|} Die 1885 vollendete Bahnstrecke Nossen–Moldau (Moldava v Krušných horách) war ab 1922 eine Nebenbahn in Sachsen, die ursprünglich als Teil einer überregionalen Verbindung von Mittelsachsen nach Prag gedacht war. Bis 1876 wurde der fertiggestellte Abschnitt bis Mulda/Sa. durch die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie (LDE) als Hauptbahn erbaut und betrieben. Nach Vollendung bis Moldau führten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen die Strecke als NM-Linie, was bis heute die Grundlage für die Kilometrierung darstellt. In Betrieb befindet sich heute noch der Abschnitt von Nossen über Freiberg nach Holzhau. Der weitere Streckenverlauf bis ins tschechische Moldava (Moldau) wurde zwischen 1945 und 1972 abschnittsweise stillgelegt. Der nördliche Streckenabschnitt von Nossen nach Freiberg ist auch als Zellwaldbahn bekannt, für den südlichen Abschnitt von Freiberg nach Holzhau gibt es den Namen Freiberger Muldentalbahn.

Die in Sachsen gelegenen Streckenabschnitte werden mit der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE, 0,96 km im Bereich des Bahnhofs Nossen), Regio Infra Service Sachsen (22,835 km), der DB Netz (1,935 km im Bereich des Bahnhofs Freiberg (Sachs)) und der RP-Eisenbahn (31,295 km) von vier verschiedenen Eisenbahninfrastrukturunternehmen betrieben. Zudem betreibt die DB Station&Service von Freiberg (Sachs) bis einschließlich Holzhau die meisten der Verkehrsstationen, lediglich die Stationen Berthelsdorf Ort, Rechenberg Schule und Holzhau Skilift werden von der RP-Eisenbahn betrieben.

Die im tschechischen Bahnhof Moldava v Krušných horách befindlichen Anlagen werden inzwischen von der staatlichen Eisenbahninfrastrukturverwaltung SŽDC betrieben.

Geschichte Vorgeschichte und Bau Nossen–Freiberg

Für eine Strecke Nossen–Freiberg hatte sich insbesondere die Stadt Freiberg eingesetzt, die 1866 eine Petition für einen Bau auf Staatskosten an den Sächsischen Landtag gerichtet hatte. Die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie (LDE) erhielt die Genehmigung für die Vorarbeiten und am 16. Oktober 1871 die Konzession für den Bau und Betrieb der Strecke.

Die Bauarbeiten begannen am 24. Januar 1872. Aus Kostengründen trassierte man die Bahn auf kürzestmöglichem Weg unter günstigster Ausnutzung der topografischen Gegebenheiten. Die meisten Bahnhöfe der Strecke lagen deshalb außerhalb der namensgebenden Ortschaften, die zwei Kilometer von der Strecke entfernt liegende Stadt Siebenlehn bekam keine Bahnstation. Dank eines milden Winters kamen die Arbeiten zügig voran, sodass Ende 1872 das Planum fertiggestellt war. Einige Verzögerungen gab es, als der Schienenhersteller das bestellte Gleismaterial nicht rechtzeitig liefern konnte. Der Bahnkörper war durchgehend für zweigleisigen Betrieb vorgesehen, verlegt wurde jedoch nur ein Gleis. Am 15. Juli 1873 eröffnete die LDE die Strecke mit einem Festzug.

Freiberg–Moldau

Bereits ab 1864 bestanden mehrere Projekte zur Verbindung Freibergs mit dem Nordböhmischen Becken, um die dort geförderte Braunkohle günstig den Freiberger Bergbau- und Erzverarbeitungsbetrieben zuführen zu können. Der Landtag von 1867 ermächtigte die Sächsische Regierung zur Konzessionserteilung für eine Strecke Klingenberg–Dux, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Um 1870 bewarben sich die LDE und ein Konsortium um den Bau der Strecke Freiberg–Dux. Österreich sicherte im Staatsvertrag vom 24. Dezember 1870 die Fortsetzung auf böhmischem Gebiet zu.Staatsvertrag vom 24. Dezember 1870 mini|links|Der Bahnhof Bienenmühle war von 1875 bis 1885 Endpunkt der Strecke (Äquidistantenkarte, 1880) Die Konzession für die Strecke Freiberg–Landesgrenze erhielt die LDE am 1. Dezember 1873. Auf böhmischem Gebiet war die Konzession am 4. September 1872Concessionsurkunde vom 4. September 1872 für eine Locomotiveisenbahn von Brüx an die böhmisch-sächsische Gränze bei Mulde an die Prag-Duxer Eisenbahn (PDE) gegeben wurden, die jedoch schon bald infolge der Wirtschaftskrise von 1873 in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Der Bau auf böhmischem Gebiet verzögerte sich zunächst und wurde schließlich gänzlich abgebrochen. Ohne den Anschluss nach Böhmen war die Strecke Freiberg–Moldau allerdings nicht wirtschaftlich zu betreiben. Die LDE beschloss deshalb 1875 in einer außerordentlichen Generalversammlung, auch den Bau und den Betrieb des böhmischen Streckenteils zu übernehmen. Die LDE eröffnete am 8. Juli 1875 noch den Abschnitt Freiberg–Lichtenberg und am 2. November 1875 den Abschnitt bis Mulda. Die unvollständige Strecke sowie die bei einem Hochwasser im Februar 1876 eingestürzte Riesaer Elbbrücke wurden allerdings zu solch einer finanziellen Belastung für die LDE, dass sie sich am 26. März 1876 dem sächsischen Staat zum Kauf anbot. Der Staat übernahm das Unternehmen zum 1. Juli 1876 und stellte am 15. August 1876 den begonnenen Abschnitt bis Bienenmühle fertig.

Nachdem es der Prag-Duxer Eisenbahn gelungen war, die fehlenden Mittel zu beschaffen, kam es später doch noch zur Vollendung der Strecke. Die neuen gesetzlichen Möglichkeiten nutzend, errichteten die K.Sächs.Sts.E.B. den Abschnitt von Bienenmühle nach Moldau als Sekundärbahn. Insbesondere der Wegfall der Bahnbewachung und engere Radien ermöglichte eine deutliche Kosteneinsparung bei Bau und Betrieb. Der Oberbau wurde allerdings wegen des erwarteten Verkehrs mit schweren Kohlezügen nach den Standards für Hauptbahnen ausgeführt. Verlegt wurden insgesamt 13.420 Meter Streckengleis mit neun Weichen in den Bahnhöfen Holzhau und Hermsdorf-Rehefeld. Im Jahr 1884 waren auf der Baustelle 733 Arbeiter beschäftigt. Sie stammten aus der näheren Umgebung, aber auch aus Böhmen und Italien.

Ab dem 6. Dezember 1884 konnten auf provisorische Weise Güterzüge verkehren, offiziell wurde die Strecke am 18. Mai 1885 für den Gesamtverkehr eröffnet. Der erste, ab 18. Mai 1885 gültige Fahrplan sah für den Reiseverkehr drei gemischte Züge vor.

Betrieb Im Güterverkehr erfüllte die Linie die in sie gesetzten Erwartungen. Das Maximum im Güterverkehr war vor dem Ersten Weltkrieg mit täglich zehn Güterzügen je Richtung erreicht, die aus je 45 Wagen mit 10 Tonnen Ladefähigkeit gebildet wurden. Transportiert wurde vorrangig Kohle aus dem nordböhmischen Becken, aber auch Holz und die Erzeugnisse der örtlichen Industrie. Zwischen Freiberg und Lichtenberg wurde die Strecke 1892 wegen des hohen Verkehrsaufkommens zweigleisig ausgebaut.

Ab 1893 gab es ein ernsthaftes Projekt zum Bau einer schmalspurigen Pöbeltalbahn. Die Strecke sollte in Schmiedeberg an der Weißeritztalbahn beginnen und durch das Pöbeltal zum Bahnhof Hermsdorf-Rehefeld führen, wo umfangreiche Güterverkehrsanlagen für den Kohleumschlag vorgesehen waren. Über ein Dreischienengleis (oder eine parallele Streckenführung) sollte die Schmalspurbahn bis in den Grenzbahnhof Moldau geführt werden. Der Bau dieser Strecke wurde in den 1920er Jahren jedoch abgebrochen. Realisiert wurde dagegen der Bau der Schmalspurbahn Mulda–Sayda, die 1897 in Betrieb ging.

Einen ersten Einschnitt für den Bahnbetrieb brachte der Erste Weltkrieg, der zum Zerfall Österreich-Ungarns führte. In dessen Ergebnis entstand auf böhmischen Gebiet der neue Staat Tschechoslowakei. In der Folge ging der Kohleverkehr zurück, er stabilisierte sich schließlich bei vier bis fünf Güterzugpaaren täglich. Im Jahr 1922 wurde der bisher als Hauptbahn betriebene Abschnitt Nossen–Bienenmühle zur Nebenbahn abgestuft. Daraus resultierte eine Reduzierung der zulässigen Streckengeschwindigkeit von bislang 75 auf 50 Kilometer pro Stunde.

Am 7. Mai 1945 um 17.30 Uhr verkehrte der letzte Zug von Moldau in Richtung Freiberg. Die deutsche Wehrmacht sprengte noch am selben Tag den Viadukt Lichtenberg und unterbrach somit die Eisenbahnstrecke. Mit der Demontage einiger Meter Gleis an der Staatsgrenze wurde die Strecke dann 1948 endgültig unterbrochen. auf mujweb.cz/krusnohordraha (tschechisch) mini|Östliches Brückenwiderlager der 1972 gesprengten Brücke am Teichhaus (2019) Der verbliebene Gleisabschnitt bis zur Grenze wurde noch bis 1952 mit gelegentlichen Übergaben für einen Kohlehändler in Neurehefeld befahren. Im Frühjahr 1953 baute dann die Deutsche Reichsbahn die Strecke vom Bahnhof Hermsdorf-Rehefeld bis zur Staatsgrenze ab.

Am 7. Februar 1972 wurde auch der Abschnitt zwischen Holzhau und Hermsdorf-Rehefeld stillgelegt. Fortan verkehrten alle Züge nur noch bis Holzhau. Die am Teichhaus gelegene Eisenbahnbrücke (km 57,753) wurde 1973 im Rahmen der Dreharbeiten für den DEFA-Spielfilm „Schüsse in Marienbad“ gesprengt.

Zwischen Nossen und Freiberg wurde der Personenverkehr am 25. September 1977 eingestellt. Im Güterverkehr blieb die Strecke jedoch auch weiterhin bedeutsam, es verkehrten drei bis vier Güterzugpaare täglich. Erst infolge der politischen Wende im Osten Deutschlands kam es zur Reduzierung der Güterzugfahrten. Am 31. Dezember 1994 wurde der Güterverkehr zwischen Nossen und Großvoigtsberg eingestellt, der Abschnitt bis Großschirma folgte vier Jahre später. Als einziger Güterkunde in diesem Abschnitt verblieb das Getreidelager in Großschirma, das bis heute gelegentlich von Getreideganzzügen angefahren wird. mini|Zug der FEG im Bahnhof Holzhau (2016) Am 27. Mai 2000 verkehrten letztmals Reisezüge in Regie der Deutschen Bahn AG von Freiberg nach Holzhau. Die RP-Eisenbahn GmbH pachtete den südlich des Bahnhofs Freiberg (Sachs) gelegenen Streckenabschnitt vom Streckenkilometer 24,805 bis zum gegenwärtigen Streckenende am Kilometer 55,1 für einen Zeitraum von 20 Jahren und begann am 14. August 2000 mit den Umbauarbeiten zur Streckenerneuerung. In diesem Zusammenhang wurde die zulässige Streckenhöchstgeschwindigkeit von zuvor 50 auf 80 km/h angehoben. Zudem wurden auch zwei neue Haltepunkte an der Strecke eingerichtet. Am 25. November 2000 wurde der Reiseverkehr Freiberg–Holzhau durch die neu gegründete Freiberger Eisenbahngesellschaft (FEG) wieder aufgenommen.

In der folgenden Zeit war ein Wiederaufbau der grenzüberschreitenden Trasse nach Tschechien immer wieder in der Diskussion. Eine tschechische Studie von 2006 sah sogar eine Einbeziehung in das Projekt Regiotram Most vor. Wegen hoher Kosten und fehlenden politischen Willens scheiterte das insbesondere dem Tourismus dienende Vorhaben.

Am 5. November 2005 wurde die Strecke zwischen Nossen und Freiberg vom Chemnitzer Eisenbahninfrastrukturunternehmen Regio Infra Service Sachsen GmbH (RISS) wieder in Betrieb genommen. Am 11. August 2008 hatte die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) einen über 20 Jahre laufenden Pachtvertrag mit dem Streckeneigentümer DB Netz AG und dem bisherigen Pächter Regio Infra Service Sachsen GmbH zur Übernahme der Zellwaldbahn (Nossen–Freiberg) paraphiert. Obwohl die Übergabe der Strecke zum 31. Oktober 2008 vorgesehen war, hat schließlich der bisherige Streckenpächter RISS den Vertrag mit DB Netz verlängert. Die Pachtstrecke der RISS umfasst insgesamt 22,835 Kilometer, beginnt an der Infrastrukturgrenze zur NRE, etwa einen Kilometer vom Bahnhof Nossen entfernt und endet vor dem Bahnhof Freiberg (Sachs) am Streckenkilometer 22,870.

Im Jahresfahrplan 2012 verkehren werktags Reisezüge der FEG zwischen Freiberg und Holzhau im Einstundentakt mit Kreuzung in Mulda zur üblichen Symmetrieminute. An Wochenenden gilt ein eingeschränkter Fahrplan mit Zweistundentakt, der insbesondere auf den Ausflugsverkehr ausgerichtet ist.Jahresfahrplan 2012 der FEG – gültig vom 11. Dezember 2011 Zwischen Freiberg und Nossen verkehren zu besonderen Anlässen Museumszüge mit Dampflokomotiven. Der letzte regelmäßige Güterkunde zwischen Freiberg und Holzhau war die Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn, die ihre Transporte im Jahr 2015 auf die Straße verlagerte. Der Anschluss Getreide AG in Großschirma wird nurmehr unregelmäßig mit Ganzzügen bedient.

Am 13. August 2018 wurde der neue Haltepunkt Rechenberg Schule in der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle in Betrieb genommen. Investiert wurden dafür rund 161.000 Euro.