mini|hochkant|Habitus mini|hochkant|Knospen mini|hochkant|Blüten mini|hochkant|Junge Blätter mini|hochkant|Herbstfärbung Garten-Forsythie, auch Goldflieder, Goldglöckchen oder einfach Forsythie sind nicht einheitlich definierte gärtnerisch-floristische Sammelbegriffe für Pflanzen aus der zur Familie der Ölbaumgewächse gehörigen Gattung der Forsythien, die heute in Europa häufig in Gärten und Grünanlagen als Ziergehölze verwendet werden:

In ihrer gebräuchlichsten Bedeutung werden darunter alle Kultivare verstanden, die aus Kreuzungen der in Ostasien beheimateten Hänge-Forsythie und Grünen Forsythie hervorgegangen sind und unter dem Taxon Forsythia × intermedia geführt werden. In den Angebotsspektren des Handels und im gepflanzten Bestand sind Pflanzen nach dieser Bedeutung vorherrschend. In einer umfassenderen, aber etwas weniger gebräuchlichen Bedeutung werden diese Begriffe auf die Gesamtheit aller im deutschsprachigen Raum erhältlichen und gärtnerisch im Freiland einsetzbaren Forsythienarten mit ihren Kreuzungen und Kultivaren angewandt. Bei dieser umfassenderen Bedeutung sind neben der Hänge-Forsythie und der Grünen Forsythie auch noch die Europäische Forsythie und die Ovalblättrige Forsythie Forsythia ovata umschlossen.

Beschreibung Die Garten-Forsythien sind sommergrüne Sträucher mit selbstständig aufrechten, ausgebreiteten bis niederliegenden oder überhängenden Zweigen. Die Wuchshöhen liegen sortenabhängig zwischen 0,6 und 4 Metern. Die Zweige sind hohl oder besitzen ein gekammertes Mark; junge Triebe sind meist hellbraun, gelblich-braun oder auch grünlich, ältere Zweige eher kräftig braun bis graubraun. Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind meist einfach, selten dreiteilig. Die Herbstfärbung ist manchmal gelb bis lila-rot, manchmal auch nur dunkelgrün oder olivgrün.

Die in der Regel geruchlosen Blüten der Garten-Forsythien erscheinen im zeitigen Frühjahr noch vor dem Blattaustrieb – je nach Art bzw. Sorte und Witterungsverlauf beginnend ab Februar bis Ende April. Vereinzelt kann es auch zu einer schwachen Vorblüte im Herbst kommen. Die hellgelben bis goldgelben Blüten stehen einzeln oder zu mehreren in den Blattachseln der letztjährigen Zweige. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle, wobei die vier Kelchblätter nur kurz verwachsen, die vier Kronblätter glockenförmig verwachsen sind. Die Früchte sind mehrsamige, spindelförmige Kapselfrüchte, die insbesondere von den meist sterilen Kultivaren nur sehr selten ausgebildet werden.

Die Wildarten der Garten-Forsythien sind distyl, d. h. ein Strauch hat einheitlich entweder kurzgriffelige Blüten (die Staubblätter überragen den Griffel) oder langgriffelige Blüten (der Griffel überragt die Staubblätter); die Staubblätter können auch ganz fehlen. Das deutlich unterschiedliche Erscheinungsbild der Blütenmitten hat zu den englischen Bezeichnungen „thrum-eyed“ (unscharfe Kontur der Staubbeutel) und „pin-eyed“ (scharfe Kontur der Narbe) geführt. Bei Wildsträuchern kommen diese beiden Morphen statistisch gesehen annähernd gleichverteilt vor, bei Kultivaren zeigen alle Pflanzen einer Sorte durch die vegetative Vermehrung die Morphe ihrer Mutterpflanze.

Alle Pflanzenteile von Garten-Forsythien sind gering giftig; sie weisen aber einen deutlich bitteren Geschmack auf, der in der Regel auch Kinder davon abhält, sich bedenkliche größere Mengen Pflanzenmaterials einzuverleiben. Garten-Forsythien sind daher für Pferde, Hunde und Katzen als unbedenklich eingestuft.

Garten-Forsythien werden gelegentlich verwechselt mit dem Winter-Jasmin (lange Kronröhre, fünf oder sechs Kronblätter, Spreizklimmer) oder dem Ranunkelstrauch (fünf Kronblätter, Zuchtsorten oft mit gefüllten Blüten).

Forsythienzucht Geschichte Garten-Forsythien gehören zur Gattung Forsythia, die 1804 durch Martin Vahl aufgestellt wurde. Der Gattungsname Forsythia ehrt den britischen Botaniker und Gärtner William A. Forsyth (1737–1804), der als Leitender Gärtner den Chelsea Physic Garden und später die königlichen Kensington Gardens führte. Die Gattung Forsythia bildet zusammen mit der monotypischen Gattung Abeliophyllum (einzige Art ist die Schneeforsythie) die Tribus Forsythieae innerhalb der Familie der Oleaceae.

Als erste Forsythienart gelangte die Hänge-Forsythie F. suspensa nach Europa; als einer der frühesten Nachweise gilt der Eintrag im 1817 von Christian August Breiter herausgegebenen Katalog seines Breiterschen Wintergartens in Leipzig. Jahrelang war sie die einzige Vertreterin der Gattung in westlichen Gärten, bis 1844–1845 von Robert Fortune mit der Grünen Forsythie F. viridissima eine zweite chinesische Art nach England eingeführt wurde.

In den 1860er-Jahren gelang dem Botaniker und Baumschulinhaber Thomas Meehan in Germantown (Philadelphia)/Pennsylvania die erste experimentelle Kreuzung von Hänge-Forsythie und Grüner Forsythie; Sämlinge daraus wurden aber nie kommerziell erhältlich. 1878 fielen dem deutschen Botaniker Hermann Zabel im Alten Botanischen Garten der Universität Göttingen Sämlinge mit vermischten Eigenschaften beider Arten auf; sie waren aus vom Botanischen Garten Bern bereitgestelltem Hängeforsythien-Saatgut hervorgegangen. Zabel beschrieb die mutmaßliche Hybride 1885 unter der Bezeichnung F. × intermedia. Heute handelt es sich bei den allermeisten Zier-Forsythien in europäischen Gärten und Grünanlagen um Hybriden dieser beiden chinesischen Arten.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Forsythienzucht in Deutschland wirtschaftlich bedeutsam, als Franz Späth in Berlin mit der Vermehrung und dem Vertrieb mehrerer Selektionen von F. × intermedia begann; von diesen war 'Spectabilis' die auffälligste und wurde schnell zum „Goldstandard“ der Gattung. In den 1930er-Jahren experimentierten Karl Sax und Haig Derman am Arnold-Arboretum in Massachusetts mit der neu entdeckten Methode, durch den Einsatz von Colchicin-Toxinen Tetraploidie zu induzieren. Sie brachten eine Reihe von Mutanten von F. × intermedia auf den Markt, von denen die heute unter der Bezeichnung 'Beatrix Farrand' vertriebenen Pflanzen nach wie vor in den USA die beliebtesten sind. Sax und Derman versuchten auch, durch Kreuzung von Europäischer Forsythie und Koreanischer Forsythie besonders widerstandsfähige Klone zu züchten.

An der Warschauer Naturwissenschaftlichen Universität (SGGW) in Polen kreuzte Bolesław Suszka in den 1950er-Jahren erfolgreich alle ihm zur Verfügung stehenden Forsythienarten (F. europaea, F. giraldiana, F. japonica, F. ovata, F. suspensa und F. viridissima sowie eine Reihe von F. × intermedia-Klonen) in der Hoffnung, die Blütenpracht der letzteren zu kombinieren mit der Winterhärte von F. europaea und F. ovata, den einzigen damalig in ganz Polen zuverlässig winterharten Arten. Obwohl es an dokumentarischen Nachweisen mangelt, scheinen die meisten der heutigen Forsythien polnischen Ursprungs wie 'Fontanna', 'Kanarek' und 'Maluch' aus Suszkas Arbeit abzustammen.

Im Jahr 1972 begann Luc Decourtye an der Station Angers des INRA (Institut National de la Recherche Agronomique) in Frankreich ein Zuchtprogramm, bei dem Forsythien mit roten und gelben Blüten, insbesondere aber mit kleinerer und gefälligerer Wuchsform gezüchtet werden sollten. Decourtye bestrahlte dazu Setzlinge insbesondere der beiden damals in Europa beliebtesten Sorten 'Lynwood Variety' und 'Spring Glory' mit Gammastrahlen von Cobalt-60. Bis 1988 wuchsen in Angers 49 neue Sorten, deren Namen fast alle beginnen mit „Court…“, einem Wortspiel aus dem Namen des Züchters und dem französischen Wort für „kurz“.

In Ostasien konzentrierte sich die traditionelle Forsythienzucht auf die Auswahl von Laubvarianten von F. koreana. Einige dieser Sorten wurden inzwischen über die USA in den Westen eingeführt, die auffälligste unter ihnen ist 'Kumson' mit ihrer hellen Blattader-Nervatur.

Sorten mini|hochkant|Wildbiene an 'Beatrix Farrand' mini|hochkant|'Golden Times' mini|hochkant|Wespenkönigin an 'Immengarten' mini|hochkant|'Lynwood' mini|hochkant|'Spectabilis' Heute sind im deutschsprachigen Raum insbesondere die folgenden Forsythien-Sorten im (Vorort- und Versand-)Handel erhältlich:

'Beatrix Farrand': nordamerikanische Sorte, gezüchtet 1944 im Arnold-Arboretum; ihre genetische Identität ist nicht zweifelsfrei geklärt ist und möglicherweise stammen auch nicht alle Vermehrungen vom selben Sämling ab; späte Blütezeit; pollenspendende Sorte. 'Courtacour' (= 'Boucle d'Or', übersetzt „Gold-Lockenkopf“): französische Sorte, Mutation von 'Spring Glory'; frühe bis mittelspäte Blütezeit; Zwergform. 'Courtadic' (= 'Melisa'): französische Sorte; bis 2 m Höhe. 'Courtalyn' (= 'Weekend'): französische Sorte, Mutation von 'Spring Glory'; mittelfrühe bis mittelspäte Blütezeit; schnelles Wachstum, bis ca. 3 m Höhe. 'Courtaneur' (= 'Mêlée d’Or', übersetzt „Gold-Getümmel“): französische Sorte; frühe bis mittlere Blütezeit; kompakter, aufrechter Wuchs bis ca. 1 m Höhe. 'Courtasol' (= 'Marée d'Or', übersetzt „Gold-Flut“): französische Sorte, Mutation von 'Spring Glory'; frühe bis mittelspäte Blütezeit; kompakter, flacher Wuchs bis ca. 1 m Höhe. 'Dresdner Vorfrühling': 1973 als Selektion von F. ovata entstandene Sorte, frühe bis mittelspäte Blütezeit. 'Golden Times': Gelbbunt-panaschierte Blätter; frühe Blütezeit. 'Goldrausch': deutsche Sorte, Züchter vermutlich Hans Hachmann; sehr späte Blütezeit; mittelstark wachsend. 'Goldzauber': deutsche Sorte, Züchter Hans Hachmann; mittelfrühe Blütezeit; mittelstark wachsend. 'Immengarten': Selektion unbekannter Herkunft; pollenspendende Sorte. 'Kumson': Selektion von F. koreana mit heller Blattader-Nervatur, die bei Vergreisung oder im Schatten auch verblassen kann. 'Lynwood' (= 'Lynwood Gold'): eine in den 1930er-Jahren in Irland gefundene Mutation von 'Spectabilis'; frühe bis mittelspäte Blütezeit. 'Maluch' (übersetzt „kleines Kind“): polnische Sorte; Kreuzung aus F. × intermedia und entweder F. ovata oder F. koreana; kleinwüchsig (bis ca. 1 m Höhe) und langsam wachsend 'Mikador' (= 'Minfor6'): französische Sorte; mittlere Blütezeit; mittelschnelles Wachstum, bis ca. 1,5 m Höhe. 'Mindor': französische Sorte; mittlere Blütezeit; schnelles Wachstum, bis ca. 1,5 m Höhe. 'Minigold' (= 'Flojor'): französische Sorte; mittelfrühe Blütezeit; mittelstark wachsend. 'Nimbus': französische Sorte; mittelfrühe bis mittlere Blütezeit; langsames Wachstum, bis ca. 1 m Höhe. 'Robusta': Alte Sorte mit primelfarbenen Blüten und großen Blättern, frühe Blütezeit, genetische Zugehörigkeit zu F. ovata oder F. viridissima ungeklärt. 'Spectabilis': eine der erfolgreichsten Intermedia-Hybriden der ersten Generation von Franz Späth aus Berlin; dunkelgelbe Blüte, frühe Blütezeit, blühfreudig; schnellwüchsig. 'Spring Glory': US-amerikanische Sorte, 1930 in Ohio entdeckt; sehr frühe Blütezeit; schnelles Wachstum, bis ca. 3 m Höhe. 'Tetragold': frühe Blütezeit, kompakt, 1–1,5 m Höhe, Selektion von F. ovata

Die dendrologische Online-Enzyklopädie Trees and Shrubs Online führt allein zu F. × intermedia heute knapp 60 Sorten auf. Bei der Popularität und Verbreitung einzelner Forsythiensorten gibt es deutliche nationale Unterschiede: In Großbritannien wurde und wird fast ausschließlich die Sorte 'Lynwood' gepflanzt, während in den USA die Sorte 'Beatrix Farrand' nach wie vor die beliebteste und meistverkaufte ist. In Nordamerika wird ein vom europäischen abweichendes Sortenspektrum angeboten, das Angebot in Kanada ist noch deutlicher auf besonders winterharte Sorten ausgerichtet.