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Heinrich Schweitzer (* 11. März 1871 in Stuttgart; † 1953 in Berlin) war ein deutscher Architekt, der in Berlin lebte und arbeitete. mini|Dreigeschossiges Wohngebäude. Äußere Ansicht.

Mit seinen Bauten nahm Schweitzer Einfluss auf das Wachsen der damaligen Berliner Vorstädte. Zahlreiche seiner Gebäude stehen mittlerweile unter Denkmalschutz. Die nach Plänen von Schweitzer errichteten Gebäude sind keiner genauer Stilrichtung zuzuordnen, sondern passten sich dem Zeitgeist von Neorenaissance, Neobarock oder dem beginnenden Expressionismus an und stellen überwiegend einen Stilmix dar. auf bildindex.de, abgerufen am 6. April 2012.

Leben und Wirken Aus- und Weiterbildung

Nach dem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart und der Technischen Hochschule München wurde Heinrich Schweitzer Mitarbeiter des Architekten Friedrich von Thiersch in München, anschließend bei Alfred Messel in Berlin. 1894 unternahm er eine Studienreise nach Italien, wo er unter anderem auch Rom besuchte und Reiseskizzen machte.Zeichnung der Fontana delle tartarughe (Schildkrötenbrunnen) in Rom (vom 4. April 1894) im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin.

Erste Arbeiten zwischen 1903 und 1913

Danach versuchte er über die Teilnahme an Architekturwettbewerben zu Aufträgen zu gelangen. Im Jahr 1903 trat er als Teilhaber in das Büro des Architekten Martin Altgelt ein und beide firmierten nun als „Architektur- und Bau-Bureau Altgelt & Schweitzer“, das seinen Sitz in der Genthiner Straße 7 in Berlin W 35 hatte. Im Jahr 1911 beteiligten sie sich unter anderem an einem Wettbewerb für die Raumgestaltung der Großen Berliner Kunstausstellung (1912/1913).Raum mit Säulen für die Große Berliner Kunstausstellung, im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin

Im Jahr 1906 eröffnete Schweitzer in der Magdeburger Straße 20, Berlin W 35, ein eigenes „Bureau für Architektur“. Um bekannter zu werden und an größere Aufträge zu gelangen, nahm er 1907 den Architekten und pensionierten Stadtbauinspektor Walther Schilbach als Teilhaber auf, das gemeinsame Büro nannte sich „Architektur-Bureau Schilbach & Schweitzer“. Sie konnten in dieser Zeit unter anderem den Gewerbehof in Berlin-Kreuzberg entwerfen, der 1906/1907 nach ihren Plänen angelegt wurde. Landesdenkmalliste

Ab dem Jahr 1907 erarbeitete Schweitzer gemeinsam mit dem Stadtplaner Hermann Jansen im Auftrag von Hugo Thiel einen Bebauungsplan für den Gemeindebereich Dahlem-Süd, um den vormaligen, heftig kritisierten Bebauungsplan des Baumeisters Walter Kyllmann den neuen Erfordernissen, wie dem Bau der U-Bahn-Linie, anzupassen., abgerufen am 6. April 2012

Nach dem Rückzug (oder dem Tod) von Walther Schilbach übernahm Schweitzer das Büro wieder unter seinem Namen und verlegte den Sitz in die Keithstraße 18, Berlin W 62. Inzwischen war er bekannt geworden und hatte bereits einige bedeutende Projekte ausführen können, darunter den Admiralspalast in der Friedrichstraße, einen Schulneubau in seinem Wohngebiet, das Lyzeum der Gemeinde Dahlem, die spätere Gertrauden-Schule (Einweihung am 11. September 1909)Projekt Gertrauden-Schule in Dahlem im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin Landesdenkmalliste sowie 1909–1911 den Umbau eines großen Geschäftshauses in Berlin-Mitte, das von Alfred Messel stammte. Landesdenkmalliste Das Gebäude wurde 1997–2000 denkmalgerecht umgebaut und wird nunmehr von der KfW Bankengruppe, Niederlassung Berlin, als Historisches Archiv genutzt.Nikolaus Bernau: KfW Bankengruppe Niederlassung Berlin (= Die Neuen Architekturführer, Band 58.) Stadtwandel-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-937123-20-2. ()

Weitere Aufträge für Berlin

In seinem Wohnumfeld war sein Schaffen ebenfalls nicht verborgen geblieben, so dass ihn sowohl die Gemeinde Dahlem mit dem Entwurf kommunaler Gebäude als auch wohlhabende Privatleute aus der Umgebung mit Planungen für Wohnhäuser und Villen beauftragten, im Archiv des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin (siehe Weblinks) sind dazu Archivalien vorhanden für: Familie Fischer in Dahlem (1912), Familie Frentzel in Dahlem (ohne Jahr), Professor Friedemann in Dahlem (Wachtelstraße; 1928/1929), Bildhauer Johannes Götz in Friedenau (1904), Bankiersfamilie Jonas in Dahlem (Gadebuscher Weg 4; ohne Jahr), Familie des Chemieprofessors Jakob Meisenheimer in Dahlem (1909), Direktorenfamilie Otto in Dahlem, Familie des Direktors Schall in Dahlem (Thielallee; um 1912).

Er erstellte im Auftrag der Gemeinde Dahlem Pläne für die Anlage eines neuen Friedhofs, für dessen detaillierte Gestaltung sich eine Künstlergesellschaft, Werkstatt für Friedhofs-Kunst in Berlin’ gegründet hatte, der Schweitzer angehörte. So wurden auch Grabsteine nach seinen Ideen gefertigt.Abbildung eines von Schweitzer gestalteten Grabmals im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin Auch für bereits vorhandene Grabanlagen lieferte er Vorlagen, so für den Botaniker Paul Sintenis auf dem St.-Annen-Kirchhof.Abbildung des Grabsteins für Sintenis im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin

Von 1911 bis 1912 baute er auf dem Grundstück Im Dol 39/Gadebuscher Weg 5 in Dahlem ein Haus mit winkelförmigem Grundriss, das in den Folgejahren mehrfach umgebaut und erweitert wurde. 1932 verkaufte er dieses an den Rechtsanwalt Arno Wittgensteiner, da sehr hohe Grundsteuern auf das große Grundstück erhoben wurden, die nicht mehr im Verhältnis zu seinem Einkommen standen. Landesdenkmalliste Er behielt einen Teil des Grundstückes und ließ sich nach eigenen Plänen von dem Bauunternehmer August Höhne ein Wohnhaus im Gadebuscher Weg 5 errichten, das 1932 fertig gestellt wurde. Landesdenkmalliste

Deutschlandweites Wirken

Auch in anderen Orten wurden Wohngebäude nach Schweitzers Plänen geplant beziehungsweise errichtet: für Otto von Krumhaar in Gremsmühlen, für Familie von Stössen im Schwarzwald, Rittergut von Zastrow im Ort Plassow (heute Płaszewko, Polen).nach der Bestandsübersicht des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin.

Privates

Am 15. November 1907 wurde sein Sohn Jürgen in Freiburg im Breisgau geboren, der später in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte und die Architektengruppe Schweitzer und Partner gründete. (PDF; 3,0 MB) abgerufen am 6. April 2012. Heinrich Schweitzer war Mitglied im Bund Deutscher Architekten. Einer seiner später bekannten Schüler war Otto Werner.

Bauten und Entwürfe

1901: Wettbewerbsentwurf für das Neue Rathaus in DresdenPerspektive des Wettbewerbsentwurfs für das Neue Rathaus in Dresden im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1902: Wohnhaus für den Bildhauer Adolf Fremd in StuttgartFotografie des Wohnhauses Fremd in Stuttgart im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1906–1907: Wiederaufbau und Erweiterung von Schloss Eisersdorf in Niederschlesien für Herrn zu Löbbecke (heute Żelazno, Polen)Schloss Eisersdorf im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1906–1911: Zusammen mit weiteren Architekten entwarf Schweitzer die Schülerkolonie Dahlem in der Königin-Luise-Straße. Landesdenkmalliste. 1907–1908: Landhaus für den Chirurgen Hans Kehr in Gehlberg (Einweihung am 27. September 1908)Landhaus in Gehlberg im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1909–1910: Landhaus für Professor Ramm in Dahlem, Pacelliallee 27 (damals: Cecilienallee) Landesdenkmalliste. 1910–1911: Kreishaus (Landratsamt) in Zielenzig bei Frankfurt (Oder)Ansicht des Kreishauses in Zielenzig im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1910–1911: Admiralspalast in Berlin-Mitte 1910–1911: Atelierhaus des Vereins der Berliner Künstlerinnen in Berlin-Tiergarten Landesdenkmalliste. 1911–1912: Erweiterungsbau für das Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Straße in Berlin-MitteInformationsseite zum ehemaligen Kaufhaus Wertheim in Berlin-Mitte, abgerufen am 5. April 2012. 1911–1912 und 1920–1921, 1923: Wohnhaus in Dahlem, Im Dol 39 und spätere Erweiterungen Landesdenkmalliste mini|Eingangsgebäude zum U-Bahnhof Podbielskiallee in Berlin-Dahlem 1911–1913: Eines seiner bedeutendsten Projekte wurde der U-Bahnhof Podbielskiallee mit Empfangsgebäude Landesdenkmalliste. 1912–1913: Wohnhaus Louis Raffleur in Berlin-Dahlem, Messelstraße 1 (damals: Messelstraße 45) Landesdenkmalliste. 1912–1915: Grünanlagen Thielpark und Triestpark in Dahlem (nach gemeinsamen Entwurf von Hermann Jansen, Richard Köhler und Heinrich Schweitzer; Landesdenkmalliste. später erweitert und umgestaltet) 1912–1933: Schrittweise wurde in Dahlem eine Reihenhaussiedlung nach Plänen von Heinrich Schweitzer und von Bruno Ahrends verwirklicht. Landesdenkmalliste. 1913: Erweiterungsbauten für die Domäne Dahlem Landesdenkmalliste. 1914–1915: Für die Anlage des Schillerparks steuerte Schweitzer die Baupläne für einige Bedürfnisanstalten bei. Landesdenkmalliste. 1916–1920: Reihenhaussiedlung in Berlin-Schmargendorf Landesdenkmalliste; Jahr des Baubeginns gegenüber der Denkmaldatenbank korrigiert nach Unterlagen im Architekturmuseum der TU Berlin. 1918: Entwurf für den Wiederaufbau des Klosters HeiligengrabeEntwürfe für das Kloster Heiligengrabe im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1923–1924: Wohnhaus der Familie von Siemens in Dahlem, In der Halde 6–8 (damals: Im Dol 41 oder In der Halde 6–8) Landesdenkmalliste. 1925 und später: In Dahlem, im Wohnquartier Vogelsang, wurden Straßenflächen und Grünanlagen von ihm entworfen und von der Kommune umgesetzt Landesdenkmalliste. 1926: Anbau an ein Wohnhaus in Dahlem, Im Dol 48 Landesdenkmalliste. 1928: stadtplanerischer Entwurf für das Gebiet um das Brandenburger TorEntwurf für das Gebiet um das Brandenburger Tor vom Januar 1928 im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1928: Erweiterungsbau des Wohnhauses Bredow in Dahlem, Englerallee 19 Landesdenkmalliste. 1928–1929: Privatwohnhaus des Arztes Bruno Mendel in Berlin-Wannsee, Am Sandwerder 39 (damals: Friedrich-Karl-Straße 17) Landesdenkmalliste. 1929: Umbau des Verwaltungsgebäudes der Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs-AG in Berlin-Mitte, Mohrenstraße 63/64, Taubenstraße 1, Mauerstraße, Glinkastraße (damals: Mohrenstraße, Taubenstraße, Mauerstraße, Kanonierstraße)Grundrissskizze zum Umbau des Gebäudes der Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs-AG im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. 1931: Wohnhaus Dr. Zorn-von Pelargus in Kleinmachnow (Gartenarchitekt: Gustav Allinger)Abbildung des Privathauses in Kleinmachnow mit Schriftzug Schweitzer im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin. mini|Kapelle auf dem Waldfriedhof 1931–1932: Kapelle (Feierhalle) für den Waldfriedhof Dahlem Landesdenkmalliste. 1931–1933: Schließlich konnte Schweitzer zusammen mit dem bedeutenden Gartenarchitekten Albert Brodersen die Anlage des Waldfriedhofs Dahlem entwerfen. Landesdenkmalliste. 1934: Fertigstellung eines Wohnhauses für einen Zehlendorfer Bürger nach Schweitzers Projekt in der Glockenstraße Landesdenkmalliste. 1935: Landhaus von der Schulenburg in Berlin-Westend Landesdenkmalliste.

Literatur

Wolfgang Schäche: Architektur und Städtebau in Berlin zwischen 1933 und 1945. Planen und Bauen unter der Ägide der Stadtverwaltung. Dietrich Reimer / Gebrüder Mann, Berlin 2002, ISBN 3-7861-1178-2.

Weblinks

Übersicht über den Bestand zu Heinrich Schweitzer im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Werke von Heinrich Schweitzer in den Digitalen Sammlungen der Universitätsbibliothek Stuttgart

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Deutschland) Kategorie:Mitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1871 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Mann