Die Kommunistische Partei Perus – Leuchtender Pfad (, kurz PCP-SL), bekannter unter dem Namen Leuchtender Pfad () ist eine marxistisch-leninistische und maoistische Partei und terroristischeSalomón Lerner Febres, Josef Sayer (Hrsg.): Wider das Vergessen: Yuyanapaq. Bericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission Peru. Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern 2008, S. 32 und 34. Guerillaorganisation in Peru.

Die Organisation entstand Ende der 1960er Jahre aus einer von Abimael Guzmán geführten maoistischen Abspaltung des Partido Comunista Peruano (PCP) an der Universität von San Cristóbal de Huamanga im peruanischen Departamento Ayacucho.Los orígenes de del Partido Comunista del Perú Sendero Luminoso, Informe de la Comisión de la Verdad y Reconciliación; Bericht der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission. Die Guerillaaktivitäten der Gruppe lösten über zehn Jahre andauernde bürgerkriegsähnliche Konflikte in Peru aus, die fast 70.000 Menschen das Leben kosteten, darunter mehrheitlich Angehörige der quechuasprachigen Landbevölkerung.

Die EU führt die Organisation auf ihrer Liste der Terrororganisationen.

Name Die Partei bezieht sich in ihrem Namen auf den 1930 verstorbenen peruanischen Politiker, Journalisten und Schriftsteller José Carlos Mariátegui, den Gründer des Partido Socialista del Perú. Der Name bezieht sich auf einen Ausspruch Mariáteguis: „Der Marxismus-Leninismus ist der leuchtende Pfad in die Zukunft.“¿Por qué se le denomina Sendero Luminoso?, Correo, 12. September 2017

Geschichte Sendero Luminoso trat erstmals Ende der 1960er-Jahre durch politische Agitation an der Universität von Ayacucho in Erscheinung. Sein Gründer und Anführer, der Philosophieprofessor Abimael Guzmán, hatte Ende der 60er Jahre das China der Kulturrevolution bereist und begann unter diesem Eindruck, Anhänger unter den Studenten zu sammeln.Goedeking, Ulrich, v. Oertzen, Eleonore: Peru. München 2004 (Beck’sche Reihe Länder), ISBN 3-406-50457-4, S. 99 f. Bei der Formulierung seiner Theorie berief er sich auf die Einschätzung Perus als „halbfeudale“ und „halbkoloniale“ Gesellschaft durch Mariátegui, weil sie den Vorstellungen Mao Zedongs von einer vorrevolutionären Situation ähnelte; gleichzeitig betonte Mariátegui die große Spaltung zwischen der spanisch geprägten Küste und dem indigenen Hochland.Escárzaga, Fabiola: AUGE Y CAÍDA DE SENDERO LUMINOSO in:Bajo el Volcán, vol. 2, núm. 3, segundo semestre, 2001, pp. 75–97, Benemérita Universidad Autónoma de Puebla, Puebla, México Ayacucho war eine der ärmsten Provinzen Perus. Die schlechte Situation und geringe Entwicklungsmöglichkeit der verarmten Bevölkerung im Andenhochland und deren karge Lebensumstände wurden von den verschiedenen Regierungen in Lima nie durchgreifend verbessert. Die Öffnung des Bildungssystems in den 1970er Jahren weckte in der überwiegend indigenen Bevölkerung große Hoffnungen auf Besserung der sozialen Lage, die aber oft enttäuscht wurden: Mit indigenem Aussehen und ohne die notwendigen Beziehungen fand man trotz eines Hochschulabschlusses oft keinen Arbeitsplatz. Dies und die Vernachlässigung der Hochlandregionen verschafften dem Sendero eine gewisse Zustimmung, als er zu Beginn der 1980er Jahre zunächst mit vereinzelten Anschlägen in den Untergrund ging.Vgl. dazu Cynthia McClintock: Why Peasants Rebel: The Case of Peru's Sendero Luminoso. In: World Politics. Vol. 37, No. 1, Oktober 1984, , S. 48–84. Sein politisches Ziel war von Anfang an der völlige Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung durch einen Volkskrieg.; Goedeking / v. Oertzen 2004, S. 100ff., 148 Die Bewegung wurzelte vor allem im universitären Milieu, im Schulwesen und in der indigenen Bevölkerung. Gerade auch für Frauen konnten die Forderungen nach Gleichstellung im äußerst patriarchal geprägten Peru attraktiv wirken. Die Mehrzahl der Aktivisten des leuchtenden Pfads hatten bei Aufnahme in die Organisation, das 25. Lebensjahr noch nicht überschritten. Zu Hochzeiten verfügte die Bewegung über ca. 5000 Mitglieder.

Bewaffneter Kampf mini|Gebiete in Peru mit Aktivitäten des Sendero Luminoso (Stand 2018)

Während nach dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1980 die Mehrheit der Linksparteien sich im Bündnis Izquierda Unida (IU) zusammenschloss und an den Wahlen teilnahm, rief der Sendero Luminoso zum Wahlboykott auf und erklärte stattdessen den bewaffneten Kampf. Im Gegensatz zu vielen anderen Guerillaorganisationen ging der Sendero nicht direkt zum Kampf über, sondern baute zuerst im Geheimen eine Organisation auf. Über mehrere Jahre hinweg wurden Kämpfer rekrutiert und in sorgfältig geplanten Zellen organisiert. Guzmán, der Anführer der Bewegung, ging in den Untergrund und befehligte die Kämpfer über ein ausgeklügeltes Netz aus Kurieren und toten Briefkästen. Erst als diese Vorbereitungen abgeschlossen waren, schlugen sie zu. Im Frühjahr des Jahres 1980 verbrannten sie als eine der ersten Aktionen die Wahlurnen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ayacucho. Es folgten Überfälle auf Polizeistationen und Dörfer. Bezeichnend für das Funktionieren der Geheimhaltung ist, dass diese Aktionen von der Regierung zunächst nicht als zusammenhängend erkannt, sondern als vereinzelte Sabotageakte gedeutet wurden. Erst relativ spät, als sich die einzelnen Zellen schon lange im offenen Kampf befanden, wurde die dahinter stehende Organisation überhaupt wahrgenommen.

Zu den ersten vom Leuchtenden Pfad ermordeten politischen Amtsinhabern gehörten die Gemeindevorsteher von Uchuraccay (Alejandro Huamán) und Waychao in der Provinz Huanta Ende 1982. Am 29. Dezember 1982 rief die Regierung in der Provinz den Ausnahmezustand aus und stationierte Militäreinheiten in dem Gebiet. Ideologie und Praxis der Senderisten waren von einer in Lateinamerika bis dahin nicht bekannten Radikalität. Abimael Guzmán, der sich „Presidente Gonzalo“ nennen ließ, verlangte absolutes Engagement für die Sache. Da es ihnen an Schusswaffen mangelte, verübten die Rebellen ihre Anschläge meist mit Sprengsätzen, die sie aus in Bergwerken gestohlenen Sprengstoffen anfertigten und die Geschosse oft mit einer Schleuder auf ihre Opfer oder Kampfgegner warfen. Daneben wurden auch alle möglichen Hieb- und Stichwaffen wie Macheten oder improvisierte Speere verwendet.

In den von Sendero kontrollierten Gebieten wurden oft Kämpfer aus der Bevölkerung rekrutiert. Dies geschah teils unter Gewaltandrohung,Alberto Valencia Cárdenas: Los crímenes de Sendero Luminoso en Ayacucho. Impacto, Lima 1992, S. 40. teils aus ideologischer Überzeugung. In den abgelegenen Regionen des Berglandes kam es zu zahlreichen Massakern an der mehrheitlich indigenen Landbevölkerung. Sowohl die Guerilleros wie auch das Militär bestraften die Zusammenarbeit der Dorfbewohner mit dem jeweiligen Gegner. Dabei wurden zahlreiche Menschen gefoltert, ermordet oder verschleppt.Goedeking / v. Oertzen 2004, S. 100–102 Zu den vom Sendero Luminoso begangenen Massakern gehörte jenes vom 3. April 1983 an 69 Bauern in Lucanamarca. Im Laufe des Jahres 1983 starben in Uchuraccay nach einem Massaker an 9 Journalisten 135 Dorfbewohner, davon 57 Frauen, mehrheitlich durch den Sendero Luminoso, ein Teil auch durch die peruanischen Streitkräfte.

mini|Plakat von Sendero Luminoso mit Abimael Guzmán, „5 Jahre Volkskrieg“. Ein bevorzugtes Ziel von Mordanschlägen des Leuchtenden Pfads waren Aktivisten der politischen Linken, darunter am 1. November 1984 Cirilo Meza Porta, der kommunistische Bürgermeister des Distrikts Tantamayo (Region Huánuco), am 18. Mai 1988 Jorge Mungia von der Kommunistischen Jugend in Huancayo und am 19. September 1989 der Kommunist Fermín Azparrent Taipe, Bürgermeister von Huamanga (Ayacucho) für die Izquierda Unida.Informe Final de la Comisión de la Verdad y Reconciliación: 2.35. El Asesinato de Fermín Dario Azparrent Taipe (1989). Lima 2003, S. 343–349.Violencia política en el Perú 1980–1988. DESCO Centro de Estudios y Promoción del Desarrollo, Lima 1989, S. 115.Fermín Azparrent, el “wirataka” ayacuchano. Partido Comunista Peruano, 6. September 2014. Die Terrorakte führten zu Massenfluchtbewegungen aus den betroffenen Regionen nach Lima.Ricardo Valderrama Fernández, Carmen Escalante Gutiérrez: Desplazados por la violencia política en el Perú: 1980–2000. In: Martin Lienhard (Hrsg.): Expulsados, desterrados, desplazados. Migraciones forzadas en América Latina y en África. Vervuert, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-86527-608-7, S. 157–170. Dadurch weitete der Sendero seinen Aktionsradius immer stärker aus.

Im Juni 1986 revoltierten gefangene Senderisten in diversen Gefängnissen in Lima und Callao. Im Frauengefängnis Santa Mónica sowie in den Anstalten San Juan de Lurigancho und El Frontón gelang es den Aufständischen das Gefängnisinnere zu besetzen und drei Geiseln zu nehmen. Nach Erstürmung durch das Militär kam es zu einem Massaker, bei dem 224 Inhaftierte, meist durch Genickschüsse, ermordet wurden. Bereits zuvor, am 4. Oktober 1985, waren 30 Gefangene im Gefängnis von Lurigancho lebendig verbrannt worden. Diese und weitere Gefängnismassaker führten zu einem internationalen Aufschrei bezüglich der Menschenrechtslage in Peru und wurden vom PCP-SL in einer Kampagne gegen eine vermeintlich „genozidale Politik“ verarbeitet.

In den vom PCP-SL besetzten Gebieten rief dieser die „Volksrepublik Peru“ aus und bezeichnete Guzmán als deren offiziellen Präsidenten. Gewählte „Volkskomitees“ dienten als kommunale Verwaltungseinheiten dieser parallelstaatlichen Struktur und übten juristische, wirtschaftliche und militärische Funktionen aus. Sie bezeichneten sich als „Samen der neuen demokratischen Republik“ und waren vor allem in ländlichen Regionen einflussreich.

In Lima kontrollierte er mit einem dichten Spitzel- und Sympathisantennetz die Elendsviertel, verübte Bombenanschläge, besonders auf die Stromversorgung, und Mordanschläge auf Aktivisten anderer linker Organisationen; so wurde María Elena Moyano Delgado, eine Führungspersönlichkeit der Selbstverwaltung von Villa El Salvador, am 15. Februar 1992 von Sendero Luminoso durch einen Sprengstoffanschlag ermordet.Goedeking / v. Oertzen 2004, S. 118f. Ein großes Ärgernis war den Maoisten auch die in den Zeiten des Terrors besonders in einigen Quechua-Gegenden der Anden stark wachsenden protestantischen Kirchen, weshalb der Leuchtende Pfad mehrere grausame Attentate gegen evangelikale Christen durchführte, darunter ein Massaker an 31 Gottesdienstteilnehmern einer Pfingstlerkirche in Ccano in der Provinz La Mar im Februar 1990 und der Mord an dem Pastor und Übersetzer der Bibel ins Chanka-Quechua, Rómulo Sauñe Quicaña, im Jahr 1992.Informe Final de la Comisión de la Verdad y Reconciliación: 3.3. La iglesia católica y la iglesia evangélica. Lima 2003.

Um 1990 gehörte bereits die Hälfte des Landes zum Aktionsgebiet des Sendero Luminoso.

Festnahmen und Entwaffnung