Eine Auflistung der Abwurfmunition, die von der Kaiserlich Japanischen Marine im Zweiten Weltkrieg für die Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfte entwickelt wurde. Die Kaiserlich Japanische Armee produzierte für ihre Fliegerverbände eigene Abwurfmunition, die sich von der der Marine unterschied.
Typenunterscheidung Der überwiegende Teil der produzierten Abwurfmunition waren Fliegerbomben. Sie waren nach der Marinenomenklatur in drei Gruppen unterteilt: Landbomben – Bomben gegen Bodenziele an Land: meist einfach, aus dünnwandigem Stahl produziert. Nase, Rumpf und Heck der Bomben waren hier oft nur mit Schrauben oder gar Nieten zusammengehalten, so dass ein Aufschlag auf gepanzerten Oberflächen den schwach konstruierten Bombenkörper zu zerstören drohte, ohne dass eine Explosion erfolgte. Standardbomben – Bombentypen, die sowohl gegen Land- als auch Seeziele eingesetzt werden konnten. Sie reichten von einfachen Konstruktionen bis zu aufwendig gefertigten Modellen mit Bombenkörpern aus gehärtetem Stahl, geeignet um auch die schweren Panzerungen großer Kriegsschiffe zu durchdringen. Spezialbomben – als Sammelbegriff für alle anderen Bombentypen
Farbkennungen von Bomben Die Bomben der Kaiserlich Japanischen Marine und der Armee waren mit einem Farbsystem kodiert, das es erlaubte, den Typ einer Bombe auf den ersten Blick zu bestimmen. Dazu wurden Farbbänder an vorbestimmten Stellen auf den graugestrichenen Bombenkörper aufgebracht.
Neben diesen Bändern, die in der folgenden Tabelle aufgeschlüsselt werden, waren in vielen Fällen bis zur Einführung des alternativen Kennzeichnungsschemas zwei dünne rote Streifen – je einer auf den gegenüberliegenden Seiten der Bombe – aufgebracht, die von der Spitze des Bombenkörpers bis zu dessen Ende reichten. Bei korrekter Montage der Bombe am Flugzeug waren sie in der Horizontalen zu sehen und funktionierten so als Hilfslinien bei der Sichtkontrolle der Montage.
Bombentyp/Baumuster Kennzeichenschema Alternatives Kennzeichnungsschema Zweck Nasenspitze / Nasenband-Farbe Körper Farbe Heckflosse Farbe Rumpfband Farbe Nasenspitze / Nasenband-Farbe Körper Farbe Heckflosse Farbe Rumpfband Farbe Land Grün Grau Grün Blau Grün / Braun Grau Grau – Landziele Standard Grün Grau Grün – Grün / Braun Grau Grau – Schiffsziele Baumuster 1 – – – – Grün / Gelb Grau Gelb – Träger für chemische Kampfstoffe Baumuster 2 Blau Grau Blau – Grün / Blau Grau Grau – U-Jagd-Bombe Baumuster 3 Silber Grau Silber – Grün / Silber Grau Rot – Bombe gegen Flugzeugformationen Baumuster 4 – – – – Grün / Weiß Grau Rot – Bombe mit Raketenantrieb gegen schwer gepanzerte Ziele Baumuster 5 – – – – Grün / Weiß Grau Grau – panzerbrechende Bombe gegen Seeziele Baumuster 6 – – – – Grün / Rot Grau Rot – Brandbombe Baumuster 7 – – – – Grün / Lila Grau Lila – Träger für biologische Kampfstoffe (keine Marinemuster bekannt) Baumuster 8 – – – – Grün / Braun Grau Grau – Springbombe Baumuster 19 – – – – – – – – Bombe für Jagdflugzeuge gegen Flugzeugformationen Baumuster 21 – – – – Grün / Braun Grau Grau – kleine Sprengbomben als Submunition Baumuster 22 – – – – – – – – kleine Sprengbomben, veraltet Baumuster 23 – – – – Grün / Braun Grau Grau – Bomben mit Zeitzündern Baumuster 24 – – – – – – – – kleine Fallschirmbomben für den Abwurf als Submunition Baumuster 25 – – – – – – – – Keilbomben, veraltet Baumuster 26 – – – – – – – – Planungsversion eines Zeitbombenmusters Baumuster 27 – – – – Grün / Silber Grau/Rot – – raketengetriebene Bombe gegen Flugzeugformationen Baumuster 28 – – – – Grün / Braun Silber Rot – leichte (10 kg) raketengetriebene Bombe Baumuster 31 – – – – Grau Grau Grau – Landbombe mit Abstandszünder Attrappe – – – – Grün / Schwarz Weiß/Weiß – – – Übung Grün Schwarz Weiß – Grün / Schwarz Weiß/Weiß – – – Ausbildung – – – – Schwarz Schwarz Schwarz Schwarz – Rauch – – – – Grün / Schwarz Grau Grau – –
Bombentypen Bezeichnungen Die japanische Marine kennzeichnete ihre Bomben mit den folgenden Kennungen: Typ in Kombination mit der Jahreszahl der Entwicklung der Bombe nach japanischer Zeitrechnung. So ergibt beispielsweise das Jahr Kōki 2597 bzw. 1937 nach gregorianischem Kalender, die Bezeichnung Typ 97. Nummer (No.) in Kombination mit dem gerundeten Gewicht der Bombe in ihrer Gewichtsklasse, geteilt durch 10. So wird aus einer 805-kg-Bombe eine No.-80-Bombe. Modell wird an die Kennung angehängt, wenn es größere Änderungen beim Aufbau einer Bombe gegeben hat. Modifikation (Mod.) wird an die Kennung angehängt, wenn es kleine Änderungen beim Aufbau einer Bombe gegeben hat. Baumuster (BM), analog zum englischen „Mark“, wird an die Kennung angehängt, wenn es sich um ein Modell für einen speziellen Einsatzzweck handelt, beispielsweise die Bekämpfung von U-Booten, Flugzeugverbänden oder besonders gut geschützten Zielen.
Sprengstoffe Die verwendeten Sprengstofftypen für die Hauptladung der Bomben beschränkten sich auf „Schimose“ (Pikrinsäure), Typ-91-Sprengstoff (Trinitroanisol) oder Typ-98-Sprengstoff, einer Mischung aus 70 % Trinitroanisol und 30 % HND.Sprengstoff Typ 98 Mod 1. wird im USNTMJ-Dokument O-25 zur Sprengstoffproduktion auf Seite 8 mit einem Verhältnis von 60 zu 40 beschrieben.
Aufhängungen Die Bomben bis zur Gewichtsklasse No. 25 (etwa 250 kg) besaßen eine U-förmige Aufhängung über ihrem Schwerpunkt, mit der sie an entsprechende Haken an Flugzeugen angehängt wurden. Diese Aufhängung konnte bis zu 630 kg Gewicht tragen.USNTMJ, O-23 S. 7. Bei schwereren Bomben wurde ein Haltegurt um den Bombenkörper gelegt und an zwei Greifern fixiert. Zusätzlich befanden sich Anfasser an den Haltevorrichtungen der Flugzeuge, um Schlingerbewegungen der montierten Bomben oder Torpedos zu verhindern.
Land- und Standardbomben mini|Schnittzeichnungen verschiedener Bombentypen. Die folgende Tabelle listet japanische Land- und Standardtypen von Bomben auf, die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Sofern eine Experteneinschätzung über die genaue Einsatzart einer Bombe vorlag, ist sie zusätzlich zur Land- bzw. Standardkennung vermerkt.
Bezeichnung Typ / Art Gewicht, gesamt Gewicht der Ladung Art der Ladung Länge Durchmesser mögliche Zünder eingeführt abBemerkungen No. 3 Modell 2 Standard 30 kg 14,1 kg Pikrinsäure 838 mm 191 mm A-1(a),A-3(a) tropfenförmigzu Kriegsbeginn veraltetOP 1667 S. 54. No. 6 Land 63,5 kg – Pikrinsäure – – Typ 2 Modell 2 mod 0 or mod 1 veraltetmit Typ-98-Sprengstoff als No. 6 Mod. 1 bezeichnetUSNTMJ, O-23 S. 7. No. 6 Modell 2 Standard 60 kg 28,2 kg Pikrinsäure 1.080 mm 229 mm A-1(a),A-3(a) tropfenförmigProduktion zwischen 1940und 1941 beendet, aber weiter benutztOP 1667 S. 54.USNTMJ, O-23 S. 18. Typ 3 No. 6 Modell 1 Land 56,4 kg 23,51 kg Typ 98 Mod.1 1.025 mm 200 mm C-2 (a) 1944 entwickeltDurchschlagsleistung 200 mm verstärkter BetonUSNTMJ, O-23 S. 9. Typ 3 No. 6 BM 23 Modell 1 Land 62,5 kg 23,6 kg Typ 98 1.025 mm 200 mm Typ 99 Modell 1/2 ab 1943Kopfring, gegen FlugfelderUSNTMJ, O-23 S. 49. Typ 97 No. 6 Land 60,4 kg 24 kg Typ 98 1.025 mm 200 mm A-3(a),A-3(b) Durchschlagsleistung: 200 mm verstärkter BetonUSNTMJ, O-23 S. 8. Typ 99 No. 6 Modell 1 Standard 62,8 kg 30 kg Pikrinsäure 1.144 mm 225 mm A-3(a) ab 1939Durchschlagsleistung: 25 mm PanzerstahlUSNTMJ, O-23 S. 17. Typ 99 No. 6 BM 2 Standard 63,6 kg 38,6 kg Typ 98 1.067 mm 238 mm A-3(a) OP 1667 S. 58. Typ 99 No. 6 BM 2 Mod. 1 Standard/U-Jagd-Bombe 63,6 kg 38,6 kg Typ 98 1.073 mm 240 mm A-3(a) OP 1667 S. 60. No. 25 Land 250 kg 150 kg Typ 98 1.829 mm 349 mm A-3(a), A-3(b),C-2(a),B-3(a)C-1 (a) 1938 entwickeltProduktion zu Kriegsbeginn beendetOP 1667 S. 47. No. 25 Modell 2 Standard 253,2 kg 103,6 kg Pikrinsäure 1.816 mm 356 mm A-3(a),B-3(a) Produktion zuvor beendet, aber bis Kriegsende im EinsatztropfenförmigOP 1667 S. 55.USNTMJ, O-23 S. 20. Typ 98 No. 25 Land 242,2 kg 96,59 kg Typ 98 1.810 mm 300 mm A-3(a), A-3(b),C-2(a), B-3 (a), C-1 (a) ab 1939, D3-A, Schlacht um MidwayUSNTMJ, O-23 S. 12. Typ 1 No. 25 BM 2 Modell 1 Standard/U-Jagd-Bombe 260 kg 144 kg Typ 98 1.829 mm 349 mm A-3(a), B-3(a) ab 1941, Holzflossen mit SollbruchstelleOP 1667 S. 61. Typ 1 No. 25 BM 2 Modell 1 Mod. 1 Standard/U-Jagd-Bombe 266 kg 144 kg Typ 98 1.829 mm 349 mm A-3(a), B-3(a) ab 1941, wie Modell 1aber mit einer Prallscheibe auf der SpitzeUSNTMJ, O-23 S. 29. Typ 99 No. 25 Modell 1 Standard 251,1 kg 61,52 kg Typ 98 1.809 mm 304 mm A-3(a), A-3(b), B-2(a) ab 1939Durchschlagsleistung: 50 mm PanzerstahlUSNTMJ, O-23 S. 19. Typ 3 No. 25 Modell 1 Land 239,4 kg 96,96 kg Typ 98 1.810 mm 300 mm A-3(a) ab 1944Durchschlagsleistung: 400 mm verstärkter BetonUSNTMJ, O-23 S. 13. Typ 3 No. 25 BM 31 Modell 1 Land 190 kg 79,5 kg Typ 98 1.896 mm 300 mm Exp. Typ 3 Juli 1944 Ende der TestphaseUSNTMJ, O-23 S. 54. Typ 3 No. 25 BM 8 Standard/Springbombe 280 kg 103,6 kg Typ 98 1.810 mm 300 mm A-3(a) ab 1944 150–250 Meter SpringreichweiteUSNTMJ, O-23 S. 43. No. 50 Modell 2 Standard 507 kg 220,95 kg Pikrinsäure oder Typ 98 2.356 mm 450 mm A-3(d), B-3(b) ab 1930, tropfenförmigUSNTMJ, O-23 S. 21. Typ 2 No. 50 Modell 1 Standard/panzerbrechend 491 kg 61,38 kg Typ 91oder Typ 98 2.000 mm 396 mm A-3(f), B-2(a) ab 1942, panzerbrechendDurchschlagsleistung: 80 mm PanzerstahlOP 1667 zeigt die Typ 2 No. 50 Modell 1 auf Seite 52 in einer Zeichnung als tropfenförmige Konstruktion, während USNTMJ, O-23 sie auf Seite 22 als zylindrisch beschreibt. No. 80 Land 805 kg 381,97 kg Pikrinsäure 2.829 mm 450 mm A-1(c), B-3(b), A-3(d) ab 1938, B5N-Bomber, Schlacht um Midway durchschlug bis zu 400 mm verstärkten BetonUSNTMJ, O-23 S. 15. No. 80 Modell 1 Standard 807,5 kg 323 kg Typ 98 2.829 mm 450 mm A-1(c), A-3(d), B-3(b) ab 1938, Durchschlagsleistung: 70 mm PanzerstahlUSNTMJ, O-23 S. 23. Typ 3 No. 80 BM 8 Standard/Springbombe 850 kg 314,5 kg Typ 98 2.829 mm 450 mm A-3(a) ab 1944, 150–300 Meter SpringreichweiteUSNTMJ, O-23 S. 43. Typ 3 No. 80 BM 31 Modell 1 Land 676,05 kg 392 kg Typ 98 3.189 mm 450 mm Exp. Typ 3 Juli 1944 Ende der TestphaseOP 1667 S. 89.USNTMJ, O-23 S. 55. Typ 99 No. 80 BM 5 Standard/panzerbrechend 796,8 kg 22,31 kg Typ 91 2.351 mm 409 mm zwei B-2(b) ab 1941, umgebaute 40,9-cm-GranateDurchschlagsleistung: 150 mm PanzerstahlUSNTMJ, O-23 S. 35.B5N-Bomber versenkten mit diesem Typ die USS Arizona. Typ 2 No. 80 BM 5 Mod. 1 Standard/panzerbrechend 811,2 kg 35,69 kg Typ 91 2.330 mm 409 mm zwei B-2(b) ab 1942, Serienversion der Typ 99 No. 80 BM 5Durchschlagsleistung: 150 mm PanzerstahlUSNTMJ, O-23 S. 36. Typ 3 No. 150 BM 5 Standard/panzerbrechend 1.498,6 kg 49,45 kg Typ 91 2.740 mm 409 mm zwei B-2(b) 1942 entwickelt, bei Kriegsende Produktion angelaufenUSNTMJ, O-23 S. 37.
mini|Eine Fliegerbombe Typ 99 No. 80 BM 5, die beim Überfall auf Pearl Harbor 1941 von einem B5N-Bomber abgeworfen wurde und das Schlachtschiff West Virginia getroffen hat, explodierte nicht und blieb auf dem Panzerdeck zurück. Hier sind bereits beide Zünder aus dem Blindgänger entfernt worden.
Raketen und raketenunterstützte Bomben Die Japaner entwickelten eine begrenzte Anzahl von Bomben, deren Fallgeschwindigkeit durch einen Raketenmotor künstlich gesteigert wurde und einige ungelenkte Raketenmodelle, die für die Bekämpfung von Land-, See- oder Luftzielen vorgesehen waren. Sie gehören streng genommen nicht zur „Abwurfmunition“, wurden aber in den entsprechenden Untersuchungsberichten der US-Marine nach dem Krieg gemeinsam mit Fliegerbomben als „rocket bombs“ aufgelistet. Nur drei dieser Modelle kamen tatsächlich zum Einsatz – die panzerbrechende Bombe Typ 3 No. 25 BM 4, die Luft-Luft-Rakete Typ 3 No. 6 BM 27 und die Rakete Yokosuka MXY-7 für Selbstopfereinsätze.