Haffstrom war ein Kirch- und Fischerdorf unmittelbar am Frischen Haff im heutigen Rajon Gurjewsk in der russischen Oblast Kaliningrad.

Geographische Lage HaffstromOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Haffstrom lag an der Nordostspitze des Frischen Haffs an einer Stelle, wo sich das große Gewässer zu einer Bucht weitet. Bis zum Stadtzentrum Kaliningrads waren es acht Kilometer über die heutige Regionalstraße 27A-020 (ex A194, ehemalige deutsche Reichsstraße 1).

Geschichte mini|Haffstrom, nordöstlich am Frischen Haff und südwestlich der Stadt Königsberg, auf einer Landkarte von 1910 Das kleine Dorf hieß vor 1785 Habestrom, danach bis 1907 Hafestrom, dann bis 1946 Haffstrom und bis in die 1990er-Jahre hinein russisch Schosseiny (von шоссе/schosse für Chaussee).

Im Jahre 1874 wurde Hafestrom in den neu errichteten Amtsbezirk KalgenRolf Jehke, Amtsbezirk Kalgen (russisch: Schosseinoje) eingegliedert, der zum Landkreis Königsberg (Preußen) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Am 27. Februar 1907 erhielt Hafestrom die offizielle Bestätigung zur Namensschreibweise „Haffstrom“.

In Haffstrom lebten im Jahre 1910 190 Einwohner. Am 30. September 1928 wurde die Landgemeinde um den Gutsbezirk Kalgen vergrößert, der eingemeindet wurde. Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 511.

Am 1. April 1939 musste Haffstrom seine Eigenständigkeit aufgeben und wurde zusammen mit dem Nachbarort Prappeln (russisch: Tschapajewo) in die Stadtgemeinde und den Stadtkreis Königsberg (Preußen) eingegliedert.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs wurde Königsberg 1945 zusammen mit dem nördlichen Ostpreußen von der Sowjetunion unter eigene Verwaltung genommen. Der Stadtteil Haffstrom wurde offenbar nicht wieder besiedelt und ist nicht mehr vorhanden.

Kirche Kirchengebäude Bei der KircheDer Friedhof und die Kirche von Haffstrom, in: Das Ostpreußenblatt, Jahrgang 8/Folge 47 (23. November 1957) in Haffstrom handelte es sich um eine Ordenskirche aus der Zeit um 1350. Der mit großen Blenden versehene Ostgiebel wies noch die strengen Formen jener Zeit auf. An das Kirchenschiff wurden im 18. Jahrhundert mehrere Vorbauten errichtet, wie die Sakristei, die Taufkapelle und die Gruft. "Der Westturm wurde unter Verwendung alter Teile 1817 wieder aufgebaut. Die Patronatskirche wurde pfleglich ausgestattet. Die Glasmalereien von 1837 wurden nach Vorbildern in der Kathedrale von Rouen und im Kölner Dom von Vaertel aus München ausgeführt. Der Altar um 1645 ist ein Werk des ausklingenden Manierismus."Anatolij Bachtin, Gerhard Doliesen: Vergessene Kultur. Kirchen in Nord-Ostpreußen. Eine Dokumentation, 3. Aufl. Husum 2000, S. 153: mit Abbildung der Kirche von Osten, einer Karte von 1939, 1989 und einem Bild des heutigen Ortes Um die Kirche herum erstreckte sich bis 1945 der Friedhof (siehe historische Karte 1939 in Einzelnachweis Nr. 2). Die Kirche befand sich am Rande der neuentstandenen Bucht (Kiesabbau). Die Stelle liegt inzwischen ebenfalls im Wasser (Einzelnachweis Nr. 2).

Eine 1619 von Nikolaus Schmidichen in Königsberg gegossene Patenglocke aus Haffstrom befindet sich heute in der Kirche von Groß Lobke.Jörg Poettgen: Handbuch der deutschen Glockengießer und ihrer Werkstätten bis zum Jahre 1900 in den ehemaligen deutschen Ostprovinzen Pommern, Ost- und Westpreußen und Schlesien mit Berücksichtigung der im westlichen Deutschland vorhandenen Leihglocken. 2010, S. 54

Die Kirche erhielt um 1750 eine Orgel aus der Werkstatt des Königsberger Orgelbauers Adam Gottlob Casparini. Diese wurde später an die Kirche Scharnau (polnisch Sarnowo) im Kreis Neidenburg abgegeben.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 127

Kirchengemeinde Im Jahre 1349 wurde das Große Hospital in Königsberg (Preußen) mit Haffstrom dotiert, das damals schon Kirchdorf war. Die lutherische Reformation hielt hier früh Einzug. Zunächst unterstand die Kirchengemeinde der Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers, zuletzt – bis 1945 – war sie in den Kirchenkreis Königsberg-Land I in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Haffstrom gehörten 22 OrteKirchspiel Haffstrom bei genealogy.net: Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Anker Kalgen Schosseinoje Fischhof Klein Karschau Godrienen Laskino Ludwigshof Groß Karschau Maulen Haffstrom Prappeln Tschapajewo Heidekrug bei Maulen Schönbusch Dimitrowo Heyde-Maulen,1938–1946: Heidemaulen Spandienen Suworowo Heyde-Waldburg,1938–1946: Heidewaldburg Pribreschny Waldburg Heyde-Wundlacken,1938–1946: Heide Wundlacken Wangitt Rybatschje Hoch Karschau Nowo-Doroschny Wardienen Jägersheim Warthen

Pfarrer Von der Reformation zum Jahre 1945 amtierten in Haffstrom 24 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 51: Johann Leuckner, 1545 Michael Stifel, ab 1551/1553 Christoph Wildius, 1567 Michael Weisner, 1579/1583 Martin Forquer, bis 1588 Franciscus Grätsch, 1600/1612 Georg Plönscius, 1621/1630 Melchior Ayslinger Johann Regius, ab 1642 Johann Ohlius, 1648–1676 Jacob Heinrich Ohlius, 1676–1696 Johann Bernhard Rasch, 1696–1717 Johann Friedrich Kösling, 1717–1721 Christian Kirchner, 1721–1748 Martin Theodor Passarge, 1749–1807 Christian Phil. Emanuel Gebauhr, 1807–1810 Johann Friedrich Hassel, 1811–1819 Benjamin Samuel Büttner, 1820–1832 Carl Leonhard Waechter, 1833–1873 Ludwig Fr. Ad. Hoffmann, 1873–1885 Carl Rudolf Matth. Haase, 1885–1897 Franz Wilhelm Friczewski, 1897–1932 Winfried Evers, 1933–1935 Herbert Steinbach, 1935–1943

Persönlichkeiten des Ortes Carl Julius Gebauhr (* 9. Februar 1809 in Haffstrom), deutscher Klavierbauer († 1881)

Literatur Haffstrom, Dorf, am Spicking, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Haffstrom (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 51–52 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 41–42 (Google Books).

Weblinks Amtsbezirk Kalgen (Territorial.de)

Einzelnachweise

Haffstrom Haffstrom Haffstrom Kategorie:Samland Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ort im Rajon Gurjewsk (Kaliningrad)