Die Römerstraßen in der Bresse bilden am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter ein recht enges Verbindungsnetz, das im Kern während der Besatzungszeit durch die Römer entstand. Weitere Verfeinerungen entstanden unter der Herrschaft der Merowinger, nicht zuletzt wegen des Salzhandels. Die Salinen von Lons-le-Saunier und Salins wurden in gallo-römischer Zeit intensiv genutzt, das Salz musste in die bevölkerungsreichen Siedlungsgebiete entlang der Saône transportiert werden. Für diese Transportaufgaben war ein Straßennetz notwendig, das in jedem Fall die Bresse durchqueren musste. Eine Schwierigkeit lag insbesondere darin, dass im Gebiet der Bresse das Rohmaterial für den Straßenbau fast vollständig fehlte, so dass streckenweise eine vereinfachte Bauweise angewendet wurde. Auffallend ist die Tatsache, dass eine große Zahl moderner Straßen den alten römischen Trassen folgen.
Römische Eroberung Galliens Lange war die Ansicht verbreitet, das Gebiet der Bresse sei im Altertum eine nahezu unbewohnte Gegend gewesen, lediglich bedeckt von Wäldern und Sümpfen, ohne Städte und Dörfer und ohne Fundgegenstände aus dem Altertum. Dabei hat sich schon Caesar lobend über das Gebiet der Sequaner geäußert, es sei das beste von ganz Gallien, womit er sicher die Bresse meinte, die noch heute als eines der fruchtbarsten Gebiete Frankreichs gilt. Zudem tragen heute noch viele Orte keltische Namen (Bouhans, Brenets, Condal, Épervans, Fleyriat, Jouvençon, Lans, Louhans, Ménetreuil, Mervans, Oslon, Savigny, Sens, Verdun).
Zur Zeit der Eroberung Galliens durch Cäsar bestanden kaum Straßen, wenig später begann Marcus Vipsanius Agrippa mit dem Bau von vier großen Verbindungswegen, die von Lyon ausgingen:
Via Agrippa: Richtung Atlantik über Aquitanien Richtung Rhein, via Besançon und die heutigen Départements Ain und Jura Richtung Ärmelkanal, via Chalon-sur-Saône, Langres und die Champagne Via Agrippa: Richtung Mittelmeer
Tatsächlich führte keine dieser großen Straßen durch die Bresse, hingegen wurden kaum ein Jahrhundert später weitere Erschließungsstraßen erstellt, insbesondere diejenige von Chalon-sur-Saône nach Besançon.
Übersicht über die Römerstraßen in der Bresse chalonnaise mini|Römerstraßen in der Bresse
+ Übersicht über die Römerstraßen in der Bresse chalonnaiseNummerVonNachBezeichnungLänge in MeternBaubeginn ungefähr I Chalon Besançon Straße von Chalon nach Besançon über Pourlans 88.500 ab 50 v. Chr. II Verdun Poligny Straße von Verdun-sur-le-Doubs nach Poligny 72.950 ab 50 v. Chr. III Chalon Besançon Straße von Chalon nach Besançon über Pierre-de-Bresse 37.180 ≈ 20 v. Chr. IV Louhans Tavaux Straße von Louhans über Bellevesvre nach Tavaux 55.875 ab 50 n. Chr. V Louhans Cousance Straße von Louhans nach Cousance 22.550 ab 200 VI Chalon Lons Straße von Chalon-sur-Saône über Louhans nach Lons-le-Saunier 67.800 ab 200 VII Lons L’Étalet Straße von Lons-le-Saunier nach Chalon-sur-Saône über die Brücke von L’Étalet 18.375 ab 250 VIII Bellevesvre Lons Straße von Bellevesvre nach Lons-le-Saunier 25.125 ab 300 Zweige und nicht belegte Straßen 388, km Beurteilung Louhans Tournus Straße von Louhans nach Tournus 27.000 sehr wahrscheinlich Louhans Romenay Straße von Louhans nach Romenay 19.400 ab 275 sehr wahrscheinlich Louhans Tavaux Straße von Louhans über Pierre-de-Bresse nach Tavaux 22.800 wahrscheinlich Saint-Marcel Lux Zweig von Saint-Marcel nach Lux 4.125 möglich Charnay Saunières Zweig von Charnay-lès-Chalon nach Saunières 4.675 möglich Pierre Lays Zweig von Pierre-de-Bresse nach Annoire oder Pourlans 9.700 möglich Villevieux Louhans Zweig von Villevieux nach Louhans 22.000 denkbar, eher spät Ouroux La Colonne Zweig von Ouroux nach La Colonne 7.500 denkbar, eher spät Chapelle-Voland Arlay Zweig von Chapelle-Voland nach Arlay 13.000 ab 250 unbedeutend 496,5 km
Straße von Chalon nach Besançon über Pourlans mini|Römerstraße Chalon-Besançon mini|links|Teilstück bei Mont-lès-Seurre Diese Straße ist bereits auf der Theodosianischen Karte eingezeichnet, die um 230 entstand. Sie wurde von manchen Autoren irrtümlich mit derjenigen verwechselt, die von Agrippa von Lyon zum Rhein gebaut wurde. Aufgrund der archäologischen Funde, die entlang dieser Straße gemacht wurden, ist davon auszugehen, dass mit dem Bau schon sehr früh begonnen wurde, möglicherweise noch vor der Zeitenwende. Teilweise war die Gegend bereits besiedelt, worauf die Orte mit keltischen Namen hindeuten, der Bau der Straße dürfte in den letzten 50 Jahren v. Chr. begonnen haben, was die Funde von Münzen aus der Zeit von Julius Caesar und aus der frühen Kaiserzeit belegen. Die Trasse dieser Römerstraße wurde 1811 durch Napoléon weitgehend als Grundlage für den Bau der Route Impériale N°91 benutzt. Später wurde sie zur Route nationale N° 73, seit der Herabstufung ist sie die D673. Lediglich im Bereich von Pontoux bis Clux-Villeneuve weicht die moderne Straßenführung von der ursprünglichen ab. Diese Straße war von einiger Wichtigkeit, da sie das Siedlungsgebiet der Sequaner erschloss, deren Hauptstadt Vesontio war. Die Straße zog sich entlang des sequanischen Gebiets und erlaubte Gaius Iulius Vindex 68 n. Chr. gemeinsam mit den Sequanern nach Besançon zu eilen und sich mit Lucius Verginius Rufus bei der Schlacht bei Vesontio auseinanderzusetzen.
+ Römerstraße von Chalon-sur-Saône nach BesançonAbschnittWeilerGemeindeDistanz in MeterFundeHeute N° 1 Saint-Laurent, Porte Séquanique Chalon-sur-Saône 2 Brücke über Lac des Orlands Saint-Marcel 1.350 Glasfigur von Jupiter-Amun auf der Spitze einer Säule D 19 3 Saint-Marcel Saint-Marcel 870 1805 Grab eines Ehepaares, die Christen geworden waren, mit Abbildungen der Symbole des Ehesakraments D 5A 4 Allériot Allériot 5.850 Topf mit Münzen aus der Hohen Kaiserzeit Roms D 67 5 Bey Bey 2.000 Hügelmotte, Bronzebüste von Selene D 673 6 Damerey Damerey 2.675 D 673 7 Ciel Ciel 6.400 Motte und Gräber mit Knochen und Waffen D 673 8 Sermesse Sermesse 4.250 D 673 9 Pontoux, Ponte Dubris Pontoux 3.800 1773 beim Bau der Kirche Hohlräume mit Waffen und Knochen D 72 D 673 D 293 10 Charney-lès-Chalon Charney-lès-Chalon 1.500 11 Mont-lès-Seurre Mont-lès-Seurre 2.400 1838 drei Grabsteine D 154 12 La Villeneuve Clux-Villeneuve 3.800 Kastell im Norden D 503 13 Clux Clux-Villeneuve 1.750 Die heutige Straße ist nach wie vor mit Vie Romaine beschildert. D 503 14 Les Mares Pourlans 2.950 D 673 15 Annoire Annoire 3.130 Motte, Münze aus Marseille, römische Münze, Särge aus Stein, Backsteingräber, Knochen, Waffen D 673 16 Beauchemin Chemin 2.000 Motte mit Stuck-Sarkophag mit Skelett, Eisenlanze und Kupferring, ferner Knochen, Münzen, Fundamente, Eisenkoffer mit Tausenden von Gold- und Silbermünzen aus der Zeit von Julius Caesar (58–45 v. Chr.) D 673 17 Chemin Chemin 1.800 Münzen Römische Kaiserzeit D 673 18 Champdivers Champdivers 6.000 Villangrette: Motte mit unterirdischen Räumen und Münzen - Champdivers: Helme, Harnische, Lanzen, 1832 sechs Skelette mit Grablampen und Säbelklingen, eine mit Wehrgehänge aus damasziertem Silber und beweglichem Ring D 673 19 Tavaux Tavaux 3.150 Ziegel, Grabsteine mit Inschriften, Tempelfundamente, Säulenfragmente, Kopf einer Bronzediana, Gräber mit Knochen und Waffen D 905 20 Saint-Ylie Dole 6.225 Meilenstein D 673 21 Dole Dole 3.600 22 Orchamps Orchamps 14.150 D 673 23 Besançon Besançon 31.400 D 673 88,5 km Länge von Chalon-sur-Saône bis Dole 111,0 km Gesamtlänge bis Besançon mini|links|x150px|Römerstraße Chalon–Dole, Teilstück Chalon–Damerey
Straße von Verdun-sur-le-Doubs nach Poligny mini|Römerstraße Verdun-Poligny (dunkelgrün Ost-West-Richtung)
Die Straße wurde in ihrem westlichen Zweig Vie Ferrée genannt, was auf das Lateinische via ferrea zurückgeht und als feste Straße zu deuten ist. Im Gebiet von Saône, Doubs bis Saint-Bonnet-en-Bresse erscheint sie als Vie gravée, sonst wird sie als Voie romaine oder Chemin des Romains bezeichnet. Die Bauzeit der Straße liegt kurz vor der Zeitenwende. Denkbar ist, dass der Bau der Straße im Juragebiet begann. Auffallend ist insbesondere der Verlauf in der Gegend von Sellières bis La Chaux-en-Bresse, wo sie schnurgerade durch die waldigen Gebiete verläuft. Ein Grund für die Erstellung mag darin liegen, dass die Römer die Verkehrswege in innergallische Gebiete verbessern wollten, um den Salztransport vom Jurafuss, wie Salins-les-Bains, zu erleichtern. Bellevesvre war ein wichtiges Zentrum und war Kreuzung von mehreren Römerstraßen, so dass von dort aus eine große Zahl von Destinationen erreichbar waren.
Die Straße war offensichtlich lange in Gebrauch, im 18. Jahrhundert wurde bereits begonnen, sie zwischen Sellières und Bellevesvre zu sanieren. Die Revolution stoppte die Arbeiten, sie wurden erst unter König Louis-Philippe I. wieder aufgenommen. Diese Straße trug später die Bezeichnung Départementsstraße D1 im Département Jura, was auf ihre Wichtigkeit hinweist. Gaspard, der Autor der Quelle, äußert sich kritisch über die Tatsache, dass das Département Saône-et-Loire nicht dieselbe Klugheit gezeigt habe und die alte Trasse ebenfalls saniert habe, statt eine neue Verbindung zwischen Verdun-sur-le-Doubs und Saint-Germain-du-Bois zu bauen. Lediglich ein Stück von 4.662 Metern wurde erstellt, um die D1 nach Bellevesvre zu führen (D223).
+ Römerstraße von (Autun und) Verdun-sur-le-Doubs nach PolignyAbschnittWeilerGemeindeDistanz in MeterFundeHeute N° 1 Autun Autun 2 Saint-Loup-de-la-Salle Saint-Loup-Géanges 55.000 Ein Weiler Milliore weist auf einen Meilenstein hin, dort wurden römische Ziegel gefunden 3 Allerey-sur-Saône Allerey-sur-Saône 7.300 Kreuzung mit der Via Agrippa von Lyon nach Köln. In der Gemeinde besteht ein Wald namens Le Défens, was möglicherweise auf einen Wehrbau zum Schutz der Straße hinweist. D 970 4 Chauvort Allerey-sur-Saône 1.625 die Generalstabskarte 1820–1866 zeigt hier eine Fähre über die Saône. D 970, Rue du Port 5 Verdun Verdun-sur-le-Doubs 2.125 Der Ort besteht seit keltischen Zeiten und war Sitz eines Erzpriesters. Es wurden viele römische Reste gefunden. D 970 6 les Hales Ciel 2.000 Der Wald les Hales wurde gegen 1775 gerodet. D 970 7 Les Haies du Loup Ciel 2.000 Hier kreuzt die Straße diejenige zwischen Chalon und Besançon 8 Toutenant Toutenant 3.625 Der Flurname nördlich der Straße heißt heute noch La Vie gravée. Ein Grabhügel von 26,9 Meter Durchmesser und über 2 Meter hoch. D 115 9 Gontier Saint-Bonnet-en-Bresse 4.450 Auf halber Strecke stand das Schloss le Péroux (offensichtlich abgeleitet von Stein), wo die Straße im 19. Jahrhundert noch gut sichtbar gewesen sei. In dieser Gegend wurde eine antike Statuette gefunden. Einmündung in die Straße von Chalon nach Besançon über Pierre-de-Bresse. D 115 10 Saint-Bonnet Saint-Bonnet-en-Bresse 2.025 1828 und 1832 wurden römische Münzen der Hohen Kaiserzeit (27 v. Chr.–192) und von Kaiser Antonius (238–244), zusammen mit einem Fragment eines Schutzschildes aus Kupfer, bedeckt mit einem Silberband, auf dem ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln und einem Blitz im Schnabel, abgebildet ist. D 996 D 115 11 Mirebel Saint-Bonnet-en-Bresse 850 D 115 12 La Grande Motte La Chapelle-Saint-Sauveur 3.700 D 115 13 La Chapelle La Chapelle-Saint-Sauveur 4.050 14 Chavenne La Chapelle-Saint-Sauveur 3.475 Hier bestand eine sehr hohe Motte, von Gräben umgeben, möglicherweise zur Bewachung der Straße 15 Utre Torpes 2.925 16 Bellevesvre Bellevesvre 3.750 Beim Ausgang aus der Stadt befindet sich eine Motte, genannt Le Rond D73 17 Beauvernois Beauvernois 6.300 Motte von drei Metern Höhe, von einem doppelten Graben umgeben, einen Speer und mehrere Mühlsteine von Handmühlen 18 La Chaux La Chaux-en-Bresse 3.150 D 1 19 Vers Vers-sous-Sellières 4.050 D 1 20 Sellières Sellières 2.550 römische Medaillen der hohen Kaiserzeit (27 v. Chr.–192) D 468 21 Poligny Poligny 13.000 bei Chézeau römische Fliesen und Münzen N 83 73,0 km Länge von Allerey-sur-Saône bis Poligny 128,0 km Gesamtslänge von Autun bis Poligny mini|links|600px|Römerstraße Verdun-Poligny, Teilstück Allerey–Bellevesvre