Rosemary Verey (* 21. Dezember 1918 in Gillingham, Brompton, Kent als Isabel Rosemary Baird Sandilands; † 31. Mai 2001 im Chelsea Memorial Hospital London) war eine englische Landschaftsgärtnerin.

Leben Rosemary Verey war das jüngste von vier Kindern des Marineoffiziers Prescott Sandilands (1878–1956) und von Gladys Baird (geborene Murton). Seit ihrem zehnten Lebensjahr lebte sie im Internat Eversley in Folkestone, wo sie ihr Abitur machte. Danach studierte sie am University College London Betriebswirtschaftslehre und Mathematik unter anderem bei Hugh Gaitskill, brach ihr Studium jedoch ohne Abschluss ab, um mit 21 Jahren den Architekturgeschichtler David Cecil Wynter Verey (1912/13–1984), Sohn des Pfarrers Henry Verey, einen Freund ihres Bruders zu heiraten.Obituary. In: The Telegraph, 2. Juni 2001. Verey beschrieb die Ehe als „freundschaftlich“.

1940, während ihrer ersten Schwangerschaft, lebte Verey eine Zeitlang bei ihren Schwiegereltern in Barnsley House in den Cotswolds bei Cirencester. Barnsley House war von Brereton Bouchier, dem örtlichen Grundbesitzer 1697 im William-and-Mary Stil des 17. Jahrhunderts erbaut worden. Nach dem Tode seiner Frau 1690 und seiner erneuten Heirat zog er in das neu-erbaute Herrenhaus von Barnsley Park und das Haus diente bis 1932, als die Kirchspiele Barnsley und Bibury zusammengelegt wurden, als Pfarrhaus.Rosemary Verey: Making of a Garden. Frances Lincoln, London 1995, S. 7. Cecil Henry und Linda Verey, Rosemary Vereys Schwiegereltern, hatte das Haus 1939 gekauft. mini|Barnsley House in den Cotswolds Nachdem David Verey, der bei den Royal Fusiliers gedient hatte, aus dem Krieg zurückkehrte, zog das Ehepaar 1951 nach Barnsley House, die Schwiegereltern bezogen den Witwensitz. Von da an widmete Rosemary Verey sich der Jagd, Affären, Tennis und schließlich der Erziehung ihrer vier Kinder, Charles (* 1940), Christopher (* 1942), Veronica (* 1947) und Davina (* 1949). Sie sammelte historische Gartenbücher. Zu ihrem Freundeskreis gehörte unter anderem der Autor John Fowles. Sie organisierte auch Reitveranstaltungen und die Treffen des lokalen Pony-Clubs.Robin Lane Fox: Thoughtful gardening. Great Plants, great gardens, great Gardeners. Penguin, London 2010, S. 256.

Ohne formale Ausbildung als Gärtner oder Landschaftsarchitekt begann Rosemary Verey 1951 auf Anregung ihres Mannes in Barnsley zu gärtnern, nachdem sie nach einem Reitunfall nicht mehr an der Fuchsjagd teilnehmen konnte. Sie wurde dabei von dem Gartenarchitekten Percy Cane beraten. In Barnsley House richtete sie den 1770 von Charles Coxwell ummauerten Garten nach dem Vorbild von Gertrude Jekyll und einen ornamentalen Küchengarten ein, der von dem Garten von Schloss Villandry an der Loire und Ideen von William Lawson, einem Gärtner des 17. Jahrhunderts beeinflusst war.Charles Quest-Ritson: Rosemary Verey, 1918–2001. In: Country Life. 4. Februar 2011. Er war durch kreuzförmig angelegte Wege eingeteilt, die Gemüsebeete waren mit niedrigen Buchsbaumhecken eingefasst. Berühmt war auch eine lange, mit Goldregen überwachsene Pergola ('Laburnum walk'), unterpflanzt mit Zierlauch, eine Idee, die sie von den holländischen Gärtner van Tubergen übernommen hatte.Robin Lane Fox: Thoughtful gardening. Great Plants, great gardens, great Gardeners. Penguin, London 2010, S. 259. 1962 translozierte ihr Gatte für sie ein klassizistisches Tempelchen in Toskanischer Ordnung aus dem nahegelegenen Landgut Fairford Park, das 1951 abgerissen worden war. Der Tempel, vermutlich von William Eames um 1770 entworfen, steht inzwischen unter Denkmalschutz. Das Design dieses Gartenareals geht auf Gay Hellyer zurück.Rosemary Verey: Making of a Garden. Frances Lincoln, London 1995, S. 83. Auch eine neogotische Gartenstaffage und ein Teich mit Seerosen fehlte nicht. Der Garten, der 1,2 ha umfasste, war seit den 1980er Jahren für zahlende Besucher geöffnet und zählte zu den meistbesuchten Gärten Englands. 1989 war er „Garten des Jahres“ (Historic Houses Association). Verey richtete eine Gärtnerei ein, die überzählige Pflanzen an die Besucher verkaufte.Charles Quest-Ritson: Rosemary Verey, 1918–2001. In: Country Life, 4. Februar 2011.

Nach dem Tod ihres Mannes nach 55-jähriger Ehe gestaltete Verey ab 1984 Privatgärten in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Der Kunsthistoriker Roy Strong, ehemaliger Direktor des Victoria & Albert Museums will dies auf den Einfluss des Innenarchitekten David Vicary zurückführen, der unter anderem den Springbrunnen von Wilton House entworfen hatte. Für die praktische Ausführung zeichnete oft der Gartengestalter John Hill (Sherbourbe Gardens, Gloucestershire).Rosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 59. Sie selbst nannte Russell Page und Arthur Hellyer unter den Gärtnern, die sie beeinflussten bzw. ihr weiterhalfen.

Verey verfasste zahlreiche Gartenbücher, meist Bilderbücher, die private Gärten in England und den USA zeigten, oft in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Andrew Lawson. Verey verfasste auch Beiträge für die Zeitschriften Country Life und Kitchen Gardener. In zahlreichen Vortragsreisen an der Ostküste der USA propagierte sie den klassischen „englischen Country Garden“ und etablierte ihren Ruf als die letzte der großen englischen Gartengestalter. Reiche Amerikaner waren von ihrem Auftreten und ihren Kontakten zur britischen Aristokratie und zum Königshaus beeindruckt. Der Designer Hardy Amies, ein begeisterter Rosenzüchter, entwarf ihre Garderobe für Vortragsreisen.Robin Lane Fox: Thoughtful gardening. Great Plants, great gardens, great Gardeners. Penguin, London 2010, S. 258. Sie trat auch im Fernsehen auf.Robin Lane Fox: Thoughtful gardening. Great Plants, great gardens, great Gardeners. Penguin, London 2010, S. 260.

Freiwillige aus den USA konnten unter ihrer Anleitung in Barnsley arbeiten und andere englische Gärten besuchen. Dies taten unter anderen Gregory Long, später Leiter des Botanischen Gartens in New York; Caroline Burgess, später Leiterin der Stonecrop GardensAnne Raver: Nature; in the Lair of a tender Giant. In: The New York Times. vom 25. September 2003. und die Anwältin Barbara Paul Robinson, die danach Artikel in Gartenzeitschriften veröffentlichte, welche die Ansichten von Verey verbreiteten. Trotzdem verwilderte der Garten in den letzten Jahren zunehmend, was Verey als ihren „Wiesen-Stil“ bezeichnete.

Verey bestand vehement darauf, dass ihre amerikanischen Freiwilligen die lateinischen Pflanzennamen kannten, gab aber gerne zu, dass sie auf Anregung ihres Gatten Bezeichnungen erfand, wenn sie selbst die Pflanzen nicht identifizieren konnte. vom 15. Februar 2011. Nach Lane Fox waren ihr jedoch auch gängige Gartenpflanzen unbekannt. Eine ihrer bekanntesten Aussagen war: "Langweilig zu sein, ist eine Sünde. Dagegen war es selbstverständlich zulässig, die Ideen anderer Leute zu nutzen. vom 17. Februar 2011. Wurde sie nach einer ihr unbekannten Pflanzenkrankheit befragt, empfahl sie, die befallene Pflanze auszugraben, wegzuwerfen und einfach eine Neue zu kaufen.Roy Strong: The Laskett, the story of a Garden. Bantam Press, London 2003, S. 109.

Verey zog 1987 in den Witwensitz „The Close“,Roy Strong: The Laskett, the story of a Garden. Bantam Press, London 2003, S. 108. wo sie einen neuen kleinen Garten anlegte. Im Konservatorium richtete Simon Verity für sie eine künstliche Grotte ein. Sie wurde in Cirencester bestattet, zu den, manchmal kritischen Leichenrednern gehörten Roy Strong und der Fotograf Andrew Lawson.

Vevey wird von Roy Strong als freizügig beschrieben, Penelope Hobhouse empfand Verey als bestimmend und einschüchternd, besonders gegenüber Laien und Anfängern, Lane Fox als arrogant. Barbara Paul Robinson beschreibt sie als „manchmal grob“.„truculent“, Sie galt als der „ultimate establishment designer, a Shires lady in pearls and quilted jacket“, tatsächlich war sie auch bei der Gartenarbeit gut frisiert, trug eine Perlenkette und ein Seidenkleid (aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Merit Motion Pictures nicht mehr verfügbar)Roy Strong: The Laskett, the story of a Garden. Bantam Press, London 2003, S. 105. und erfüllte damit jedes Klischee einer englischen Landadeligen.Roy Strong: The Laskett, the story of a Garden. Bantam Press, London 2003, S. 112. Sie genoss ihre amerikanische Berühmtheit sehr.Roy Strong: The Laskett, the story of a Garden. Bantam Press, London 2003, S. 105. Zu ihren Freunden zählte auch Christopher Lloyd, der sich allerdings wiederholt darüber ärgerte, dass sie die jungen gutaussehenden angehenden Gärtner, mit denen er sich gerne umgab, als „Personal“ behandelte und anblaffte, wenn er nicht mit im Raum war.Stephen Anderton: Christopher Lloyd, his Life at Great Dixter. Pimlico, London 2011, S. 190.

Nach dem Tode von Verey wurde Barnsley House durch ihren Sohn Charles betreut. Rupert Pendered und Tim Haigh erwarben es und machten es zu einem Luxushotel,, vom. der Garten ist seit September 2002 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine Biographie Vereys von Barbara Paul Robinson unter dem Titel „Rosemary Verey: The Life and Lessons of a legendary Gardener“ ist in Vorbereitung (David R. Godine).

Stil Vereys Stil war traditionell und derivativ: sie entwarf elegante „englische Bauerngärten“, die zwischen den Traditionen des Arts and Crafts Movement,Charles Quest-Ritson, Rosemary Verey, 1918–2001, Country Life 4. Februar 2011. insbesondere von Gertrude Jekyll,Rosemary Verey 1990, Good Planting. Francis Lincoln, London, 13. und den klassischen Landhausgärten mit langen Blumenrabatten („English classical revival style“) standen und passte Motive aus den Gärten englischer Herrensitze und französischer Schlösser für kleinere Anlagen an. Sie selbst bezeichnet Russell Page als ein wichtiges VorbildRosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 6. und bezieht sich oft auf sein Buch Education of a Gardener. Die Anlagen waren meist durch axiale Pfade gegliedert und enthielten klassische Gestaltungselemente wie Statuen, Gartenhäuschen, Rosengärten, Tempelchen und Pergolen. Die strengen Linien wurden durch eine reichliche Bepflanzung in zarten, aufeinander abgestimmten Pastellfarben gemildert, die über die Wegeeinfassungen aus Buchsbaum quoll. Hauptelemente waren Rabatten aus Stauden oder gemischte Rabatten aus Stauden und einjährigen Pflanzen und Knollenpflanzen. Das alles machte sie vor allem in den Vereinigten Staaten sehr populär.

Genaue Planung war ihre Sache nicht, so mussten oft Pflanzen ausgetauscht werden, weil sie nicht rechtzeitig bestellt hatte und die gewünschten Pflanzen daher nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Sie konnte auch keine Pläne zeichnen. Da sie keine Kenntnisse der Vermessung besaß, arbeitete sie mit Schablonen, eine Bretterkonstruktion half ihr, rechte Winkel herzustellen,Rosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 81f. was natürlich nicht für größerer Flächen geeignet ist. Sie fand jedoch, dass dies keinen wirklichen Unterschied mache: „On the ground, as long as you keep a certain symmetry, you do not notice the discrepancies that seem obvious on paper.“.Rosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 9. Auch die Bepflanzung wurde oft erst vor Ort festgelegt, indem sie eine Pflanzliste anlegte und die Pflanzen dann so lange hin- und herschob, bis sie meinte, ein befriedigendes Ergebnis erreicht zu haben.Rosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 5. Die Anweisung, Pläne maßstabsgerecht zu übertragen, entnahm sie Gervase Markhams „The Countrie Farm“ von 1664Rosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 57. und erschien so mit Schnüren, Bambusstecken und Streusand gerüstet bei ihren Klienten.Rosemary Verey: Rosemary Verey’s Garden plans. Francis Lincoln, London 1993, S. 81–83.

Gärten mini|Formschnitt im Garten von Barnsley House