimsiedlung Weiße Stadt zusammen; den nördlichen Abschluss machen 4,14 Hektar Sportplatzflächen mit Unterkunftsbauten, Parkplatz und begrüntem Höhenweg aus. mini|Riedbergplatz mit Eingang zum Riedbergzentrum und Solitär-Gebäude Im Quartier Mitte befindet sich ein Einkaufszentrum (Eröffnung Dezember 2008) mit diversem Einzelhandel, Lebensmittelmarkt, Discounter, Gastronomie, Reisebüro, Fahrschule und öffentlicher Platzfläche, Medizinisches Zentrum für fach- und hausärztliche Versorgung, U-Bahn-Station, Büros und Eigentumswohnungen, Mietwohnungen, kombinierte Seniorenresidenz mit Altenheim, Gesundheitsdiensten und Bankfiliale, Appartementhaus für Menschen mit geistiger Behinderung und mehrfacher Schwerstbehinderung, und zweitem privaten Studenten-Appartementhaus. In der Nähe des Riedbergplatz gibt es seit 2013 weitere Einzelhandels- und Servicelokale, sowie das Gymnasium (fertiggestellt im Frühjahr 2013), mit Haus für offene Jugendarbeit (13 bis 20 Jahre), sowie familienorientierte Angebote und fakultative Vereinsnutzung. mini|Campus-Riedberg mini|Frankfurter Innovationszentrum für Biotechnologie, Juni 2008
Das Universitäts-Quartier (am südwestlichen Hang; Keimzelle des Riedbergs) beherbergt den Campus Riedberg mit universitären Einrichtungen aller Naturwissenschaften der Goethe-Universität (Fachbereiche Biochemie, Chemie, Pharmazie, Physik, Geowissenschaften/Geographie sowie seit 2011 Biowissenschaften, ab 2027 (Planungsstand 2023) Informatik und Mathematik), Zentralbibliothek und Mensa, nicht-universitäre, freie Forschungsinstitute, Innovationszentrum und Campus of Elements (angewandte Forschung und Entwicklung), Studentenwohnheime, erstes privates Studenten-Appartementhaus und am Südhang den terrassierten botanischen Wissenschaftsgarten; dazu östlich der Altenhöferallee Bürobauten, Doppelhäuser, Villen, Reihenhäuser, Eigentumswohnungen, betreutes Wohnen und das im Bau befindliche Generalkonsulat der Republik Korea. Die wissenschaftlich genutzten Flächen gehören zum Ortsbezirk 8 (Nord-West), bilden jedoch mit den sich verzahnenden Wohngebieten des Riedbergs eine siedlungsgeografische Einheit.
Im Schöne Aussicht-Quartier (Hanglage im Osten) entstanden freistehende Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser, Eigentumswohnungen und Stadtvillen. Im gleichen Quartier, nordöstlich der U-Bahnstrecke liegt ein Reiterhof (Kautenhof) mit Koppelflächen, sowie einem Restaurant mit Wohnhaus. Ferner gibt es in diesem Quartier die Grundschule Riedberg (Grundschule I) mit Kita und Sporthalle, sowie seit 2022 die Integrierte Gesamtschule (IGS) Josephine Baker (JoBa). (Die Joba-Schule wurde am Standort der ehemaligen Neue Gymnasiale Oberstufe, NGO errichtet, die hier von 2013 bis etwa 2019 im Container-Provisorium untergebracht war). mini|Blick vom Bonifatiuspark auf das Quartier Bonifatiusbrunnen mit Frankfurter Skyline im Hintergrund, Dezember 2010
Die Ginsterhöhe (östlich-zentrale Hochlage) besteht aus freistehenden Einfamilienhäusern, Doppelhäusern, Reihenhäusern, Atriumhäusern, Villen am Park, mehrgeschossigen Eigentums- und Mietwohnungshäusern, einem Stadtplatz, zwei kirchlichen Zentren, Mutter-Kind-Haus und einer U-Bahn-Station (Station „Riedberg“ der U-Bahnlinien U8 und U9).
Das erste vollendete Quartier, Bonifatiusbrunnen, (Bauabschluss Mitte 2014). Es liegt am unteren Rand des Riedbergs. Es beherbergt Doppelhäuser, Reihenhäuser, Stadtvillen im südosteuropäischen Baustil. Dazu kommen einige Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen.
Das Quartier Berghöfe liegt zwischen Altenhöfer Allee, Konrad-Zuse-Straße, sowie dem Park Topographischer Weg und dem Bonifatius Park. Dieses Quartier wurde 2025 fertiggestellt. Es besteht aus insgesamt acht Höfen, die sich wie ein Dorf um Plätze (z. B. den sogenannten „Anger“ der einem Dorf-Anger nachempfunden ist) gruppieren. In den 8 viergeschossigen Gebäuden befinden sich ca. 390 Wohneinheiten. Ferner gibt es eine hofübergreifenden Tiefgarage. mini|rechts|250x250px|Blick vom Bonifatius-Park auf das Quartier Berghöfe
Infrastruktur mini|Robert-Koch-Allee Der Riedberg erhält nach und nach eine komplette Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern, Eigentums- und Mietwohnungen, Geschäften, Parks und Grünverbindungen, Restaurants, Büros, Kindereinrichtungen, Schulen, Medizinisches Zentrum und weitere Arztpraxen. Ende 2015 lebten hier nach Angaben des statistischen Amts der Stadt Frankfurt bereits 11.021 Menschen, etwa drei Viertel der bis Bauende insgesamt erwarteten Einwohner. Das markante Einkaufszentrum an der Kreuzung Riedbergallee/Altenhöferallee wurde im Dezember 2008 eröffnet. Es bietet auf 7200 Quadratmetern Fläche neben einem Lebensmittelmarkt und einem Discounter einige Fachgeschäfte, mehrere Restaurants, ein Café und Dienstleister des täglichen Bedarfs, eine Fahrschule, eine Allgemeinarztpraxis und seit Januar 2011 ein privates Medizinisches Zentrum mit Fachärzten, Physiotherapie und Hausversorgung und eine Sparkassenfiliale. Laut Plan sollte die Großsiedlung ab dem Jahr 2020 circa 6000 Wohneinheiten mit erwarteten rund 16.000 Einwohnern haben. Kritisiert wurde bereits im Frühjahr 2015 die zu klein dimensionierte Verkaufsfläche des Riedbergzentrums. Für wünschenswert gehalten wurde ein weiterer Nahversorgungspunkt im Westflügel. Der über den Ortsbeirat eingebrachte Bürgerwunsch nach einer offenen Veranstaltungs- und Versammlungseinrichtung („Bürgerhaus“) wurde von der HASEG (Hessen Agentur Stadtentwicklungsgesellschaft) abschlägig beschieden.
Insgesamt sind rund 3.000 Arbeits- und 8.000 Studienplätze auf dem Riedberg eingeplant, vor allem auf dem Universitätscampus mit seinen angegliederten Instituten, forschungsnahen Zentren und Lifescience-Firmen. Auch die in der letzten Phase am Westrand geplanten hausnahen Dienstleistungsunternehmen werden Arbeitsplätze schaffen, bzw. hierher verlegen.
Die neuen Grünflächen nördlich des Gymnasiums Riedberg, d. h. der westliche Teil des Kätcheslachparks, wurden so angelegt, dass sie einen erweiterten Pausenraum und einen auch von Kindern aus Schulen und Betreuungseinrichtungen mitgeplanten Spielpark bilden. Die Anlage wurde am 25. Juni 2016 mit einem Sommerfest eröffnet. Für Kinder des neuen Stadtteils sind zurzeit neben zwei Großspielplätzen im östlichen Kätcheslachpark auch mehrere zum Teil provisorische Spielplätze, ein Ballspielfeld und ein Bolzplatz eingerichtet. Geplant sind für die Großsiedlung insgesamt 13 öffentliche Spielplätze, meist in der Nähe der Wohnungen.
Das komplette Gebiet nördlich des Campus Riedberg wird mit Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk Nordweststadt versorgt.Amtsblatt Nr. 14/2014 Seite 22; Abgerufen am 25. Feb. 2020.
Jugendbildungseinrichtungen
Schulen mini|Grundschule Riedberg mini|Marie-Curie-Grundschule mini|Judith-Kerr-Grundschule mini|Integrierte Gesamtschule Josephine-Baker mini|Gymnasium Riedberg Im Stadtbezirk Rieberg gibt es (Stand September 2026) folgende Schulen: Grundschule Riedberg, Marie-Curie-Grundschule und Judith-Kerr-Gundschule Integrierte Gesamtschule Josephine Baker (IGS JoBa) Gymnasium Riedberg
Das Gymnasium Riedberg wurde 2008 gegründet. Es hat einen naturwissenschaftlichen und einen bilingualen Zweig. Seine ersten Jahrgänge waren seit Herbst 2009 in einem Containerprovisorium untergebracht. Das neue Gymnasium-Gebäude für projektierte 1350 Schüler am westlichen Kätcheslachpark wurde Ende April 2013 von 640 Schülern der Unter- und Mittelstufe bezogen. Die offizielle Eröffnung des Gymnasiums folgte am 30. August 2013. Das Gymnasium Riedberg ist der erste Neubau dieses Schultyps in Frankfurt seit 1913. Daneben entstand ein Jugendhaus mit 740 Quadratmetern Funktionsräumen und einer Sport- und Freizeitfläche, in dem auch familienorientierte Angebote untergebracht werden.