Rotherbaum ist ein Stadtteil im Bezirk Eimsbüttel der Freien und Hansestadt Hamburg. Im engeren Sinne bezeichnet Rotherbaum auch ein größeres Quartier um die Rothenbaumchaussee.

Geografie Lage Rotherbaum ist umgeben von der Außenalster und dem Stadtteil St. Georg im Osten, Harvestehude im Norden (Grenze ist die Hallerstraße), den Stadtteilen Eimsbüttel im Nordwesten (Grenze ist die Straße Beim Schlump) und Sternschanze im Südwesten. Im Süden liegen St. Pauli, im Südosten die Neustadt, nahe dem Bahnhof Hamburg-Dammtor. Hier wird die Grenze von der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn über die Lombardsbrücke gebildet.

Namensherkunft Der Name Rotherbaum wurde vom Rothen Baum abgeleitet, einem vorgelagerten Kontroll- und Mautposten an der heutigen Rothenbaumchaussee in der Zeit der Stadtbefestigung. Der Posten war an der Chaussee nach Eppendorf am Übergang über einen Bach namens Hundebek gelegen und soll einen roten Schlagbaum besessen haben. Aufgrund dieser Herkunft wird der Ortsname trotz der Schreibweise in einem Wort und mit historischem th bis heute häufig in gebeugter Form verwendet („am Rothenbaum“ etc.).

Ungeachtet der heutigen Stadtteilgrenzen wird mit „Rotherbaum“ bisweilen auch das Quartier rund um die Rothenbaumchaussee bezeichnet. So führen z. B. das Tennisstadion und das Funkhaus des NDR den Zusatz „am Rothenbaum“ im Namen, obwohl beide im Stadtteil Harvestehude liegen.

Geschichte mini|Der Rothe Baum um 1790 (rechts oben), deutlich zu erkennen auch der Bach Hundebek

Das ehemalige Dammtor bildete den nördlichen Ausgang Hamburgs zu den nordwestlich angrenzenden Ortschaften. Das Gebiet unterstand seit dem Spätmittelalter zum einen Teil der Landherrenschaft Hamburger Berg, zum anderen gehörte es dem Kloster St. Johannis. Im späten 18. Jahrhundert lagen vor dem Stadttor jenseits der Moorweide erste Landhäuser und Gartengrundstücke, die am Ende der Franzosenzeit im Winter 1813/14 zumeist zerstört wurden. Um 1816 kaufte der Schiffsmakler John Fontenay vor dem Dammtor an der Alster in großem Umfang Ländereien. Er ist Namensgeber der Straßen Fontenay und Fontenay-Allee.

Nach Aufhebung der Torsperre 1860 verließen immer mehr wohlhabende Bürger ihre Stadtwohnungen und bauten sich Villen in der Nähe der Außenalster. Entlang der Straßenzüge Mittelweg, Rothenbaumchaussee und Grindelallee entstanden vor der Jahrhundertwende Etagenhäuser. 1871 wurde Rotherbaum zum Vorort erhoben und 1894 als Stadtteil eingemeindet.

Die Gründung der Universität im Jahr 1919 und die Ansiedlung weiterer öffentlicher Einrichtungen (Fernsprechamt Schlüterstraße 1912, Museum am Rothenbaum 1912, später die Gesundheitsbehörde, Oberfinanzdirektion, Bundesvermögensverwaltung, ehemalige Standortverwaltung der Bundeswehr, Konsulate) prägten die Entwicklung des Stadtteils im 20. Jahrhundert.

Bis Mitte der 1920er Jahre waren rund 15 Prozent der Einwohner in Harvestehude und Rotherbaum Juden.Kilian Trotier: Mehr als ein Trostpflaster Es gab bis zur nationalsozialistischen Verfolgung mehrere Synagogen, u. a. die Bornplatzsynagoge oder der heute vom NDR als Konzertsaal Tempel Oberstraße. An das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Rotherbaums erinnert u. a. der Platz der jüdischen Deportierten neben dem Hauptgebäude der Universität. Siehe hierzu: Artikel Bezirk Eimsbüttel.

Von den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg blieb Rotherbaum vergleichsweise verschont. Nach dem Krieg wurden hier große Teile der britischen Militärregierung untergebracht, auch fanden hier die Curiohaus-Prozesse eines britischen Militärgerichts gegen SS-Täter statt.

Statistik (Quelle: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023. (PDF; 6,4 MB) statistik-nord.de)

Anteil der unter 18-Jährigen: 13,0 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 16,4 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 17,3 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 3,2 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]

Rotherbaum gehört zu den reichsten Stadtteilen Hamburgs. Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt hier 87.216 Euro jährlich (2020) und ist somit fast doppelt so hoch wie der Hamburger Gesamtdurchschnitt (48.035 Euro).

Quartiere Grindel Das Grindelviertel ist Standort der Universität und daher von studentischem Leben geprägt.

Pöseldorf Der Name Pöseldorf soll von pöseln abgeleitet sein, was so viel wie „gärtnerisches Herumwirtschaften ohne großen wirtschaftlichen Erfolg“ bedeutete. Als 1813 die wenigen Häuser in diesem Gartengebiet abbrannten, wurden hier zwischen Pöseldorfer Weg und Magdalenenstraße Remisen und Häuser für Kutscher, Handwerker, Krämer und Dienstboten gebaut.

Pöseldorf ist heute ein Stadtviertel mit Einzelhaus- und Villenbebauung nahe der Alster. Es ist bekannt für seine zahlreichen Gastronomiebetriebe und Kunstgalerien. Die Milchstraße in dem Viertel ist benannt nach den früher dort ansässigen Milchhändlern. Dort finden sich Restaurants, Bars, Kneipen und Nachtclubs in kurzen Abständen aneinandergereiht. Sie ist zu erreichen über den architektonisch interessanten Turmweg in Richtung Alster.

Politik Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Rotherbaum zum Wahlkreis Rotherbaum – Harvestehude – Eimsbüttel-Ost.

Wahlergebnisse

Bürgerschaftswahl SPD CDU Grüne Linke FDP AfD Übrige202525,9 %25,0 %23,8 %11,3 %4,6 %3,8 %5,6 %202030,5 %10,2 %32,1 %10,4 %8,4 %3,0 %5,4 %201538,4 %13,9 %17,8 %9,0 %12,8 %3,5 %4,6 %201142,7 %18,5 %16,9 %6,8 %9,7 % –5,4 %200832,4 %39,7 %14,4 %5,5 %6,6 % –1,4 %200429,0 %41,1 %22,4 % –3,4 % –4,1 %200136,6 %23,5 %17,4 %0,5 %7,7 % –14,3 %199728,6 %25,7 %26,9 %1,3 %5,9 % –11,6 %199331,8 %21,0 %27,7 % –6,0 % –13,5 %199139,3 %31,9 %15,9 %1,1 %8,2 % –3,6 %198738,9 %35,8 %15,4 % –8,6 % –1,3 %198629,1 %39,3 %23,1 % –7,7 % –0,8 %Dez. 198240,6 %37,2 %17,1 % –4,0 % –1,1 %Juni 198233,0 %40,2 %18,6 % –5,8 % –2,4 %197838,6 %39,3 %11,6 % –6,1 % –4,4 %197434,8 %46,2 % – –11,9 % –7,1 %197047,4 %36,7 % – –9,8 % –6,1 %196649,5 %37,3 % – –8,3 % –4,9 %

Bei Bezirksversammlungswahlen gehört der Stadtteil zum Wahlkreis Harvestehude / Rotherbaum. Bei Bundestagswahlen zählt Rotherbaum zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Eimsbüttel.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kinos Das Abaton am Allende-Platz ist eines der ältesten Programmkinos Deutschlands.

Theater Die Hamburger Kammerspiele sind ein traditionsreiches, mittlerweile privates Theater in Rotherbaum.

Museen Das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK), das Geologisch-Paläontologische Museum, das Mineralogische Museum Hamburg und das Zoologische Museum liegen in Rotherbaum.

Musik Die Hochschule für Musik und Theater Hamburg befindet sich am Harvestehuder Weg.

Die Staatliche Jugendmusikschule Hamburg hat im Michael-Otto-Haus am Mittelweg ihren Sitz. Dort ist auch der Neue Knabenchor Hamburg angesiedelt.

Im Musikclub Logo finden an der Grindelallee seit 1974 Konzerte statt.

Der Tonali im Kleiner Kielort 3–5 bietet im Jahr rund 70 Konzerte.

Parks Eingebettet zwischen verschiedenen Gebäuden der Universität liegt der Von-Melle-Park, der Campus der Uni, mitten in Rotherbaum. Zwischen dem Univiertel und der Verbindungsbahn liegt der Sternschanzenpark. Seit der Gebietsreform 2008 gehört dieser nun zum Stadtteil Sternschanze im Bezirk Altona. Auch das Alstervorland ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt. Im Süden von Rotherbaum, zwischen dem Dammtorbahnhof, dem Grand Elysée Hotel und dem Mittelweg liegt die Moorweide. Auf einer Grünfläche neben dem Hauptgebäude der Universität steht auch das Büsch-Denkmal.

Das Kriegerdenkmal 1870/71 Das Kriegerdenkmal wurde von Johannes Schilling geschaffen und 1877 eingeweiht. Es soll an die Gefallenen des 76. Infanterie-Regiments im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 erinnern. Bis 1926 stand die Skulptur an der Esplanade, heute ist sie an der Fontenay zu finden.

Bauwerke Zu den als Landmarken weithin sichtbaren Bauwerken der Universität gehören das Geomatikum sowie der Philosophenturm, die höchsten Gebäude im Stadtteil. Weitere wichtige Bauwerke der Universität sind das Hauptgebäude mit den von Helmut und Hannelore Greve gestifteten modernen Flügelbauten an der Edmund-Siemers-Allee, das Audimax am Von-Melle-Park und der sogenannte Pferdestall am Allende-Platz, in dem bereits Ernst Cassirer lehrte.

Unweit der Universität befindet sich das denkmalgeschützte Fernsprechamt Schlüterstraße, in dem 1924 der erste norddeutsche Radiosender – Vorläufer des NDR – auf Sendebetrieb ging. Ebenfalls an der Rothenbaumchaussee ist das Curiohaus, wo nach Kriegsende die Curiohaus-Prozesse und andere Prozesse gegen NS-Täter stattfanden.

Das Medienzentrum Multimedia Centre Hamburg an der Ecke Rothenbaumchaussee/Hallerstraße wurde 1997–99 von Norman Foster erbaut. Die Kirche St. Johannis-Harvestehude am Turmweg ist eine der besterhaltenen neugotischen Kirchen Deutschlands. Die als Budge-Palais bezeichnete Villa am Harvestehuder Weg 12 beherbergt heute die Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Am Alsterufer 27/28 lag bis 2022 das Amerikanische Generalkonsulat. Das ursprünglich aus zwei Villen bestehende Gebäudeensemble wurde 1882 und 1893 von Martin Haller erbaut und später verändert.

Seit Mitte des Jahres 2014 entstehen mit dem Apartimentum so wie dem Hotel The Fontenay medial beachtete Neubauten im Stadtteil.Artikel Hamburger Abendblatt

Sportanlagen mini|Tennisstadion am Rothenbaum

Leichtathletik Der „Sportpark am Institut für Bewegungswissenschaft“ der Universität Hamburg am Turmweg zwischen Rothenbaumchaussee und Feldbrunnenstraße besteht aus vier Hallen und einer Außenanlage mit Kunstrasenplatz, 400 m Tartan-Laufbahn, Leichtathletik-Flächen und einer Beachvolleyballanlage. (Inoffizieller Name: „Gustav Stuhlmacher Platz“„Gustav Stuhlmacher-Platz“ – ein Studenten-Gag! In: Hamburger Abendblatt, 11. Oktober 2006; abendblatt.de)

Rudern Am Alsterufer sind der älteste deutsche Ruderclub Der Hamburger und Germania Ruder Club sowie der Ruder-Club Favorite Hammonia ansässig.

Tennis Das Tennisstadion am Rothenbaum, so die landläufige Bezeichnung, und die dazugehörenden Tennisplätze gehören zum Stadtteil Harvestehude, dessen Grenze durch die Hallerstraße markiert wird. Das ATP-Turnier von Hamburg wird regelmäßig im Juli veranstaltet. Im Jahr 2006 fand das Masters-Series-Turnier zum 100. Mal statt.

Ehemalige

Fußballstadion Von 1911 bis 1997 spielte der Hamburger SV in dem Rothenbaum-Stadion. Es war der Austragungsort vieler Liga- und Meisterschaftsspiele. Der Sportplatz lag zwischen Turmweg und Hallerstraße. Heute befinden sich hier Wohnungen und Büros.

Reitbahn In nordöstlicher Richtung stieß das Stadion unmittelbar an die Reitbahn am Rothenbaum, die im April 1907 eröffnet wurde.Ein Reiterfest. In: Hamburger Nachrichten, Abendausgabe, 22. April 1907, S. 1; europeana.eu Sie wurde von dem Architekten Emil Janda (Puttfarken & Janda) mit einer großen Reithalle und knapp 100 Unterstellmöglichkeiten für Pferde bebautReitbahn–Verein Rotherbaum (Grundriss und Vogelperspektive). In: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg (Hrsg.): Hamburg und seine Bauten unter Berücksichtigung der Nachbarstädte Altona und Wandsbek 1914. Selbstverlag, 1914, Band 1, S. 621; tugraz.at (PDF; 1,2 MB). und von Lau & OppenheimerKarl John Wilhelm Lau und David Theodor Oppenheimer waren unter Lau & Oppenheimer alteingesessene Reithallenbetreiber (Colonnaden) und als Pferdehändler u. a. für zahlreiche Herrscherhäuser tätig. betrieben. In nordwestlicher Richtung grenzte ein Sportplatz für Läufer und Radfahrer an den Sportplatz, der vor 1900 errichtet worden war. Vermutlich wurde das Gelände Ende der 1930er Jahre anderweitig genutzt.

Velodrom An Stelle des „Sportparks am Institut für Bewegungswissenschaft“ am Turmweg stand von 1899 bis 1912 ein Velodrom.Der Neubau des „Velodrom-Rotherbaum“ in Hamburg. In: Deutsche Bauzeitung, 1899, 33. Jg., S. 112–113; .

mini|Auf dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes stehen Wohn- und Geschäftshäuser.