mini|Herrenmantel der Hofschneiderei Fr. Kaedings Nachfolger, Zittorin & Lundvik, Schweden

Der Mantel (, von ‚Hülle‘, ‚Decke‘) ist ein der Jacke mit langen Ärmeln ähnliches, mindestens knielanges Oberbekleidungsstück. Der Gebrauch, ab welcher Länge ein Teil als Mantel bezeichnet wird, ist jedoch von der Epoche und der Mode abhängig. Bis auf Sonderformen (Hausmantel, Bademantel usw.) wird er im Außenbereich getragen, zum Beispiel als Wettermantel. Er ist das äußerste Kleidungsstück, außer eventuellen zusätzlichen Accessoires wie etwa Schals.

Damen- und Herrenmäntel unterscheiden sich in der Regel durch die Art der Knöpfung, bei Damenkleidung befindet sich der Übertritt rechts.

Geschichte mini|Reste des Pelzumhangs der Moorleiche von Kayhausen, ca. 364–350 v. Chr. Einer der ältesten archäologisch belegten Mäntel ist, neben seinem Pelzmantel, der fünftausend Jahre alte Grasmantel der Gletscherleiche Ötzi. Die feine und kunstfertige handwerkliche Ausführung dieses und anderer seiner Kleidungsstücke führten zu einer umfassenden Neubewertung der mitteleuropäischen Kultur der Jungsteinzeit.

Die Römer nannten ihre frühen Mantelformen Sagum und Trabea und unterschieden damit zwischen kurzen und längeren, halbkreisförmig geschnittenen Mänteln. Die Griechen trugen Chlamys und Himation.

Mantelformen A–Z Caban mini|hochkant|Caban-Mantel der US Navy Der Caban-Mantel ist einer der Klassiker maritimer Männermode. Er wurde speziell für bretonische Fischer gefertigt und war ursprünglich weiß. In der Bretagne heißt dieser Mantel Kap Gwenn, was so viel wie „weißer Stoff“ bedeutet. Eine nur noch wenig gebräuchliche Bezeichnung ist „Stutzer“, die wiederum der Name für einen Trachtenkurzmantel in Österreich ist. Bei der US-amerikanischen Marine heißt er Peacoat, in der Deutschen Marine wird er auch „Kolani“ genannt.

Cape

Ein Cape (auch als Pelerine bezeichnet) ist ein ärmelloser, weit geschnittener Umhang für Männer und Frauen, meist mit geschlitzten Armdurchgriffen, oft mit Kapuze, die auch abnehmbar sein kann. Wie ein Poncho und ein Radmantel besteht ein Cape meist aus einem großzügigen Stück Stoff, das frei um den Körper fällt. Eine Variante ist das schwarze Cape, als „Abendmantel“ zum Frack getragen.

In den 70er Jahren sah man Capes (Lodencapes) häufig im normalen Straßenbild, jedoch fast nur als Damenkleidung. Obwohl sie durch ihren großzügigen Schutz durchaus praktisch sein können, sind sie nur noch selten zu sehen. Immer wieder versuchen Modeschöpfer ein Remake des Capes, sowohl für Damen als auch für Herren, allerdings mit eher mäßigem Erfolg.

Ein Cape ist ein klassischer Bestandteil eines Superhelden-Kostüms.

Capuchon Ein Capuchon (von , Kapuze) ist ein kurzer Damenmantel mit einer großen Kapuze.

Chesterfield

Der Chesterfield ist ein dreiviertellanger, taillierter Mantel. Häufig wird er mit schwarzem Samtkragen und/oder schwarzseidenen Reversspiegeln getragen. Typisch ist die verdeckte Knopfleiste. Der Chesterfield wird auch zweireihig gefertigt. George Stanhope, 7th Earl of Chesterfield (1831–1871) machte ihn populär; Lord Chesterfield avancierte schließlich zum Namensgeber des Mantels, war aber nicht sein Schöpfer. Zwischen den 1920er und 1960er Jahren zählte der Manteltyp zur Grundausstattung der bürgerlichen Herrenmode.

Crombie Coat Der Crombie ist ein klassischer englischer Stadtmantel, geschneidert aus dickem Wollstoff, meist einreihig mit verdeckter Knopfleiste. Dieser Mantel ist in der Skinhead-Szene sehr beliebt, wohl weil er z. B. die Arbeiterklasse symbolisiert.

Deel

Ein Deel (mongolisch Дээл, Kleid) ist ein traditioneller Mantel, der vor allem in der Mongolei seit mehreren Jahrhunderten in Gebrauch ist. Er wird über der Kleidung getragen, besitzt in der Regel keine Taschen und ist meist aus Baumwolle, Filz oder Seide gefertigt. Geknöpft wird der Deel am Kragen und auf der rechten Seite, außerdem ist er mit einer Stoff- oder Lederschärpe, dem Bus, zusammengewickelt. Am Bus können Werkzeuge und andere Dinge des täglichen Bedarfs befestigt werden. Die im Uhrzeigersinn um die Hüfte gewickelte Schärpe kann bei Männern bis zu sieben Meter lang sein. Frauen tragen eine etwa drei Meter lange Schärpe um die Taille.

Dufflecoat mini|hochkant|Dufflecoat

Der Dufflecoat ist ein sportlich geschnittener Mantel aus Wollstoff; typischerweise mit Kapuze, aufgesetzten Taschen und Knebelverschlüssen.

Garrick Der Schauspieler David Garrick ließ sich diesen Mantel im 18. Jahrhundert als Erster anfertigen: Zahlreiche, übereinandergelegte Pelerinenkragen sollten den englischen Landadel, später dann hochherrschaftliche Kutscher vor Regen und Nässe schützen.

Havelock

Der moderne Havelock ist ein besonders langer, ärmelloser Pelerinenmantel für den Abend mit fallendem Seidenrevers (Reversecke tiefer als Kragenansatz), verdeckter Knopfleiste und Pattentaschen als Ergänzung zum Frack oder Smoking.

Inverness-Mantel

Der Inverness-Mantel ist nach der Region Inverness in Schottland benannt und wird auch MacFarlane genannt. Er ist weit geschnitten und hat keine Ärmel. Die Arme werden durch ein vorne lose herabhängendes, zweiteiliges Cape verdeckt.

Bekannt wurde er durch die Sherlock-Holmes- und Dracula-Verfilmungen.

Kapuzenmantel

In den Maghrebstaaten Nordafrikas weit verbreitet sind bodenlange Kapuzenmäntel mit Ärmeln (Dschellabas); ursprünglich bestehend aus einem Gemisch von Schaf- und Ziegenhaaren, heute auch aus natürlich weißer oder gefärbter Baumwolle. Kapuzenmäntel sind auch Bestandteil vieler christlicher Ordenstrachten (Habite).

Kotze

Die Kotze (auch der Kotzen) ist ein aus grobem Wollzeug oder Loden gearbeiteter ponchoartiger Überwurf ohne Ärmel. Der Schnitt ist entweder rechteckig oder rund und hat traditionell nur ein Kopfloch und einen Brustschlitz. Modernere Formen haben häufig einen modischen Stehkragen, eine durchgehende Knopfleiste und Einschubtaschen.

Lackmantel Lackmäntel werden aus beschichteten Stoffen (PU oder PVC) hergestellt. Bei dem Lack kann es sich um Glanzlack oder Mattlack handeln. Mattlack wird auch im sportlichen Bereich für Regenjacken und Regenanzüge verwendet.

Die ersten Lackmäntel waren Damenmäntel, sie ersetzten den klassischen Regenmantel.

Zuletzt dienten sie weniger als funktionelles Kleidungsstück, sondern als modisches Accessoire. Klassische Lackmäntel sind schwarz, rot oder weiß, heute liefert der Handel alle Farbnuancen. Glanzlack wird, ähnlich dem Nappaleder, eine erotische Ausstrahlung zugeschrieben.

Bekleidung aus Lackstoffen gibt es in unterschiedlichen Formen und Designs, inzwischen auch für Männer. Hüte, Mützen und Südwester werden ebenfalls daraus hergestellt.

Ledermantel Der Schnitt des Typs des sehr schweren Ledermantels ist an die Mäntel der Offiziere des Ersten Weltkrieges angelehnt. Er ähnelt im Schnitt einem engen Blazer oder Sakko, die Revers können wie bei einem solchen nach außen umgeschlagen getragen, alternativ jedoch für besseren Schutz übereinandergeklappt und unter dem Kragen geschlossen werden. Diese Mäntel waren in sehr dunklem Grün mit Schulterstücken bei der Wehrmacht und der SS in der Zeit des Nationalsozialismus für Offiziere zulässige, jedoch privat zu beschaffende Uniformteile. Auch bei der Gestapo wurden solche Mäntel in ziviler Version getragen, der offizielle Dienstmantel war jedoch aus gummiertem Baumwollstoff („Klepper“), trotzdem ist die Bezeichnung als „Gestapo-Mantel“ für diesen Typ Mantel auch aus Leder bis heute verbreitet. Aufgrund dieser Vergangenheit wird dieser Typ Ledermantel vielfach mit dem Dritten Reich assoziiert und in vielen Medienproduktionen gerne als offensichtliches Kennzeichen für NS-Funktionsträger verwendet.

Der Ledertrenchcoat von heute besteht in der Regel aus Rind-Nappaleder oder Veloursleder und ist leicht gefüttert, ebenso der Kunstledermantel. Mit einem warmen Wollfutter oder einem Pelz- oder Webpelz-Futter ist er auch im Winter tragbar. Glattlederversionen sind oft nicht gefüttert, eine Imprägnierung des Leders schützt bedingt vor Nässe.

In der Metal-Szene erfreut sich der Ledermantel besonderer Beliebtheit. Anders als bei den Uniformen des Dritten Reiches ist die normale Mantelfarbe bei Szeneangehörigen jedoch schwarz anstelle von dunkelgrün. In der Regel sind diese Mäntel weniger uniformartig geschnitten, dafür jedoch meist länger und aus schwarzem Rind-Nappaleder gefertigt. Durch die Matrix-Filmreihe wurde der schlichte enge und lange Ledermantel um die Jahrtausendwende ein beliebter Modeartikel, obwohl die originalen Matrixmäntel eigentlich aus Latex und nicht aus Leder gearbeitet sind.

Lodenmantel

Ein wirklicher Lodenmantel besteht aus gewalkter und gekämmter Wollfaser und lässt den Regen gut abperlen. Die klassische Form ist weit und lang geschnitten, hat einen Umlegekragen und eine lange senkrechte Kellerfalte im Rücken.

Mantelet

Ein Mantelet (, wörtlich „Mäntelchen“) ist ein Kurzumhang mit Kapuze für Damen; vor allem im 18. und 19. Jahrhundert gebräuchlich.

Paletot

Ein Paletot (, etwa „Obergewand“; vermutlich von anglo-normannisch paletok = „Strohhaufen“, eventuell für „Strohumhang“ als Regenschutz) ist ein taillierter, dreiviertellanger (also ein knapp über die Knie reichender) leichter Wettermantel. Der Paletot kam um 1840 auf. Frühe Modelle und Militärversionen waren meist zweireihig und ähnelten dem Redingote. Spätere Varianten waren auch einreihig. Als Uniformmantel in der Regel mit buntem Steh(-umfall-)kragen, als Zivilversion oft ein anzugähnliches Revers. Der Paletot ist aus ungemusterten Wollstoffen gearbeitet. Der Kragen des Zivilmodells ist manchmal ein Samtkragen und kann fallweise schmaler als das Revers sein. Die Taschen sind entweder schräg oder waagerecht. Im 18. Jahrhundert entsprach der zivile Paletot dem Stil des darunter getragenen Anzuges.

In Frankreich bezeichnete Paletot allgemein einen Herrenmantel, ab etwa 1860 auch eine bestimmte Art eines Damenmantels.Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 102 (englisch). Die zuletzt noch in der Pelzbranche übliche, allgemeine Bezeichnung Paletot für eine lange Damenpelzjacke wurde seit etwa vor 2000 zunehmend durch den in der Textilbranche üblichen Begriff Kurzmantel abgelöst.

Pardessus

Der Pardessus ( „darüber“) ist ein dem Paletot ähnelnder, leicht taillierter Mantel, der zur Zeit der Krinolinenmode im 19. Jahrhundert getragen wurde. Er unterscheidet sich vom Paletot vor allem dadurch, dass er etwas stärker tailliert ist (oft auch mit Abnähern im Prinzessschnitt) und mit Pelz oder Samt verbrämt ist.Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 389 f.

Pardesü

Die Pardesü (türkisch aus franz.: par dessus, „darüber“) ist eine in der Türkei verbreitete Damenoberbekleidung, die den islamischen Körperbedeckungsvorschriften entspricht (Hidschab). Die Pardesü ist ein meist weit geschnittener, bodenlanger Mantel. Die Pardesü kann die verschiedensten Farben haben. Sie wird teils auch in taillierter Form angeboten.

Pelisse

Die Pelisse (altfrz. la pelice oder le peliçon pelzgefüttertes Gewand) war im Spätmittelalter ein von Männern und Frauen getragenes pelzverbrämtes oder pelzgefüttertes Ober- oder Übergewand. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts bis um 1867 ein weiter, capeartiger Mantel oder Umhang aus Satin oder Samt, etwa knielang und mit Armschlitzen versehen.Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 391.

Pelzmantel mini|hochkant|In der DDR gefertigter Pelzmantel Margit Schumanns, getragen während der Olympischen Winterspiele 1972

Als Pelzmantel wird ein aus Fellen, mit dem Haar nach außen, gearbeiteter Mantel bezeichnet. Siehe dazu den Artikel Pelz.

Poncho