Die Division 1 1972/73 war die 35. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde zum dritten Mal seit 1965 der FC Nantes.

Erster Spieltag war der 9. August 1972, letzter Spieltag der 2. Juni 1973. Eine kurze „Winterpause“ gab es zwischen dem 18. Dezember und 6. Januar.Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims – une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 311–313

Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 17. Platz abgeschlossen hatten, dazu drei direkter Aufsteiger aus der zweiten Division. Anstelle des Vorjahres-16. Paris Saint-Germain FC fand der Paris FC Berücksichtigung. PSG hatte seine Lizenz verloren und war in die dritte (Amateur-)Liga zurückversetzt worden, weil er die Verbandsbestimmung nicht erfüllte, nach der Profiklubs auch Amateur- und Jugendmannschaften zu unterhalten hatten. Der PFC konnte dabei allerdings den Spielerkader von PSG übernehmen. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: ein Klub aus dem äußersten Norden (Aufsteiger US Valenciennes-Anzin), vier aus Paris bzw. Champagne-Ardenne (Red Star FC, Paris FC, Stade Reims, Aufsteiger CS Sedan), vier aus dem Nordosten (FC Metz, AS Nancy, FC Sochaux, Aufsteiger Racing-Pierrots Strasbourg-Meinau), vier aus dem Westen (der vor dieser Spielzeit umbenannte Stade Rennes, FC Nantes, SCO Angers, Girondins Bordeaux), fünf aus dem Südosten (AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Olympique Nîmes, Titelverteidiger Olympique Marseille, OGC Nizza), zwei aus Korsika (AC Ajaccio, SEC Bastia).

Saisonverlauf Den besten Start in die Saison verzeichnete das personell weiter verstärkte Team aus Nizza unter seinem Trainer Snella, das in der Hinrunde zahlreiche Gegner regelrecht „abschoss“ und bis Ende Februar 1973 die Tabellenführung innehatte.Rethacker, S. 146 und 156; Beaudet, S. 110 Hauptkonkurrent der „Jungadler“ von der Côte d’Azur – als Aiglons werden die Spieler des Klubs bis in das 21. Jahrhundert häufig bezeichnet – war bis dahin Titelverteidiger Marseille gewesen, und das trotz erheblicher vereinsinterner Turbulenzen. Zunächst hatte OMs Präsidium in einer „Palastrevolution“ nach Bekanntwerden der Ergebnisse einer Steuerprüfung den Rücktritt seines Vorsitzenden Marcel Leclerc erzwungen, und sportlich hatten die Neuverpflichtungen wie Marius Trésor über die gesamte Saison Anpassungsschwierigkeiten.Beaudet, S. 109; Rethacker, S. 156 Das Nachlassen beider Mannschaften zu Rückrundenbeginn ging mit einer Erfolgsserie des FC Nantes einher, der dadurch zu den Führenden aufschloss, obwohl er vor Saisonbeginn nicht zu den Favoriten gerechnet worden war. Aber die Canaris in ihren gelben Trikots ernteten jetzt die Früchte ihrer vorzüglichen Nachwuchsarbeit; ein halbes Dutzend Stammspieler war aus der eigenen Talentschule hervorgegangen und bildete zusammen mit einigen Routiniers eine funktionierende Einheit, die im Vergleich zu den Meistermannschaften der Mitt-1960er „etwas weniger elegant und drangvoll, in der Mischung aber erfolgreich“ spielte.Beaudet, S. 109; Zitat aus Rethacker, S. 146 Selbst eine schwere Verletzung seines erfolgreichsten Torjägers Marcos beim Auswärtserfolg in Saint-Étienne im März und anschließende Niederlagen gegen zwei Mannschaften aus dem Mittelfeld (Reims und Angers) im letzten Saisondrittel konnten kompensiert werden. Denn Nantes besaß am Ende die beste Abwehr der Liga, und die Tatsache, dass fünf andere Spieler ebenfalls sehr torgefährlich waren – was die Offensivreihe für ihre Gegner schwerer ausrechenbar machte –, ermöglichte der Elf bereits nach dem drittletzten Spieltag die Feier ihres dritten französischen Meistertitels, den sie am Ende mit fünf Punkten Vorsprung vor Nizza errang.Rethacker, S. 157; Beaudet, S. 110 Über die gesamte Saison betrachtet hatten die Canaris diesen Erfolg insbesondere ihrer Heimstärke zu verdanken; vor eigenem Publikum verloren sie nur eine Partie und gaben insgesamt nur fünf Zähler ab.

Im Kampf gegen den Abstieg stand schon relativ frühzeitig fest, dass der äußerst auswärtsschwache AC Ajaccio, der aus den 19 Begegnungen in fremden Stadien lediglich zwei Unentschieden mit nach Hause gebracht hatte, den Gang in die Division 2 würde antreten müssen. Hingegen entschied sich erst am abschließenden Spieltag, wer ihn dorthin würde begleiten müssen: es traf Red Star und mit Valenciennes einen der drei Neuaufsteiger, während sich die beiden anderen (Strasbourg und Sedan) in letzter Minute den Klassenerhalt sichern konnten. Zur folgenden Saison ergänzten Racing Lens, Troyes Aube Football und die AS Monaco – die sich dafür erst noch in zwei Barrages gegen den Zweitplatzierten der anderen Zweitligagruppe, die US du Grand Boulogne, hatte durchsetzen müssen – den Teilnehmerkreis der höchsten Spielklasse.

Am ersten Dezemberwochenende wurden nur fünf der angesetzten zehn Partien ausgetragen, und darin stellten mehrere Erstdivisionäre eine Mannschaft überwiegend oder ausschließlich mit Amateurspielern auf. Hintergrund war ein Streik zahlreicher in der Spielergewerkschaft UNFP organisierter Profis, mit der diese auf diverse „Umgehungen“ der 1969 eingeführten, zeitlich befristeten Spielerverträge durch die Klubs reagierten. Da in drei der fünf Spiele keine „Waffengleichheit“ der Kontrahenten geherrscht hatte – die mit Amateurfußballern besetzten Teams von Paris FC (1:11 gegen Metz), Strasbourg (0:4 in Marseille) und Lyon (0:3 in Bastia) unterlagen jeweils gegen elf Profis –, annullierte der Verband sämtliche ausgetragenen Begegnungen und setzte den Spieltag im April 1973 komplett neu an.siehe den Artikel „2 déc. 1972 – le foot se met en grève“ in France Football vom 26. November 2013, S. 64

Abschlusstabelle

(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1971/72

Kreuztabelle ACAjaSCOAngSECBasGi.BorOl.LyoOl.MarFCMetASNcyFCNtsOGCNizOl.NîmFCParRStFCSt.ReiSt.RenASStÉCSSedFCSocRPStrUSVal AC Ajaccio1:10:12:24:31:00:02:21:10:31:12:12:22:32:32:02:12:00:23:1 SCO Angers4:03:03:11:00:23:20:01:00:00:11:11:01:10:22:02:21:01:05:1 SEC Bastia1:02:01:11:10:04:03:10:03:03:01:03:01:14:03:33:03:13:02:0 Girondins Bordeaux3:01:21:11:02:12:03:12:10:10:10:11:12:01:11:16:11:12:12:0 Olympique Lyon1:02:12:00:14:43:02:22:41:21:05:21:21:13:12:01:22:04:01:0 Olympique Marseille3:03:21:01:15:25:00:01:01:11:20:03:03:13:03:10:11:13:11:0 FC Metz7:02:03:21:12:22:01:00:21:00:10:13:01:22:11:24:22:11:11:1 AS Nancy2:10:03:22:14:11:00:21:13:02:11:22:13:04:04:01:14:22:11:1 FC Nantes6:12:01:03:03:01:20:02:12:22:12:03:10:01:01:01:04:36:21:0 OGC Nizza5:32:41:00:12:21:16:01:03:02:03:21:12:22:01:14:24:13:04:1 Olympique Nîmes2:12:22:12:03:11:10:02:11:10:12:01:12:11:14:02:13:03:01:1 Paris FC3:11:22:04:35:11:31:33:21:22:03:13:00:02:21:12:10:21:11:1 Red Star FC3:01:22:23:10:11:21:00:11:31:11:12:31:22:00:31:13:30:01:0 Stade Reims0:03:22:03:12:12:10:02:32:12:30:11:13:01:10:05:11:01:01:0 Stade Rennes1:11:22:13:03:22:31:04:10:01:01:02:11:11:02:21:10:01:02:0 AS Saint-Étienne3:15:02:16:21:12:11:01:01:20:13:13:01:12:12:02:02:25:13:2 CS Sedan5:02:22:11:04:10:21:11:00:30:52:13:10:12:02:31:31:10:03:1 FC Sochaux4:01:13:20:03:11:24:12:20:15:10:01:11:02:12:12:11:01:13:0 Racing-Pierrots Strasbourg6:00:00:42:20:21:10:11:10:30:12:12:02:24:12:10:02:14:21:1 US Valenciennes-Anzin3:23:01:03:01:21:01:00:11:11:11:01:10:01:22:00:15:10:01:2

Die Meistermannschaft FC Nantes 1. FC Nantes70px|zentriert Tor: Jean-Paul Bertrand-Demanes (34/-), René Donoyan (4/-) Abwehr: Gabriel De Michèle (38/-), Jean-Claude Osman (38/-), Bernard Gardon (34/-), Ángel „Hugo“ Bargas (15/1), Patrice Rio (9/-), Raynald Denoueix (7/-) Mittelfeld: Henri Michel (38/9), Michel Pech (34/3), Gilles Rampillon (31/8), Claude Arribas (19/4), Omar Sahnoun (3/-) Angriff: Bernard Blachet (35/8), Erich Maas (34/10), Didier Couécou (31/10), Ángel Marcos (24/11), André Hamon (3/1) Trainer: José Arribas Dazu kamen zwei Eigentore.Guillet/Laforge, S. 172, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.Pierre Minier: 1943-2003 – Football Club de Nantes, le doyen de l’élite. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2003, ISBN 2-911698-23-1, S. 291–294

Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Josip Skoblar Olympique Marseille 262 Bernard Lacombe Olympique Lyon 233 Hervé Revelli OGC Nizza 224 Dick van Dijk OGC Nizza 205 Nestor Combin FC Metz 186 Fleury Di Nallo Olympique Lyon 17 François Félix SEC Bastia 17 François M’Pelé AC Ajaccio 17 Delio Onnis Stade Reims 1710 Louis Floch Paris FC 16 Antoine Kuszowski AS Nancy 16 Patrick Revelli AS Saint-Étienne 1613 Eduardo Flores AS Nancy 15 Jacques Vergnes Olympique Nîmes 1515 Éric Edwige SCO Angers 14 Jean Gallice Girondins Bordeaux 14

Siehe auch Division 2 1972/73 Coupe de France 1972/73

Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X

Weblinks Statistiken auf lfp.fr

Anmerkungen und Nachweise

#1972/73 Kategorie:Fußballsaison 1972/73