Marie Madeleine d’Arsant de Puisieux () (* 28. November 1720 in Paris; † 12. Aprilentspricht dem 23. Germinal VI 1798 ebendaGenealogische Dokumentation, auf geneanet.org dennoch ist die Quellenlage bezüglich der exakten Geburts- und Sterbedaten, Tag und Monat, unsicher) war eine französische Schriftstellerin und frühe Feministin.Kurze Biographie in französischer Sprache„Puisieux, Madeleine de (1720–1798).“ Dictionary of Women Worldwide: 25,000 Women Through the Ages, auf Encyclopedia.com. 23. Februar 2024

Biografie

Als sie zwei Jahre alt war, starb ihr Vater.Madeleine de Puisieux: Réflexions et avis sur les défauts et les ridicules a la mode. Pour servir de suite aux conseils à une amie, Paris, Brunet, 1761, S. 69, auf gallica.bnf.fr Vom zwölften bis siebzehnten Lebensjahr besuchte sie den schulischen Unterricht am Port Royal des Champs.Madeleine de Puisieux: Conseils à une amie, par Madame de P***. Paris 1749, S. IIIAntonette Josepha Merritt: Madame de Puisieux: Moraliste et roivancière (1720–1798). Doctoral. Thesis, Indiana University, 1978, auf prism.ucalgary.ca S. 2 1750 lernte Madeleine d’Arsant den Anwalt und französischen Botschafter in der Schweiz Philip Florent de Puisieux aus Meaux kennen.Robin Stille: La Figure Multiple Du Père Dans Les Romans De Madeleine de Puisieux. Dissertationsschrift, Simon Fraser University, April 1999, auf nlc-bnc.ca S. 101 Beide heirateten, die Ehe blieb kinderlos. Madeleine d’Arsant de Puisieux hatte zahlreiche Romane sowie Abhandlungen über die Moral geschrieben. Sie war zeitweise eine Geliebte und Partnerin von Denis Diderot, erstmals traf sie mit ihm 1745 zusammen.Kra Pauline: Laborde (Alice M.). Diderot et Madame de Puisieux. Revue belge de philologie et d’histoire, Année 1986, Volume 64, Numéro 3, S. 674–675 Denis Diderots erster Roman Les bijoux indiscrets (1748) wurde laut der Tochter Marie-Angélique Diderot (1753–1824) innerhalb von zwei Wochen aus Anlass einer Wette verfasst, bei der ihr Vater behauptet hatte, die erotischen Romane der Zeit seien quasi Dutzendware, die auch er zu fabrizieren in der Lage sei. Das Honorar sei an Madeleine de Puisieux gegangen. Sie ist die Adressatin von Diderots Brief über die Blinden. Wegen des Romans Les bijoux indiscrets aber auch anderer Texte, wurde Diderot am 20. Juni 1747 bei der Polizei angezeigt. Als Diderot einem Verhör unterzogen wurde, bestritt er zunächst jegliches Fehlverhalten, gestand dann aber am 11. August 1750 seine Rolle bei der Entstehung des Textes und brachte auch Madeleine de Puisieux als die verantwortliche Partei mit zu Protokoll.Francesca Canadé Sautman: Les Bijoux Indiscrets. Encyclopedia of Sex and Gender: Culture Society History.21. Februar 2024, auf encyclopedia.com

Die damals fünfundzwanzigjährige Madeleine hatte Diderot 1745 kennengelernt, beide trennten sich um 1750 – in der Zeit von Diderots Inhaftierung im Château de Vincennes – das Werk Les Caractères war ihre zweite Publikation überhaupt und wurde möglicherweise in Zusammenarbeit mit Diderot geschrieben, obwohl die Autorin dies in der Vorrede zum zweiten Teil bestritt. Wahrscheinlich aus einer Enttäuschung über die Trennungsphase im Anfang der 1750er Jahre, beschloss de Puisieux 1751, dem ersten einen zweiten Teil folgen zu lassen, in dem sie mehrfach über Diderot sprach. Laut Laborde hätte sich die Beziehung, Freundschaft oder Zusammenarbeit zwischen Puissieux und Diderot noch bis 1768 fortgesetzt.Kra Pauline: Laborde (Alice M.). Diderot et Madame de Puisieux. Revue belge de philologie et d’histoire, Année 1986, Volume 64, Numéro 3, S. 674–675, S. 675 1755 trat Diderot in Kontakt zu Sophie Volland.

Madeleine de Puisieux werden nach heutigem Kenntnisstand auch die Texte mit dem Titel La Femme n’est pas inférieure à l’homme (1750) und Le Triomphe des dames (1751) zugeschrieben, welche lange Zeit als Produktionen ihres Ehemanns Philip Florent de Puisieux angesehen worden waren. Philip Florent de Puisieux war Rechtsanwalt am Parlement von Paris, aber auch Schriftsteller und Botschafter Frankreichs in der Schweiz, ambassadeur de France en Suisse.

Ein häufiges Thema oder Sujet in ihren Texten ist für Puisieux, die „Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung“, die sie durch das „Erkennen und Akzeptieren des eigenen Platzes im Leben“ zu erreichen gedenkt. Dabei folgt Puisieux nicht der Idee, dass Individuen ihr Schicksal bestimmen könnten, so schrieb sie, dass „(…) toute la bonne conduite imaginable ne donne pas le bonheur (…)“ (ungefähre Übersetzung: „das beste Verhalten, das man sich vorstellen kann, kein Glück bringt“Madeleine de Puisieux: Les Caractères. Londres [Paris], S.n., 1750–1751 alle Zitate aus M. P. Schaller S. 114 nach Madeleine de Puisieux: Les Caractères. Londres [Paris], S.n., 1750–1751 S. 227). Vielmehr seien es für sie, die Kombinationen von Ereignissen die uns kontrollierten, darin aber völlig zufällig und unvorhersehbar.Margaret P. Schaller: An Alternative Enlightment: The Moral Philosophy of Jeanne Marie le Prince de Beaumont (1711–1780). Dissertationsschrift Florida Atlantic University, Boca Raton, Florida 2008, auf fau.digital.flvc.org S. 114 Es sei dieses „willkürliche Schicksal“, das sie zu einer Frau gemacht habe, einen Umstand, den Madeleine de Puisieux innerlich ablehnte „(…) Je suis femme, et fachee de l'etre comme toutes les autres (…)“ (ungefähre Übersetzung: (…) Ich bin eine Frau und wütend darüber, wie alle anderen auch (…)Margaret P. Schaller: An Alternative Enlightment: The Moral Philosophy of Jeanne Marie le Prince de Beaumont (1711–1780). Dissertationsschrift Florida Atlantic University, Boca Raton, Florida 2008, auf fau.digital.flvc.org alle Zitate aus M. P. Schaller S. 114 nach Madeleine de Puisieux: Les Caractères. Londres [Paris], S.n., 1750–1751 S. 235). Dennoch adaptierte sie sich an der „Bienséance“zu , z. B. les règles de la bienséance ‚Regeln des Anstandes‘, das heißt alles (moralisch) Anstößige durfte nicht gezeigt, sondern nur berichtet werden ihrer Zeit und den Restriktionen, die der „Anstand dem Verhalten von Frauen“ auferlegten. Ferner ist in diesem Zusammenhang und den oft kritischen Äußerungen ihrer Person gegenüber zu konstatieren, dass ihre Publikationen und ihre Anbindung in den Kreisen der Enzyklopädisten, in den „gesellschaftlichen Netzwerken“ oder communauté à la lumière Paris, eine gewisse Provokation darstelltenPhilip Nicholas Furbank: Diderot. A critical biography. Secker & Warburg, London 1992, ISBN 0-436-16853-7, S. 42–44; 48.; so führte Gert PinkernellGert Pinkernell: Namen, Titel und Daten der französischen Literatur. Ein chronologisches Repertorium wichtiger Autoren und Werke von 842 bis ca. 1960. 3. Ausgabe als elektronische Publikation der UB Wuppertal (2014), auf gert-pinkernell.de im Zusammenhang seiner Beschreibung von Denis Diderot, eine Charakterisierung von Mme. de Puisieux als aventurière an.Biographie - Französische Literatur, auf zeno.org Eine Bezeichnung, die das „Dictionnaire de Trévoux“ mit der Konnotation eines (moralisch) fragwürdigen Lebenswandels, oder positiv einer selbstbewussten, intellektuell eigenständigen und freizügigen weiblichen Person beschreibt.Michael Nerlich: Kritik der Abenteuer-Ideologie. Teil 2. Walter de Gruyter, Berlin 2022, ISBN , S. 550, Fußnote 448, auf books.google.de

Bezüglich der Beurteilung eines Partners in einer Beziehung schrieb sie:

Puisieux schrieb ein Ratgeberbuch für Mädchen, die in der Absicht veröffentlicht wurden der jüngeren Generation von heranwachsenden Frauen zu helfen.

Ihre Publikationen fanden Anerkennung durch Ludwig XV., nach dem Tod des Monarchen im Jahre 1774 ließ sie sich mit ihrem Ehemann nieder und erhielt ab dem Jahre 1795 durch den französischen Nationalkonvent, der ersten französischen Republik, eine Pension für ihre Schrift Prospectus sur un ouvrage important (1736).Biographische Informationen zu Madeleine de Puisieux, auf babelio.com Alice M. Laborde: Diderot et Madame de Puisieux. Anma Libri, Saratoga 1984, ISBN 0-915838-54-0, S. 27; 50

Überhaupt verwendete sie verschiedene Pseudonyme für ihr literarisches Schaffen, so Mme de P, Madame de P ***, Madame de P und eben Miledi P ***. Ihr literarisches Werk umfasst einige unveröffentlichte poetische Arbeiten, vier moralistische Texte, sechs Novellen, zwei Conte, eine Comédie und einen pädagogischen Prospectus.Antonette Josepha Merrit: Madame de Puisieux. Dissertationsschrift, University of Calgary, Calgary (Alberta) 1993, auf prism.ucalgary.ca S. 3

Zeitgenössische Beschreibungen Françoise de Graffigny, eine französische Schriftstellerin und Salonnière beschrieb einen Besuch und Konventionsbruch von Madeleine de Puisieux wie folgt: Mme de Puisieux arriva chez Graffigny ‚coiffée a la belle oreille, decoletée comme une catin, parée comme une mariée, et dans un fiacre sans laquais.‘ (ungefähre Übersetzung: Madame de Puisieux kam bei Graffigny an, „ihre Frisur ohrfrei, einen wie eine Hure geschnittenem Ausschnitt, gekleidet wie eine Braut und in einem Fiaker ohne Lakaien.“)Dorothy Pendleton Helm Arthur: Autour de Cénie : Le témoignage épistolaire de Françoise de Graffigny sur son succès théâtral en 1750. Dissertationsschrift, Georgetown University, Providence, Rhode Island 2009, auf zitiert nach S. 195 Aus den weiteren Äußerungen ist weiter unbestreitbar, dass Graffigny sich 1750 mehrmals weigerte Mme de Puisieux zu empfangen.Dorothy Pendleton Helm Arthur: Autour de Cénie : Le témoignage épistolaire de Françoise de Graffigny sur son succès théâtral en 1750. Dissertationsschrift, Georgetown University, Providence, Rhode Island 2009, auf S. 27

Die einzige Tochter Diderots, die Cembalistin Marie-Angélique de Vandeul (1753–1824)Claudia Schweitzer: Diderot, (Marie-)Angélique, verh. Vandeul. Sophie Drinker Institut, auf sophie-drinker-institut.de , stellte in ihren Mémoires pour servir à l’histoire de la vie et des ouvrages de DiderotMarie-Angélique de Vandeul: Mémoires pour servir à l’histoire de la vie et des ouvrages de Diderot J. Assézat et M. Tourneux, Garnier, Paris 1875, auf fr.wikisource.org Madeleine de Puisieux in einer negativen Beschreibung und von moralisch zweifelhaften Ruf dar.Antonette Josepha Merrit: Madame de Puisieux. Dissertationsschrift, University of Calgary, Calgary (Alberta) 1993, auf prism.ucalgary.ca S. 4–5

Jeanne Marie Phlipon schriebzitiert aus Arthur M. Wilson: Diderot. Oxford University Press, New York 1972, ISBN 0-19-501506-1, S. 66, Fußnote 37, S. 731 ebenfalls wenig schmeichelhaft: „Eine Person, welche ich traf, als sie sechzig Jahre alt war, sprach von ihrer ‚Lächerlichkeit‘ und ihrem ‚Mangel an Urteilsvermögen‘ und ‚intellektueller Kraft‘, obwohl sie offensichtlich davon überzeugt war, beides in höchstem Maße zu besitzen. Zu diesem Zeitpunkt war Frau de Puisieux gebückt und zahnlos geworden, aber sie behielt alle kleinen Allüren und Affekte bei, die selbst für ein junges Mädchen kaum erträglich sind.“

La Femme n’est pas inférieure à l’homme (1750) Die Schrift, als essayistischer Aufsatz verfasst, mit dem Untertitel La Femme n’est pas inférieure à l’homme. Dissertation : Dans laquelle on prouve que la Femme n’est pas inférieure à l’Homme. (ungefähre Übersetzung: „Die Frau ist dem Mann nicht unterlegen. Aufsatz: Darin beweisen wir, dass die Frau dem Mann nicht unterlegen ist.“) wurde 1739 mit dem Pseudonym Miledi P***, in London in französischer Sprache publiziert. Später kommt es zu weiteren Auflagen mit veränderten Titeln; Madeleine de Puisieux wird als die Autorin angesehen.Samia Spencer (Hrsg.): Writers of the French Enlightenment. Indiana University Press, Bloomington 1984, ISBN 0-253-32481-5, auf library.oapen.org