mini|Standarte der Panzereinheiten der Wehrmacht in der Waffenfarbe „rosa“ Die Panzertruppe war eine der Waffengattungen der Wehrmacht (im Sinne von Truppengattung) des Heeres und der Waffen-SS. Zum Einsatz kam sie während des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945.

mini|Mercedes-Funkwagen der Reichswehr, 1925 mini|Mobile Funkstelle auf einem HF-Funkwagen der Reichswehr, 1928. mini|General Guderian (hinten stehend mit Fernglas) in einem mittleren Funkpanzerwagen (Sd.Kfz. 251/3) der Wehrmacht mit Enigma-Chiffriermaschine (vorn), 1940 mini|Walther Nehring, rechts mit Erwin Rommel, verfasste erste Kernthesen zur Panzertaktik, 1942 Aufbau und Entstehung Nach dem Ersten Weltkrieg verboten die Bestimmungen des Versailler Vertrages der Reichswehr die Nutzung schwerer Waffen. Während der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in den 1920er Jahren, vertraglich vereinbart im Vertrag von Rapallo, konnten vor allem in der Panzerschule Kama neue Panzerwagen erprobt, Einsatztaktiken entwickelt und Personal geschult werden. 1935 wurde die deutsche Wehrhoheit bekannt gegeben und auch die Panzertruppe nun offiziell neu aufgebaut.

Vor allem Heinz Guderian und Walther Nehring hatten als erste deutsche Offiziere die Schlagkraft dieser Waffe richtig erkannt und die Voraussetzungen für die Erfolge der Panzertruppe geschaffen. Guderian hatte im Ersten Weltkrieg bei der neuen Funktruppe gedient und war während der Weimarer Republik bei der Reichswehr mit dem neuen Zweig des motorisierten Transportwesens beschäftigt. Nebenbei lehrte er Militärgeschichte, wo er den Panzereinsatz der Westmächte im Ersten Weltkrieg analysierte. Daraus folgte sein Standardwerk der Panzertaktik Achtung – Panzer!, in dem er sich hinzu auf die Schriften verschiedener Militärtheoretiker stützte, etwa des österreichischen Generals Ludwig von Eimannsberger.

Führungs- und Einsatzgrundsätze mini|Zusammenwirken von Panzern der 24. Panzer-Division mit Panzergrenadieren 1942 Ende 1932 erstellte Nehring im Auftrag der Ausbildungsabteilung (T 4) des Truppenamtes eine Studie zum Thema „Die Panzerbrigade im Rahmen des Kavalleriekorps“, in der er die Kernthesen eines Panzereinsatzes – selbstständiges sowie zeitlich und räumlich begrenztes Operieren in Verbindung mit motorisierter Infanterie und Artillerie, umfassender Einsatz gegen Flanke und Rücken des Gegners, dabei abgesetzt von langsameren Verbänden sowie Verfolgung des weichenden Feindes – vorausschauend beschrieb.Wolfgang Paul: Panzer-General Walter K. Nehring. Eine Biographie. Stuttgart 1986, ISBN 3-613-02208-7, S. 62.

Im Gegensatz zu Charles de Gaulle, der ähnliche Vorstellungen hatte, gelang es Guderian und Nehring, die oberste Militärführung vom Wert dieser Waffe und vom Einsatzkonzept der selbstständig operierenden Panzer-Divisionen zu überzeugen.

Während die Alliierten ihre Panzer mehr als Sturmgeschütze zur Infanterie-Unterstützung nutzten und auf breiter Front verteilten, setzte die Wehrmacht ihre Panzer-Divisionen im Verbund mit motorisierten Artillerie- und Infanterieeinheiten und weiteren Unterstützungstruppen in selbständigen Gefechtsverbänden ein. Diesen gelang es, in die feindlichen Linien einzubrechen und den Kampf in die Tiefe zu führen. Die Stoßkraft der Panzertruppe wurde dabei durch gepanzerte oder motorisierte Verbände und Einheiten anderer Truppengattungen ergänzt, deren Zusammenwirken mit der Panzertruppe fortlaufend verbessert wurde:

Die bereits bei Kriegsbeginn vorhandenen und später fortlaufend modernisierten Panzeraufklärer stießen den gepanzerten Verbänden weit voraus, klärten Feindgruppierungen auf, meldeten diese mit ihren weitreichenden Funkgeräten auch an die Luftwaffe, die diese im taktischen Lufteinsatz zerschlug oder im Gefechtswert herabsetzte, oder umgingen oder überwanden Feindkräfte durch überraschenden Feuerüberfall und erkundeten Wege- und Geländeverhältnisse für die nachstoßenden Hauptkräfte. Sie verwendeten schnelle 4-Rad-Panzerspähwagen Sd.Kfz. 221 und 222 sowie die mit zwei Fahrern gleichsam zur Vorwärts- wie zur Rückwärtsfahrt geeigneten schweren 6- oder 8-Rad-Panzer u. a. der Typen Sd.Kfz. 231, 232, 233 und 234. Weitere Typen folgten durch Umbau und Modifizierung leichter Kampfpanzer zu Aufklärungspanzern wie dem Aufklärungspanzer „Luchs“ sowie durch Einsatz von Beutepanzern wie dem Panzerspähwagen P 204(f). Panzergrenadiere und Sturmpioniere begleiteten auf dem Schützenpanzerwagen Sd.Kfz. 251 – Besatzung 2 + 10 und damit eine vollständige Infanteriegruppe – als gepanzertem Halbkettenfahrzeug die Panzer ins Gefecht, um aufgesessen ausweichenden Feind zu bekämpfen oder bei besonders hartnäckigem Widerstand, im Wald- und Ortskampf oder in unwegsamem Gelände selbst abzusitzen und unter dem Feuerschutz der Kampfpanzer und Schützenpanzerwagen gegen gedeckte oder getarnte Feindtruppen vorzugehen. Der Schützenpanzerwagen Sd.Kfz. 250 mit sechs Mann Besatzung (Kommandant, Kraftfahrer und vier Soldaten als Schützen- /Aufklärungstrupp zu Fuß) wurde vornehmlich in den Panzeraufklärungsabteilungen eingesetzt. Aus weiteren Gefechtsfahrzeugen leiteten per Funk VB („Vorgeschobene Beobachter“) und Flivo („Fliegerverbindungsoffizier“) das Feuer der Artillerie und die Luftnahunterstützung durch Sturzkampfbomber wie der Junkers Ju 87 oder der Henschel Hs 123. Ab 1940 folgte der Einsatz von Sturmartillerie. Sturmgeschütze wie das oft und an allen Fronten verwendete Sturmgeschütz III nahmen im direkten Richten feindliche Pak und Bunker unter Feuer oder riegelten Angriffe feindlicher Panzer an den Flanken ab. Im Verlauf des Krieges kamen schwere Sturmpanzer wie „Brummbär“ oder Sturmhaubitze 42 an die Front. Zur Abwehr gepanzerter Gegenangriffe kamen zunächst häufig auf Beutepanzerfahrgestellen montierte Pak als behelfsmäßige Panzerjäger (z. B. Marder I) zum Einsatz, bis ab 1943 „echte“ Jagdpanzer wie „Elefant“, „Nashorn“ oder „Hetzer“ verfügbar waren. Nachdem sich neben der Sturmartillerie die auf Panzerfahrgestelle montierten Infanteriegeschütze „Bison“ und „Grille“ als Begleitartillerie bewährt hatten, erschienen 1943 Panzerhaubitzen der Typen „Wespe“ und „Hummel“, die als bewegliche Artillerie im raschen Stellungswechsel, unter Feindfeuer und aus offenen Feuerstellungen heraus angreifenden Panzerverbänden unmittelbare Feuerunterstützung geben konnten. Auch die der Artillerie verwandte Nebeltruppe konnte ab 1944 mit ihren Panzerwerfern der Panzertruppe im Gefecht folgen. Ab 1944 kamen neben den bis dahin verwendeten Halbkettenfahrzeugen mit Flak Flakpanzer wie „Möbelwagen“, „Ostwind“, „Wirbelwind“ und „Gepard“ zum Einsatz, allerdings zu wenig, um der alliierten Luftüberlegenheit noch wirksam entgegentreten zu können. Schließlich wurden – oft durch Umbau veralteter oder beschädigter Kampfwagen – Berge- und Sanitätspanzerwagen hergestellt, die ausgefallenen Panzerfahrzeugen und deren Besatzungen zu Hilfe eilen konnten.

Im Gefecht der verbundenen Waffen ganzer Großverbände wurde es nun möglich, die gegnerische Front durch konzentrischen Angriff der Panzerverbände an Schwachstellen zu durchbrechen, ohne Rücksicht auf lange und ungeschützte Flanken feindliche Truppen im überraschenden Angriff zu zerschlagen, Engstellen, Schlüsselgelände, Verkehrsknoten oder Brücken rasch zu gewinnen, den Gegner durch den Vorstoß in die Tiefe des Raums von Versorgung und Führung im Hinterland abzuschneiden, ihn schließlich einzukesseln und zur Aufgabe zu zwingen. Wesentlich trugen dazu die flexible Führung auf allen Ebenen durch Auftragstaktik und unmittelbar von vorne, die Ausstattung mit Funk bis herunter auf Einzelfahrzeugebene und die enge Koordination über die Flivos mit der Luftwaffe bei, welche mit ihren Stukas die Aufgabe einer fliegenden Artillerie übernahm und zudem mit ihren Nahaufklärern der Truppe durch Meldungsabwurf unmittelbare Lageorientierungen verschaffte. Dabei unterstützten die den Panzerkorps unterstellten Infanteriedivisionen die Versorgungskorridore der Panzerdivisionen in die Tiefe des Feindraums und sicherten tiefe offene Flanken und im Durchbruchraum. Diese unter der Bezeichnung „Blitzkrieg“ bekanntgewordene Taktik bildete die Grundlage für die schnellen Siege während des Überfalls auf Polen und des Westfeldzuges. Diese Operationsführung war im Angriff erfolgreich, bei erfolgloser Verteidigung, in der Verzögerung und bei Rückzügen führte dies aber dazu, dass die eigene Infanterie (die nicht motorisiert war und zu Fuß marschierte) nicht mehr mit den Panzerdivisionen mithalten konnte und eingekesselt wurde.

Einsatzgeschichte mini|100px|Stander des Befehlshabers einer Panzergruppe Im September 1939 trat die Wehrmacht mit 3000 Panzern, den mit nur wenigen, leichten Panzern ausgerüsteten polnischen Truppen deutlich überlegen, zum Angriff an. Demgegenüber war das Kräfteverhältnis bei Beginn des Westfeldzugs 1940 für die Wehrmacht deutlich kritischer: 2500 deutschen Panzern standen etwa 4800 alliierte Panzerwagen gegenüber. Dafür waren motorisierte und gepanzerte Kräfte in einer Panzergruppe zusammengefasst und erreichten somit die entscheidende Durchschlagskraft, auch wenn die Kampfkraft der deutschen Panzer der der französischen und britischen Tanks unterlegen war. Allein die überlegene Taktik und Führung der deutschen Panzerverbände war der Grund für diese selbst für die eigene Militärführung überraschenden Erfolge.MGFA: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 8, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 158. Nach dem Westfeldzug wurden daher zunächst die dem Fronteinsatz nicht mehr gewachsenen Panzer I ausgemustert und neben zahlreichen Beutepanzern zu Selbstfahrlafetten umgebaut.

Beim anschließenden Balkanfeldzug 1941 gegen Jugoslawien und Griechenland traf die Panzertruppe auf einen sowohl technisch als auch kräftemäßig deutlich unterlegenen Gegner. Widrige Wetter- und Wegeverhältnisse zwangen zur Improvisation und zogen Verschleiß und Materialschäden nach sich.

Beim Angriff auf die Sowjetunion stand die Wehrmacht mit etwa 3000 Panzern in 19 Panzer-Divisionen geschätzten 10.000 Tanks des Gegners gegenüber. Auch schien den Panzerverbänden fast überall der sofortige Durchbruch und der schnelle Vorstoß in das feindliche Hinterland zu gelingen. Allerdings waren dieses Mal die Panzerverbände auf die vier Panzergruppen 1 „Kleist“, 2 „Guderian“, 3 „Hoth“ und 4 „Hoepner“ verteilt und besaßen damit weniger Stoßkraft. Auch die sowjetischen Panzer zeigten sich den deutschen bei Panzerung und Feuerkraft zunächst deutlich unterlegen. Das änderte sich jedoch, als deutsche Truppen erstmals auf die neuen T-34 und KW-1 trafen, deren 7,62-cm-Panzerkanonen eine erheblich größere Durchschlagskraft hatten und an deren Panzerung die Geschosse deutscher Kampfwagen abprallten. Erstmals trafen die Panzer der Wehrmacht auf einen wirklich ernst zu nehmenden Gegner, auch wenn Zieloptik und Funkausstattung der sowjetischen Panzer, der Ausbildungsstand ihrer Besatzungen und die Einsatztaktik der sowjetischen Truppenführer noch nicht auf deutschem Stand waren.

Die überdehnte Front, die zu weit gesteckten Angriffsziele, der trotz großer Verluste ungeahnt hartnäckige Widerstand der sowjetischen Truppen und die mangelhafte Vorbereitung auf die Schlamm- und Winterperiode führte jedoch zu einem enormen Kräfteverschleiß, so dass Ende 1941 nur noch etwa 20 % der eingesetzten Panzer einsatzbereit gemeldet waren. Es kam zu Zerwürfnissen zahlreicher Truppenführer untereinander und mit Adolf Hitler; General Heinz Guderian wurde seines Postens enthoben, Erich Hoepner wandte sich dem militärischen Widerstand zu, auch Ewald von Kleist überwarf sich 1944 mit Hitler und wurde inhaftiert.